50. Jahrgang Nr. 7 / Juli 2020
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1. Veni Creator Spiritus
2. Hat Gott alle Religionen gewollt?
3. Der Islam und die christlichen Wegducker
4. Wie können Jugendliche in Zeiten der Glaubenskrise für Glaubensfragen sensibilisiert werden?
5. Der Ruf des Muezzin –
7. Der Muezzin auf dem Alten Peter – eine „Vision“
8. Und führe uns aus der Verbitterung
9. Der Verfassungsschutz
10. Buchbesprechung:
11. DER ATHEISMUS
12. NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN...
13. Mitteilungen der Redaktion
... mit leeren Händen um Kopf und Kragen
 
... mit leeren Händen um Kopf und Kragen

von
R. F. Schmidt

Liebe Leser, ein dringendes Anliegen: bitte blättern Sie nicht sofort hastig weiter, weil Sie dieses Thema nun partout nicht mehr hören und wirklich nicht mehr lesen können: ich kann ihre Abneigung verstehen! Ich teile sie! Ich möchte Ihnen heute einmal mehr über "die derzeitige Krise der katholischen Kirche" berichten. Allerdings krachend kurz, drei Seiten lang, ohne Eiertanz um den heißen Brei herum und ohne falsche Rücksichtnahme!

Ich bin Vater mehrerer Kinder und Großvater mehrerer Enkel. Bis auf Einen sind unsere Kinder vollständig im Glauben abständig geworden, die Enkel nicht im Glauben unterrichtet, ja nicht einmal getauft. Wie soll ich denen die Daseinsberechtigung der katholischen Kirche erklären? Soll ich etwa nach Art eines Märchenonkels erzählen: "Vor langer, langer Zeit gab es einmal die katholische Kirche, in der sich das gesamte Abendland wohnlich eingerichtet hatte. Dann wurde gegen sie Krieg geführt. Und wenn sie, die katholische Kirche, dabei nicht umgekommen ist, dann lebt sie wohl irgendwo, irgendwie unerkannt heute noch. In Rom ist sie jedenfalls nicht. .. Aber Ihr, liebe Kinder und Kindeskinder, müsst zu Eurem eigenen Heile und dem Eurer Nachkommen irgendwie, irgendwo Mitglieder dieser zugegebenermaßen nicht mehr sichtbaren katholischen Kirche werden!"?

Kurz zum Sprachgebrauch: die "kirchliche Krise" ist keine Krise! Sie ist kein heftiges letzten Aufbäumen der Körperkräfte am Scheidepunkt zwischen Genesung oder Tod, sondern der spätestens seit Beendigung des sogenannten II. Vat. Konzils herrschende Alltag der Christen.

"Die Krise" ist nicht vom Himmel gefallen, sie beruht auch nicht auf einem versehentliehen Augenblicksversagen der dafür Mitverantwortlichen, sondern sie ist mindestens das Ergebnis bequemlichen Nicht-sehen-wollens. Und an diesem Dauerzustand sind folgende Gruppen maßgeblich beteiligt: die Geistlichen!

Und ich rede hier weder von den Mitgliedern der Sekte der "Konzilskirche", noch von den Angehörigen der Sekte der Econer „Piusbrüder", die zur apostatischen "Konzilskirche" gehören wollen und also nicht der katholischen Kirche zugehören, sie vielmehr bekämpfen. Ich rede auch nicht von den abseits der katholischen Kirche herumirrenden armseligen Brüdern vom "Formaliter-materialiter-Papst-sein", die "ihren" Papst schon haben, wenn auch bloß "formaliter"!

Die Rede ist hier von jenen Geistlichen, die die KampfsteIlung der modernistischen "Kirche" gegen die katholische Kirche durchaus erkannt haben und folgerichtig ebenso, dass die "Päpste" der “Konzilskirche" nicht Päpste der katholischen Kirche sind, die also voll umfänglich um die derzeitige Vakanz des Papstthrons und um die zusammengebrochene kirchliche Hierarchie wissen.

Ihre "geistlichen Beiträge" bestehen all zu oft in der ewig wiederholten Aufregung über "neue" apostatische Äußerungen der Modernisten und deren Helfers-Helfer aus dem Levebvre-Lager, so als erwarteten sie von jener modernistischen Gemeinschaft und deren Anhängsel die Erneuerung der hl. Kirche - oder als wollten sie von der eigenen Verantwortung ablenken: .Haltet den Dieb!" Denn genau jene "sedisvakantistischen" Prie-ster bilden seit mindestens zwei Jahrzehnten "die Krise": sie kennen die Lage der Kirche, rühren aber nicht einen Finger zwecks Behebung der Sedisvakanz, ja nicht einmal zwecks Ausforschung des Weges zu ihrer Behebung.

Einer jener Geistlichen, auf das Problem angestoßen, hat mir eher widerwillig schriftlich geantwortet, er halte die Wiederherstellung der kirchlichen Hierarchie derzeit für "nicht opportun". Von mehreren anderen Geistlichen habe ich im Laufe der beiden letzten Jahrzehnte mündlich sinngemäß mehrfach dasselbe gehört: Gedankenlos reden sie sich um Kopf und Kragen ...

Einer anderer dieser Geistlichen - aus „Pietätsgründen" unterlasse ich bewusst die Autorenangabe und die Nennung der Fundstelle, denn diese Haltung ist symptomatisch für ihn wie für seine "Kollegen", die durchaus erkannt haben, dass weder die Konzilskirche noch die Gemeinschaft der sogenannten Plus-Brüder etwas mit der katholischen Kirche zu tun hat -, schreibt Ende des letzten Jahres in einer Art Gemeindebrief:

"Mit anderen Worten: Die Kirche braucht nicht unbedingt Kardinäle, um einen Papst wählen zu können. Die Kardinäle hatten das Privileg der Papstwahl erst seit dem 11. Jahrhundert ausschließlich für sich inne. Die Kirche braucht nur die Erkenntnis, daß es einer solchen Papstwahl bedarf, einer moralischen Autoritätsperson, wie damals den Kaiser, die ein Konklave zusammenruft und einer katholischen Öffentlichkeit, die den Gewählten als Papst anerkennt. Diese Gegebenheiten heraufzuführen ist freilich in erster Linie, wie damals Anfang des 15. Jahrhunderts, Sache der göttlichen Vorsehung. Doch die Möglichkeit einer Papstwahl ist heute wie damals gegeben."

Es ist nicht zu fassen: Diese "katholischen Theologen" verhalten sich so teilnahmslos, weil ihnen offensichtlich das Wesen der katholischen Kirche schlicht unbekannt ist: Die katholische Kirche ist keinem Taubenzüchterverein gleich zu achten, dessen Existenz ohne Taubenzüchter einerseits sinnlos, pardon "nicht opportun" ist, und der umgekehrt auch ohne Vereinsvorstand durchaus fortbesteht, indem sich die Mitglieder gelegentlich alle zwei Jahre einmal irgendwo irgendwie austauschen! - Wer hingegen das Wesen der katholischen Kirche erkannt hat, dem ist bewusst, dass die Existenzberechtigung der katholischen Kirche weder von irgendeiner "moralischen Autoritätsperson" , noch von einer "katholischen Öffentlichkeit" und schon gar nicht von irgendeiner "demokratischen Legitimation" abhängt. Dem ist bewusst, dass die Existenzberechtigung sowohl der katholischen Kirche wie auch des Petrusamtes durch Jesus Christus festgesetzt ist - basta! Und wem das als Legitimation nicht ausreicht, der hat das Wesen der katholischen Kirche nicht erfasst!
- Obwohl jener Geistliche demnach erkannt hat, dass die papstlose Kirche nach dem Willen ihres Gründers und unsichtbaren Oberhauptes Jesu Christi widernatürlich ist und daher die Wiedererrichtung der sichtbaren Kirche Jesu Christi durchaus möglich ist,
- obwohl er weiß, dass Gott keinen Papst vom Himmel regnen lässt und dass daher menschliche Mitwirkung, eine Papstwahl also, geboten ist,
- obwohl er als ehemaliger Theologiestudent weiß, dass nach dem auch weiterhin geltenden Kirchenrecht jegliche Beteiligung von Laien an einer kirchlichen Wahl, also auch die Beteiligung von Laien an einer Papstwahl, nicht nur verboten ist, sondern jene Wahl dadurch ungültig macht und daher nur Geistliche zu dieser Wahl berufen sind,
möchte dieser Geistliche doch lieber alles "als eine Sache der göttlichen Vorsehung" erscheinen lassen ...

Und genau diese Einstellung ist widernatürlich, weil jene Geistlichen sich in vergleichbaren Dingen genau entgegengesetzt verhalten: Dann müssten sie nämlich genauso die Feier des hl. Messopfers unterlassen. Jeden Morgen müssten sie überlegen: "Hat mich ein Bischof aus der Hierarchie der katholischen Kirche zum Priesterdienst gesendet? - Nein: der Bischof, der mich geweiht hat, stand als bloßer "Weihbischof" außerhalb der kirchlichen Hierarchie. Er war sozusagen "Notbischof“: er hatte zwar die kirchliche Weihe, er hatte aber keine ordentliche kirchliche Sendung, denn zu jenem Zeitpunkt war die kirchliche Hierarchie infolge der Apostasie bereits zerfallen. Weil mir als Priester also gar keine ordentliche kirchliche Sendung erteilt worden ist, darf ich das heilige Messopfer nicht feiern, sondern muss lieber alles "zu einer Sache der göttlichen Vorsehung erklären!"

Zu Recht denken und handeln diese Priester aber nicht so, sondern sie bringen das tägliche hl. Opfer dar! Also müssten sie sich genauso entschieden für die Wiederherstellung der kirchlichen Hierarchie einsetzen! Jesu Christi Ankündigung des Fortbestandes der Kirche bis zum Weitende schließt ein das strikte Gebot zur Erhaltung der Kirche, gerichtet an diejenigen, von deren Mitwirkung der Fortbestand der Kirche auch abhängt: die der katholischen Kirche zuzurechnenden Geistlichen. Indem sie bei Vakanz des päpstlichen Stuhles einen Papst zu wählen haben und indem der Gewählte, falls er nicht entschuldigt ist, vor Gott verpflichtet ist, das Amt anzunehmen und auszuüben. Mit der Annahme der Wahl des kommenden Papstes ist bereits das lebendige Lehramt, das lebendige Hirtenamt und das Priesteramt, ist die Jurisdiktionshierarchie der Kirche wieder vollständig hergestellt und der Defektzustand der hl. Kirche dadurch behoben.

Allein die der katholischen Kirche zuzurechnenden Kleriker sind zur Papstwahl berechtigt und verpflichtet! Denn die "Konzilskirche" (des sog. II. Vat. Konzils) und die katholischen Kirche sind zwei gegensätzliche Gebilde: Die in die „Konzilskirche" eingebundenen Religionsdiener und deren "konservative Nachläufer“ können keinen Papst der katholischen Kirche wählen - eben weil sie nicht der katholischen Kirche angehören! Kann man sich einer solchen Binsenweisheit verschließen, ohne sich dem berechtigten Vorwurf der Säumigkeit, der Ignoranz, der Gleichgültigkeit, der Pflichtvergessenheit, der fehlenden Caritas der hl. Kirche gegenüber, ja des Verdachts der fehlenden Zugehörigkeit zur katholischen Kirche auszusetzen?

Fragen Sie doch bei Gelegenheit einmal den Priester Ihres Vertrauens, ob er, der doch täglich das hl. Messopfer feiert, obwohl er keine ordentliche kirchliche Sendung besitzt, nicht ebenso bereit sei, einen Gedanken an die Wiederherstellung der derzeit papstlosen Kirche aufzuwenden. Sie werden wohl ähnliche Erfahrungen machen wie ich. - Falls Sie jedoch wider Erwarten eine entgegengesetzte Antwort erhalten sollten, bitte ich dringend um Rückmeldung über die Redaktion der "Einsicht": der Diamant von unschätzbarer Kostbarkeit, auf den Sie dann gestoßen sein sollten, wird die Urzelle sein, aus der sich die reinigende Gewitterwolke der wieder erstehenden hl. Kirche bilden wird!

Es erscheint mir als ein ungeheuerliches Vorgehen, als Priester der katholischen Kirche zwar feierlich das hl. Messopfer ohne das „una cum" zu zelebrieren, herumzureisen und in eigenen kleinen "Messzentren" und "Gemeinden" emsig das Tagesgeschäft der Seelsorge zu verrichten, sich andererseits jedoch um die Wiederherstellung der hl. Kirche nicht einen Deut zu scheren: zwar das Eine zu tun, den derzeit vordringlicheren Gottesdienst aber zu verweigern. Das Haus des Herrn brennt seit über fünf Jahrzehnten lichterloh!

Denn genau das ist das Problem: die letzten Priester, die die Zerstörung der Hierarchie der Kirche und die Notwendigkeit ihrer Wiederherstellung durchaus erkannt haben, unternehmen zur Abhilfe dieser widernatürlichen Situation nichts! Und sie hinterlassen sichtbare Bremsspuren der Verweigerung: mit ihren Äußerungen reden sie sich um den eigenen Kopf und Kragen. Sie wissen um die Erforderlichkeit betreffend die Wiedererrichtung der kirchlichen Hierarchie - aber ihre Untätigkeit verrät sie: sie wollen offensichtlich nicht!

Über die Verwaltung der "Talente", die Gnade und die Würde des Priestertums, die Gott ihnen zugeteilt hat, wird ER Rechenschaft fordern. All das wird sich in jenem Moment in eine Last, in eine furchtbare Anklage verwandeln: Das Priestertum und die Sakramentenspendung zwar aus dem Schatz der Kirche entnommen zu haben, umgekehrt aber der aufs Äußerste bedrängten Kirche die längst nötige Hilfe verweigert zu haben und statt dessen als „eigener Papst sich selbst Papst genug" gewesen zu sein! Die Not der hl. Kirche erkannt zu haben, aber widernatürlicherweise nichts dagegen unternommen zu haben und nun mit leeren Händen dazustehen: mit der bloßen, nicht durch Taten bewiesenen Behauptung, als Priester der katholischen Kirche gewirkt zu haben. - Wenn sie einsichtig gewesen wären, hätten sie Gott gedient: sie wären ohne Zögern der hl. Kirche zu Hilfe geeilt! Diesen Gottesdienst in Form von Hilfe für die tödlich verwundete Kirche kann man nicht ungestraft Jahrzehnte lang verweigern! - Was für eine furchtbare Verantwortung: "Erscheine vor dem Herrn nicht mit leeren Händen" (Sirach 35, 4), denn "es ist schrecklich, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen." (Hebr. 10,31)

Nimm mir, dreieiniger Gott, bitte die Anfechtungen des immer öfter aufwallenden Zorns auf Deine Priester, der mir nicht zusteht, sondern Dir allein als Dein gerechter Zorn! Schenke Deinen Priestern Einsicht und Tapferkeit! Erweise ihnen Barmherzigkeit, so wie Du auch mir Barmherzigkeit erweist! - Ich selbst bin ja Sünder!

 
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