51. Jahrgang Nr. 1 / Februar 2021
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1. Be-denkliches zum Jahreswechsel
2. Auf dem langsamen Marsch in die Apostasie
3. Hyopstatische Union
4. Hyopstatische Union, 2
5. Der letzte Tag
6. Vom Ende der Zeiten
7. Buchbesprechung
8. Endzeit – eine wahre Geschichte
9. Mitteilungen der Redaktion
10. NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN...
Auf dem langsamen Marsch in die Apostasie
 
Auf dem langsamen Marsch in die Apostasie

von
Eberhard Heller

Zur Zeit arbeite ich an den Vorbereitungen für das Anlegen eines EINSICHT-Archives, in dem ich Dokumente und Briefe für die Öffentlichkeit zugängig machen will, weil sich darin der religions-historische Kampf für die Reinerhaltung des christlichen Glaubens widerspiegelt. Was auffallend bei diesen Vorbereitungen ist: die ungeheure geistige Energie, die die Betroffenen in die Aufarbeitung der konziliaren Beschlüsse investierten – sowohl Befürworter als auch Gegner der sog. Reformen – und die in den vielen Kor-respondenzen offenbar wird.

Wenn ich diese Zeiten, d.h. in den Jahre ab 1966 bis ca. 1995, mit dem heutigen Interesse an religiös-kirchlichen Vorgängen vergleiche, komme ich sehr schnell zu dem Resultat: Wir sind in eine religionslose Zeit übergetreten, ja geradezu hineingestolpert, die kei-nerlei oder fast keinerlei Interesse an theologischen Sachverhalten mehr zeigt oder Fra-gen stellt, die auf die Findung der Wahrheit des christlichen Glaubens ausgeht. Wir leben zweifelsohne in der Zeit des vorhergesagten großen Abfalls, wie ihn der hl. Paulus im zweiten Thessalonicher Brief erwähnt (2 Thess. 2,3). Er zeigt sich nicht in besonders propagierten atheistischen Exzessen, sondern ereignet sich so nebenbei. Die Frage, ob Christus Gottes Sohn ist, beantworteten vor etlichen Jahren 67 % der protestantischen Religionsdiener in Deutschland mit „Nein“, neuerdings 51 % der Katholiken. Die Zahl der Ablehnung bei sog. Amtsträgern wird inzwischen exponentiell gestiegen sein. Von Bergolio/Franziskus habe ich inzwischen von verschiedenen Seiten gehört, er habe im engeren Bekanntenkreis verlauten lassen, er würde auch nicht an die Gottessohnschaft Christi glauben. Auch wenn ich für diese Behauptung keinen juristischen Beweis liefern kann, so kommt mir dieses Gerücht über seine Einstellung zu Christus von jemandem, der behauptet und mit seiner Unterschrift bekräftigt, die „Vielzahl der Religionen ent-springe der Weisheit Gottes“ (Dokument vom 4. Februar 2020 in Abu Dhabi mit dem Großimam von Al-Azhar, Al-Tayyeb) recht plausibel vor. Aber was bedeutet diese Negie-rung Christi als Sohn Gottes? Das ist Apostasie, Abfall vom zentralen Glaubenssatz, wo-nach sich das „Wort“ inkarniert hat und Mensch geworden ist. Auf diesem zentralen Dogma basiert das Christentum. Nicht einmal die Gott-Ähnlichkeit, die ihm Arius noch zubilligte, bleibt erhalten. (N. b. der hl. Andreas von Kreta und Johannes vom Studiten-kloster berichteten, der hl. Nikolaus habe am Konzil von Nicäa teilgenommen und dort seinen Widersacher Arius geohrfeigt, weswegen er zunächst verhaftet, aber gegen Ende des Konzils wieder rehabilitiert wurde - Wikipedia.)

Und wie gestaltet sich dieser Abfall in unserer Umgebung, vielleicht im „katholischen“ Bayern? Lautlos, ohne dramatische Akzentsetzung, einfach so. Die Frage nach der Got-tessohnschaft wird gar nicht mehr gestellt. Sie ist untergegangen oder vergessen wor-den in der Verköstigung jenes theologischen Eintopfs aus christlichen Attitüden, aus der Akzeptanz jüdischer Mitbewohnern mit ihren Eigenheiten, (die aber ihren orthodoxen Glauben an die Ankunft des Messias innerweltlichen Zielen geopfert haben), und aus einer islamophilen Melange, die auf beiden Augen blind ist für die Gefährlichkeit dieser aus religiösen Versatzstücken und politischer Ideologie verschmolzenen Lebenseinstel-lung. Und dieser Eintopf ist die zeitnahe Garantie auf soziale Wohlfühligkeit, auf „Brü-derlichkeit“, die den Aufstieg in den Himmel überflüssig erscheinen läßt.

An diesem Prozeß der schleichenden Islamisierung - als Ergebnis des Verzehrs dieses synkretistischen Surrogates – tragen natürlich die bereits abgefallenen „Kirchen“ die entscheidende Verantwortung. Ihre Rolle ist einfach. Sie unterstützen eine Religionsge-meinschaft, deren Mitglieder nach „Open doors“, eine protestantische Initiative zur Do-kumentation der Christenverfolgung weltweit,  im vorletzten Jahr über 220 Millionen Christen drangsaliert, gedemütigt, verfolgt und getötet hat. Und diese Verbrecher wer-den von den sog. Kirchenführern – den protestantischen wie katholischen – ignoriert oder sogar gedeckt. (N. b. allein an diesem Sachverhalt läßt sich die Mitschuld dieser Brandstifter a la Bätzing an den islamischen Verbrechen klar bemessen.)

Aber auch ohne diese „Hilfestellung“ würde das Ergebnis des schleichenden Abfalls, der so zu sagen „über Nacht“ über uns hereingebrochen ist oder Einzug gehalten hat, nicht viel an der Tatsache ändern, daß Christus verraten wurde. Vielleicht wurde der Vorgang nur beschleunigt. Er ist das Ergebnis eines ungeheuren Desinteresses an religiösen Problemen und Fragestellungen. Und dieses hat sich schon seit längerem ausgebreitet. Warum sollte man auch solche Fragen nach der Gottheit Christi stellen, was hat das für einen Sinn? Wohin führt solche Fragerei? Doch nur, um Ärger zu machen. Und wenn man diese Frage dennoch stellt? Sie würde nicht beantwortet werden. Eine oder die bei-de anderen Religionen ablehnen, weil man die eigene für besser hält? Nein! Man müßte sich dann sogar entscheiden, was man aus Gründen der „Brüderlichkeit“ ablehnen wür-de. „Nathan der Weise“ hat Einzug gehalten, selbst in das hinterste bayrische Stübchen.  Denn alles ist „gleich gültig“, um am Ende alle Positionen als gleichgültig erscheinen zu lasen. Um es militärisch zu formulieren: Aus der Festung fiel kein einziger Schuß, um den Feind zu vertreiben. Man hißte die weiße Flagge und kapitulierte, weil der Wider-stand zu anstrengend gewesen wäre. Man war feig und faul, beides gleichzeitig. Die Wahrheit will niemand wollen, um dafür den eingeschlagenen Trott zu verlassen. Darum herrscht in der Tat ein Abfall von Gott vor, eine Apostasie, die ohne großen Kampf er-reicht wurde. Noch vor ca. 30 Jahren war es für alle klar, daß Christus Gottes Sohn ist, dessen Gebote unbedingte Geltung besitzen.

Um die Armseligkeit dieser Situation zu begreifen, sollte man einmal in die ersten christ-lichen Jahrhunderte zurückblicken, in dem um die religions-philosophische Position der Gottessohnschaft gerungen wurde, bis Cyrill von Alexandrien im Jahr 431 in der Vertei-digung seiner 12 Kapitel gegen Theodoret von Cyrus, zu Kap. 2 eine Lösung des Prob-lems vorlegte: „Es erfolgt die Einigung nach der Hypostasis, wobei der Ausdruck „nach der Hypostasis“ nichts anderes bedeutet als nur dies, daß die Natur oder Hypostasis des Logos, d.h. des Logos selbst, mit seiner menschlichen Natur wahrhaft geeint wird ohne jede Veränderung und Vermischung und … als Ein-Christus gedacht wird und es auch ist, derselbe Gott und Mensch.“ Hypostatische Union bedeutet dann, daß die Einheit von Gottheit und Menschheit in Jesus durch die Hypostase zustande kommt. Diese funda-mental-philosophische Aufarbeitung der Frage, wie die Menschwerdung Christi zu ver-stehen sei, fand also erst durch Cyrill von Alexandrien 431 (auf dem dritten Ökumeni-schen Konzil von Ephesos) in der Formel von der „hypostatischen Union“, wonach Chris-tus zwei Naturen besitzt, nämlich wahrer Mensch und wahrer Gott zu sein, eine zutref-fende Lösung. Das war eine Antwort auf die Position des Arius, der dem Sohn die We-sensgleichheit mit dem Vater absprach. Insofern ist Arius als ein Vorläufer der moder-nen Häretiker zu sehen. Doch der Arianismus wurde überwunden. Die Kirche setzte die-ser Suggestion des Relativismus die Aufstellung des Kanons der biblischen Schriften entgegen, der willkürlichen Berufung auf subjektive Sonderlehren begegnete sie mit der Hervorhebung des objektiven Traditionsprinzips. „Damit aber erreichte sie nicht nur ein kümmerliches Überleben, sondern eröffnete sich den Weg in die Weite der antiken Welt." (Prof. Leo Scheffczyk, UNA VOCE KORRESPONDENZ Nov./Dez. 1982, S. 381
 
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