52. Jahrgang Nr. 2 / April 2022
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1. Ostern
2. Salus ex Judaeis est.
3. Abrahams Opfer und das Opfer Christi
4. Psalm über die Forderung nach Liebe
5. Die Rettung der Welt als letzte Hoffnung?
6. Radikale Pro-Abtreibungs-Agenda
7. Leserbrief - Abtreibung
8. Not lehrt beten
9. Zum Muezzinruf in Köln
10. Der stumme Imam
11. Unsere Gesellschaft ist krank
12. Buchbesprechung
13. Nachrichten, Nachrichten, Nachrichten...
14. Mitteilungen der Redaktion
Not lehrt beten
 
Not lehrt beten
Betrachtung zu den 14 heiligen Nothelfern


von
Magdalena S. Gmehling

Eine eiskalte Nacht. Schneeregen, Glätte, rabenschwarzes Gewölk am Himmel. Eben habe ich den Blasius Segen erhalten und befinde mich in einem kleinen Auto auf dem Heimweg. Ein Gebet steigt auf: Heiliger Bischof Blasius, schenke glückliche Heimkehr!
Vertraut sind sie seit Kindertagen, die 14 frühchristlichen Heiligen, zu welchen der Heilige Blasius gehört. Nahe jener Basilika im Obermaintal, die man auch „Rastatt der Nothelfer“ nennt, bin ich geboren.

Die Legende erzählt, dass 1445 zur Sommerszeit der Schäfer Hermann Leicht die Schafe des Klosters Langheim hütete. Immer wieder sieht er vor sich ein Kind, von Kerzen umgeben. Am 28. Juni 1446 nun erscheint das Kindlein mit einem blutroten Kreuz auf der Brust von einem Kranz kleiner Kinder umgeben, 14 an der Zahl. Auch sie sind weiß und rot gekleidet. Nach einem Bericht des Wallfahrtsbuches aus dem Jahre 1519 bekommt der Schäfer auf seinen Anruf folgende Auskunft: „Wir seyn die viertzehn nothelffer und wölln ein Cappellen haben auch gnediglich hie rasten und biß unser diener so wölln wir dein diener wieder seyn“.

Soweit die Entstehungsgeschichte jenes gewaltigen Bauwerkes, welches als Krönung des deutschen Barockbaukunst gilt. Nach Plänen von Balthasar Neumann, dem Verantwortlichen des gesamten Bauwesens im Lande, entstand das Kleinod Vierzehnheiligen.

Die Nothelferverehrung scheint von alters her lebendig gewesen zu sein, wobei die Zahl 14 aus einer ‚Verdopplung der heiligen Sieben hervorging. Religiöse Begeisterung und die vielfältigen menschlichen Nöte, veranlassten die Menschen in ihrer Lebensangst zu flehen: „Vor Pest, Hunger und Krieg bewahre uns o Herr!“ Die Legende berichtet über die 14 Märtyrer.
1. Der Heilige Georgius (303 n.Chr.) wurde enthauptet, nachdem er unter Kaiser Diokletian grausamsten Martern unterworfen worden war, die er unversehrt überlebte. Die heidnische Stadt Silena befreite er von einem giftigen Drachen.
2. Der Heilige Bischof Blasius aus Sebaste in Armenien (316 n. Chr.). Von Beruf Arzt, soll er auf dem Weg zu seinem Martyrium unter Kaiser Lizinianus, einen Knaben vor dem Erstickungstod durch eine verschluckte Fischgräte bewahrt haben.
3. Der Heilige Erasmus Bischof und Märtyrer (303 n. Chr.), treuer Beschützer der Verfolgten und Bedrängten. In vielfachen Martern wunderbar bewahrt.
4. Der Heilige Pantaleon aus Nikomedien (4. Jahrh. n. Chr.), wohlhabender Arzt, dessen außergewöhnliche Heilungen selbst Kaiser Maximinian in Erstaunen versetzten. Er überlebte grausamste Martern. Bei seiner Enthauptung soll Milch statt Blut aus dem Haupte geflossen sein.
5. Der Heilige Vitus (284-305 n.Chr.), Sohn des Hylas aus Megara (Sizilien). Mit seinem Erzieher, dem Heiligen Modestus und seiner Amme Crescentia floh der Knabe vor der Verfolgung durch seinen Vater und dem Statthalter Valerian. Er heilte die Tochter Diokletians von Besessenheit, weigerte sich aber, den Göttern zu opfern. Mit Modestus und Crescentia starb er nach schrecklichen Martern. Die Seelen der drei Heiligen sollen als weiße Tauben zum Himmel aufgeflogen sein.
6. Der Heilige Christophorus (enthauptet um 310 n.Chr. unter dem Tyrannen Dagnus), einer der volkstümlichen Heiligen. Offorus oder Reprobus war ein aus Kanaan stammender Riese, dessen aufrichtiges Verlangen dem höchsten Herrn zu dienen schließlich mit der Gottesträgerschaft und dem neuen Namen Christophorus belohnt wurde. Er gilt als erprobter Fürsprecher gegen Seuchen und jähen Tod, als Patron der Reisenden und Autofahrer.
7. Der Heilige Dionysius (erster Bischof von Paris und Märtyrer um 250 n. Chr.), errichtete in Gallien mit seinen Helfern, dem Priester Rustikus und dem Diakon Eleutherius blühende Gemeinden. Der Legende nach soll sein entseelter Leib nach der Enthauptung den Kopf eine Strecke weit getragen haben. Er wird in Glaubensnot angerufen.
8. Der heilige Cyriakus, dessen Name bedeutet: dem Herrn gehörig, wurde im 4. Jahrhundert unter Maximian enthauptet. Als hochgebildeter Diakon zeichnete er sich durch heldenmütige Nächstenliebe aus. Selbst die Tochter des Kaisers Diokletians befreite er von einem bösen Geist.
9. Der Heilige Achatius aus Kappadocien, verwaltete unter dem Kriegstribun Firmius als Soldat das Amt eines Hauptmanns und bekannte sich mit Festigkeit als Christ. Nach grausamen Martern wunderbar geheilt, bekehrte er sogar seine Henkersknechte. Schließlich wurde er enthauptet. Auf wunderbare Weise schwamm sein Sarg nach Kalabrien. Das Haupt ruht in Spanien.
10. Der Heilige Eustachius (gemartert um 118 n.Chr.), der eigentlich Placidus hieß, war römischer Feldherr. Tapfer und edel wird er geschildert. Ähnlich wie bei der Hubertus-Legende, soll ein Hirsch mit einem leuchtenden Kreuz im Geweih Anlass seiner Bekehrung gewesen sein. Nach mannigfaltigen familiären Nöten erlitt er, da er das Dankopfer an die Götter verweigerte, mit seiner Gattin Theopista und den beiden Söhnen das Martyrium.
11. Der Heilige Ägidius, ein demütiger Weltflüchtling und Zeitgenosse Karl Martells (8. Jahrh. nach Chr.) wirkte als Abt. Er überzeugte durch Selbstverleugnung und Selbstbeherrschung. Als einziger Nicht-Märtyrer unter den 14 Nothelfern und großer Kulturträger, gilt er als treuer Helfer in allen Nöten des Lebens.
Beglückend vollendet wird der Reigen der Vierzehn durch die sogenannten „heiligen Madl“ (Mädchen). Der Volksmund hat den sinnreichen Spruch geprägt: Die Margareta mit dem Wurm, die Barbara mit dem Turm und die Katharina mit dem Radl-das sind die heiligen Madl. Hochverehrt wurden alle drei seit alter Zeit.
12. Die Heilige Margareta (300 n. Chr.), von den Griechen Marina genannt, stammte aus Pisidien zu Antiochien. Von vornehmer Abstammung (ihr Vater Ardesius war einer der obersten Götzenpriester) wurde von einer Base zum Christentum bekehrt. Heldenmütig verteidigte sie ihre Jungfräulichkeit und besiegte den Teufel, der sich ihr in der Gestalt eines Drachens (Wurm) näherte. Nach grauenhaften Martern wurde sie enthauptet.
13. Die Heilige Barbara (4. Jahrh. n. Chr.) wurde durch Origines zum Christentum bekehrt. Von ausnehmender Schönheit und Klugheit, war sie gesellschaftlicher Mittelpunkt. Ihr Vater Dioskurus, ein fanatischer Heide, verwahrte sie während seiner Abwesenheit in einem Turm, welcher zwei Fenster hatte. Zu Ehren der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, ließ Barbara ein drittes Fenster anbringen. Der unmenschliche Vater soll sie daraufhin mit eigener Hand enthauptet haben. Die überaus volkstümliche Heilige gilt als Helferin der Sterbenden. Auf sie geht der Brauch Barbarazweige zur weihnachtlichen Blüte zu bringen, zurück.
14. Die heilige Katharina (4. Jahrh. n. Chr.) aus Alexandrien in Ägypten war bereits in ihrem dreizehnten Jahre eine Meisterin der freien Künste. Die geistreiche und vornehme Schönheit bekehrte sich nach dem Tode ihres geliebten Vaters nach langem Zögern auf Grund einer Vision. Berühmt ist ihre Disputation mit fünfzig heidnischen Gelehrten, die der Kaiser vergebens aufbot, um der Weisheit Katharinas Widerstand entgegen zu setzen. Weder Drohungen nach Versprechen brachten die Jungfrau dazu, ihren Glauben zu verleugnen. Nach blutiger Geißelung sollte sie durch drei Räder, die mit scharfen Messern versehen waren, getötet werden. Allein die Räder zerbrachen. Schließlich wurde sie enthauptet. Ihren heiligen Leib trugen Engelshände auf den Berg Sinai. Aus ihrem Grabe fließt heilsames Öl.
In ganz Europa gibt es Kirchen und Kapellen die den 14 Nothelfern gewidmet sind (so beispielsweise in München, in Mainz Gonsenheim, in Haßlach (bei Teuschitz, in Bad Kötzting, in Freystadt und in Wien Lichtental). Zahllose Bilder und Votivgaben zeugen von Leiderfahrung und von wunderbarer Errettung, von rührender Dankbarkeit und Hilfe in mannigfachen Nöten. „Die Heiligen sind wie ein Geläute. Jede Glocke hat ihren Klang, aber erst alle zusammen geben die ganze Tonfülle. Auf diese Musik der Ewigkeit muss man hören in einer Zeit, da die Menschen sich vom Evangelium immer offenkundiger abwenden.“ (Walter Nigg: Große Heilige S. 14)
 
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