54. Jahrgang Nr. 4 / Juni 2024
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1. Weihnachten einmal anders: „Mama Merkel baut uns ein Haus“
2. Legende von der Christrose
3. „Er sah ihn und ging vorüber“ – Priester ohne kirchliche Sendung: das Legitimitätsproblem
4. Kann man die römisch-katholische Kirche verlassen? 2. Offener Brief an die Redaktion der EINSICHT
5. Die Bergpredigt
6. Vernichtung keimenden Lebens
7. Du sollst nicht falsches Zeugnis geben wider deinen Nächsten - Internet - Segen oder Fluch?
8. Buchbesprechung:
9. NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN...
10. Mitteilungen der Redaktion
Legende von der Christrose
 
Legende von der Christrose

Vor langer Zeit, als noch der Norden
im Bann des Heidentumes lag
und schrittweise nur die neue Lehre
durch fromme Priester Bahn sich brach,
da thront auf stolzem Edelsitze,
umringt von seinem Hofgesind
ein mächtiger Fürst,
germanschen Stammes,
mit Helga, seinem holden Kind.

Verhasst war ihm der Christenglaube,
schwertlosen Mann hielt er nicht wert.
Doch Helga, der die fromme Amme
vom Christuskinde hat erzählt,
hat sich den stillen, sanften Jesus
zum Herzenskönig auserwählt.

Mit Stürmen geht das Jahr zu Ende.
Es türmet sich der Schnee zu Hauf,
da sieht das Mädchen am Kamine
zum finstern Vater fröhlich auf.
"Oh Vater, morgen ist Weihnachten",
sie streicht das blonde Haar zurück
"Ja, morgen ist das Fest der Freude!"
Ihr Stimmchen bebet schier vor Glück.

"Schweig mir mit deinen Ammenmärchen,
der weise Gott gefällt mir nicht,
der immer nur von Feindesliebe,
von Frieden und Versöhnung spricht.
In meinem Gau gilt noch die Regel:
der starke Herr,
der schwache Knecht.
Ein König ohne Schmuck und Waffen,
von dem man nichts gewisses weiß,
der steht bei uns nicht hoch im Preis.

Wo ist sein Land? Wo seine Leute?
Mit Dornen hat man ihn gekrönt.
Am Schandpfahl musst er schmählich enden."
Klein Helgas Vater grimmig höhnt:
"Eh ich dem Christengott mich beugte
und unterm Kreuze sollte knien.
eh müssten hier vor meinem Auge
die Rosen unterm Schnee erblühn."

Klein Helgas Augen stehn in Tränen,
ihr Herz zuckt bei dem schlimmen Wort.
Es zieht sie aus des Vaters Nähe
zum dichtverschneiten Walde fort.
Dort, wo das Reh nur leise schreitet,
kniet nieder sie in ihrer Not.
Sie faltet fromm die kleinen Hände
und betet zu dem Christengott:
"Herr Jesus in der Herrlichkeit,
dein Reich ist groß,
dein Arm reicht weit.
Du hast mit deiner Wundermacht
viel größeres dereinst vollbracht.

Erhöre eines Kindes Flehn,
lass auch ein Wunder heut geschehn,
dass Vater deine Allmacht schaut
und an dich glaubt und dir vertraut.
Schaff Rosen, Herr,
wie er begehrt,
dass sich sein Fluch in Segen kehrt.
Ich weiß, du kannsts,
ich glaube fest, dass du, Herr,
dein nicht spotten lässt."

Getröstet geht das Kind nach Hause.
Bald bricht die Heilige Nacht herein.
In weißer Hülle liegt die Erde,
vom Himmel flattert Sternenschein.

Da tritt ein Engel in die Kammer,
in der das Mädchen friedlich schlief.
Er trug ein Pflänzchen in den Händen
und grub es in die Erde tief.
"Du sollst ein Zeugnis sein des Höchsten,
dass frommer Glaube Wunder schafft.
Blüh denn zum Preis des Jesuskinds
um Weihnacht stets mit neuer Pracht."

Am Morgen, als der Graf erwachte,
wollt er den Augen nimmer traun,
denn unter Helgas Fenster
waren die schönsten Rosen anzuschaun.
Da schmilzt sein Trotz
wie Schnee im Frühling,
anbetend sinkt er in die Knie,
und Helga schlingt um ihn die Arme:
"Christrosen, Vater!",
jubelt sie!

(Verfasser unbekannt)

 
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