47. Jahrgang Nr. 4 / November 2017
Zum Archiv | Suche




1. Weihachten
2. Joseph und der Engel
3. Franz fährt das Christkind im Schlitten
4. Das Jesuskind schläft, und die Jungfrau betrachtet es
5. Offener Brief an Herrn Dr. Georg Bätzing, Bischof von Limburg
6. Unkonventionelle Utopien - kuriose Retrospektiven
7. Nachrichten, Nachrichten, Nachrichten...
8. Das ist Rassismus
9. Am Rande notiert
10. Die Bergpredigt
11. Tracy Gillett über Kinder-Erziehung
12. In memoriam H. H. Pfr. Josef von Zieglauer
13. Bücherbesprechung
14. Mitteilungen der Redaktion
In memoriam H. H. Pfr. Josef von Zieglauer
 
In memoriam H. H. Pfr. Josef von Zieglauer

von
Eberhard Heller

Im hohen Alter von 92 Jahren ist am 22.10.2017 nach längerem Leiden der letzte Geistliche im Alpenraum, Josef von Zieglauer, gestorben. Von seiner Haushälterin Maria war er aufopfernd betreut worden. Seine Kirche in Spinges/Südtirol stellte für viele Gläubige lange Zeit ein religiöses Refugium dar. Die Kirche, hoch oben in den Bergen gelegen, verlangte, daß man aus dem Brixener Tal die vielen Serpentinen meistern mußte, bis man schließlich auf der Hochebene zuerst die Kirche und dann das Dorf sah.
H.H. Pfarrer Josef von Zieglauer wurde am 11. Mai 1925 in Bozen als jüngstes von 8 Kindern des Arztes Dr. Hugo von Zieglauer geboren. 1936 übersiedelte die Familie aus beruflichen Gründen des Vaters nach Mailand und 1940 nach Wien. Den Krieg erlebte v. Zieglauer als Soldat. Mit 18 Jahren wurde er an die Ostfront berufen. Er diente in Rumänien und Russland, wurde verwundet und kam in ein Lazarett in Polen. 1945 wurde er nach Schleswig Holstein versetzt, wo er in Gefangenschaft geriet. 1946 kehrte er aus der Gefangenschaft zurück. Er besuchte dann das Gymnasium in Innsbruck und studierte anschließend an der Gregoriana in Rom und in Brixen Theologie. Zu seinen Kommilitonen in Rom zählte damals auch der spätere Reformer Küng. 1952 wurde er in Brixen zum Priester geweiht. Seine erster Einsatz als Kooperator in der Seelsorge war die Gemeinde in Stilfes. Bis 1964 war er anschließend als Pfarrer in Schalders tätig. Von 1964 bis 1984 war er Pfarrer von Mühlwald und seit 1984 betreute er die Pfarrei Spinges. Am 29. Juni 2002, dem Fest Peter und Paul, feierte Pfr. v. Zieglauer sein goldenes Priesterjubiläum. Unter reger Anteilnahme des Dorfes, begleitet von der Schützenkompanie, feierte er dort am 15. Mai 2005 dort seinen 80. Geburtstag. Für ihn war es ein bitteres Erwachen, als ihm etliche Jahre später seine Pfarrkirche von den Modernisten genommen wurde und er die hl. Messe in der Kalvarienkapelle nebenan lesen mußte, in der es im Winter bitter, bitter kalt war. Aber v. Zieglauer war ein zäher Kerl, der viel in den Bergen unterwegs war. Bis ins hohe Alter hat er in der Kapelle als Priester gewirkt, um später nur noch im Wohnzimmer seiner Wohnung zelebrieren zu können.
H.H. Pfr. Josef von Zieglauer hatte sich, wie er in der Predigt zu seinem 40. Priesterjubiläum betont hatte, "zum Priestertum berufen  gefühlt, weil er gegenüber dem früher oder später unvermeidlichen Zusammenbruch rein menschlicher Ideologien von der göttlichen, immer gleichbleibenden und alleinseligmachenden Wahrheit des katholischen Glaubens fasziniert war". (Zeitung "Dolomiten" Nr. 256, 1992). Mit der Umsetzung der Beschlüsse des sog. II. Vatikanums begann für Pfr. v. Zieglauer die Auseinandersetzung mit den kirchlichen Oberen, begann ein Prozeß, in dem er von seinen Konfratres in der Diözese immer mehr ausgegrenzt wurde, der bis zur völligen Isolierung führte. Die Auseinandersetzungen mit der sog. Amtskirche erreichten ihren Höhepunkt in den Jahren zwischen 1992 und 94 und wurden noch dadurch verschärft, daß man ihm Abhängigkeit von Econe unterstellte. Diesen Verdacht räumte er in einer Leserzuschrift an den ALTO ADIGE vom 28.7.94 aus: "[...] wenn ich den überlieferten Ritus beibehalte, tu ich es nicht, weil es mir Erzbischof Lefebvre angeordnet hat, sondern weil ich meiner Überzeugung folgen muß. Weder ich noch mein pensionierter Mitbruder in St. Lorenzen (d.i. der inzwischen verstorbene Pfr. Pedevilla) stehen in irgendeiner Anhängigkeit zur Pius-Bruderschaft oder Petrus-Bruderschaft." Zeitweise war v. Zieglauer Mitarbeiter bei der EINSICHT. Er war ein exzellenter Kenner des AT und konnte das Opfer Abrahams in Beziehung setzen zum Opfer Christi. Wir haben ihn die letzten Jahre regelmäßig zusammen mit H.H. Fr. Krier besucht, der ihm auch die Letzte Ölung spendete, und einen Priester erlebt, der trotz aller Bitterkeit und Einsamkeit seinen Humor nicht verloren hatte.

In memoriam H. H. Rev. Josef von Zieglauer

by
Eberhard Heller
transl by Fr.  Courtney Edward Krier

At the age of 92, on October 23, 2017, after suffering for a long time, the last spiritual man in the Alpine region, Josef von Zieglauer passed away. He had been sacrificially cared for by his housekeeper, Maria. For the longest time his church in Spinges / South Tyrol was a religious retreat for many believers. The church, situated high up in the mountains, demanded that one had to master the many serpentine curves from the Brixen valley until finally reaching the plateau in which one first saw the church and then the village.
The Reverend Pastor Josef von Zieglauer was born the youngest of eight children to Doctor Hugo von Zieglauer on May 11, 1925, in Bolzano, Italy. In 1936, his family moved first to Milan for professional reasons and then, in 1940, to Vienna. Living through the Second World War, v. Zieglauer was drafted as a soldier. At the age of 18, he was called to the Eastern Front. He served in Romania and Russia, was wounded and entered a military hospital in Poland. In 1945 he was transferred to Schleswig Holstein, where he was taken prisoner. In 1946 he returned from imprisonment. He then attended the University in Innsbruck and then studied theology at the Gregoriana in Rome and Bressanone. Among his fellow students in Rome was the later reformer Hans Küng. In 1952 he was ordained a priest in Brixen. His first assignment as an Assistant in pastoral care was the community in Stilfes. Then, in 1964 he was assigned as a pastor in Schalders. From 1964 to 1984 he was pastor of Mühlwald and since 1984 he was in charge of the parish Spinges. On June 29, 2002, the Feast of Peter and Paul, Rev. V. Zieglauer celebrated his priestly golden jubilee. With great consideration from the village, accompanied by the village Guard Reserves, on May 15, 2005, he also celebrated his 80th birthday in Spinges. It was a bitter awakening for him when, a few years later, his parish church was taken by the modernists and he received only permission to recite holy Mass in the adjacent Calvary Chapel—where it was unpleasant and bitterly cold in winter. But V. Zieglauer was a tough man who was traveling extensively on foot through the mountains. He continued to work in the chapel until his advanced age confined him to celebrating holy Mass in the living room of the Rectory.
Reverend Father Joseph von Zieglauer “had felt his call to the priesthood”, as he had emphasized in the sermon for his 40th priestly jubilee, “because he was confronted with the inevitable collapse of pure human concepts of the divine, eternal, and absolute truth and was fascinated with the Catholic faith". (Newspaper "Dolomites" No. 256, 1992). With the implementation of the decisions of the so-called Vatican II began Rev. v. Zieglauer’s  confrontation with his ecclesiastical superiors, a process began in which he was increasingly marginalized by his diocesan counterparts, and eventually led to his complete isolation. The clashes with the so-called official church reached its peak in the years between 1992-94, exacerbated by the fact that he was suspect of dependence on Econe. He dismissed this suspicion in a readers note to the ALTO ADIGE of July 28, 1994: "[. . .] if I keep the traditional rite, I do not do it because Archbishop Lefebvre has ordered it, but because of myself. Neither I nor my retired brother in St. Lawrence (i.e., the now deceased Rev. Pedevilla) are in any way attached to the Pius Fraternity or the Peter Fraternity." At times v. Zieglauer contributed to EINSICHT. He was an excellent expert on the Old Testament and contrasted the relationship of the sacrifice of Abraham to the sacrifice of Christ. In the last years of his life we, together with Rev. Fr. Krier—who administered the Last Rites to him—, had regular visits  to Father Zieglauer, and saw a priest who, in spite of all the bitterness in his life and loneliness, had not lost his sense of humor.
 
(c) 2004-2007 brainsquad.de