50. Jahrgang Nr. 1 / Februar 2020
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1. Die Gottesfrage: Gott als Schöpfer
2. Clerici vagantes oder Priester der kath. Kirche
3. Papa contra Papam
4. Über den Triumph des Kitsches
5. Abbas Agathon
6. Ungarns Premierminister Viktor Orbán
7. Europa: Antichristliche Angriffe erreichten 2019 ein Allzeithoch
8. Die leoninischen Gebete nach der hl. Messe
9. Erzbischof Viganò über Franziskus:
10. NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN...
11. Mitteilungen der Redaktion
Emil und das Weihwasser
 
Emil und das Weihwasser
– oder: Die Sehnsucht nach Gott


von
Eberhard Heller

Seit gut einem halben Jahr betreuen meine Frau und ich unseren jüngsten Enkel Emil einmal pro Woche, damit die Eltern, die beide berufstätig sind, ihren Professionen ungehindert nachkommen können. Emil ist gerade einmal eineinhalb Jahre alt. Er ist ein fixes Kerlchen, den man ununterbrochen im Auge behalten muß. Gerade beginnt er zu sprechen: Mama, Papa, Oma, Apa, womit der Opa gemeint ist, und ganz entschieden kann er „nein“ sagen, wenn ihm etwas nicht paßt. Ansonsten ist er ein richtiger Charmeur, der durch seine Spontaneität die Herzen seiner Mitmenschen sofort gewinnt.

Ich möchte Sie aber nicht mit den Freuden eines Großvaters langweilen, wenn es da nicht einen Vorgang gäbe, der meine Frau und mich in Erstaunen versetzt hat und dem ich einige Zeilen widmen möchte. Bei uns im Flur hängt ein Weihwasserbecken an der Wand. Abends, wenn Emils Papa kommt, um ihn wieder abzuholen und er ihn reisefertig zusammengepackt hat, läßt er, wenn er am Weihwasserbecken vorbeikommt, ein deutliches „Ä“, Ä“ verlauten - Weihwasser kann er noch nicht sagen -, wobei er signalisiert, daß die Oma oder der Opa ihm mit dem Weihwasser ein Kreuz auf die Stirn zeichnen soll… und dann er geht zufrieden mit Papa zum Auto.

Woher kommt diese Sehnsucht nach Zeichen göttlicher Gnade, denn die soll ja das Weihwasser vermitteln. Dieses Wasser trägt die Segenskraft in sich, die ihm der segnende Priester verleiht. Wie fällt sie, die Sehnsucht nach Gott in die Seele dieses kleinen Kerlchens? Hat er mitbekommen, wie der Opa den Mitgliedern der Familie gelegentlich beim Abschied ein Kreuz auf die Stirne zeichnete? Ist es diese Beobachtung, die ihn anregt, auch bezeichnet zu werden? Es ist auf jeden Fall rührend, wie sich die kindliche Seele dem Göttlichen öffnet. Ähnliches haben wir auch bei unserem 4-jährigen Nachbarsjungen erlebt, der manchmal etwas traurig wirkt, aber gerne zu uns kommt, um mit dem Emil zu spielen. Wenn er dann wieder nach Hause geht, greift er auch zum Weihwasser, um sich zu bekreuzigen, ohne daß wir ihn auf den Gebrauch des Segenswasser angesprochen hätten.

Die Kinderseele ist weit offen für den göttlichen Samen, den wir als Eltern oder Verwandte in sie hineinversenken sollen. Wenn die Kinder schon etwas älter sind und mehr begreifen, hören sie in der Regel mit großer Aufmerksamkeit zu, wenn man von Gott redet oder mit ihnen das Abendgebet spricht. Und diese Niederlegung des göttlichen Samens wird zerstört, wenn die Eltern ihre Kinder in einer KITA einfach ablegen und die Verpflichtungen gegenüber den Kleinen abschütteln wie Staub aus schmutzigen Kleidern. Und hat nicht Christus selbst den kleinen Kinder seine besondere Aufmerksamkeit geschenkt und sie gesegnet? - gegen den Willen der Jünger, die ihren Meister durch diesen Andrang belästigt sahen? „Sie brachten aber auch die kleinen Kinder zu ihm, daß er sie anrühre. Als aber die Jünger es sahen, fuhren sie sie an. Jesus aber rief sie herbei und sprach: Lasset die Kinder zu mir kommen und wehrt es ihnen nicht! Denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht annehmen wird wie ein Kind, wird nicht hineinkommen. (Lk, 18, 15-17 vgl. auch Mt 19, 14)

Jesus umarmte die Kinder, legte ihnen die Hände auf und segnete sie (vgl. Mt 19,15) Ja, diese Kleinen sind die Lieblinge Gottes!! Und Christus droht jenen, die diese himmliche Hülle verletzen oder zerstörend in diese Sphären eindringen, mit dem Ertränken. „Wer einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, für den wäre es besser, wenn ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er in der Tiefe des Meeres versenkt würde. (Mt 18, 6) Ist es nicht erstaunlich, daß Kinder wie der kleine Emil gleichermaßen religiöse Akzente oder Handlungen von uns einfordern? Hat diese kindliche Sehnsucht nach Zeichen des Übernatürlichen nicht auch etwas damit zu tun, daß Gottes Sohn hier auf die Erde kam als kleines Kind, das, obwohl Herr, sich in aller Demut den Mantel des hilflosen Kindes umlegte, um hier in aller Bedürftigkeit sein irdisches Leben zu beginnen… jener Gott-Mensch, der am Ende der Zeiten „in großer Macht und Herrlichkeit“ (Lk 21, 27) wiederkommen wird, uns zu richten?

Diesem göttlichen Kind sollen wir entgegen gehen, aus ihm unsere Freude gewinnen, die alles Weh dieser Welt übersteigt, die ihre schamlose Verachtung gegenüber dem Willen Gottes offen zeigt. Das göttliche Kind ist das Licht, das in dieser Dunkelheit leuchtet und unsere Herzen erhellt. Es - das göttliche Kind - ist die Hoffnung, die uns das Leben wieder gibt, es uns einhaucht. Wir müssen es nur aufnehmen, denn „allen, die ihn, [den Gottes Sohn] aufnahmen, gab er Vollmacht Kinder Gottes zu werden.“ (Joh 1, 12) Speziell für unsere Zeit und die damit verbundenen Anstrengungen sind die folgenden Zeilen geschrieben: „Das Lächeln ist der eigentliche Triumph über die Welt! Aber dieser Triumph wird nur errungen um den Preis einer wirklichen, auf das Letzte gehenden Auseinandersetzung eben mit dieser Kraft der Hölle!“

 
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