54. Jahrgang Nr. 3 / März 2024
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1. Mitteilungen der Redaktion
2. Meine Begegnung mit S.E. Erzbischof Pierre Martin Ngô-dinh-Thuc
3. My Time with His Excellency, Archbishop Pierre Martin Ngô-dinh-Thuc
4. Ma rencontre avec S.E. Mgr. Pierre Martin Ngô-dinh-Thuc
5. Mi encuentro con Su Excelentísimo y Reverendísimo Arzobispo Pierre Martin Ngô-dinh-Thuc
6. Il mio incontro con S.E. l´Arcivescovo Pierre Martin Ngô-dinh-Thuc
7. DECLARATIO
Zeig mir deine Wege, Herr
 
Zeig mir deine Wege, Herr,
und lehre mich deine Pfade.“ (Psalm 25,4)


von
Eberhard Heller

Diesen Psalm-Spruch, den S.E. Pierre Martin Ngô-dinh-Thuc seiner Kurzbiographie vorangestellt hatte (und der als Überschrift im 1. Heft des letzten Jahres verwendet wurde), bezeichnete in erschreckend deutlicher Weise, wie sein Leben, das zunächst mit soviel persönlichem Erfolg begonnen hatte und welches schließlich nach der Katastrophe seiner Familie im Jahr 1963, nach dem Fall von Vietnam 1975 in völliger Erniedrigung und Vereinsamung geendet hatte. In dieser Situation bat er Gott, ihm den Weg zu zeigen, den Er für ihn vorgesehen hatte. Dieser Weg, der ihm vorgezeichnet war - an und für sich schon bitter genug - , wurde ihm letztlich zur Qual durch die Anmaßung und Arroganz von Modernisten und Konservativen gleichermaßen. Er selbst schrieb einmal: "Danach begann mein Kreuzweg."

Ähnlich wie S.E. Thuc, der Gott um einen Hinweis für die Gestaltung seines Lebens gebeten hatte, müssen auch wir Gott bitten uns zu zeigen, welchen Weg wir durch dieses Tal der Tränen und der Enttäuschung nach Gottes Ratschluß nehmen sollen.  Und wir fügen noch einen Vers dieses Psalmes an: „Zeige mir, Herr, deine Wege und lehre mich deine Pfade! Führe mich in deiner Treue und lehre mich; denn du bist der Gott meines Heiles. Auf dich hoffe ich allezeit.“ Ps 25,4-5

Wir leben und erleben heute eine Situation, die geprägt ist durch den Abfall der kath. Kirche und die geformt ist durch die Gestaltung des pseudo-religiösen Bereiches nach den Prinzipien von Vatikanum II. Um zu wissen, wie diese moderne Welt danach geprägt ist, zeigt uns das neueste Opus Bergoglios, der einen Ritus für die „Segnung“ homosexueller Paare kreiert hat. Eigentlich sollte diese Pervertierung der christlichen Moral so kraß sein, daß selbst die letzten noch dahin dämmernder Gläubigen mit einem großen Schreck aufwachen sollten. (Zur Erinnerung: Homosexualität ist nach katholischer Lehre eine schwere Sünde. Für dieses Verhalten noch einen „kirchlichen“ Segen zu kreieren bedeutet, einen überaus sakrilegischen Akt zu schaffen.) Um es kurz zu fassen: Es gibt keine Institution mehr, die uns als Anker in einer sonst schon so gottlosen Welt dienen könnte.

Auch wenn wir schon seit der Einführung der modernistischen Riten und Positionen zum Ende der 60iger Jahre Widerstand geleistet haben – zuerst durch das und mit dem „Zeichen Mariens“ bis zu dessen Wegfall, dann ab 1971 bis heute mit der Zeitschrift EINSICHT -, so hat sich unsere Position nur bei einem kleinen Kreis von Gläubigen durch- und festgesetzt. Sie geht davon aus, daß Sedisvakanz herrscht und wir aber den wahren Glauben bewahrt haben. Die übergroße Mehrheit hat diese Sicherheit nicht. Jeder muß schauen, daß und wie er für sein religiöses Leben eine Basis findet. Und das ist keine leichte Aufgabe, denn der einstmalige Halt in der katholischen Kirche fällt ja weg. Deshalb haben wir auch eine große Anzahl von konkurrierenden Lebensentwürfen mit variablen Grundprinzipien.

Seit einigen Jahren zeigt sich immer offener und unverhohlener ein Programm mit der Absicht zur Bevormundung der Gesellschaft, ja zu deren Versklavung. Es hat sich unter dem Namen des Great Reset bekannt gemacht, aber auch als Trashumanismus geoutet. Unter all den Namen, die man als Globalismus zusammenfassen kann, beruhen auf dem hegelschen Modell von Herr und Knecht. Danach entsteht durch den Kampf jeder gegen jeden ein Verhältnis von Über- und Unterordnung, eben das Verhältnis von Herr und Knecht, das nach Hegel konstitutiv für alle interpersonalen Verhältnisse ist. (Vgl. EINSICHT Nr. 4, August 2023) Nun gehen alle Programme, die aus diesem Grundmodell hervorgehen, mit der Bewegung der perversen Geschlechterideologie des LGBTQ (lesbian, gay, bisexual and transgender), zusammen, wobei es dieser Bewegung um die Akzeptanz und gesellschaftliche Durchsetzung der Vielfalt von sexuellen und geschlechtlichen Identitäten und Orientierungen geht: d.i. die Palette aller möglichen und unmöglichen Perversitäten. Beide destruktiven Programme werden heute auch von der sog. Kirche verfolgt, wobei die Homosexualität bei Bergoglio zur Chefsache avancierte.

Angesichts dieser umfassenden Bedrohung war die Frage, die wir uns stellten, sollen wir uns von unserem rein innerkirchlichen Kampf auch auf den Widerstand gegen die allgemeine kulturelle Bedrohung von diesen Feinden ausweiten und mit Gruppen zusammenarbeiten, die nur partiell unser eigentliches Anliegen mittragen? Im innerkirchlichen Bereich stagniert das Interesse der Kleriker an einer umfassenden Restitution der Kirche als Heilsinstitution, weshalb sich die Frage stellte, ob wir unser Engagement auch auf andere Bereiche ausdehnen können, die die Rettung des kulturell christlichen Erbes im Auge haben. Ein Leser schrieb mir: „Wenn Gott diese Strafe nicht von uns entfernen will, können menschliche Bemühungen nur begrenzt etwas tun.“ Wenn aber die allgemeine Freiheit eingeschränkt wird, gilt das auch für die Freiheitsbeschränkung im religiös kirchlichen Bereich, also auch für uns. Sollen wir uns also auf diesem Feld der Sicherung unserer Freiheit betätigen... oder nicht?

Ich habe mich als Redakteur entschieden, auch Kontakt zu Gruppen und Institutionen aufzunehmen, die an der Bewahrung des Christentums mitarbeiten, die auch die christliche Kultur in ihren vielfältigen Facetten retten wollen. Die Kooperation ginge dann bis zur Unterstützung auch konservativer Maßnahmen zur Rettung von Kirchengebäuden. Aber gehören solche Aktivitäten in den Bereich einer Gruppe, die ursprünglich sich nur auf die theologische Aufarbeitung der (häretischen) Positionen von Vatikanum II beschränkt hat. Ist die Entscheidung,  unserer Arbeit ausweiten, gerechtfertigt? Deshalb wieder die Frage an Gott: „Zeige mir, Herr, deine Wege und lehre mich deine Pfade! Führe mich in deiner Treue und lehre mich; denn du bist der Gott meines Heiles. Auf dich hoffe ich allezeit.“ (Ps 25,4-5)

Ich habe mich entschieden, auch gegen die zu kämpfen, die generell eine Welt ohne Gott erbauen und die die Freiheit der Bürger unterdrücken wollen. Ist es also gottgewollt, daß wir Artikel aus protestantischer oder orthodoxer Provenienz bei uns veröffentlichen, die in diesem Fall das gleiche Anliegen verfolgen wie wir? Und dürfen wir versuchen, unser Wissen auch für Aktionen im politischen Bereich zur Verfügung zu stellen? Ich habe mir auch überlegt, interessierten Personen aus der Politik zu zeigen, wie sich kirchliche Entscheidungen direkt im politischen Umfeld negativ auswirken. Denn es fehlt den politisch engagierten Personen das Gespür, auch einen Blick in ihr geistiges Umfeld zu werfen. Denn sonst würden sie sehen, wie der Verlust des Glaubens die öffentliche Moral untergräbt, ja pervertiert. Und eine glaubenslose Politik, d.h. eine Politik, die nicht auf festen Prinzipien aufbauen kann, entwickelt keine Kraft für die Bewältigung schwieriger Aufgaben.

Und wiederum die Bitte: „Zeige mir, Herr, deine Wege und lehre mich deine Pfade!“ (Ps 25,4)

 
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