56. Jahrgang Nr. 5 / September 2026
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1. Bischöfliche Erklärung
2. Korrespondenz mit dem Team von Unam Sanctam
3. Hinweis zu Unam Sanctam
4. Sprüche der Väter
5. Hochwürden, Hochwürden
6. Für Rußland, seine orthodoxe Identität
7. Abt Nikodemus Schnabel warnt
8. Stoppt das „Queer-Papier“ für katholische Schulen
9. Ex oriente lux!
10. Neue Klostergründung
11. Bischof Carlo Maria Viganò,
12. 80 Messerangriffe – jeden Tag:
13. Inschallah: Was uns bald ganz konkret bevorsteht
14. Zeitschriftenkritik
15. Hinweis der Redaktion
16. Nachrichten, Nachrichten, Nachrichten...
Zeitschriftenkritik
 
Zeitschriftenkritik
Ein Problem ohne Lösung!
Israel, die USA und der Nahe Osten


Das „Compact Spezial“- Sonderheft (Ausgabe 47) befaßt sich auf 90 Seiten unter dem Haupttitel „Schurkenstaat“ mit der „Geschichte und Gegenwart Israels“. Für den Vordenker des politischen Zionismus und Gründervater Israels, Theodor Herzl, dessen Visionen als Zufluchtsort für seine bedrohten Glaubensgenossen viele von ihnen dennoch nicht teilten, stand von Anfang an fest: „Wir würden den Vorpostendienst der Kultur gegen die Barbarei besorgen!“ Tatsächlich war in vielen Ländern der Antisemitismus auf dem Vormarsch, und in seinem 1896 erschienenen Buch „Der Judenstaat“ findet sich von der Dreyfus-Affäre über die Brandschatzung russischer Judendörfer, Pogromen in Rumänien, Deutschland, Österreich und Nordafrika einiges, was den uralten Gedanken an die Herstellung eines Judenstaates zumindest erklärbar macht. Doch der macchiavelli-stisch-globale Ansatz, die ungelöste Judenfrage „zu einer Weltfrage“ (Herzl) zu machen trug bereits den Keim eines manichäischen, messianischen „Idealismus“ in sich, und dies obwohl Herzl alles andere als ein gläubiger Jude war.

Die Jewish-Company sollte den Kauf passender Ländereien organisieren, was ihm vorschwebte war ein jüdisches Arbeiterparadies, modern, produktiv und sozialistisch. Bereits dies führte bei vielen integrierten europäischen Juden zu heftigen Irritationen, doch schließlich fiel 1897 beim Ersten Zionistischen Weltkongreß in Basel die Entscheidung. „In Basel gründete ich den Jüdischen Staat“ notierte Herzl in seinem Tagebuch. 1904 verstirbt er an einem Herzleiden und den Folgen einer Lungenentzündung. Dreizehn Jahre später wird Großbritannien mit der Balfour-Deklaration endgültig den Grundstein für die Gründung des Staates Israel legen – und damit die Axt an die friedliche Ordnung im Nahen Osten. Auf dem Höhepunkt des Ersten Weltkrieges führt der britische Feldmarschall Allenby noch im gleichen Jahr 1917 die Eroberung der Heiligen Stadt Jerusalem an, damit war die Büchse der Pandora endgültig geöffnet.

Die Briten wurden somit zu Steigbügelhaltern der Zionisten, indem sie eine imperialistisch motivierte Taktik benutzten, und ein Land, das ihnen nicht gehörte, einem einflußreichen und wohlhabenden Personenkreis übergaben, dessen Besitzanspruch sich aus alttestamentarischen Prophezeiungen ableitete. Die militärische Eroberung Palästinas unter General Allenby, der von den jüdischen Bewohnern Jerusalems als der heimgekehrte Messias gefeiert wurde, endete damit, daß man die nebulöse „Heimstatt“ ohne klare territoriale Grenzen kurzerhand der Macht des Stärkeren überließ, mit den verheerenden Folgen von Landraub, Vertreibung und Krieg. Die Umkehr von Opfern und Tätern verlief dank großangelegter zionistischer Propagandafeldzüge reibungslos. Die völlig unrechtmäßige Verschenkung Palästinas an die Zionisten und die darauf folgende terroristische und kriegerische Eroberung des Landes mußte notwendig zur militärischen Gegenwehr der Araber führen, die in einem blutigen Bürgerkrieg endete und im Mai 1948 zu einer Katastrophe, die auf Arabisch als „Nakba“ bezeichnet wird, die große Vertreibung.

Für die Palästinenser wird es zu einem Jahr des Schreckens, der israelische Staatsbürgerkrieg kostet 15.000 palästinensischen Arabern das Leben, über 500 arabische Dörfer werden zerstört oder entvölkert. Insgesamt werden zwischen 600.000 und einer Million Palästinenser – rund 80 Prozent der Bevölkerung – von den Einwanderern, die vor allem aus Rußland und Osteuropa kommen, vertrieben. Die Zionisten kaufen das Land zu Spottpreisen, gründen Siedlungen, bewaffnete Untergrundarmeen wie Haganah, Irgun und Lehi, die mit Terrorakten operieren und schließlich zu organisierter bewaffneter Gegenwehr der Araber und zu Pogromen führt. Die ungezügelte Landnahme führt auf beiden Seiten zu Gewalt und Bombenanschlägen. Besonders berüchtigt sind Greueltaten wie der Anschlag auf das King David Hotel in Jerusalem und das Massaker von Deir Yassin, bei dem es zu grausamen Vergewaltigungen, Verstümmelungen und Massenmorden kommt, begangen durch Irgun-Terroristen, worauf eine massive arabische Fluchtbewegung einsetzte. Diplomaten und Vermittler, die sich redlich für einen Ausgleich einsetzen, wie Graf Bernadotte, werden kaltblütig von zionistischen Terroristen ermordet. Mit ihm stirbt für viele Araber die letzte Hoffnung auf Frieden.

Zwar mußte Israel 1956 im Krieg mit Ägypten, dem sogenannten „Suez-Debakel“, zunächst eine schwere Niederlage hinnehmen, denn Washington verweigerte jegliche Unterstützung für Israel, Frankreich und Großbritannien und kooperierte stattdessen mit Moskau, dem Verbündeten des ägyptischen Präsidenten Nasser. Doch schon im Sechstagekrieg 1967, angeblich ein Verteidigungskrieg Israels, verdreifachten die Zionisten ihr Staatsgebiet und besiegten die arabischen Armeen durch gezielte Präventivschläge. Das Resultat war die Vertreibung weiterer Hunderttausender Araber. Von nun an wurden Israels „Blitzkriege“ geradezu legendär, obwohl man die Kriegsgründe selbst in den USA für fingiert hielt.

Es folgten palästinensische Selbstmordanschläge, die Gründung bewaffneter Freischärlergruppen wie El Fatah unter Yassir Arafat, die Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP), die vor allem mit spektakulären Flugzeugentführungen, bei denen sie auch mit deutschen Terroristen der RAF zusammenarbeitete, auf sich aufmerksam machte, die Demokratische Front für die Befreiung Palästinas“ (DFLP) oder die As Saika, die unter syrischem Einfluß stand. Das Ziel Eretz Israel, die Groß-Israel-Strategie, konnten diese Gruppen jedoch nicht aufhalten. Größeren Einfluß erlangten indes die vom Iran unterstützte schiitische Hizbollah im Libanon und die islamistische Hamas im Gaza-Streifen. Doch auch hier baut Israel unter Berufung aus Selbstverteidigung ohne Rücksicht auf Verluste seine Vormachtstellung aus. Der Gaza-Streifen liegt inzwischen in Trümmern, die Menschen dort verhungern, aber der Völkermord folgt einem perfiden Plan: Die Palästinenser sollen auch hier vertrieben werden, die gesamte Region den geopolitischen und geostrategischen Interessen Israels und der USA unterworfen werden. Nur so ist auch der gemeinsame Angriff auf den schiitischen Iran zu erklären, der sich jedoch den Aggressoren nicht beugt.

Tatsächlich zeigen sich im Nahen und Mittleren Osten westliche Hybris und Menschenverachtung, längst gelten hier keine politischen und diplomatischen Spiegelregeln mehr, das (Kriegs-)Völkerrecht ist außer Kraft gesetzt. Während der Westen in Phraseologie und Realitätsverweigerung versinkt, die westlich-säkulare Rationalität den Israel-Palästina-Konflikt nicht einmal ansatzweise versteht und in der Geopolitik scheitert, brachte Israel eine neue Führung hervor, die die nicht-jüdische Bevölkerung vertreibt und von der Tora und der rabbinischen Tradition alttestamentarische Bräuche rücksichtslos umsetzt. Der Westen ist ein System, das zunehmend unfähig ist, Phänomene zu erklären, die auf eschatologischen und metaphysischen Denkweisen beruhen, die von jüdischen Fundamentalisten und mit diesen verbündeten US-amerikanischen Puritanern betrieben werden. Israel und die USA sehen die Spannungen im Nahen Osten als notwendige Vorboten einer apokalyptischen Vision. Dieser Gedanke ist die treibende Kraft der zionistisch-evangelikalen Eschatologie, der inzwischen die Außenpolitik Israels und der USA prägt.

Vor dem Hintergrund des Armageddon tobt sich die Gewalt der Bosheit und des Bösen aus, der Drang nach Groß-Israel vom Nil bis zum Euphrat, verbrämt als „Göttliche Intervention, die das Zeitalter der Erlösung beschleunigen wird“, ist religiöser Fundamentalismus plus völkermörderischer Machtpolitik, messianisch im Charakter, in Wahrheit jedoch besessen von Dämonen. Wenn wir an Jesus Christus glauben, wenn wir Christen sind, dann ist das alles zumindest sehr plausibel. Die westliche Zivilisation und ihre Führer sind von einer Legion sehr greifbarer Dämonen besessen, die sich nur schwer abschütteln lassen. Dazu gehören der Pädophilie-Fall Epstein, der Völkermord und die ethnischen Säuberungen in Gaza, die Bombardierungen des souveränen Staates Iran, die Erkenntnis, daß die USA von Israel regiert werden, und zwar von einem grausamen, unmenschlichen Israel aus den Zeiten des Alten Testaments. Und da stellt sich die Frage, warum wir das Heilige Land den Zionisten zur vollständigen Herrschaft überlassen haben, trotz der Resolutionen der UNO von 1947. Jetzt läßt es das alte Damaskus bombardieren, nachdem es dort den Mörder und Terroristen Al-Dschulani an die Macht gebracht hat. Es scheint, daß die heutige israelische Führung mit aller Macht das Tor zur Hölle öffnen will, inklusive eines Dritten Weltkrieges.

Brechen wir die tiefverankerte Macht der pro-israelischen Lobby in unserer Außen- und Innenpolitik. Mit Judenfeindschaft und Antisemitismus hat dies nichts zu tun. Trotz unserer historischen Last, die niemand leugnet, müssen wir die Kraft aufbringen, uns nicht länger von einem aggressiven Militärstaat mit imperialistischen Ambitionen instrumentalisieren zu lassen.
Werner Olles
Kontakt: Compact Magazin. Gut Nöbeditz 1. 06667 Stößen. Das Sonderheft kostet 11,95 €. www.compact-online.de



Zeitschriftenkritik:
Theologisches


Der Theologe David Berger befaßt sich in der aktuellen Ausgabe der katholischen Monatsschrift „Theologisches“ mit der anthropologischen Krise der Moderne und der Seele im Algorithmus-Zeitalter. Vor diesem Hintergrund setzt er sich mit der Kritik Leos XIV. am Trans- und Postmodernismus auseinander. So stelle „die Vorstellung, der Mensch könne durch Technologie optimiert, biologisch überschrieben oder gar durch künstliche Systeme ersetzt werden, letztlich eine Revolte gegen die göttliche Schöpfungsordnung dar“. Nicht zufällig sei die transhumanistische Ideologie aus der Verbindung von Materialismus und Nihilismus hervorgegangen. Wo der Mensch keine feste Natur mehr besitze, werde er notwendigerweise zum manipulierbaren Projekt. Zudem folgen aus der Leugnung einer objektiven menschlichen Natur nahezu zwangsläufig die Rechtfertigung der Abtreibung, die Legitimierung der Euthanasie, die Gender- und Trans-Ideologie, die Praxis der Leihmutterschaft sowie die Auflösung von Ehe und Familie. Tatsächlich führe jeglicher Verlust der Gottesbeziehung notwendig zur Relativierung des menschlichen Lebens.

Dagegen habe die katholische Tradition stets betont, daß Wahrheit ontologisch begründet ist und nicht aus Machtverhältnissen hervorgeht. So formulierte bereits Augustinus gegen den Relativismus seiner Zeit: „Nimmt man die Gerechtigkeit hinweg, was sind Staaten anders als große Räuberbanden?“ Diese berechtigte Warnung wiederholte Benedikt XVI. 2011 in seiner Bundestagsrede und zog sich damit den Unmut der Staatsmedien und politischen Elite zu. Doch besteht die eigentliche Gefahr heute nicht nur darin, daß bestimmte Menschen durch technologische Entwicklungen marginalisiert werden, sondern darin, daß der Mensch als solcher nur noch als biologischer Computer verstanden wird. Tatsächlich durchzieht dieses Menschenbild heute weite Teile der Neurowissenschaften, der Verhaltensökonomie und des digitalen Kapitalismus. Freiheit, Vernunft und moralische Verantwortung erscheinen dort lediglich als Epiphänomene neuronaler Prozesse. Wenn aber der Mensch bloß Materie ist, kann seine Würde jederzeit utilitaristisch neu definiert werden.

Wenn jedoch Staaten oder supranationale Institutionen im Namen der Sicherheit umfassende Kontrolle über KI erhalten, entsteht die Gefahr eines technokratischen Leviathans und können dann zu Instrumenten der Überwachung und Zensur werden. Schon heute zeigt die politische und moralische Aufwertung supranationaler Strukturen und moderner globaler Organisationen, daß diese selbst häufig Träger ideologischer Programme sind, insbesondere hinsichtlich Abtreibung, Genderpolitik oder technokratischer Sozialsteuerung. Die entscheidende Antwort auf die technologische Krise der Moderne muß daher den Menschen wieder als das begreifen, was er nach klassischer christlicher Lehre ist: Nicht Maschine, nicht biologisches Material, sondern Geschöpf Gottes, berufen zur Wahrheit und zum ewigen Leben.
Werner Olles

Kontakt: Verlag nova & vetera. Estermannstr. 71, 53117 Bonn. www.theologisches.net



Buchbesprechung
Henri Sire (Marcantonio Colonna): Der Diktatorpapst.


Renovamen Verlag 2018.  Paperback 260 S. ISBN 978-3-95621-134-8. Preis  16.-€

Was mag einen renommierten Kirchenhistoriker und Diplomprofessor für moderne Geschichte veranlassen, als Pseudonym den Namen des Oberbefehlshabers päpstlicher Truppen aus dem Jahre 1571 anzunehmen? Man erinnere sich. 1571 siegte die Chri-stenheit in der Seeschlacht bei Lepanto vernichtend über die Türken. Nun, es scheint nicht ganz ungefährlich zu sein, ein sogenanntes „Schwarzbuch“ zu verfassen. Das Pseudonym erweist sich als Anklage gegen Franziskus, (den die Autorin für den amtierenden Papst hält; Anm.d.Red.) und will die Botschaft vermitteln, die katholische Sache nicht preiszugeben. Das profunde Insiderwissen des Autors löste in Rom zunächst eine Hexenjagd nach dem Urheber und Verdächtigungen aller Art aus. Erst im März 2018 lüftete der US-Verlag Regnery Press das Geheimnis und nannte den Verfasser. Dies führte zu dessen vorläufiger Suspendierung aus dem Malteserorden, dem er als Ritter seit 2001 angehörte und über dessen Geschichte er ein umfangreiches Werk veröffentlichte (The Knights of Malta), wozu er sich zwischen 2013 und 2017 am Ordenssitz in Rom aufhielt.

Sire unterteilt sein Buch in 8 Kapitel. Er entlarvt die Machenschaften der sogenannten St. Gallen-Mafia und durchleuchtet kenntnisreich P. Jorges Bergolios Tätigkeit in Argentinien, wobei die Beeinflussung durch Peron und dessen doppelgesichtige Strategien aufgedeckt werden. Einer ausführlichen Analyse unterzieht der Autor die drei großen Probleme (Kurienreform, weltweiter Missbrauchsskandal, Finanzskandal), die auf dem Tisch lagen als Franziskus neu gewählt wurde. Das Ergebnis der Untersuchungen bescheinigt den Resultaten Unausgegorenheit, Verwirrung und Ineffektivität. Henry Sire beschreibt die aufgespürten Mängel als: „...trivial... im schlimmsten Fall würden sie nur Franziskus´ totale Inkompetenz in Sachen Reform illustrieren. Die Wirklichkeit ist aber bei weitem schlimmer. Sie besteht aus einem Zustand chaotischer Rivalitäten und Konflikte, der durch Franziskus manipulative Methoden entstanden ist ...Und er dehnt sich auch auf den moralischen Zustand der Kurie aus ...“ (S.80). Kapitel IV beschäftigt sich mit den beiden Familiensynoden (vom 15. – 19. Oktober 2014 und vom 4. - 24. Oktober 2015) und dem neuen Zugang zur Sexualmoral. Sire erhebt hier den schweren Vorwurf der Manipulation. Nicht nur dessen eiserne Schweigen auf die Einwände der sog. „Dubia-Kar-dinäle“ bezüglich der Apostolischen Exhortation Amoris laetitia prangert er an, sondern vor allem auch den rüden Umgang mit vatikanischen Einrichtungen, welche früher die Aufsicht über die Kirchenlehre hatten. In Kapitel V wird minutiös die Zerschlagung zweier blühender Ordensgemeinschaften nämlich des männlichen und  weiblichen Zweiges der Franziskaner der Immaculata geschildert. Der Autor nennt bisher unbekannte Fakten und Sichtweisen des Problems. Schließlich widmet er sich dem Eingriff Franziskus in den Malteserorden. In einem Willkürakt wurde die Vereinigung ihrer Führung beraubt. Dem Vorgehen bescheinigt der „Insider“ Verrat, Demütigung des Gegners, eine unbekümmerte Haltung hinsichtlich der Morallehre der Kirche und letztendlich die sehr praktische Wertschätzung von Geld und Macht (vgl. S. 205 f).

Das VI. Kapitel des Buches trägt die verräterische Überschrift „Der Kreml Santa Marta“. Es wird dargelegt, dass der angeblich frische demokratische Geist, welcher gepaart mit zur Schau gestellter Bescheidenheit vom neuen Papst gepflegt und von der Presse frenetisch gefeiert wurde, in Wirklichkeit ein durchsichtiges Manöver ist. Santa Marta (das Gästehaus für Kardinäle) wurde um seiner neuen Bestimmung gerecht zu werden für zwei Millionen umgebaut. Nun hält Franziskus dort mit eisernem Griff seine Untergebenen in Schach. Henri Sire belegt, dass die Macht der korrupten lateinamerikanischen Hierarchie im Vatikan unter Franziskus stetig zunimmt. Es herrscht ein Klima des gegenseitigen Misstrauens und der Angst, eine fortwährende gegenseitige Bespitzelung. „Die Gunst in diesem Regime genießen Kriecher wie Kardinal Coccopalmerio, der seinen Einfluss nutzte, um den Priester Inzoli, der Kindsmissbrauch betrieben hatte, zu decken und der als seinen Sekretär Msgr. Luigi Capozzi einstellte, bis dieser auf einer Drogen- und Schwulenparty verhaftet wurde. Oder ein unverbesserliches Schlitzohr wie Kardinal Calcagno dessen düstere Vergangenheit als Bischof von Savona, ihn nicht dafür disqualifiziert, für die Reichtümer der Kirche verantwortlich zu sein. Oder Kardinal Baldisseri, dem gewieften Manipulator der Barmherzigkeit während der Familiensynode.“ (S.212).

Schließlich untersucht der Autor noch den Fall der beiden argentinischen Jesuiten Yorio und Jalics und versucht Licht auf die ungeklärte Frage des Verrats zu werfen. Auch nennt er bekannte Fälle von Korruption. Zur Sprache kommt u. a. die vermutete Zweckentfremdung des „Peterspfennigs“ für eine Wahlunterstützung Hillery Clintons. Henri Sire gibt schließlich zu bedenken, dass Bergolio selbst zu realisieren begonnen hat, auf welch gefährlichem Boden er sich mit seiner Chaos schaffenden („Hagan lio“) Philosophie begeben hat. Er zitiert einen Ausspruch Bergolios aus dem Jahre 2016: „Es ist nicht unmöglich, dass ich in die Geschichte eingehen werde als derjenige, der die katholische Kirche gespalten hat.“

Dem einfachen Gläubigen bleiben neben fassungslosem Entsetzen der Weg des Gebetes und der Busse. Seien wir der Worte Christi hinsichtlich seiner Kirche  eingedenk:
„Und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16, 18)

Magdalena S. Gmehling



 
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