52. Jahrgang Nr. 3 / Juni 2022
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1. Das Pfingstfest
2. Das Pfingstfest heute
3. Psalm für einen Sonnenstrahl
4. Der bösen Macht auf der Spur
5. Abbas Agathon...
6. Glasgow - statt Rettung der Welt, weiter in die Öko-Diktatur
7. Häutungen
8. Der Kölner Muezzinruf und der „Sieg über die Ungläubigen“
9. Zum 80. Geburtstag von Dr. Eberhard Heller
10. „Jetzt und in der Stunde unseres Todes“
11. Nachrichten, Nachrichten, Nachrichten...
12. Mitteilungen der Redaktion
„Jetzt und in der Stunde unseres Todes“
 
„Jetzt und in der Stunde unseres Todes“

aus „Auf Gottes Waage –  Christen in Glaubensnot und Zerstreuung“, Paderborn 1956


An einem stillen Sonntagnachmittag - alles war in die Dörfer der Umgegend ausgeflogen - kommt ein Kind in den Pfarrhof gestürmt und ruft den Pfarrer zu dem Gastwirt des Ortes. Er war jahrzehntelang das Sorgenkind des Pfarrers gewesen, wenn man ihn überhaupt als Kind der Kirche ansprechen konnte; denn all die Jahre her hatte ihn niemand je in der Kirche gesehen. Der Pfarrer eilte dem Kind nach und findet den Wirt, von einem Schlaganfall gelähmt, allein in seinem Zimmer. Mühsam bittet er, der Pfarrer möge Frieden machen zwischen ihm und Gott. Er legte eine Lebensbeichte ab. Dann kommt der Pfarrer noch einmal und spendet die heiligen Sakramente. Endlich drängt sich dem Geistlichen eine Frage auf die Lippen: „Nun sagen Sie mir, Herr N., wie soll ich mir das erklären, daß Gott nach einem solchen Leben alles so wunderbar fügt, wie wir zusammen es erleben durften?" Statt einer Antwort bittet der Sterbende mit Tränen in den Augen, der Pfarrer möge aus einer Schublade ein Gebetbuch nehmen, das obenauf liegt. Der Priester holte es und schlägt es an einer vom Kranken bezeichneten Stelle auf. Dort stößt er auf eine Seite, die offenbar von unzähligem Gebrauch ganz braun und abgegriffen war. „Lesen Sie, Herr Pfarrer!" Und der Pfarrer las: „Gebet zu Maria um eine gute Sterbestunde." „Herr Pfarrer", stöhnt leise der Kranke, „ein schlechter Mensch bin ich gewesen, aber dieses Gebet habe ich jeden Tag gebetet, wenn es auch niemand auf der Welt wußte oder gar glaubte. Dem verdank ich es, nein, ihr verdank ich es, der Zuflucht der Sünder. Und wenn Sie, Hochwürden, bald an meinem Grabe stehen, dann bitte, sagen Sie allen, die kommen; ich bitte alle um Verzeihung für gegebene Ärgernisse und hoffe auf Gottes Barmherzigkeit. Maria hat geholfen!" Am nächsten Morgen war der Mann gestorben.

 
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