48. Jahrgang Nr. 3 / August 2018
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1. Gebet in der Dämmerung
2. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben
3. Das Kreuz mit dem Kreuz
4. Auf dem Weg zur Unterwerfung
5. Nachlese...
6. Mittel gegen den Zorn
7. Der Sauerteig der Welt
8. Die Hoffnung, niemals tiefer fallen zu können, als in Gottes Hand
9. Die bunte Gesellschaft ist vorgezeichnet
10. Leserbriefe
11. Buchbesprechungen:
12. Nachricht:
13. Mitteilungen der Redaktion
Arianer, Nicäaner, Modernisten, Lefebvristen, Sedisprivationisten, Sedisvakantisten, Nonkonformisten und Schlafmützen: Maran atha! - Komm Herr!
 

Arianer, Nicäaner, Modernisten, Lefebvristen, Sedisprivationisten, Sedisvakantisten, Nonkonformisten und Schlafmützen: „Maran atha! - Komm Herr!“

 

von

R. F. Schmidt

 

Wenige Kilometer westlich der Stadt Spital/Österreich liegen die antiken Überreste der römischen Stadt Teurnia an der Drau. Darunter zwei Kirchenbauten, nur einige hundert Meter voneinander entfernt. Zwei Kirchengebäude zur selben Zeit in dieser damals von der Einwohnerzahl her schrumpfenden römischen städtischen Ansiedlung um das fünfte

Jahrhundert n. Chr.: ein purer Luxus. Was hat es damit auf sich?

Der eine Bau weist das Bodenterrain einer nicäanischen Kirche auf, der andere ist die Ruine eines arianischen Kirchenbaus. Kein Luxusproblem also, sondern eine strikte Trennlinie: Vor etwa eintausendsiebenhundert Jahren trennten sich die Anhänger des Arius von der damaligen (Rest-)Kirche, da die Arianer einem „anderen Gottesverständnis“ huldigten: Jesus Christus sei in der Zeit erschaffen und daher nicht wesensgleich mit Gott, sondern ihm untergeordnet, er sei ihm nur ähnlich. Die Arianer bildeten keine bloße Randgruppe, sondern waren zahlenmäßig mehrere Jahrhunderte stark vertreten. Zu ihnen gehörten insbesondere die zur Blütezeit des Arianismus christianisierten Völkerschaften der Goten und Germanen. Ein Martyrer dieses Glaubenskampfes war der Prinz des westgotischen Reiches in Spanien, der hl. Hermengild (+585), dessen Fest die Kirche am 13. März feiert. Er als Katholik verweigerte den Empfang der Osterkommunion durch einen arianischen Bischof. Sein arianischer Vater, der König, ließ ihn daraufhin enthaupten.

Das Dogma von der Dreieinigkeit Gottes weist die Lehre des Arius als Irrlehre zurück, zuerstauf dem Konzil von Nicäa, 325 n. Chr., und danach auf dem ersten Konzil von Konstantinopel, 381 n. Chr.. Unser nicäanisches, unser großes Glaubensbekenntnis lautet demnach: „... Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn. Er ist aus dem Vater geboren vor aller Zeit. Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gott; gezeugt, nicht geschaffen.“ Die so entstandene arianische „Kirche“ hatte allerdings die Spenderiten des Weihesakraments nicht verändert. So wie auch Martin Luther waren die arianischen Bischöfe und Priester gültig geweiht, also fähig, das hl. Messopfer zu feiern und die Sakramente wirksam zu spenden. Weil sie sich aber in der oben angeführten Glaubensfrage von der (Rest-)Kirche unterschieden, waren sie nicht katholisch, sie gehörten nicht zur katholischen Kirche.

Und heute? Zwar hat die „Kirche des II. Vatikanums“ unter Montini 1969 das Priestertum abgeschafft, indem sie den alten Spenderitus der katholischen Kirche abgeschafft und durch ihren eigenen, „neuen“, Ritus ersetzt hat, der das Priestertum nicht zu übertragen vermag, weil den außerhalb der hl. Kirche stehenden Apostaten keine kirchliche Gewalt über die Umgestaltung des Spenderitus der Kirche Jesu Christi gegeben ist: „Du hast ja die Erkenntnis weggeworfen, und so verwerfe ich auch dich, daß du mir nimmer Priester seist.“ (Osee 4, 6) Aber auch in der heutigen Zeit gibt es Priester, wirksam geweihtnach dem alten Spenderitus der katholischen Kirche.

Aber genügt die Zugehörigkeit zum Priestertum, um sich als Priester der katholischen, der einen Kirche Jesu Christi auszuweisen?

Die intakte katholische Kirche verfügt über die Weihehierarchie, dazu gehören alle zu Priestern oder Weihbischöfen Geweihten. Und sie verfügt über die Jurisdiktionshierarchie, die Ämterhierarchie, dazu gehören der Papst, die Ortsbischöfe und die (Orts)Pfar-rer und die Oberen der Ordensgenossenschaften. Die wirksam geweihten Priester und Weihbischöfe gehören der Weihehierarchie an. Ihnen ist aber mittels der Weihe kein Amt übertragen worden. Sie sind durch die Weihe nicht in die Jurisdiktionshierarchie eingegliedert. Diese Trennung von Weihehierarchie und Jurisdiktionshierarchie ist im Kirchenrecht vorgegeben. Die Weihehierarchie ist nicht zerstört, solange es gültig geweihte Priester und Weihbischöfe gibt. Seit etwa fünf Jahrzehnten fehlt aber mittlerweile die Jurisdiktionshierarchie, weil nach dem mit Ende des II. Vatikanums vollzogenen Abfall von der katholischen Kirche die wenigen Amtsträger der katholischen Kirche, die im äußeren oder im inneren Widerstand gegen diese Neuerungen verharrten, mittlerweile verstorben sind. Die meisten sich aber mit der Apostasie arrangierten und in die „neue Kirche“ übergelaufen sind. Diese gehören damit nicht mehr zur katholischen Kirche. Die Jurisdiktionshierarchie, die Ämterhierarchie der Kirche ist daher derzeit zusammengebrochen.

In der früheren Zeit der hierarchisch geordneten (vorkonziliaren) katholischen Kirche waren die Priester von einem Oberen der katholischen Kirche, etwa dem zuständigen Ortsbischof in ihr Amt eingesetzt. Sie waren damit in die Jurisdiktionshierarchie der Kirche eingegliedert. Die Verantwortung für deren Tun und Lassen oblag damit den kirchlichen Oberen und nicht den Laien.

Heute gibt es daher keine Priester mehr, die sich auf diese ordentliche Sendung durch einen Oberen der katholischen Kirche berufen könnten, der seinerseits von einem Oberen der katholischen Kirche die kirchliche Sendung erhalten hätte. Blindes, ungeprüftes Grundvertrauen in die Zugehörigkeit dieses oder jenes Priesters zur katholischen Kirche hat daher keine Grundlage. Die Priester selbst sind demnach zur Erklärung verpflichtet, ob sie katholisch, ob sie rechtgläubig sind – und vor allem: was sie unter Rechtgläubigkeit verstehen.

 

Was ist das Wesen der katholischen Kirche?

„Seiner Kirche hat Christus die Perpetuität (Dauerhaftigkeit) und Indefectibilität (Unversehrtheit) verheißen. Ist der Zweck der Kirche, das Heil, das in Christus erschienen ist, allen Menschen aller Zeiten zu vermitteln, so muss auch die Kirche fortbestehen und

in ihr all das, was zur Erreichung dieses Zweckes notwendig ist... Daraus folgt... notwendig die Unverirrlichkeit, Unfehlbarkeit der Kirche. Kann die Kirche nicht aufhören, so auch nicht ihre wesentliche Grundlage, ihr Glaube; ist die Kirche unveränderlich in ihrem Wesen, so muss sie es in ihrem Glauben sein. Diese Unfehlbarkeit hat Christus, der die Wahrheit selbst ist, seiner Kirche verheißen; er hat uns angewiesen, überall der Kirche zu folgen, ihrem Ausspruch unser Urteil zu unterwerfen (vergl. 2 Kor. 10, 5); Er selbst würde uns in Irrtum führen, wenn die Kirche irren, also in Irrtum führen könnte. Würde die von Christus gestiftete Kirche in Irrtum fallen, so wärenicht mehr bei ihr der Geist der Wahrheit, der nach Christi Verheißung bei ihr bleiben und sie in alle Wahrheit einführen soll; sie wäre nicht mehr, wie der Apostel sie nennt, die Kirche des lebendigen Gottes, Pfeiler und Grundfeste der Wahrheit. Die Unverirrlichkeit der Kirche … beruht aber auf dem Lehramt der Kirche, dem Christus die ... Unfehlbarkeit verheißen hat.“ - So lauten knapp und präzise die Ausführungen von Hergenröther („Lehrbuch des katholischen Kirchenrechts“, Freiburg i.B., 1888), die in Wirklichkeit nichts anderes als die Essenz der stets vorgetragenen Lehre der Kirche enthalten.

Zur Heilsnotwendigkeit des katholischen Glaubens hat Papst Leo XIII. in seinem Apostolischen Rundschreiben „SATIS COGNITUM“ vom 29.6.1896 (vollständiger Abdruck: „Einsicht“ 4/2009, S. 57 ff.) ausgeführt: „Aus dem Gesagten geht eindeutig hervor, daß Jesus Christus ein lebendiges, beglaubigtes und ewig fortdauerndes Lehramt in der Kirche eingesetzt hat, das er mit seiner Vollmacht ausstattete, mit dem Geist der Wahrheit ausrüstete und durch Wunder bestätigte; und er hat gewollt und aufs Nachdrücklichste eingeschärft, man solle die Vorschriften dieses Lehramtes aufnehmen, wie wenn es seine eigenen wären. Sooft folglich dieses Lehramt erklärt, diese oder jene Wahrheit gehöre zum Inhalt der von Gott geoffenbarten Lehre, dann hat jedermann fest zu glauben, daß dies wahr ist; könnte das jemals falsch sein, so würde daraus folgen, was ein offensichtlicher Widerspruch ist, daß nämlich Gott selber der Urheber des Irrtums im Menschen wäre…

Ist demnach jeder Grund zum Zweifel ausgeschlossen, wie kann dann jemand auch nur eine einzige jener Wahrheiten verwerfen, ohne sich damit in offene Häresie hineinzustürzen, ohne sich von der Kirche zu trennen und mit dem einen Satz die ganze christliche Lehre zu verwerfen? Aus der Natur des Glaubens folgt, daß nichts ihm so sehr widerspricht, als wenn man das eine glaubt und das andere verwirft. Die Kirche lehrt nämlich, daß der Glaube ... eine übernatürliche Tugend ist, durch die wir unter Anregung und mit Hilfe der Gnade Gottes seine Offenbarung für wahr halten, nicht wegen der natürlichen Vernunfteinsicht in den inneren Wahrheitsgehalt des Gegenstandes, sondern wegen der Autorität des offenbarenden Gottes selbst, der weder sich täuschen noch andere irreführen kann. (Vatikan. Konzil) Wer hingegen die geoffenbarten Wahrheiten auch nur in einem Punkte leugnet, streift in Wirklichkeit den Glauben ganz ab, da er sich weigert, Gott als die höchste Wahrheit und als den eigentlichen Beweggrund des Glaubens zu achten.“

Der rechte, der katholische Glaube ist Voraussetzung für die rechte Erkenntnis Gottes und die rechte Gottesverehrung. Und die Verheißung des rechten Glaubens an Seine Kirche bezieht sich auf die gesamte Menschheitsgeschichte seit dem Pfingstfest: Das, was die Apostel und deren Nachfolger gelehrt haben, kann zu späterer Zeit nicht umgestoßen werden. Wer es umwirft und uminterpretiert, der hat sich von der einen Kirche Jesu Christi getrennt. Der kann nicht Petrus und nicht Paulus, Apostel, sein. Der kann nicht Papst und er kann nicht Angehöriger der Hierarchie der Kirche sein, eben weil er sich von der Kirche getrennt hat. Und die religiöse Gemeinschaft, die solchen, die „ein anderes Evangelium“ verkünden, in diese „neue Sichtweise des Glaubens“ folgt, die kann nicht die Kirche Jesu Christi sein, sondern nur eine Gemeinschaft, die sich genau dadurch vom Weinstock getrennt hat. Und wie steht es heute um den katholischen Glauben derer, die tatsächlich Priester sind?


1.  Sind die nach „altem“, also gültigem Weiheritus geweihten Priester der „Kirche des II. Vatikanums“, die gelegentlich sog. Indult-Messen zelebrieren, katholisch? Zu den Gründungsdokumenten jener Konzilskirche gehört die Erklärung über die Religionsfreiheit „Dignitatis humanae“, 9. öffentliche Sitzung des sog. II. Vat. Konzils, 7.12.1965; dort heißt es (zitiert nach Denzinger/Hünermann, „Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen“, 37. A., Rdn. 4240, 4241): „Dieses Vatikanische Konzil erklärt, dass die menschliche Person das Recht auf religiöse Freiheit hat.… Demnach gründet das Recht auf religiöse Freiheit nicht in einer subjektiven Verfassung der Person, sondern in ihrer Natur selbst. Deshalb bleibt das Recht auf diese Freiheit auch gegen diejenigen erhalten, die der Verpflichtung, die Wahrheit zu suchen und an ihr festzuhalten, nicht nachkommen“.

Religiöse Freiheit bedeutet nichts anderes, als die Freiheit, das Höchste, Gott, anzuerkennen oder zu verwerfen. Wenn jedermann ein „Naturrecht“ auf religiöse Freiheit zusteht, dann kann es keinerlei Verpflichtung zum Suchen und Einhalten der Wahrheit geben, weil kraft dieses Naturrechts Wahrheit und Irrtum gleichwertig und gleichgültig sind: Diese Deklaration des Rechtes auf religiöse Freiheit hat damit gleichermaßen das Recht auf Befolgung der Wahrheit wie auch das Recht auf Verwerfung der Wahrheit in Geltung gesetzt: Als universell geltendes Naturrecht auf religiöse Freiheit gilt es auch gegenüber dem höchsten Gesetzgeber, Gott. Und dieses Naturrecht hat auch Bestand zugunsten derjenigen, „die der Verpflichtung, die Wahrheit zu suchen und an ihr festzuhalten, nicht nachkommen“. - Es sind in sich widersprüchliche, perplexe, diabolische Sätze nach Art der dämonischen Orakel: „Wenn du in den Krieg ziehst, wirst du ein großes Reich zerstören“.

Zu den Gründungsdokumenten jener „Kirche des II. Vat. Konzils“ gehören außerdem die „Dogmatische Konstitution über die Kirche, Lumen gentium“, 5. öffentliche Sitzung vom 21.11.1964 des sog. II. Vat. Konzils und die „Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nicht-christlichen Religionen, Nostra aetate“, 7. öffentliche Sitzung vom 28.10.1965 des sog. II. Vat. Konzils.

In „Lumen gentium“ (vgl. Denzinger/Hünermann, a.a.O., Rdn. 4140) heißt es: „die, welche den Schöpfer anerkennen, unter ihnen die Muslim(e), die“… „mit uns den einzigen Gott anbeten, den barmherzigen“ In „Nostra aetate“ (Denzinger/Hünermann, a.a.O., Rdn. 4197) heißt es: „auch die Muslime, die den einzigen Gott anbeten“ „und verehren Gott“ „Jesus, den sie freilich nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten“.

Wenn der dreieinige Gott in Wahrheit der „Gott“ Allah ist und umgekehrt, dann müßte der Koran (zitiert nach Max Henning, Übers. „Der Koran“, Reclam, Stuttgart, 1991) inhaltlich dasselbe offenbaren wie der Glaube der Kirche lehrt: „Wahrlich, ungläubig sind, die da sprechen: Siehe, Allah ist ein Dritter von drei. Aber es gibt keinen Gott denn einen einigen Gott. Und so sie nicht ablassen von ihren Worten, wahrlich, so wird den Ungläubigen unter ihnen schmerzliche Strafe.“ (Sure 5, 73 (77)) „Und es sprechen die Nazarener: Der Messias ist Allahs Sohn. Solches ist das Wort ihres Mundes. Sie führen ähnliche Reden wie die Ungläubigen von zuvor. Allah schlag sie tot! Wie sind sie verstandeslos!“ (Sure 9, 30 (30)), „Sind Sie denn sicher vor der List Allahs?“ (Koran, Sure 7, 99 (97)), „Und Allah schmiedete Listen, und Allah ist der beste Listenschmied“ (Sure 3, 54 (47) und Sure 8, 30 (30)); „Allahs aber ist die List allzumal“ (Sure 13, 42 (42)). Ist dieser Gott des Listenreichtums, dieser „Vater der Täuschung“ etwa derselbe wie der von Jesus angekündigte Beistand?: „Wenn aber der Beistand kommen wird, den ich vom Vater senden werde, den Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird von mir Zeugnis geben.“ (Joh. 15, 26)?

Beide Behauptungen „wir glauben doch alle an den einen, also glauben wir auch alle an denselben Gott, denn der Gott ist ja schließlich derselbe, nur im Gottesverständnis unterscheiden sich die Religionen“, und „ab jetzt darf sich Jedermann auch Gott gegenüber darauf berufen, IHN, Gott und den Glauben an IHN abzulehnen“, verhöhnen die unwandelbare Lehre Christi, wonach nur der gerettet ist, „der sich – auf den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist - taufen lässt und glaubt“.

„Aber sollten auch wir oder ein Engel vom Himmel euch eine andere Heilsbotschaft verkünden wollen, als wir euch verkündet haben, der sei verflucht! Was ich eben gesagt habe, das wiederhole ich jetzt: Sollte jemand euch eine andere Heilsbotschaft verkünden, als die ihr erhalten habt, so sei er verflucht!“ (Gal. 1, 8 und 9)

Die Verlautbarungen der Konzilsväter des sog. II. Vat. Konzils sind nichts anderes als das

öffentliche Bekenntnis des Abfalls vom dreieinigen Gott: „Wer an den Sohn Gottes glaubt, der hat das Zeugnis (Gottes) in sich. Wer Gott nicht glaubt, hat ihn zum Lügner gemacht, weil er an das Zeugnis nicht glaubt, das Gott von seinem Sohne gegeben hat.“ (1. Joh. 5, 10–12), „Viele Verführer sind in die Welt hinausgegangen, die nicht bekennen, daß Jesus Christus im Fleische erschien. So einer ist der Verführer und der Antichrist. Seht euch vor, daß ihr nicht verliert, was ihr erarbeitet habt, sondern daß ihr vollen Lohn empfangt. Jeder, der darüber hinausgeht und in der Liebe Christi nicht verharrt, hat Gott nicht. Wer in der Lehre verharrt, der hat den Vater und den Sohn. Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht mitbringt, so nehmt ihn nicht ins Haus auf und grü.t ihn nicht.“ (2. Joh. 7–10)

Eine „Kirche“, deren „Päpste“ mit den Anhängern Allahs und des Talmuds, deren jeweilige Gottheiten bekanntlich keinen Sohn haben, zum „gemeinsamen Gott“ beten und die mit den versammelten Anhängern aller Religionen die Gottheiten der versammelten Anwesenden verehren, kann nicht die von Jesus Christus gegründete und geleitete Kirche sein. So wie die arianischen Religionsdiener gültig geweihte Priester waren, so wie Martin Luther Priester war, so sind auch die nach „altem“ Ritus gültig geweihten Geistlichen der „Kirche des II. Vatikanums“ Priester. Aber Glieder der katholischen Kirche sind sie nicht.

2. Sind die Geistlichen der von Erzbischof Lefebvre gegründeten Gemeinschaft katholisch?
Deren Theologen behaupten, die „Konzilskirche“ sei die katholische Kirche. Ist das wahr? War die Lehre der katholischen Kirche wahr, wonach die Verwechselung des „Gottes“ Allah mit dem dreieinigen Gott das Bekenntnis des Abfalls vom Glauben ist und wonach der Mensch verpflichtet ist, Gott, die höchste Wahrheit zu suchen und ihr zu folgen, dann muss die neue Lehre der Konzilskirche, wonach Allah und der Gott des Talmuds und die Dreieinigkeit ein und derselbe Gott sind und wonach jeder Mensch ein Naturrecht auf Befolgung oder Verwerfung Gottes besitzt, unwahr sein - oder umgekehrt. In jedem der beiden Fälle hätte die katholische Kirche geirrt: entweder die vorkonziliare katholische Kirche oder die durch die Beschlüsse des sog. II. Vatikanums gegründete Konzilskirche. Demnach leugnen jene sich katholisch nennenden Theologen das Dogma der Unfehlbarkeit der Kirche Christi, sie leugnen die göttliche Leitung der hl. Kirche: „Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der VATER in MEINEM Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ (Joh. 14,26), „Doch wenn jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit einführen. “ (Joh. 16, 13)
Genauso wie zuvor die Führer der „Kirche des II. Vatikanuns“ die hl. Dreifaltigkeit mit dem Gott Allah verwechselt haben, verwechseln jene Theologen die apostatische Konzilskirche und deren Führer mit der katholischen Kirche und mit dem Papst der katholischen Kirche und verhöhnen so Jesus Christus selbst, denn sie erklären Seine Worte für Unsinn: „Und sehet, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“ (Matthäus 28, 20) – Sie erkennen die Führungsfigur der Konzilskirche nur deshalb als Papst der katholischen Kirche an, weil sie weder die katholische Kirche noch einen Papst brauchen. Weder die katholische Kirche noch deren Papst bedeuten ihnen irgendetwas, denn sie selbst sind sich „Papst“ und „katholische Kirche“ genug. Das ist die Apostasie des Führungszirkels jener „frommen Brüder“. Diese Haltung war und ist von der Wurzel her anti-christlich. Ich warne ausdrücklich davor, jene Gemeinschaft im Gefolge des Erzbischofs Levebvre als eine Gruppierung katholischen Glaubens zu betrachten.
Den dort zu Priestern Geweihten ist während ihrer Ausbildung sozusagen als blinder Fleck im Auge verbleibend der Eindruck vermittelt worden, dass vieles, was die Kirchengeschichte vorzuweisen habe einschließlich mancher Dogmen, lediglich der Kirchen- und Machtpolitik der jeweiligen Kirchenfürsten zuzuschreiben sei. Dass der Heilige Geist sozusagen nur höchst selten durch ein Kirchenfenster in das Innere der Kirche hineingeschaut habe. Sie verwechseln die Una Sancta mit denjenigen Hirten, die gesündigt haben. Sie verwechseln die heilige Kirche mit Personen, die, obwohl als Hirten der Kirche bestellt, aus ihrer Amtsstellung heraus und durch ihren Wandel die Kirche beschmutzt haben. Und sie neigen dazu, Verfehlungen und angebliche Verfehlungen aufzubauschen. Sie vertauschen damit Regel und Ausnahme. Hinter vorgehaltener Hand halten sie die hl. Kirche für eine durchaus fehlbare Institution, die hin und wieder lichte Momente erlebt habe. Sie lassen dabei aber gänzlich außer acht, dass die hl. Kirche ein dreifaches Wesen aufweist: Die Kirche ist der Leib Christi. Soweit es die Gläubigen betrifft, sind diese bedürftig und mit Fehlern behaftet, sie können schlechte Früchte bringen. Sie können sich sogar vom Weinstock trennen. Die Kirche erfährt und erduldet von ihren eigenen Mitgliedern Leid.
Soweit es die Institution, die Heilsanstalt Kirche selbst und deren Lehr-, Hirten und Priesteramt betrifft, ist sie „die makellose Braut“: „Ihr Männer, liebet eure Frauen, so wie Christus die Kirche geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat, um sie zu heiligen, indem er sie reinigte im Wasserbade durch das Wort (des Lebens). Herrlich wollte er die Kirche für sich selbst darstellen, ohne Makel, ohne Runzel oder andere Fehler; heilig sollte sie vielmehrsein und ohne Fehl.“ (Eph. 5, 27). Soweit es aber schließlich das Haupt dieser hl. Kirche, Jesus Christus, betrifft, ist ER GOTT und Mensch zugleich, und damit ist die hl. Kirche nicht nur göttlichen Ursprungs, sondern zugleich auch göttlichen Wesens, göttlicher Natur.
Den so Ausgebildeten fehlt der Glaube an die heilige Kirche, obwohl sie bei der täglichen Feier des Heiligen Messopfers beim Glaubensbekenntnis feierlich bekennen: „Ich glaube an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“. Sie haben in ihrem praktischen Denken einen durch und durch häretischen Begriff von der heiligen Kirche verinnerlicht. - „Es werden Tage kommen, da ihr euch danach sehnt, auch nur einen Tag des Menschensohnes zu sehen, aber ihr werdet ihn nicht sehen. Man wird zu euch sagen: Siehe, da ist er! Siehe, dort ist er! Geht nicht dahin und lauft ihnen nicht nach!“ (Lukas 17, 22 und 23) Jene sind nicht rechtgläubig, sie sind nicht katholisch.

3. Sind aber nicht wenigstens die Geistlichen der von Erzbischof Lefebvre gegründeten Gemeinschaft katholisch, die insgeheim dieser Irrlehre des Leugnens der Unfehlbarkeit der Lehre der Kirche nicht anhängen und die insgeheim den Thron Petri für derzeit vakant und die katholische Kirche eben nicht in der Kirche des II. Vatikanums verwirklicht sehen? Lautet der Missionsbefehl etwa: „Gehet hinaus in alle Welt und vergrabt die Lehre Christi über Seine Kirche tief in euren Herzen und verleugnet euren Glauben“? Und wie sollen sie denn das darlegen, dessen Gegenteil sie öffentlich bezeugen? Durch ihr praktisches Handeln, durch ihre Zugehörigkeit zur Gemeinschaft nach Erzbischof Levebvre leugnen sie das Wesen der Unfehlbarkeit der Kirche Christi; sie leugnen ihre göttliche Leitung.

4. Sind nicht jene nach „altem“ Ritus wirksam geweihten Priester katholisch, die sozusagen eine vermittelnde Position einnehmen, indem sie der auf Mgr. Guérard des Lauriers zurückgehende These vom „Semi-Sedivakantismus“ huldigen, die „materialiterformaliter- These“, die gelegentlich auch als „Sedisprivationismus“ oder als „Cassiciacum-These“ bezeichnet wird? Des Lauriers vertrat die Ansicht, weil die neue Messordnung Pauls VI. und die von ihm promulgierte  Konzilserklärung „Dignitatis humanae personae“ vom 7.12.1965 häretisch seien, sei der nur „materialiter“, aber „nicht mehr“ „formaliter“  Papst. Ihm sei der von Christus seiner Kirche verheißenen göttlichen Beistand abhanden gekommen. Seine Amtshandlungen in Lehramt und Regierung seien ungültig. Doch bleibe er „materiell“ „unser Pontifex“, der rechtmäßig den Apostolischen Stuhl innehabe, und diesen Stuhl könne folglich kein anderer einnehmen.
Aberwitzig an diesem mit einem theologischen Mäntelchen kaschierten Dickicht von Irrtümern ist bereits die Grundlage, die Aufspaltung des Papstseins in „materialiter: ja“, „formaliter hingegen: nein“. Beim Papst-sein wie beim Schwanger-sein gibt nur ein Ja oder ein Nein, aber keine Zwischenstufen. Häretisch falsch ist die These, jemand könne das Papstamt tatsächlich erlangen – und es sodann durch Verkündung einer Irrlehre wieder verlieren. Könnten wahre Päpste in öffentlich verkündete Irrlehren verfallen, wäre das Lehramt der Kirche, das (auch) durch die Päpste spricht, nicht unfehlbar, sondern schlicht gemeingefährlich: es verkündete Wahres wie Falsches wild durcheinander gemengt. Damit wird dem Lehramt der Kirche Christi die Unfehlbarkeit in der Verkündigung der Lehre Christi abgesprochen – das ist Häresie. Diabolisch falsch ist die These, die Kirche müsse wegen der Existenz eines solchen Scheinpapstes ohne das Leitungsamt auskommen. Die Folgerung sind geradezu satanisch: Weil der den Stuhl Petri Blockierende nicht von diesem Stuhl entfernt werden dürfe, könne er systematisch bis zu seinem Ableben viele weitere päpstliche Irrlehren als Glaubensdogmen der Kirche Jesu Christi verkünden.
Wahr hingegen ist: Die Scheinpäpste seit Johannes XXIII. waren – schon bei Besetzung des Stuhles Petri - unrechtmäßige Besetzer dieses Stuhles, denn sie haben das Papstamt nie erlangt. Entweder, weil sie aus in ihrer Person liegenden Gründen, etwa wegen vor-angegangener Häresien oder Apostasie, Zugehörigkeit zur Loge oder wegen fehlender Taufe, die Papabilität, der Tauglichkeit zum Papstsein nicht besaßen oder weil sie in ungültiger Wahl gekürt wurden oder wegen beiden vorgenannten Defekten. Sie waren seit ihrer Besetzung des Stuhles Petri dem bloßen Schein nach Päpste, sie waren Nichtpäpste: Eben nur weil sie Scheinpäpste waren, konnten sie als Nichtpäpste von der Lehre Jesu Christi abweichen.
Priester, die solchen Thesen betreffend die Kirche Christi anhängen, leugnen das Wesen der Unfehlbarkeit der Kirche Christi; sie leugnen ihre göttliche Leitung. Denn nur weil sie die Unfehlbarkeit des Lehramtes und die unbedingte Bindung des Hirtenamtes der Kirche der Sache nach leugnen, können sie Scheinpäpste zu Päpsten „materialiter“ erklären: Sie sind Priester, aber sie sind nicht rechtgläubig, sie sind nicht katholisch.

5. Sind die nach „altem“ Ritus wirksam geweihten Priester katholisch, die sich von der apostatischen Gemeinschaft der Kirche des II. Vatikanums zwar fern halten, sich aber als Männer des Friedens in diese nutzlosen Streitfragen – Kirche oder „Kirche“ und Papst oder „Papst“ - nicht einmischen wollen und die statt dessen ruhig und besonnen ihren priesterlichen Pflichten nachgehen und die so den katholischen Glauben verteidigen? Es gibt eine Zeit des Friedens und es gibt eine Zeit des Kampfes. Derzeit allerdings herrscht Krieg; und wer da nicht kämpft, der ist fahnenflüchtig. Ihre priesterlichen Pflichten sind insofern fragwürdig, weil sie über keine ordentliche Jurisdiktionsgewalt verfügen: Kein Oberer aus der Jurisdiktionshierarchie der katholischen Kirche hat sie in diese Pflichten eingesetzt - außer sie sich selbst. Sie selbst und sie allein also müssen erläutern, was sie unter Rechtgläubigkeit verstanden wissen wollen – viel eher aber noch, ob ihnen Rechtgläubigkeit, Katholisch-sein überhaupt etwas bedeutet. Und wie wollen sie etwas darlegen oder beweisen, wo sie sich doch um solche „Spitzfindigkeiten“ – Kirche oder apostatische Gegenkirche und Papst oder Widersacher Christi vor der Kulisse des Stuhles Petri - offensichtlich nicht scheren?

6.
Sind nicht wenigstens erwiesenermaßen die nach altem Ritus wirksam geweihten Priester katholisch, die der Irrlehre des Leugnens der Unfehlbarkeit der Lehre der Kirche und des Leugnens der Verbindlichkeit der Leitung der hl. Kirche nicht aufgesessen sind und Ja, wenn die deshalb sowohl den Stuhl Petri für derzeit unbesetzt halten und die auch nicht das Lehramt und nicht das Hirtenamt der katholischen Kirche in der Kirche des II. Vatikanums „verwirklicht“ sehen – und die dies auch öffentlich kundtun? es denn so einfach wäre! Ich will offen bezeugen, warum ich hier nicht sofort und nicht mit einem uneingeschränkten „Ja“ antworte: Zwar würde allein die Behauptung, dass weder die moderne Konzilskirche mit der katholischen Kirche, noch deren Führer mit Hirten der (wahren) Kirche identisch sein können und dass folglich die Kirche unsichtbar, führungslos und resteweise irgendwo im Untergrund fortexistieren müsse, für die Annahme der Rechtgläubigkeit ausreichen. Aber: Falls sie tatsächlich erkannt haben sollten, dass die hl. Kirche unsichtbar, führungslos und resteweise irgendwo im Untergrund fortexistiert, dann ist die jahrzehntelang eingenommene Haltung der Untätigkeit um so unverständlicher! Die Kirche Jesu Christi ist kein Selbstzweck. Sie besteht nicht um ihrer selbst willen, sondern sie ist göttliche Stiftung, sie ist die Heilsanstalt Jesu Christi. Sie ist als solche hierarchisch – und nicht demokratisch – verfasst: „Ihr aber habt mit mir in meinen Anfechtungen ausgeharrt; so vermache ich denn euch das Reich, wie mein Vater es mir vermacht hat.“ (Lk 22, 28-29) Sie ist daher eine hierarchisch geordnete Gemeinschaft und keineswegs eine zusammenhanglose Ansammlung voneinander unabhängiger Messzentren, denen Priester vorstehen, die außer ihrem Gewissen keine Autorität über sich dulden.

Pius XII., der derzeit letzte Papst der einzigen Kirche Jesu Christi hat in seinem Apostolischen Rundschreiben „Mystici corporis Christi“ vom 29.6.1943 kristallklar die Notwendigkeit der kirchlichen Ordnung dargelegt: „Da nun aber dieser gesellschaftliche Leib Christi, wie Wir oben dargelegt haben, nach dem Willen seines Stifters sichtbar sein muß, so folgt notwendig, daß auch jenes Zusammenwirken aller Glieder äußerlich in Erscheinung treten muß, durch das Bekenntnis des selben Glaubens, durch die Gemeinschaft der selben Sakramente und die Teilnahme am selben Opfer, wie auch durch die tätige Beobachtung der selben Gebote. Zudem muß durchaus ein allen sichtbares Oberhaupt vorhanden sein, von dem die Tätigkeit und die Zusammenarbeit aller wirksam auf die Erreichung des vorgesteckten Zieles gerichtet wird: Wir meinen den Stellvertreter Jesu Christi auf Erden. Wie nämlich der Erlöser den Beistand, den Geist der Wahrheit, gesandt hat, damit Er an Seiner Stelle die unsichtbare Leitung der Kirche übernehme, so hat Er dem Petrus und seinen Nachfolgern aufgetragen, Ihn auf Erden zu vertreten und die sichtbare Leitung der christlichen Gemeinschaft zu übernehmen. Aus alledem, was Wir in Unserem Schreiben an Euch, Ehrwürdige Brüder, bisher dargelegt haben, geht klar hervor, daß sich jene in einem schweren Irrtum befinden, die sich nach eigener Willkür eine verborgene, ganz unsichtbare Kirche vorstellen, ebenso wie jene, die sich die Kirche als eine Art menschlicher Organisation denken mit einer bestimmten satzungsgemäßen Ordnung und mit äußeren Riten, aber ohne die Mitteilung des überna-türlichen Lebens. Es ist darum Unser Wunsch, es möchten alle, die in der Kirche ihre Mutter erkennen, eifrig erwägen, daß tatkräftige Mitarbeit zum Aufbauen und zum Wachstum des Mystischen Leibes Jesu Christi nach dem Maß ihrer Stellung Pflicht aller Glieder der Kirche ist...“
„Ich glaube an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“ - so betet der Priester, so beten wir bei der Feier des heiligen Messopfers das Glaubensbekenntnis. Dieses Wissen um die Notwendigkeit der hierarchisch geordneten Kirche Jesu Christi scheint den letzten sedisvakantistischen Priestern abhanden gekommen zu sein: Unentwegt müssten sie schreien über die Zerschlagung der Hierarchie der heiligen Kirche – aber sie scheinen wegzuschauen: „Wird aber der Menschensohn, wenn er kommt, auf Erden den Glauben finden?“ (Lukas 18, 8) – Wird Er bei Seinem Kommen zur Reinigung zum Zwecke der Rettung der künftigen Generationen auf dem gesamten Erdenrund überhaupt irgendwo noch den rechten Glauben an den dreieinigen Gott, an die Menschwerdung Gottes, an das Erlösungswerk des Gottmenschen Jesus Christus und an die deswegen von Ihm gegründete Heilsanstalt, die hl. Kirche Jesu Christi vorfinden?
Etliche Priester scheinen zwar den „Papst“ der „modernen Kirche“ nicht für den Papst und die „moderne Kirch“ nicht für die katholische Kirche zu halten, aber die Konsequenz des Abfalls dieser äußerlich sichtbaren, strukturierten Institution „katholische Kirche nach dem II. Vatikanum“ will ihnen nicht recht über die Lippen kommen. Sie huldigen einer falschen Barmherzigkeit. Keine Frage: So wie auch in mancher der protestantischen Kirchen mögen sich in dieser apostatischen Gemeinschaft der Kirche des II. Vatikanums gutwillige Gläubige aufhalten. Aber deswegen ist weder diese oder jene protestantische Gemeinschaft noch die Konzilskirche mit der in Lehre und Leitung unfehlbaren katholischen Kirche Jesu Christi zu verwechseln.
Etliche von den dem Widerstand zuzurechnenden Priestern wollen offensichtlich nur das noch nicht gänzlich Zerstörte, die Feier des hl. Messopfers, die Spendung der Sakramente erhalten und fortführen. Sie selbst scheinen sich Kirche genug zu sein. Sie lassen keinerlei Anstalten erkennen, sich auch nur ansatzweise um eine Thematisierung des Wiederaufbaus der Hierarchie der Kirche Christi zu bemühen. Sie zerstückeln damit die Kirche Jesu Christi in „Kirchen“, in „Messzentren“, weil sie keinerlei Anstrengungen unternehmen, das Zerstörte, die zerstörte Hierarchie der Kirche Christi wieder aufzubauen.
Trotz der durch den Abfall der kirchlichen Hierarchie entstandenen Zerstreuung der Reste der katholischen Kirche scheinen sie die Gemeinschaft, den Gedankenaustausch untereinander nicht zu suchen. Wenn sie „ihre“ „Messzentren“ aufsuchen, dann ein jeder das seine. Der eine fährt von Norden nach Süden, der andere von Süden nach Norden, der eine von Osten nach Westen, der andere von Westen nach Osten. Sie verhalten sich beinahe so, als wäre ein jeder von ihnen der letzte Priester der katholischen Kirche und als gehörten die anderen sedisvakantistischen Priester allesamt anderen Religionsgemeinschaften an. Meinem Dafürhalten nach liegt eine Tendenz zur Eigenbrödelei, zur Absonderung und zum Schisma in diesem Verhalten.
Wer auch immer heute das Priestertum ausübt, kann sich nicht auf einen plötzlich eingetretenen Abfall der kirchlichen Hierarchie und der ihnen folgenden Gläubigen und seine Unfähigkeit berufen, diese für alle so plötzlich und so neu eingetretenen Situation zu bewältigen: Die Generation der rechtgläubigen Priester, die, in der Blüte ihrer Jahre stehend, vom Schock der in den höchsten Rängen der Kirchenhierarchie stattfindenden Apostasie getroffen und gelähmt schien, ist längst verstorben.
Die Jetzigen können sich auch keineswegs damit herausreden, jedes Handeln für den Wiederaufbau der Kirche Christi sei unnütz, denn unmittelbar auf den Großen Abfall folge doch die Wiederkunft Christi: Seit dem gemeinschaftlich und feierlich zelebrierten Abfall vom Glauben, verkündet spätestens mit der Schlusssitzung des II. Vatikanums Ende des Jahres 1965 sind mittlerweile über 50 Jahre vergangen, ohne dass das Weltende eingetreten wäre. Der Abfall der Hierarchie der Kirche Christi liegt bereits über ein halbes Jahrhundert zurück – und sie haben es nicht einmal zu Wege gebracht, sich über die Situation der unsichtbar gewordenen und in alle Winde zerstreuten Kirche Jesu Christi und über die Beendigung dieses Unheils ernsthaft und gemeinsam Gedanken zu machen?
Diejenigen, die ihren Anteil am Priestertum durch die heilige Kirche erlangt haben und die täglich bei der Darbringung des Heiligen Messeopfers feierlich erklären: „Wir bringen sie – diese Gaben, diese Geschenke, diese heiligen, makellosen Opfergaben – Dir dar vor allem für deine heilige katholische Kirche", welchen Einsatz leisten sie denn für die Wiederherstellung der heiligen Kirche? - „Ist es denn Zeit für euch, in euren Häusern, den getäfelten, zu ruhn, obgleich dies Haus in Trümmern liegt? Nun überlegt einmal, so spricht der Herr der Heerscharen, wie es euch bisher ergangen ist! Ihr sät viel aus; doch wenig erntet ihr… So spricht der Herr der Heerscharen: Überlegt doch, wie es euch bisher erging! Dann steiget auf die Berge! Herbei mit Holz und baut das Haus! Dies wird mich freuen und mich ehren. So spricht der Herr. Ihr machet Platz für viel und seht: Es ward nur weniger. Und was ihr eingeheimst, das blies ich weg. Weshalb? Ein Spruch des Herrn der Heerscharen. Um meines Hauses willen, das in Trümmern liegt, und jeder unter euch ist nur geschäftig für sein Haus.“ (Agg. 1, 4–9)
Es ist ein großen Unglück: es scheint eine verkümmerte, eine eigenbrödlerische, eine unwissende Generation von Geistlichen, die hart am Rande der häretischen und der schismatischen Haltung agiert, weil sie sich bisher beharrlich und dauerhaft geweigert hat, das Notwendige anzugehen: den gemeinschaftlich durchzuführenden Wiederaufbau der kirchlichen Hierarchie, und die daher ihre tatsächliche Zugehörigkeit zur katholischen Kirche erst noch durch Taten des Wiederaufbaus unter Beweis zu stellen hat. Die Scheidung der Geister ist noch keineswegs vollzogen.
Für die heilige Kirche scheinen derzeit die Worte der Heiligen Schrift zu gelten: „Zieht fort, ihr Kinder! Zieht nur fort! Ich muß verlassen sein, vereinsamt. Ich zog die Kleider meines Heiles aus und hüllte mich in meines Elends Bußgewand. Zum Ewigen schreie ich, solange ich lebe.“ (Baruch 4, 19 und 20), „Dem Weibe aber wurden beide Flügel des großem Adlers gegeben, damit es an seine Stätte in der Wüste fliege, wo es eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit ernährt wird, fern von der Schlange. Die Schlange spie aus ihrem Rachen Wasser dem Weibe nach, gleich einem Strome, damit es von dem Strome fortgerissen werde.“ (Offb, 12, 14 und 15) Rösch („Das Neue Testament“, Verlag Schöningh, 1932) führt als Anmerkung zu Kap. 12, 1 -17 der Offenbarung des hl. Johannes dazu aus: „Das Weib, von dem hier die Rede ist, ist die Kirche Christi; sie erscheint unter dem Bilde der Gottesmutter. Die Kirche trägt geheimnisvoll Christus, den Gottessohn und Weltherrscher, in ihrem Schoße.“
Und dennoch wird ein Tag kommen, da werden sich wenige Priester aus ihrer selbst verschuldeten Einsamkeit aufmachen und zusammenfinden. Und sie werden gemeinsam
feststellen, dass die heilige Kirche durchaus wieder sichtbar gemacht werden muss, dass die zerstörte Hierarchie der heiligen Kirche durchaus wieder hergestellt werden musss. Und sie werden herausfinden, dass die einzigen, die dies bewerkstelligen - und die einzigen, die dies verhindern - können, sie selbst sind. Ab dann wird es nicht mehr weit sein bis zur „Geburt des Knaben“, bis zum „Erscheinen“ des nächsten Nachfolgers auf dem Stuhle Petri: - „Horch! Aus der Stadt Getöse. Vom Tempel her Getöse! Horch nur! Der Herr zahlt seinen Feinden heim. Bevor noch die Wehen kommen, ist schon die Geburt erfolgt; bevor noch Schmerzen kommen, ist der Knabe da. Wer hörte je, wer sah dergleichen? Dauern Wehen für ein Land nur einen Tag? Wird sonst ein Volk in einem Augenblick geboren? Doch kaum ist Sion wehe, sind seine Kinder da. ‚Ja sollte ich nicht zur Geburt verhelfen und gebären lassen?’ So spricht der Herr. ‚Ja sollte ich, der ich gebären lasse, selbst das Gebären hemmen?’ So spricht dein Gott. Erfreut euch mit Jerusalem! Frohlocket mit ihm allesamt, die ihr es liebt! In großer Freude freut euch mit ihm, die ihr darüber trauert!“ (Isaias 66, 6–10)
Denn nicht nur das Priestertum muss erhalten bleiben, sondern auch das Lehramt und das Hirtenamt der heiligen Kirche müssen wieder hergestellt werden: die beiden Zeugen, die zwei Ölbäume und die zwei Leuchter, die zwei Propheten vor dem Herrn, die die Welt mit ihrer Glaubens- und Sittenlehre „belästigt“ haben. Es muss wieder Lebensgeist von Gott über das Lehr- und das Hirtenamt der hl. Kirche kommen, sie müssen sich wieder auf ihre Füße stellen: - „Sie (die Heiden) werden die heilige Stadt zertreten zweiundvierzig Monate lang. Und ich werde meinen zwei Zeugen geben, in Bußgewändern zu prophezeien tausendzweihundertsechzig Tage lang. Diese sind zwei Ölbäume und die zwei Leuchter, die vor dem Herrn der Erde stehen. Wenn sie aber ihr Zeugnis beendigt haben, wird das Tier, das aus dem Abgrund steigt, sie bekriegen, besiegen und töten. Und ihre Leiber werden liegen auf den Straßen der großen Stadt, die bildlich Sodoma und Ägypten heißt, wo auch ihr Herr gekreuzigt wurde. Drei und einen halben Tag lang werden die Leute aus den verschiedenen Stämmen, Ländern, Sprachen und Völkern ihre Leichname anschauen und nicht zugeben, daß sie in Gräbern beigesetzt werden. Und die Bewohner der Erde werden sich über sie freuen und frohlocken und einander beschenken, weil diese zwei Propheten die Bewohner der Erde belästigt haben. Allein nach drei und einem halben Tag kam Lebensgeist von Gott über sie. Sie stellten sich auf ihre Fü.e und große Furcht befiel alle, die sie sahen.“ (Offb 11, 2–11)
„Am 28. August 1820 hatte Anna Katherina das folgende tröstliche Bild über die Erneuerung der heiligen Kirche. Sie erzählte: „Ich hatte ein Bild von der Peterskirche, als schwebe sie über der Erde, und als eilten viele Leute heran, um unter sie zu treten und sie zu tragen. Groß und klein, Priester (Anmerkung des Verfassers: man beachte genau - hier ist nur vom Priestertum, hier ist nur von der Weihehierarchie und hier ist nicht von der Jurisdiktionshierarchie die Rede: weder von Bischöfen, noch von Kardinälen, geschweige denn von einem Papst!) und Laien, Frauen und Kinder, ja sogar alte Krüppel sah ich dies tun. Es war mir dabei ganz ängstlich, denn ich sah, wie der Kirche überall der Einsturz drohte. Die Grundmauern und der ganze untere Teil schienen auseinanderzufallen. Da stellten aber die Leute überall ihre Schultern unter, und indem sie dies taten, waren sie alle gleicher Größe. Es war jeder an seiner Stelle, die Priester unter den Altären, die Laienunter den Pfeilern und die Frauenzimmer unter dem Eingang. Sie alle trugen sogar große Lasten, daß ich meinte, sie müßten zerquetscht werden. Über der Kirche aber war der Himmel offen, und die Chöre der Heiligen sah ich durch ihre Gebete und Verdienste die Kirche aufrecht halten und den unten Tragenden helfen. Ich befand mich zwischen beiden schwebend und flehend. Ich sah aber, daß die Tragenden die Kirche eine Strecke vorwärts trugen, und daß eine ganze Reihe von Häusern und Palästen ihr gegenüber wie ein Ährenfeld, über das man hinschreitet, in die Erde sank, und daß die Kirche (Anmerkung des Verfassers: man beachte – die Kirche – und nicht nur ihre Ruinen!) da niedergesetzt wurde.“ (zitiert aus Anna Katharina Emmerich, Visionen, Pattloch-Verlag, 1972, S. 102)
Gelobt, gepriesen und gebenedeit sei dieser Tag, an dem die heilige Kirche wieder sichtbar errichtet sein wird, an dem es neben Modernisten, Lefebvristen, Sedisprivationisten, Nonkonformisten und Schlafmützen wieder die sichtbare, die hierarchisch gegliederte Gemeinschaft der katholischen Kirche gibt: „Maran atha! - Komm Herr!“
 
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