49. Jahrgang Nr. 2 / Mai 2019
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1. Himmelfahrt Christus im Herzen
2. Das Dokument von Abu Dhabi
3. Die Gottesfrage
4. Ich rufe dich bei Deinem Namen: Mein bist Du
5. Motiv einer neuen Erziehung
6. Das entwurzelte Kind
7. Buchbesprechung:
8. Mitteilungen der Redaktion
9. Nachrichten, Nachrichten, Nachrichten...
10. Hinweis der Redaktion
Himmelfahrt Christus im Herzen
 
Himmelfahrt - Christus im Herzen

vom
Hl. Augustinus

[120] «Wenn ihr mich liebtet, so würdet ihr euch freuen, daß ich zum Vater gehe, denn der Vater ist größer als ich» (Joh 14,28). Festgebannt an den Menschen, vermochten sie Gott nicht zu denken. Erst dann würden sie Gott denken, wenn von ihnen und von ihren Augen der Mensch hinweggenommen würde, und sie durch Aufhebung jenes gewohnten Umgangs mit dem Fleische lernten, auch in Abwesenheit des Fleisches die Gottheit zu denken... „Dieses Gewand, das ich in Niedrigkeit anzog, sollt ihr nun allmählich nicht mehr sehen: doch soll es in den Himmel hinaufgehoben werden, auf daß ihr lernet, was ihr zu erhoffen habt.“ Denn nicht zog er hienieden das Kleid wieder aus, das er hienieden angezogen. Hätte er es getan, so müßten alle an der Auferstehung des Fleisches verzweifeln... Aber freilich entzog sich ihren Augen der menschliche Anblick, und fortan sahen sie den Menschen nicht mehr. Wenn in ihren Herzen eine Spur von fleischlicher Sehnsucht zurückblieb, so mußte diese gleichsam Betrübnis empfinden. Dennoch versammelten sie sich alle und begannen zu beten. Er aber wollte ihnen nach zehn Tagen den Heiligen Geist herabsenden, damit der Heilige Geist sie mit geistiger Liebe erfülle und die fleischlichen Sehnsüchte verzehre. Der ließ sie Christus begreifen, so wie er Wort Gottes war, Gott bei Gott, durch den alles geschaffen ward. Mit solchem Begreifen aber konnten sie erst erfüllt werden, nachdem sich die fleischliche Liebe ihren Blicken entzog.

Und darum sagt er: «Wenn ihr mich liebtet, würdet ihr euch freuen, daß ich zum Vater gehe, denn der Vater ist größer als ich.» Gemäß dem Menschen ist er größer als ich, gemäß Gott ist er gleich groß... So wie einer, der ein Gewand anzieht, sich nicht in das Gewand verwandelt, sondern innen der unversehrte Mensch bleibt: auch wenn ein Senator ein Sklavengewand anzieht, wenn er vielleicht nicht mit dem Senatorengewand in den Kerker eintreten kann, um einen Gefangenen zu trösten, sondern ein Gefängnisgewand anzieht, und er scheint in seiner Herablassung schmutzig einherzukommen, innen aber bleibt die Senatorenwürde um so unversehrter, je größer das Erbarmen war, das ihn zum Anziehen des niedrigen Gewandes bewog -: so ist auch der Herr, bleibend Gott, bleibend Wort, bleibend Weisheit, bleibend göttliche Macht, bleibend in der Lenkung der Himmel, bleibend in der Verwaltung der Erde, erfüllend die Engel, ganz allenthalben, ganz in der Welt, ganz in den Patriarchen, ganz in den Propheten, ganz in allen Heiligen, ganz im Schoße der Jungfrau [herabgestiegen], um sich mit Fleisch zu bekleiden, das Fleisch wie eine Braut sich anzutrauen, um «aus seinem Brautgemach wie ein Bräutigam hervorzugehen» und sich der Kirche, der reinen Jungfrau, anzuverloben. Dazu ist er geringer als der Vater, als Mensch; dem Vater aber gleich, als Gott.

So hebet also hinweg die fleischlichen Gelüste. Als spräche er zu den Aposteln: „Ihr wollt mich nicht ziehen lassen, so, wie ein jeder seinen Freund zurückhalten will und ihm gleichsam sagt: Bleib noch ein Weilchen bei uns, unsere Seele erlabt sich, wenn sie dich sieht; -aber besser ist es, ihr seht dieses Fleisch nicht mehr und denket der Gottheit. Äußerlich hebe ich mich hinweg von euch, und mit mir selber erfülle ich euch inwendig.“ Tritt denn etwa nach dem Fleisch und mit dem Fleische Christus ins Herz ein? Nach der Gottheit besitzt er das Herz: nach dem Fleische spricht er durch den Anblick zum Herzen und ermahnt von außen, wohnend darinnen, daß wir nach innen hin uns bekehren und belebt werden von ihm und gebildet werden aus ihm, dem unerschaffenen Urbild aller Gebilde. (aus: Das Antlitz der Kirche, Auswahl: v. Balthasar, Köln 1955, S. 165 f.)


Das Dokument von Abu Dhabi:
„Der Pluralismus (...) in Bezug auf Religion (...)
entspreche einem weisen göttlichen Willen“

von
Eberhard Heller

Anfang Februar dieses Jahres (3. bis 5.2.) hat Franziskus/Bergolio die Vereinigten Arabischen Emirate besucht und ist in Abu Dhabi von dem Kronprinzen der Emirate, Mohammed bin Said al-Nahjan, dem großer Einfluß in der Region zugeschrieben wird, empfangen worden. Der Besuch gilt als historisch, Franziskus/Bergolio ist der erste sog. „Papst“, der die Arabischen Emirate besuchte, um den Dialog mit dem Islam zu führen. Das Treffen fand erhebliches öffentliches Interesse, war es doch das erste Mal, daß ein „Papst“ mit den religiösen Führern der arabischen Welt zusammentraf, um seine Ideen von Frieden und Zusammenleben in einer multi-religiösen Welt vorzutragen. „Auf einem interreligiösen Treffen mit hunderten Teilnehmern verschiedener Konfessionen in Abu Dhabi prangerte der Papst die "katastrophalen Folgen" von Kriegen an. Die Zeit sei gekommen, "dass die Religionen sich aktiver, mutig, kühn und aufrichtig dafür einsetzen, der Menschheitsfamilie zu helfen, ihre Fähigkeit zur Versöhnung, ihre Vision der Hoffnung und konkrete Wege zum Frieden weiterzuentwickeln", sagte Franziskus. "Ich denke dabei insbesondere an Jemen, Syrien, Irak und Libyen." Von seinem Gastgeber forderte Franziskus mehr Engagement gegen Kriege und Ungleichheit. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hätten in "dieser heiklen geschichtlichen Situation" die Aufgabe, "einen aktiven Beitrag zur Entmilitarisierung des menschlichen Herzens zu leisten". Für den Nahen Osten wünscht er sich  "Gesellschaften, in denen Menschen unterschiedlicher Religionen das gleiche Heimatrecht genießen". (http://www.spiegel.de/ panoramagesell-schaft/papst-franziskus-in-abu-dhabi)

Der Regent, Mohammed bin Said al-Nahjan soll den Besuch Bergolios benutzt haben, um sich und sein Land als "Leuchtturm der Toleranz, Zurückhaltung und des friedlichen Zusammenlebens" zu präsentieren, so der Vorwurf von „Missio“. Nach dem Verfolger-Index von „Open Doors“, die jährlich über die Verfolgung der Christen weltweit berichten und in einer Skala von 1  bis 50 die Länder auflisteten, in denen Christen verfolgt werden, stehen die Vereinigten Arabischen Emirate an 45. Stelle. Nach einem Bericht des katholischen Hilfswerks Missio „dürfen Katholiken in den Emiraten ihren Glauben praktizieren und Kirchen bauen. Wahre Religionsfreiheit herrscht aber auch hier nicht. So dürfen Muslime nicht zum Christentum konvertieren. Eine Konversion könne "sozialem Selbstmord gleichkommen". (a.a.O.)

Was weniger bekannt wurde, ist die Unterzeichnung eines Dokumentes von Bergolio und dem Scheich Ahmed al-Tajib, dem Großimam der Al-Azhar-Universität in Kairo, in dem die Absicht bekundet wird, die Brüderlichkeit von Muslimen und Christen festzuschreiben. Der Scheich betonte, „alle, die in ihrem Herzen an Gott und Menschlichkeit glauben“, sollten sich gemeinsam gegen Extremismus und für Toleranz und Brüderlichkeit einsetzen. " (a.a.O.)

Dieses Dokument, welches auf den ersten Blick nur so von guten Absichten trieft, hat es aber bei genauerer theologischer Betrachtung in sich. Da ist zunächst von beiden Seiten die Rede von „Gott“. Gott und Allah werden prinzipiell gleichgesetzt, so, als ob die Gottesvorstellung der Christen mit der des Islam identisch wäre. So wird z.B. die Lehre von der Trinität Gottes – ein Gott in drei Personen: Vater, Sohn und Hl. Geist – vom Islam als Polytheismus abgelehnt, ebenso die Offenbarung Gottes in seinem Sohn, der zu uns kam, um uns seine Liebe bzw. Über-Liebe (Sühneliebe) zu bringen. Der in das Dokument eingebrachte Gottesbegriff verkommt so zur reinen Worthülse. Hier wird nur verallgemeinert wiedergegeben, was schon in „Lumen gentium“ und „Nostra Aetate", Art. 3, steht, wo es heißt: „Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslime, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat".

Doch Bergolio geht in dem Dokument noch einen gewaltigen Schritt auf dem Weg in den totalen Synkretismus weiter. So heißt es u.a.: „Die Freiheit ist ein Recht jedes Menschen: ein jeder genießt Bekenntnis-, Gedanken-, Meinungs- und Handlungsfreiheit. Der Pluralismus und die Verschiedenheit in Bezug auf Religion, Hautfarbe, Geschlecht, Ethnie und Sprache entsprechen einem weisen göttlichen Willen, mit dem Gott die Menschen erschaffen hat. [Hervorhebung vom Autor] Diese göttliche Weisheit ist der Ursprung, aus dem sich das Recht auf Bekenntnisfreiheit und auf die Freiheit, anders zu sein, ableitet. Deshalb wird der Umstand verurteilt, Menschen zu zwingen, eine bestimmte Religion oder eine gewisse Kultur anzunehmen wie auch einen kulturellen Lebensstil aufzuerlegen, den die anderen nicht akzeptieren.“ (Vatican news)

Also die vielen Religionen entsprechen dem„weisen göttlichen Willen, mit dem Gott die Menschen erschaffen hat.“ Also „Gott“ will,
-    daß der Buddhismus von einem Sein ausgeht, das sich in Nichts, im Nirwana auflösen soll, während das Christentum den umgekehrten Weg, nämlich vom Nichts zum Sein, d.h. in der Anschauung Gottes enden soll;
-    daß der Islam seine Ausbreitung mit „Feuer und Schwert“ betreiben kann, während das Christentum seine Mission erfüllt, in dem es sich für freie Überzeugungen einsetzt. Der Schwertvers ist nur ein Teil des fünften Verses der 9,5 Sure (Surat at-Tauba): „Und wenn nun die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Heiden, wo (immer) ihr sie findet, greift sie, umzingelt sie und lauert ihnen überall auf!“  Der Schwertvers abrogiert gemäß der klassischen juristischen Koranexegese alle anderen Koranverse über den Umgang mit Nichtmuslimen, die „mit Feuer und Schwert“ vom Propheten Mohammed angeordnet wurde.
-    daß Kirchen zerstört und die Gläubigen ermordet werden – Open Doors listet über 200 Millionen Christen auf, die besonders im muslimischen Staaten verfolgt, drangsaliert und getötet werden, Ägypten ist auf Platz 16. In Nigeria allein wurden in den letzten Wochen 120 Christen ermordet, von denen keine Nachrichtenagentur berichtet außer die „Christian Post“, wonach muslimische Fulani-Islamisten im Bundesstaat Kaduna die Christen getötet hatten, allein in der letzten Woche waren es 50 Christen;
-    daß in Europa, besonders aber in Frankreich der Antisemitismus wieder fröhliche Urstände feiert, den die aus Arabien eingewanderten Flüchtlinge verbreiten;
-    daß Gott es will, daß Sein Sohn als „Gotteslästerer“ gilt, der zu Recht zum Tode verurteilt wurde, wie es die modernen Rabbiner sagen.
-    
Die Liste von Widersprüchen ließe sich beliebig fortsetzen. All die aufgeführten Greuel hat „Gott“ nach den Vorstellungen der Unterzeichnern – d.s. Bergolio und Scheich Ahmed al-Tajib -, in seiner „Weisheit“ gewollt. Damit wird „Gott“ zum Verbrecher, der für alle Streitigkeiten, die aus der Verschiedenheit der Religionen herrühren, verantwortlich gemacht werden muß. Der Scheich muß sich zudem fragen lassen, ob er noch auf dem Boden des Koran steht, wenn er folgenden Text unterschreibt: „Es ist auch wichtig, die allgemeinen gemeinsamen Menschenrechte zu festigen, um dazu beizutragen, ein würdiges Leben für alle Menschen im Westen und im Osten zu gewährleisten“, wenn der Prophet die Tötung der Ungläubigen anordnet, was auch Khomeini vertrat, nämlich „freiwillig in diesen Eroberungskrieg zu ziehen, dessen Endziel es ist, das Gesetz des Korans von einem Ende der Welt bis zum anderen regieren zu lassen“.  



Die Gottesfrage

von
Bischof Dr. Günther Storck +

Zitiert nach: Beiträge Nr. 144, Februar - März 2019

Fortsetzung:
(Teil 18) Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes! Amen. Liebe Brüder und Schwestern in Christus, unserem Herrn!

Wir stehen noch bei der Thematik der christlichen Gottesfrage, und ich möchte Ihren Blick heute auf ein ganz bestimmtes Thema lenken. Wir haben ja beim letzten Mal die eigentlich christlich-religiöse Thematik aufgegriffen und haben von der Trinität gesprochen: Dadurch, dass Gott trinitarisch ist, kann Er sich offenbaren! Kann Er sich offenbaren und kann den Menschen Anteil an Seiner Liebe geben! Das ist ja das Entscheidende dieser Offenbarungsreligion des Christentums: Gott offenbart sich in Seinem Sohn, Er schenkt den Heiligen Geist, und durch die Gabe des Heiligen Geistes können wir an Gott Anteil haben! Die mittelalterliche und die neuzeitliche Theologie hat das unter dem Begriff der "Übernatur" gerade erfasst: Diesen Charakter der Offenbarungsreligion, dass wir durch die Selbstmitteilung Gottes, durch die Offenbarung Gottes an Gott selbst Anteil gewinnen! Und dadurch ist eigentlich die Vollendung im Sinne der Offenbarungsreligion möglich! Jetzt braucht der Mensch nicht mehr seinen eigenen Wünschen, Vorstellungen, Plänen, Interessen nachzujagen, die ihm doch letztlich das nicht schenken und gewähren, was er sucht. Jetzt kann er Gott lieben, unmittelbar lieben, und jetzt findet er dadurch, dass er Gott lieben kann, auch die Erfüllung in seinem Herzen!

Denken Sie noch einmal - ich habe das wiederholt erwähnt -, dass der Mensch ja Ebenbild Gottes ist. Das ist die Aussage der Offenbarungsreligion vom Menschen. Der Mensch ist Ebenbild Gottes, das heißt, er findet nur in der Begegnung mit Gott seine Erfüllung! Alles andere, was er sich vornehmen mag, es mag noch so schön und gut und sinnvoll sein, - es kann diese Unruhe des Menschen, der von Gott stammt und der nach Gott sich sehnt, - diese Unruhe des Menschen nach Gott nicht erfüllen! Immer scheitert der Mensch, wenn er innerweltliche Ziele zu seinem „Absolutum" macht, an die Stelle Gottes als "Götzen" zu setzen versucht! Und er macht die Erfahrung einer oft sehr tief gehenden Enttäuschung, er macht die Erfahrung, dass dieser Götze nicht der lebendige Gott ist, dass er den lebendigen Gott gerade verfehlt hat!

Ich möchte Ihren Blick, wie angedeutet, jetzt auf etwas Besonderes hinlenken, darauf, dass dieser trinitarische Gott ja gerade die Bedingung der Möglichkeit dafür ist, dass Gott sich offenbaren kann. Achten Sie jetzt darauf - ich kann das mit einem sehr schönen und tiefen Satz des heiligen Bonaventura (1221 -1274), dieses franziskanischen Kirchenlehrers und Bischofs, einmal angeben: Der heilige Bonaventura sagt einmal in einem Satz, der auch sonst durchaus bekannt und verbreitet ist: Die Liebe verströmt sich, sagt er einmal, „amor est diffusivus sui" - die Liebe verströmt sich! Und so ist es bei Gott auch! Die Liebe Gottes verströmt sich! Gott erschafft die Schöpfung aus Liebe! Er schafft den Menschen aus Liebe! Und wozu erschafft Er ihn? Damit der Mensch wieder lieben kann, die liebe Gottes erwidern kann!

Gott offenbart Seinen Sohn, damit der Mensch unmittelbar Gott lieben kann als andere Person, die ihm gegenübertritt! Und Gott schenkt Seinen Heiligen Geist, damit der Mensch die Liebe Gottes, die ihm in Christus begegnet, so erwidern kann, wie Gott, wie Christus sie fordert, wie Christus sie schenkt und in der Antwort auf Seine Liebe erwartet!

Denken Sie immer an das nahezu anstößige Wort, das aber zum Wesen der Offenbarung gehört: Wir sollen Gott so lieben, wie Er uns liebt! Dann erst ist die Liebe vollkommen! Und machen Sie sich immer klar: An diesem Anspruch Gottes werden wir auch gemessen! Gott hat uns den Heiligen Geist geschenkt, und in der Kraft dieses Heiligen Geistes können wir gerade diese Liebe Gottes erwidern und sollen wir sie dann auch erwidern! Die Liebe verströmt sich!

Und jetzt sehen wir noch einmal und noch viel deutlicher den Sinn der Schöpfung! Was ist denn der Sinn der Schöpfung? Ich habe eben schon gesagt: Gott erschafft die Welt und vor allem den Menschen, die Vernunftnatur, als Zentrum der Schöpfung aus Liebe! Und warum erschafft Er sie? Damit sie lieben kann! Und deshalb offenbart Er sich in Seinem Sohn, dass diese Vernunftnatur, und zwar in dieser bösen Welt durch die Erlösung hindurch, durch das Kreuz hindurch, von der Sünde frei die Antwort auf die Liebe Christi geben kann!

Sie sehen: Wir dürfen uns nicht vorstellen, dass es mit der materiellen Schöpfung, auch der Schöpfung des Menschen, sein Bewenden habe. Der Sinn dieser Schöpfung ist gerade die Offenbarung der Liebe Gottes und die Erwiderung der Liebe von Seiten des Menschen! Gott erschafft aus Liebe, und was will Gott mit der Erschaffung? Er will eine Welt der Liebe! So könnte man es sagen! Er will nicht nur, dass die Liebe im Himmel schon realisiert ist, sondern Er will sie auch in einer Schöpfung der Menschen realisieren! Gott will die Liebe! Und deshalb schafft Er die Freiheit! Hier ist der Sinn, der positive Sinn der Freiheit!

Wenn Gott die Liebe will, dann heißt das: Er will Geschöpfe, die die Liebe aus Freiheit erwidern und beantworten! Das ist der Sinn der Freiheit! Und deshalb musste Gott die Freiheit wollen! Wollte Er nicht die Freiheit, hätte er auch nicht die Liebe als freie Antwort auf Seine Liebe wollen können! Das heißt aber, dass der Mensch "Ja" und "Nein" sagen kann. Aber auch das "Nein" des Menschen - wir wissen das aus der Geschichte der Erbsünde, dieser bösen Geschichte - kann die Verwirklichung dessen, was Gott will und ermöglicht, nicht verhindern!

Das ist der Sinn der Kirche: die Ermöglichung einer Gemeinschaft der Liebe auf den Anruf Gottes und ebenso die Verwirklichung der zwischenmenschlichen Liebe. Die Gottes- und Nächstenliebe in einem, so könnte man sagen.

Und denken Sie daran, auf diese Weise schafft Gott gerade die Verwirklichung des Gottesreiches! Dass diese Welt, jedenfalls die Menschen, die in ihr das Gute wollen, durch die Erwiderung der Liebe Gottes gerade "Ja" sagen zu Gott und dann einmal Anteil haben an dieser Welt Gottes, an dieser Welt des Lichtes Gottes, damit eine einzige vollkommene Schöpfung sei! Das ist die Wiederherstellung des Paradieses am Ende der Zeit! Dadurch bekommt die Welt Anteil an der Liebe Gottes! Die Welt bleibt nicht getrennt von Gott, sondern sie bekommt Anteil am Leben Gottes!

Durch die spezifisch christliche Offenbarung der Trinität Gottes wird sichtbar, dass Gott der lebendige Gott ist! Nicht nur der in sich lebendige Gott, sondern gerade auch der Gott, der Sein Leben mitteilt - den Menschen, die es annehmen und bejahen und erwidern! Und dadurch wird gerade dieses eine Gottesreich! "Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden" (Mt. 6,10)! Dieses eine Gottesreich wird dadurch Wirklichkeit! Und die Lichtwelt Gottes verbreitet sich vom Himmel auf die Erde und wird eine einzige Welt der Liebe und des Lichtes!

Jetzt möchte ich aber besonders darauf hinweisen: Wir haben ja einen ganz gewaltigen Gedanken, wenn Sie noch einmal an das Wort des heiligen Bonaventura denken: Die Liebe verströmt sich! Es liegt im Wesen der Liebe, wenn man nur wahrhaft liebt, dass sie sich mitteilt! Die Liebe will Liebe! Denken Sie einmal daran, wenn Sie einen Menschen in Ihrer Umgebung haben, der vielleicht nicht religiös ist oder vielleicht nicht liebt, wie man darunter leiden kann, wie man daran interessiert sein kann, diesen Menschen zu Gott zu führen, diesen Menschen zur Liebe zu führen! Wie man froh ist, wenn der Mensch - vielleicht auf Umwegen, aber doch endlich einmal- diese Antwort der Liebe, die man sucht und die man erstrebt, die man erbetet hat, auch tatsächlich gibt!

Hier ist aber ein ganz entscheidender Gedanke abzuwehren, ein Gedanke, der in vielen Häresien und Irrlehren sein Leben treibt und grassiert, nämlich der Gedanke, Gott habe die Schöpfung erschaffen müssen! Wir haben eben gesagt: Gott hat die Schöpfung aus Liebe erschaffen. Im Vaticanum I heißt es einmal: Gott hat die Schöpfung erschaffen aus freiem Wollen! Hier ist jeder Gedanke der Notwendigkeit abzuhalten! Und das wird besonders schön deutlich - dieser Gedanke, dass, so sehr Gott die Liebe will, Er doch auf die Liebe der Menschen nicht angewiesen ist - durch den Gedanken der Trinität! Gott ist in sich schon vollkommene Liebe!

Machen Sie sich noch einmal den anderen Gedanken klar: Wenn Er nicht vollkommene Liebe wäre, wenn er angewiesen wäre auf die Antwort der Menschen, dann wäre Gott nicht Gott! Dann wäre Er noch nicht die erfüllte und verwirklichte Liebe, sondern dann bräuchte Er ja die Antwort des Menschen! Erst mit der tatsächlich gegebenen, bejahten Antwort des Menschen wäre der Liebesbund geschlossen und wäre die Liebe verwirklicht!

In all diesen Vorstellungen, in diesen Systemen und Irrlehren, die ja bis zu Teilhard de Chardin (1881 - 1955) reichen, ist Gott eigentlich nicht mehr Gott, hat man unter "Gott" den Gedanken eines werdenden "Gottes". Ein werdender Gott ist ein Unfug in sich! Entweder ist Gott Gott, dann ist er nicht auf die Entwicklung angewiesen, oder er ist ein "werdender Gott", dann kann man diesen "Gott" eben nicht als Gott ansehen! Das ist nur eine Karikatur! Schauen Sie, man könnte ja auch fragen, wodurch hat denn die Evolution etwa nach Teilhard ihre Dynamik, ihre Gesetze, ihre Kraft, ihre Energie, woher kommt sie, wenn es überhaupt keinen Gott gibt und wenn Gott angewiesen wäre auf die Antwort der Schöpfung!? Das sind alles unhaltbare Gedanken! Der christliche Gottesbegriff ist völlig geklärt, ist durchvollzogen, ist in sich rein. Gott ist in sich schon die Liebe! Und das wird besonders sichtbar und erfassbar, wenn man an die Trinität denkt!

Nehmen Sie einmal, um diesen Gedanken zu verstehen, eine menschliche Form der Beziehung, etwa in der Freundschaft. Hier liebt eine Person die andere. Und die zweite Person liebt die erste. Dann haben Sie zwei Personen, und Sie haben denselben Geist bei dem ersten und bei dem zweiten! Hätte man nicht denselben Geist, und zwar den Geist der Liebe, hätte man einen anderen Geist, dann kommt es notwendig nicht zur Freundschaft, notwendig nicht zur Liebe zwischen den beiden! Kant hat einmal etwas ironisch das beschrieben am Beispiel von zwei Ehegatten, die dasselbe wollen. Aber was wollen sie, die beiden? Sie wollen die Ehescheidung!

Sie sehen hier: Man kann dasselbe wollen und doch nicht die Liebe wollen! Erst wenn beide Personen die Liebe wollen, erst dann ist die Gemeinschaft der Personen in der Liebe möglich! Sie sehen hier, wie notwendig der Geist der Liebe unter beiden Personen sein muss, damit hier eine Gemeinschaft und eine Einigung, eine Freundschaft, eine Verwirklichung der Liebe möglich ist! Jetzt achten Sie auf Gott und denken daran, dass hier der Geist Gottes, der die Beziehung der einen Person zur anderen und die Beziehung der anderen zur ersten Person gerade darstellt, nicht von den beiden anderen Personen geschieden ist!

Denken Sie einmal daran, wie unter den Menschen jede Form der Liebe, sei sie noch so hoch und so edel und so rein, immer bedroht ist, bedroht ist vom Abfall, von der Sünde, von der Störung und so weiter. In Gott ist das völlig unmöglich, weil diese dritte Person, der Geist, auch Gott ist! Und hier haben sie dann die Vorstellung der Trinität, eine in sich vollkommene Form der Liebe! Anders können wir uns die Liebe gar nicht vorstellen! Und könnten uns auch die Offenbarung der Liebe gar nicht vorstellen als Beziehung von einer Person zur anderen und Beziehung der ersten Person zur zweiten! Also die wechselseitige Beziehung, die durch den Geist der Liebe, diese dritte göttliche Person, gerade bestimmt ist!

Fragt man nach der Eigenart des christlichen Gottesbegriffes, dann kann man mit Berufung auf das im Brevier auftretende Symbolum (Glaubensbekenntnis), das Credo des heiligen Athanasius (296-373), sagen: „Trinitas in unitate, et unitas in trinitate!" - "Dreiheit in der Einheit, Einheit in der Dreiheit"! Der Vater liebt den Sohn, der Sohn liebt den Vater, der Vater liebt den Sohn im Geiste, der Sohn liebt den Vater im Geiste! Da haben sie die drei Personen!

Achten Sie immer darauf, dass es um Liebe geht und dann sehen Sie auch, dass die Liebe nur möglich ist durch eine lebendige Person! Durch den Willen, durch den gerade eine Person vernünftige Person ist. Aber wie gesagt, nicht im endlichen Sinne, sondern im vollkommenen Sinne! Der Sohn liebt den Vater, der Vater liebt den Sohn, das ist das erste. Der Vater liebt den Sohn, der Sohn liebt den Vater, beide lieben einander in der dritten göttlichen Person, im Heiligen Geist! Damit haben wir die Trinität. Und achten Sie darauf, dass alle drei göttlichen Personen in der Einheit der Gottesnatur zu begreifen sind, nämlich in der Einheit der Liebe! Jede Person will dasselbe wie die andere. Jede Peron liebt, jede Person will die Antwort der Liebe und jede Person will sie in Liebe, im Heiligen Geiste!

Und wenn Sie darauf schauen, dass jede dieser drei Personen dasselbe will, dann haben Sie gerade die Einheit der Liebe Gottes, das, was die Kirche in ihrer Begrifflichkeit, in ihrer Sprache sagt: Die Einheit in der Natur! Hat man das einmal erkannt, dann hat man das Höchste, das Anspruchsvollste, was die theologische und religiöse Erkenntnis überhaupt darstellt, das Mysterium der Mysterien, erkannt!

Freilich geht das natürlich nur, wenn man glaubt! Nur durch Anteil am Glauben der Offenbarungsreligion, das heißt, an der Gnade des Heiligen Geistes - und das wiederum heißt ja: nur dadurch, dass man liebt, nur dadurch, dass man einbezogen ist in die Liebe der Trinität, in die Liebe der drei göttlichen Personen, wir haben beim letzten Mal davon gesprochen - kann man diese Einheit der Liebe Gottes und die Dreiheit der Personen Gottes zugleich erfassen!

Wir haben ja, wenn Sie sich erinnern, in Predigten und auch Katechesen immer wieder davon gesprochen. Ich denke, dass das nicht völlig fremd für Sie ist! Bedenken Sie das immer wieder und Sie werden, etwa von der menschlichen Voraussetzung aus, der zwischenpersönlichen Beziehung, sich das leicht vor Augen führen können: Eine Person liebt die zweite, die zweite Person liebt die erste, beide lieben sich, und das heißt sich im Heiligen Geiste, im Geiste der göttlichen Liebe! Und jetzt machen Sie sich klar, dass die Personen hier nicht voneinander verschieden sind. Jede ist Gott, in der Einheit des Wesens Gottes ist hier die Liebe eine einzige!

Das heißt gerade - um etwas Wesentliches von zwei Extremen hier einmal sichtbar zu machen: Gott ist nicht nur eine tote Einheit! Das ist im Grunde die Lieblingsvorstellung der Menschen heute, die gewiss klar sind darüber, dass es sinnlos ist, die Existenz Gottes zu leugnen. Viele kommen auch tatsächlich zur Annahme eines monotheistischen Gottes! Aber dieser (ihr) Gott ist tot! Er thront für sich im Himmel oder irgendwo. Er offenbart sich nicht! Er schenkt sich nicht! Die Menschen bekommen keinen Anteil an Ihm! Die Menschen wollen gerade auch in der Ablehnung des christlichen Gottes keine Gemeinschaft mit Gott! Denn sie sträuben sich ja gegen die Forderung der Offenbarung! Die Forderung der Liebe, die gewiss von einer Seite auch fordert, das ist gar keine Frage, sie ist sehr anstrengend zu erfüllen. Denken Sie an die Bergpredigt (vgl. Mt. 5-7)! Was gehört alles dazu, um in diesem christlichen Sinne ein liebender Mensch zu sein! Wie schwer ist das, was für ein Ringen an Askese, an Selbstverleugnung, an Kampf ist hier gefordert, gerade etwa in der heutigen Welt!

Aber das ist doch nur die eine Seite. Die andere, die beglückende, die beseligende ist doch gerade, Anteil an Gott zu haben! Man darf nicht (nur) auf das Gesetz schauen, das mich anfordert, nur auf die Lasten des Gesetzes, sondern man muss doch gerade auf das schauen, was an Positivem, an Leben hier den Menschen geschenkt wird!

Das eine Extrem ist (also) der bloße Monotheismus, Gott in sich, eine tote Gottheit. Das ist nicht christlich! Ein anderer Gedanke ist ebenso nicht christlich, den manche Menschen haben - das war wohl auch der Einwand des Judentums schon gegen das Christentum - nämlich die Annahme eines Tritheismus, dass man gesagt hat: Hier, im Christentum, gibt es ja drei Götter! Nein, das ist nicht wahr! Es gibt drei Personen, aber es gibt nur einen Gott in der Einheit des Wesens Gottes! Und das, die entscheidende Synthese von Einheit und Dreiheit, erfassen Sie gerade in der Liebe!

Aber, wie gesagt, diese Erfassung der Liebe Gottes als Dreiheit und Einheit setzt voraus, dass ich selbst liebe! Sonst hat man vielleicht Begriffe, aber nicht die echte Erkenntnis, nicht die echte Einsicht! Sie kann man haben dadurch, dass Gott die Erkenntnis Seines Sohnes und die Erkenntnis des Vaters dieses Sohnes gerade schenkt! Und ich darf das zum Schluss noch einmal betonen, weil es sehr wichtig ist, gerade heute: Diese Offenbarung Gottes, im Grunde schon die Schöpfung, ist reines Geschenk, ist reine Gnade! Aus freiem Wollen hat Er uns geschaffen, aus freiem Wollen hat Er uns erlöst und uns berufen, an der Erlösung und am Himmelreich Anteil zu haben!

Denken Sie einmal an die sehr entscheidende Stelle im 11. Kapitel des Matthäusevangeliums, eine der entscheidendsten Stellen des ganzen Evangeliums: "Niemand erkennt den Sohn als der Vater. Niemand erkennt den Vater als der Sohn und wem der Sohn es offenbaren will" (Mt. 11,27)! Das ist diese entscheidende Aussage! Die Offenbarung Gottes ist reine Gnade, Gnade von Jesus Christus oder vom Vater her, von beiden kann man es aussagen, und nur dadurch, dass ich diese Offenbarung als Gnade geschenkt bekommen habe, kann ich diese Erkenntnis des Sohnes und des Vaters gerade gewinnen! Und dadurch kann ich eben den Geist der Liebe empfangen und kann im Geiste der Liebe auch die Antwort geben!

Und ich darf noch einmal hier ganz prägnant darauf hinweisen, weil es heute auch so selten gelehrt wird und so selten erkannt ist: Ich habe jetzt schon an Gott Anteil! Diese Offenbarung Gottes hat ja gerade im Neuen Bund die endgültige Offenbarung gebracht! "Neuer Bund" heißt nicht etwa ein Bund, der noch einmal abgelöst würde, wie der Alte Bund abgelöst worden ist durch den Neuen Bund! Dieser Neue Bund ist, wie es in den Wandlungsworten mit Recht heißt, der ewige Bund, der nicht vergeht! Dieser ewige Bund hat uns jetzt schon, mitten in dieser Geschichte, das Leben, und zwar das ewige Leben erschlossen! Gewiss (noch) verborgen! Manche Menschen meinen, was verborgen ist, nicht sinnlich sichtbar, das sei auch nicht wirklich. Das ist ja völlig falsch! Die Beispiele der Heiligen sind ja auch sinnlich wahrnehmbare Beispiele, wenn man sie nur im Ernst annimmt. Die Beispiele der Wunder Jesu Christi, etwa der Teufelsaustreibung, das Kreuz Jesu Christi, Auferstehung, das waren alles sinnlich sichtbare oder in ihrer Auswirkung jedenfalls wahrnehmbare Vorgänge!

Wir haben schon jetzt, und zwar endgültig (Red: sofern wir uns nicht durch schwere Sünde wieder von Gott trennen), am Leben Gottes teil! Wir können an diesem Leben Gottes Anteil haben! Und dadurch sind wir im Himmel! Auch wenn dies verborgen ist - aber das ist nicht entscheidend! -, es ist doch real! Offenbar wird es erst am Ende der Zeit! Und am Ende der Zeit wird offenbar, wer Gott ist! Und dass Gott sich durch nichts hat hindern lassen, trotz aller Gegenmächte, trotz aller satanischen Einflüsse, Seinen Willen zu verwirklichen und das Himmelreich zu schaffen! Mit der Freiheit des Menschen, das ist entscheidend! Denn sonst wäre gar nicht Liebe möglich, dann hätte Gott eine Automatenwelt erschaffen können, aber keine Welt, die aus und in Freiheit Seine Liebe erwidert und dadurch die Gemeinschaft der Liebe gerade hat und findet!

Gott schafft eine Welt oder Gott will eine Welt schaffen, in der nur die Liebe ist! Aber weil sie nur aus Freiheit möglich ist, gibt es auch die andere Entscheidung, zumindest theoretisch kann es sie geben und de facto gibt es sie, die andere Entscheidung, die "Nein!" sagt zu Gott, die sich verschließt! Und das bedeutet eben das Gericht und das bedeutet eine ewige Verdammung. Sehen Sie hier, wie ernst Gott die Freiheit nimmt! Die Freiheit ist kein Schein, sie ist keine Spielerei, so wie die Sünde keine Spielerei ist!

Es gibt ja, heute besonders verbreitet, Theologen, die sagen, dass Gott am Ende alles wiederherstellen wird. Wenn das so wäre, dann hieße das, dass Gott die Sünde nicht ernst nimmt! Dann wird das ganze menschliche Leben entwertet. Ob man böse ist oder gut, spielt gar keine Rolle, denn Gott macht ja doch am Ende alles wieder gut! Das ist ein furchtbar gefährlicher und banaler Gedanke, weil er Gott nicht ernst nimmt, die Sünde nicht ernst nimmt und das ewige Heil bzw. Unheil auch nicht ernst nimmt.

Wir sind dazu da, durch unser Leben die Möglichkeit zu schaffen, "Ja" zu sagen zur Liebe Gottes, diese Liebe Gottes einzuüben und dadurch gerade das Anrecht zu gewinnen auf die ewige Herrlichkeit, auf die ewige Offenbarung der Herrlichkeit Gottes! Aber das setzt voraus, dass wir mit ganzer Freiheit lieben, uns Gott anheimgeben, die Liebe Gottes erwidern und dann eben - und zwar über das Gericht Gottes - gerade dieses Anrecht, diese Anwartschaft erwerben!

Hier wollen wir schließen. Ich werde beim nächsten Mal noch einmal über den Gedanken des Gerichtes, gerade weil er heute so wesentlich ist, sprechen und über den Gedanken der Liebe und der Gerechtigkeit, die ja beide zusammengehören, (denn) sonst wäre die Liebe keine ernsthafte Liebe mehr, wäre Gott kein vollkommener und absoluter Gott mehr. Und dann, denke ich, schließen wir diese Thematik ab. Ich hoffe, dass wir in einiger Zeit alle diese Predigten einmal auch schriftlich herausgeben können. Damit können Sie sie lesen, und wenn Sie interessiert sind, auch verteilen!

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes! Amen.

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Franziskus/Bergolio: Keine Missionierung! - Er hat vom 30. Bis 31. März dieses Jahres Marokko besucht und Stationen in Rabat und Casablanca gemacht (31.3.2019) „Zudem sagte Franziskus, die Rolle der Katholiken in dem überwiegend muslimischen Land bestehe nicht darin, ihre Nachbarn zu missionieren. Sondern sie sollten mit allen anderen Religionen in Brüderlichkeit leben.“ (https://de.euronews.com) Doch Christus fordert: „Darum gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes“ (Matth. 28:19).





„Ich rufe dich bei Deinem Namen:
Mein bist Du“ (Isaias 43, 1)

Kitas – Grundlage  moderner Sozial- und Schulpolitik?

von
Eberhard Heller

Einleitung

Wenn es etwas gibt, was meinen Ärger seit meiner Studienzeit immer wieder neu entfacht, dann ist es die Unfähigkeit (oder Unwilligkeit?) der modernen sog. konservativen Eliten, ideologische Positionen der Linken (Sozialisten) aufzugreifen, sie zu widerlegen und bessere, wahre Positionen, bessere Konzepte anzubieten. Zu diesen links-extremen Positionen gehörte früher die sog. Früh-Sexualkunde, die sich bald auf einen schulischen Unterricht über Verhütungstechniken beschränkte, d.h. es wurde als gegeben an- und hingenommen, daß Kinder mit 13, 14 Jahren sexuellen Verkehr praktizieren anstatt Enthaltsamkeit zu üben bis zum Eintritt in die Ehe … zwischen Mann und Frau - muß man heute betonen!. Von dieser moralischen Institution wurde nicht gesprochen. Das Fatale damals war, daß die sog. kath. Kirche, zu der auch der so gebildete Kard. Ratzinger gehörte, den konservativen Pädagogen, die dieses Konzept aus wohl begründeten Argumenten ablehnten, in den Rücken fiel, wodurch die Sexualerziehung Eingang in den schulischen Unterricht fand.

Zu diesen ständigen Ärgernissen gehört für mich auch die Propaganda für die sog. KITAS (Kindertagesstätten für Kleinstkinder ab dem ersten Lebensjahr!), die den linken Ideologen so überaus wichtig ist und an denen sie ihr Herzblut aufhängen, in denen die Sozialisten das Allheilmittel für die Kindererziehung und die Emanzipation für die Möglichkeit der Berufstätigkeit für Frauen, für Frauenarbeit allgemein sehen, wodurch Erziehung und Beruf vereinbar erscheint. Dieses pädagogische Modell, welches intensiv in der ehemaligen kommunistischen DDR praktiziert wurde, hat dabei die tragende Intention, die Erziehungskompetenz von den Eltern weg auf pädagogische Fachkräfte zu verlagern, die unter staatlicher Ausrichtung gestellt werden. Gerade in letzter Zeit macht der Versuch der Amadeu Antonio Stiftung, geleitetet von der ehemaligen Stasi-Mitar-beiterin Anetta Kahane,  mit der Broschüre für Kindergärten von sich reden, Titel: „Ene, mene, muh – und raus bist du!“, um politischen Einfluß auf die Kitas zu nehmen.
Der vorliegende Beitrag will klären, welche pädagogische Rolle Kitas in einem allgemeinen Erziehungskonzept bewirken kann, das ohne die Klärung der philosophischen Voraussetzung einer durchgeführten Interpersonalitätslehre einer wissenschaftlichen Begründung entbehren würde.

Der Bundestag hat am Freitag, dem 14. Dez. letzten Jahres das sog. „Gute-Kita-Gesetz“ verabschiedet. Für den Gesetzesentwurf, den die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey/SPD eingebracht hatte, hatte die Koalitionsfraktion aus CDU/CSU und SPD gestimmt, ebenso auch der Bundesrat, wodurch das Gesetz ab Anfang des Jahres 2019 in Kraft treten konnte. Giffey hat den Ländern rund 300 Millionen Euro zugesagt, um mehr Fachkräfte für Kitas zu gewinnen. „Ab dem neuen Ausbildungsjahr im Sommer 2019 werden wir bis 2022 rund 300 Millionen Euro als Impuls für die Länder zur Verfügung stellen", sagte die SPD-Politikerin (vgl. Spiegel online vom 17.12.2018).

Die Kita in der pädagogischen Diskussion
Damit wurde eine Gesetz installiert, das an das vom 25.9.2008 anknüpfte, wonach ein Rechtsanspruch auf einen sog. KITA-Platz (Kindertagesstätten-Platz) für Kleinkinder ab dem ersten Lebensjahr besteht. Vielfach wurde es als Verbesserung eines pädagogischen Konzept gelobt, das von vielen Seiten Zuspruch erfuhr: von den Linken, weil es die Erziehung von Kleinkindern (ab dem ersten Lebensjahr) weg vom Elternhaus, dem man die Kompetenz zur Erziehung absprechen möchte, in staatliche Einrichtungen verlagert; von der Wirtschaft, der damit die gesammelte Frauen-Power in der Produktion zur Verfügung steht; und von jenen Müttern, denen die Erziehung ihrer Kinder zur Last wird, zu mühsam ist, die teilweise unfähig sind, Verantwortung für die eigenen Sprösslinge zu übernehmen und ihr Heil in einem – nicht so anstrengenden Job suchen. Und dann gibt es auch die Gruppe der alleinerziehenden Mütter, die in einem echten Dilemma stecken: Wie sollen oder können sie sowohl die Erziehung ihres Kindes und die materielle Versorgung durch berufliche Tätigkeit vereinbaren? Da ist die Mutter überfordert und die Kita die „ultima ratio“. Immerhin gehen deutschlandweit etwa 32 Prozent der Kinder in die Kita.

Der Prozeß der Erziehung wurde bis weit in die Mitte des letzten Jahrhundert weitestgehend von den Familien geleistet, d.h. die Kinder wuchsen im Elternhaus bei Mutter und Vater auf. Die Kita als Erziehungs-Modell steht somit mit der Erziehung bei den Eltern in Konkurrenz: welches von beiden ist für die Erziehung der Kinder das bessere. Wenn man den Politikern von links bis rechts, also den Merkel-CDU-lern zuhört, hat man den Eindruck, die bürgerliche Gesellschaft würde untergehen, wenn die Kleinstkinder nicht in einer Kita aufgewachsen seien und der Prozeß der Sozialisierung nicht dort eingeleitet worden sei.

Darum wurde bei der Einführung der Kitas in der Öffentlichkeit seit Jahren viel über die Vorteile der Kita-Erziehung gegenüber der Erziehung im Elternhaus hervorgehoben. Wegen der Begrenztheit dieses Beitrages greife ich nur einige heraus. So hat sich z.B. die Bertelmann-Stiftung schon früher in verschiedenen Studien damit beschäftigt. Am 11.4.2018 erschien auf ZEIT ONLINE ein Beitrag von Tina Groll, die das Resultat einer solchen Studie so umreißt: „Wie lange Kinder die Kita besuchen, macht einen Unterschied: Wer früh in den Kindergarten geht, ist einer neuen Studie zufolge kommunikativer und selbstbewusster. (...) Durchsetzungsfähigkeit, Pflichtbewusstsein, Offenheit für Neues und kommunikative Stärke – diese Eigenschaften werden anscheinend gefördert, wenn Kinder früh in die Kita gehen. Das haben Forscherinnen und Forscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) herausgefunden. Kinder, die ein Jahr länger in einer Kita waren, haben im Schnitt bessere kommunikative Fähigkeiten und sind durchsetzungsfähiger. Das sind wichtige Persönlichkeitseigenschaften, die sich später auch auf die Bildungs- und Arbeitsmarktchancen auswirken können, sagt Studienautorin Frauke Peter.“ (https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-04/kita-besuch-entwick-lung- kinder-persoenlichkeit)

DER TAGESSPIEGEL vom 26.4.2012 ging der Frage nach „Wo entwickeln sich Kleinkinder besser - in der Kita oder zu Hause?“: „In der Frage, wo die Kinder besser aufgehoben sind, ganztags in ihren Familien oder für einige Stunden des Tages in einer Betreuungseinrichtung, kommt die Nubbek-Studie zu einem differenzierten Urteil: Bei den Kleinen, den Zweijährigen, konnten sie zwischen beiden Gruppen keinen Unterschied im Bildungs- und Entwicklungsstand feststellen.“ Und weiter: „Was Untersuchungen wie die große Nichd-Studie aus den USA schon gezeigt haben, bestätigte sich auch hier: Wie weit kleine Kinder in ihrem Wissen, ihren Fähigkeiten und ihrer Reife sind, hängt am meisten von Merkmalen ihrer Familie ab – selbst wenn sie ganztags in die Kita gehen. Positiv wirken sich hier vor allem der Bildungsstand der Mutter und ihre Gemütsverfassung aus.“  „Was genau in der Kindergartenzeit aber zur Persönlichkeitsbildung beitrug – die Qualität der Betreuung, ihre Dauer oder die Ausstattung der Kindergärten –, wissen die Forscher nicht, denn darüber geben die verfügbaren Daten keine Auskunft.“ (zitiert Tages Spiegel vom  26.4.2012) Die Mitarbeiterin der Huffington Post, Lisa Mayerhofer, erklärt am 16.11.2016 unter der Überschrift „Studie: Warum ihr eure Kinder in die Kita schicken solltet, statt sie zuhause zu betreuen“: „Eine Studie der London School of Economics und der Oxford University zeigt jetzt: Die Auswertung legt nahe, dass Kinder, die ganztags von ihren Müttern betreut werden, schlechtere Sprachkenntnisse und motorische Fähigkeiten haben als die Kinder, die eine Kita besuchen“, legt Olivia Asiedu-Poku, seit über 20 Jahren Mutter von heute vier Kindern, am 1.8.2017 ihre Erfahrung mit beiden Modellen dar. Pauschalurteile helfen in der Erziehungsfrage nicht weiter. Es gibt natürlich auch Stimmen, die das Kita-Modell ablehnen, so z.B. die bekannte Psychotherapeutin Christa Meves oder die Autorin Brigitte vom Lehn. Dazu später mehr.

Die Erziehung als Voraussetzung für eine Entwicklung zur menschlichen Vernunft

Bereits vor fünf Jahren hatte ich mich in der EINSICHT vom Febr. 2014 aus Gründen interpersonal-konstitutiver Bedingungen für das Heranwachsen einer vernünftigen Personalität gegen eine Kita-Betreuung ab dem ersten Lebensjahr ausgesprochen, wobei ich den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz als „Gipfel deutschen Irrsinns“ bezeichnet hatte. 1) Da sich gezeigt hat, daß dieses Problem der Kindererziehung weiterhin von großer Relevanz für die Persönlichkeitsentwicklung jedes einzelnen ist, gerade auch im Hinblick auf die Grundlegung religiöser Fundamente, habe ich dieses Thema wieder aufgegriffen.

Die Frage, die gestellt werden muß, ist nicht die, ob die Mutter durch die Verlagerung der Erziehungspflicht auf staatlich gelenkte pädagogische Institute ihre Arbeitskraft der Gesellschaft bald möglichst wieder zur Verfügung stellt oder ob es ein bloßes Verschieben der unfähigen oder an der Erziehung ihres Kindes desinteressierten Mutter ist, die verantwortungslos Kinder in die Welt setzt, für die sie keine Verantwortung übernehmen will, sondern die, ob es zum Wohl des Kindes geschieht.  Die grundsätzliche Frage aber ist die: Warum muß ein Kleinkind (Säugling) überhaupt erzogen werden? Genügt nicht einfach eine Betreuung durch die Verabreichung von Nahrung, also der Befriedigung einfacherer Bedürfnisse wie Essen und Trinken?

Zur Beantwortung dieser Frage ist ein Exkurs in die Interpersonalitätslehre nötig, die klärt, wie das Verhältnis zwischen Personen generell zu denken ist, unabhängig von allen empirischen Erhebungen der Pädagogik. Es geht also um die Darstellung jener Momente, die notwendig sind, damit ein interpersonales Verhältnis überhaupt entstehen kann. Wir müssen diesen Weg gehen, damit wir Kriterien gewinnen, um den Sinn und Zweck der Kita-Einrichtungen bewerten zu können.

Ein Kind wird geboren als vernunftfähiges Wesen, welches durch das Aufrufen, die innige Ansprache der Mutter, die den Säugling mit ihrer Liebe umhegt, die eigentliche Vernünftigkeit weckt. Der Säugling muß nicht nur physisch, sondern auch geistig gezeugt werden. Das ist primär die Aufgabe der Mutter, die das Kind geboren hat. Sie holt somit den Säugling sukzessive in diese Liebesbeziehung mit hinein, damit er zum eigentlichen Vernunftwesen heranwächst und gedeiht. Er lernt, das „ Da“ (das Sein außer ihm) als „Du“ aufzufassen. Damit hebt der Prozeß der Ausbildung zur Vernünftigkeit an, um eine interpersonale Beziehung aufzubauen, dessen Ziel es ist, die Liebe, die uns durch die Offenbarung des Gottes-Sohnes geschenkt wurde, unter den Menschen weiter zu verbreiten. Damit nehmen die Eltern gleichsam die Stelle Gottes an Kindes statt ein. In all den Akten der Mutter bzw. auch des Vaters soll diese Liebe durchscheinen, damit das Kleinkind das Urvertrauen aufbauen kann, durch das und auf dem sich die Beziehung Eltern – Kind gestalten soll. Diese unmittelbare Beziehung in Liebe zum Kind ist die vorrangige Aufgabe der Mutter, die durch das abendliche Gebet mit dem Kind auch die ersten Triebe religiösen Lebens pflanzt. Martin Buber (1878-1965), der jüdische Philosoph hat es so formuliert: „Der Mensch wird am Du zum Ich.“ (in: "Das Dialogische Prinzip", Heidelberg 1979, aus: "Ich und Du", 1922)  Was ist damit gemeint? Der Mensch wird also nicht nur biologisch gezeugt, sondern er muß auch geistig gezeugt werden, wie bereits gesagt. Das eigentliche Vernunftsein hebt an durch das Aufrufen zur Vernunft. Dieser Aufruf durch eine andere Person muß zwar auf der einen Seite eine An-Deter-mination sein, d.h. er muß sich objektiv vernehmen lassen (durch Sprache), damit sich das Bewußtsein darauf fixieren kann, andererseits darf er aber keine Durch-Deter-mination sein, denn diese An-Determination will die andere Person nicht manipulieren, sondern sie will dem anderen Ich erst eine Sphäre der Freiheit eröffnen. Das aufrufende Ich (die Eltern im Normalfall) will dem anderem Ich, dem Du (dem Kind) als Aufgerufenem, als Aufgefordertem gleichsam zu einer Selbstbestimmung bestimmen. Es will also dem aufgerufenen Ich (dem Kleinkind) eine Freiheitsspähre eröffnen, durch die es diesem möglich wird zu antworten. Damit hebt eine Wechselbeziehung von fremden Ich, dem Du, und dem eigenen Ich an. Also das eigene Ich weiß, daß das fremde Ich ein Du ist, welches mich ebenso als Du sieht.

Um es philosophisch zu sagen: ein Selbstbewußtsein hebt nur an zu sein, wenn es durch ein bereits selbständiges Selbstbewußtsein dazu aufgerufen wird, sich selbst zu bestimmen; denn "Bewußt-Sein ist nur als Reflexion verstandener Anschauung möglich“, um es erkenntnis-theoretisch zu formulieren. (Lauth, Reinhard: "Ethik" Stuttgart 1969, S. 67, der auch die Interpersonaliät als konstitutives Moment des sich reflektierenden Selbst-Bewußtseins aufzeigt.) Hier ist nun einsichtig, daß die Erziehung  nötige Vor-aussetzung für die Entfaltung der kindlichen Vernunft ist.

Gott als Voraussetzung vernünftiger Interpersonalität

Der Aufruf wird nun inhaltlich so verstanden, daß er die Form ist, das Mittel, um etwas bestimmtes zu transportieren, der die Freiheit in Gang setzen soll, das freie Sich-Bestimmen. Die aufgerufene, als Person angesprochene Freiheit ist aber in einer ganz bestimmten Weise angesprochen worden, sich nämlich zu entscheiden zu etwas, was der Aufrufende in seiner Vermittlung anspricht. Da die Freiheit angesprochen wird, kann es nur etwas sein, auf was die Freiheit spezifisch antworten kann, nämlich auf eine Zwecksetzung, die wiederum nur verstanden werden kann auf dem Hintergrund einer Wertsetzung, im Falle des Kleinkindes: auf die Behauptung eines sittlichen Wertes, auf das Sittliche überhaupt… in letzter Instanz auf das sittlich Absolute. In dem angehobenen Verhältnis von Ich und Du, was für sich selbst wiederum ein Ich ist, geht es um die Realisation der Liebe. "[D]ie sittlich erfüllte Interpersonalität [ist] die vollendete Offenbarung Gottes und der Sinn der ganzen Erscheinung." (Lauth, Reinhard: "Problem der Interpersonalität" Archives de Philosophie, Tome XXV, Paris 1962, S. 343) Ich habe es so formuliert: „Von diesem höchsten Standpunkt gesehen ist die sich erscheinende Interpersonalität als der Ort anzusehen, an dem sich die absolut erscheinende Liebe als Bild Gottes in freier Wechselbeziehung realisieren soll. Die Realisation der Liebe ist schlecht-hin gefordert, sie ist die absolute Bestimmung allen Seins, und somit ist auch deren Form, die interpersonale, freie Synthesis, als Bedingung dieser Realisation schlechthin gefordert.“ (Heller, Eberhard: "Die Theorie der Interpersonalität im Spätwerk Fichtes" München 1974, S. 303)

Dieses Handeln - um es möglichst neutral zu sagen -, diese bestimmte Veränderung in der Außenwelt, die ich anschaue, muß so beschaffen sein, daß ich sie nicht bloß als bestimmend, als bloß determinierend erfahre (wie einen Stoß, den ich meinetwegen schmerzlich verspüre), sondern so, daß sie mich in meinem Frei-Sein anspricht, sich selbst zurückhaltend, um mir eine Sphäre des eigenen Handelns zu eröffnen. Ich habe auf der einen Seite ein determinierendes Moment, das aber, da es Moment der notwendigen Vermittlung ist - es soll sich ja nicht um meine, sondern eine fremde Intention handeln! -, nur im Zusammenhang mit dem entscheidenderen Moment der Freiheitseröffnung zu sehen ist. Dieses determinierende Moment ist Bedingung der Erfahrbarkeit der fremden freien Intention, die sich mir ja als tatsächlich anderer Wille, als Wille eines anderen Freiheitsprinzips objektiv darstellen muß und die mir selbst dadurch eine eigene Freiheitssphäre eröffnen bzw. anbieten will. Aus diesem freien Angebot ergibt sich bzw. soll sich ergeben ein Wechselspiel gegenseitig sich eröffnender Freiheitssphären, indem ich auf das Angebot antworte - in eben der gleichen Weise der Veräußerung meiner Intention -, auf das wieder eine Rückantwort erfolgen kann usw. Auf diese Weise eröffnet sich mir eine Kette von interpersonaler Gemeinsamkeit bzw. ich eröffne sie selbst mit.

Auf dieser Voraussetzung lernt das Kind zu unterscheiden zwischen sich und der anderen Person (der Mutter, dem Vater), wobei es zunächst nur um Bewußtsein des Kleinkindes geht, welches sich dann zum Selbst-Bewußtsein erhebt. Viele Kleinkinder verstehen das, was die Mutter oder der Vater sagt, ohne selbst schon sprechen zu können. Aber mit dem Verstehen setzt dann auch das Selbst-Sprechen ein. Wenn der kleine Max erst in der dritten Person von sich als „Max“, die kleine Magdalena als „Magdalena“ redet, kommt mit ca. drei Jahren der Augenblick, wo beide von sich als „Ich“ reden. Also dieser Prozeß der interpersonalen Beziehung erreicht einen ersten Höhepunkt, wenn das Kind nicht mehr in der dritten Person von sich redet, sondern sich als „Ich“ identifiziert, um nun selbst-bewußt mit anderen Personen in Kontakt zu treten. So fängt die Kette der Selbstbehauptungsakte und auch der Individuierung an, in den auch weitere Personen als Sozialpartner eingreifen können, um ihn pädagogisch mitzugestalten bis hin zum schulpflichtigen Alter. (Zum Problem der Interpersonalität vgl. man auch meine Dissertation "Die Theorie der Interpersonalität im Spätwerk Fichtes" München 1974: im Internet: http://www.einsicht-aktuell.de/index.php?svar=2&ausgabe_id=342)

Auf der erkenntnis-theoretischen Seite ist die Interpersonaliätsbeziehung Voraussetzung für die Ermöglichung von Selbstbewußtsein überhaupt. Auf der Ebene des moral-philosophischen Ansatzes ist die Interpersonalität die Basis, auf der das absolute Soll realisiert wird: die Liebe, die uns Gott durch seine Offenbarung geschenkt hat und zu der er uns berufen hat. N.b. hat man diesen Gedankengang einmal bewußt reflektiert, dann mutet die - in Amerika als Staatsdogma angepriesene - Erklärung, wonach sich die Welt nach Darwin in qualitativen Sprüngen vom niederen Lebewesen zum höheren, ja zum Vernunftwesen entwickelt haben soll, als Unsinn an.

Hier kann man leicht einsehen, daß es nicht sein kann, wenn man - wie Friedrich der Große (1212-50), es in Sizilien in einem Experiment gemacht hat -, Neu-Geborene ohne die Liebe der Mutter, sondern nur durch Zuführung physischer Nahrung aufzieht. Diese Kinder kamen nie zur Vernunft, sondern starben im frühen Alter von ca. 6 bis 7 Jahren. 2) Im medizinisch-therapeutischen Bereich spricht man von Hospitalismus, wenn Kindern im Säuglingsalter die Nähe (die Liebe) der Mutter verweigert wurde oder sie ihnen aus anderen Gründen nicht gewährt werden konnte. Auch diese Kinder tragen ihr ganzes Leben massive emotionale und geistige Schädigungen davon. 3)

Wenn man nun fragt, wie dieser Prozeß des Aufrufens letztlich begonnen hat, dann kommt man zunächst vom aufgerufenen Kind auf die aufrufenden Eltern, von da auf die Großeltern usw.; denn dieses Wechselverhältnis setzt voraus, daß das aufrufende Ich bereits ein aufgerufenes Ich ist, es entfaltet sich durch die Zeit. Aber wer war der Ur-Aufrufer? Die Antwort ist: Gott, der den Menschen als freies Vernunftwesen, "nach seinem Ebenbild" (Gen. 1, 27) geschaffen hat. (Zu diesem Problem vgl. man meine Abhandlung "Vom Sinn der Schöpfung", EINSICHT Nr. 2, Juni 2011. Hier wird nun auch einsichtig klar, warum die Eltern gleichsam jene Aufgabe, mit der Gott die Menschheit in ihr Sein berufen hat, nämlich auf seine Liebe zu antworten, übernehmen. D.h. sie übernehmen gleichsam die Rolle Gottes an Kindes statt, ihr Kind in diese von Gott ausgehende Liebe mit einzubinden, damit es so zur vollen Vernünftigkeit, zum Ich-Sein, zum Selbst-Bewußtsein heranwächst. Und diese Aufgabe kann man nicht einfach an Kita-Einrichtungen delegieren, mögen sie auch noch so gut geschult sein: die Kindergärtnerin kann nicht an Mutters statt handeln: sie kann bestenfalls die Erziehung verwalten, aber kaum gestalten. Und wie sieht dieses Abgeben der Kleinkinder mit einem Jahr von Seiten der Kinder aus – sieht man einmal davon ab, daß sie sich (noch) nicht artikulieren können? Aus der Unmittelbarkeit der Mutter herausgerissen erlebt es den ersten großen Schock, es wird ausgestoßen und weint fürchterlich, herzzerreißend. Die Tränen haben einen metaphysischen Tiefgang. Und da es sich gegen diese Behandlung nicht wehren kann, fängt es an zu resignieren oder sich zu assimilieren.

Der Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz kam zu dem Ergebnis, daß Kleinkinder im Alter von 1 bis 3 Jahren beim Eintritt in eine Kita Streß ausgesetzt sind, wodurch das Krankheitsrisiko erhöht wird. Und ich füge hinzu: dann steckt das eine Kind das andere an. Maaz warnt in seinen Büchern vor einer Erziehung in einer Kita: „Das falsche Leben. Ursachen und Folgen unserer normopathischen Gesellschaft“ München 2017, oder in einem Beitrag für die Dresdner Neueste Nachrichten, Nr. 239 vom 13.10.2017, S. 4: „Wir sind in einer schweren Gesellschaftskrise.“ Maaz trägt auch in einem Interview mit Beatrix von Storch seine Bedenken gegen eine frühe Abkoppelung des Kleinkindes von der Mutter vor. (https://www.youtube.com/watch?v=3IyHIo1pzpE&feature=youtu.be)

Kitas als Hemmnis emotionaler, geistiger Entfaltung des Kleinkindes

Im Rahmen der propagierten Vereinbarkeit von Mutter-Sein und Beruf, für die die Politik nur das Angebot von Kitas hat, schrieb die bekannte Psychotherapeutin, Frau Christa Meves folgendes: "Der Ruf nach der uneingeschränkten Möglichkeit zur Berufstätigkeit aller Frauen - einschließlich der jungen Mütter - beruht auf einer kurzsichtigen ideologischen Blindheit. Sie besteht seit 36 Jahren. Denn mit der Freigabe der Antibabypille konnte mit sehr viel durchschlagenderem Erfolg die "Selbstverwirklichung" als Gegenmodell gegen das der Familienmutter auf den Thron gehoben werden. Deshalb nahm bereits in den siebziger Jahren der Geburtenschwund bedrohliche Formen an(...) Vor dem Ruf nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf kriechen vielmehr sämtliche Parteien weiterhin ins Mauseloch und überschlagen sich mit Vorschlägen, um die Kinder von ihren Müttern und die Mütter von ihren Kindern zu befreien." Eine ideologisch verfälschte Sicht der Realität erlaubt keine konkrete Zukunftsplanung der Gesellschaft. Man muß durch die gemachten Erfahrungen lernen. Das heißt nach Frau Meves: "Der Mensch wird als ein hilfloses Wesen geboren und bedarf einer artgemäßen, gekonnten individuellen Pflege und Erziehung durch seine Kindheit hindurch". - "Daraus entsteht die Einsicht, dass die Familie für eine gesunde Erziehung der Kinder unaufgebbar ist. Zu dieser Erkenntnis gehört, dass der Mensch grundsätzlich nicht alles auf einmal haben kann. Die beiden wichtigen Lebensaufgaben für die Frau: Die Erziehung lebenstüchtiger Kinder und die Verwirklichung eigener anderweitiger Begabungen können in den seltenen Fällen in zureichender Weise zeitgleich geleistet werden. Die Gesellschaft hat deswegen die Pflicht, der Frau zu helfen, dass sie die Jahre der Mutterschaft (...) in einem erfolgversprechenden Rahmen verwirklichen kann." Das sollte gelingen, denn nach Christa Meves wünschen sich 87% der jungen Leute von heute eine richtige Familie. (DIE TAGESPOST vom 19.4.01)

In einem Interview, welches Frau Meves, damals 81 Jahre alt, am 06.02.2007 der „Frankfurter Allgemeinen“ gab, führt sie weiter aus: „In den ersten Jahren brauchen Kinder den vertrauten Herzschlag der Mutter. In den ersten drei Jahren ist einem Kind die Mutter durch nichts zu ersetzen, Fremdbetreuung in diesem Lebensabschnitt wirke sich negativ auf die Entwicklung der Persönlichkeit aus.“ Meves ist daran gelegen, den Status von „Nur-Müttern“ finanziell und ideologisch zu verbessern und die häusliche Betreuung von Kleinkindern gegenüber der institutionellen Betreuung nicht ins Hintertreffen geraten zu lassen. „Die Fähigkeit, ein seelisch gesunder Mensch zu sein, der auch Krisen standhält, sowie die Intelligenz - dafür wird die Grundlage in den ersten drei Jahren gelegt.“ Sie geht auch auf das Argument ein, daß Kinder nicht automatisch seelische Störungen entwickeln, wenn sie im Alter von einem Jahr an 20 oder 30 Stunden in der Woche fremdbetreut sind. Dann müssten fast alle Franzosen seelisch krank sein. „In der früheren Sowjetunion konnte man sehen, dass 70 Jahre Krippenerziehung ein Volk zerstören. Nach sechs Wochen gingen dort die Frauen wieder in die Produktion, und wir haben dort so viele Alkoholiker wie nirgendwo sonst. Die Franzosen ziehen sich eine Zweiklassengesellschaft heran: Die Familien, die es sich leisten können, betreuen ihre Kinder zu Hause, die anderen müssen in die Krippen. Gebildete Französinnen haben ihre wirklich guten Ersatzmütter, an die sich die Kinder binden - das ist wie bei den Ammen früher im Adel.“

Auf die Frage, wie lange sollte denn eine Mutter ausschließlich für ihre Kinder da sein? Hier ihre Antwort: „Ich habe das etwa zehn Jahre lang gemacht, und meine beiden Töchter auch, ohne dass ich ihnen dazu geraten hätte. Wir hatten ein Drei-Phasen-Modell: Studium, Kinder, dann der Beruf. Fremdbetreuung schadet den Kindern nicht, sobald sie verstehen, dass Mama wiederkommt, im Allgemeinen ist das vom dritten Lebensjahr an der Fall. -  Unsere Vorgabe aus der Natur heißt: Zunächst duale Bindung, angereichert durch einen kleinen Kreis von Menschen in großer Konstanz. Also möglichst nah am Modell der Familie - wenige Kinder und eine feste Bezugsperson.“

Frau Meves beantwortet auch folgende Fragen, warum Mütter ihrer Ansicht nach kleine Kinder besser betreuen können als Väter. „Hellhörigkeit, Empathie und Empfindsamkeit sind bei ihnen stärker ausgeprägt als bei Männern. (...) Sie haben ein besseres Sensorium für die Zärtlichkeit, die Kinder brauchen. Mütter legen intuitiv ihr weinendes Kind an ihre linke Seite, damit es den Herzschlag spüren kann.“

Frage: „Es gibt ja heute auch sehr liebevolle Väter. Warum sollte der Vater nicht eine mindestens ebenso wichtige Bezugsperson sein wie die Mutter? „Je älter die Kinder werden, desto wichtiger werden die Väter für sie. Er ist ein weiterer Ansprechpartner von allergrößtem Wert. Junge Männer, die Väter werden, machen in ihrer Entwicklung einen riesigen Sprung: Auf einmal werden sie verantwortungsvolle Erwachsene.“ (https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/familie/kindererziehung-die-ersten-drei-jahre-sind-grundlegend-1410316.ht)

Auch das Institut für Bindungswissenschaft hält die Familie für den Ort, wo das Kleinkind Bindung erfährt: „Kinder brauchen in den ersten Lebensjahren eine feste Bezugsperson, zu der eine verlässliche und stabile Bindung besteht. In der frühen Fremdbetreuung kann dies in der Regel nicht gewährleistet werden. Bindung kann als Basis des menschlichen Zusammenlebens angesehen werden. Das Bindungsbedürfnis ist die instinktive Anlage, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Primäre Bindungspersonen sind naturgemäß die Eltern. Die frühen Entwicklungsphasen (vorgeburtlich und frühe Kindheit, d.h. die ersten zwei bis drei Jahre) sind für die Entwicklung eines sicheren „Bindungsmusters“ bzw. „inneren Arbeitsmodells“ entscheidend. Was man hier lernt, nimmt man mit ins Leben und betrachtet das Leben sozusagen durch seine frühkindliche „Bindungsbrille“. Es ist später nur bedingt veränderbar. Sichere Bindung ist die Basis für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung, (Ur- und Selbst-) Vertrauen, Empathie, Beziehungsfähigkeit, Resilienz (Widerstandsfähigkeit), kurz : für die Fähigkeit, das Leben angemessen zu bewältigen und intensive, dauerhafte Beziehungen einzugehen. Umgekehrt gilt: Unsichere Bindung kann sich im späteren Leben in häufigen Beziehungsabbrüchen, negativem Gesundheitsverhalten sowie Schwierigkeiten in der Lebensbewältigung generell äußern. Für die Ausbildung eines sicheren Bindungsmusters ist die ständige Verfügbarkeit und unmittelbare liebevolle Reaktion einer festen Bezugsperson, die feinfühlig, authentisch und angemessen auf die Bedürfnisse des Kleinkindes eingeht, von immenser Bedeutung. Diese „Intensivförderung“ kann nur eine auch emotional mit dem Kind verbundene Person leisten. Eine solch enge Bezugsperson kann dabei auch den besonders in diesem Zeitraum starken körperlichen Bedürfnissen nach Nähe durch z.B. Umarmungen nachkommen und zeitnah auf das Kind reagieren. (...) Die Familie ist daher ein entscheidender Ort für die Gestaltung der frühen Bindungsdynamik."
(https://www.bindungsstark-wachsen.de/ und http://www.institut-bindung.de/de/

Auch die Arbeit von Brigitta Brunner von 2007 „Das Kind in der Krippe. Frühe institutionelle und außerfamiliäre Betreuung und Erziehung von Säuglingen und Kleinkindern bis zum Alter von drei Jahren“ kommt zu dem Ergebnis: „Nach der Schaffung von Grundlagen, besonders hinsichtlich der aktuellen Situation in Deutschland, werden verschiedene wissenschaftliche Bereiche bezüglich des Themas beleuchtet und am Ende jeweils mit einem Resümee abgeschlossen. Jede eigene Abhandlung und jedes Resümee zeigen verschiedene schwerwiegende Risiken einer Krippenerziehung auf, da diese Art der Erziehung und Betreuung den Bedürfnissen des Kleinkindes in den wichtigsten Bereichen nicht gerecht wird.“

Nach einem Interview von Brigitta vom Lehn mit dem Kinderpsychiater Prof. Dr. Gunter Moll und dem Neurobiologen Prof. Dr. Ralph Dawirs der Universitätsklinik Erlangen, „kommen Kinder nicht fertig auf die Welt. Sie brauchen zunächst Unterstützung, Schutz, Geborgenheit. Es muss jemand da sein und sie an die Hand nehmen. Die Persönlichkeit fällt ja nicht vom Himmel, sie entfaltet sich. (...) Die frühe Zeit entscheidet maßgeblich über die spätere soziale Kompetenz und die Stellung des Einzelnen in der Gesellschaft. Für das Gefühlsleben ist es überhaupt nicht unwichtig, wer (für das Kind) da ist. Da wir ja quasi zu früh auf die Welt kommen, bildet sich etwas spezifisch Menschliches heraus: die Bindung. Wir tragen die Kinder idealerweise ein oder zwei Jahre mit uns, im Arm oder im Tragetuch. Das führt zu einer emotionalen Bindung, einer Sicherheit. (...) Die emotionalen Empfindungen bilden sich in den nächsten sechs Jahren im sog. Mandelkern aus. Besonders wichtig sind hier die ersten drei Jahre. Damit die entsprechenden Hirnstrukturen sich aufbauen können, müssen die Bezugspersonen in dieser Zeit verbindlich sein. Es müssen nicht die leiblichen Eltern sein. Aber es kann nicht heute der und morgen jener sein. Herrschen in diesem Zeitfenster suboptimale Bedingungen, sind die Folgen beim Sechsjährigen irreversibel. Es ist nicht gut, wenn ein Kind bindungsfrei aufwächst. Das ist dann der Fall, wenn dem Kind wechselnde Bezugspersonen zur Verfügung gestellt werden. ... Erfolgt die Hirnentwicklung in diesem Stad
 
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