Buchbesprechung Norman Ohler: „Der totale Rausch. Drogen im Dritten Reich.“ Verlag SayHeyKey, Berlin 2026. 360 Seiten. 24,50 Euro
In Ernst Jüngers „Annäherungen – Drogen und Rausch“ (Stuttgart 1970) geht es primär um die Frage, welche Mittel geeignet sind, dem Menschen einen Anteil an der geistigen Welt zu verschaffen. Während bei Jünger der Rausch auf seiner europäischen Stufe reiner Genuß mit Gewinn und Gefahren ist, wird er im Orient zum Abenteuer mit phantastischen und ästhetischen Bezirken und in Mittel- und Lateinamerika schließlich zur Annäherung an das Absolute. Da der geistige Hunger unstillbar, der physische jedoch eng begrenzt ist, jeder Genuß aber durch den Geist lebt, kann beim Jüngerschen Rausch die Enttäuschung letztlich nicht ausbleiben, gleichviel ob der ambivalente Einfluß der Droge betäubend oder erregend wirkt. Wissen wir doch spätestens seit Hahnemann, daß selbst feinste Spuren von Stoffen wirksam werden können. Für den Sensitiven darf die Dosis also minimal sein, während de Quincey endlose Opiumträume beschrieb, die von der Gewöhnung über die damit verbundene Euphorie zur Festseite des Rausches, der Annäherung an neue Welten führten.
In Norman Ohlers exzellent recherchierter Studie „Der totale Rausch – Drogen im Dritten Reich“ – das Original erschien 2015 bei Kiepenheuer & Witsch, die Neuauflage Ende 2025 im Eigenverlag –, geht es jedoch um etwas anderes, weil der Autor bei seinem journalistisch grandios erzählten und erstaunlichen Gang durch die Geschichte der Drogenrealität seit den 1920er Jahren sein Hauptaugenmerk auf die Jahre von den Anfängen des nationalsozialistischen Staates 1933 bis zum Untergang 1945 richtet. Zwar ist die Kritik nicht ganz von der Hand zu weisen, daß der Autor die Bedeutung von Drogen für militärische Entscheidungen auf den Schlachtfeldern Europas und die Handlungsfähigkeit Adolf Hitlers etwas zu stark akzentuiert. Doch die ausführliche Quellenarbeit verändert zumindest das Wissen des Lesers über den Zweiten Weltkrieg im Hinblick auf den massenhaften Gebrauch von Pervitin und anderen Drogen in Wehrmacht und Gesellschaft. Ohlers besonderes Interesse gilt dabei der entscheidenden Rolle von Dr. Theodor Morell, Hitlers Leibarzt, der seinen berühmten Patienten mit einer Vielzahl von Injektionen, Medikamenten, dubiosen Hormonpräparaten, pharmakologischen Substanzen und selbst harten Drogen behandelte. Dabei mag einem manches, worüber der mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnete ehemalige Stadtschreiber von Ramallah, Drehbuchautor; Kulturwissenschaftler und Philosoph schreibt, bekannt vorkommen, wie beispielsweise die Morphiumabhängigkeit Görings, die Kokainsucht Fricks und der chronische Alkoholismus Leys. Doch das vom Autor geschilderte Gesamtbild, für das er fünf Jahre lang in deutschen und US-amerikanischen Archiven recherchierte, zahlreiche bislang gesperrte Originalmaterialien auswertete, die der Forschung entgangen waren, mit Zeitzeugen, Militärhistorikern und Medizinern sprach, ist für viele Leser mit Sicherheit neu und auch erschütternd.
Ohlers Buch beginnt mit dem Vorspiel im 19. Jahrhundert und Johann Wolfgang von Goethes Erkenntnis: „Freiwillige Abhängigkeit ist der schönste Zustand!“ Faktisch erklärt dies die Entwicklungsgeschichte der modernen Gesellschaften, an die die Entstehungs- und Verteilungsgeschichte der Rauschmittel ebenso gekoppelt ist wie die Ökonomie an den Fortschritt der Technik. Während sich in den 1920er Jahren diese Weltfluchttendenzen häufig in blankem Haß wie im kulturellen Exzess entluden – man lese Alfred Döblins „Alexanderplatz“-Roman mit Berlin als der Hure Babylon, mit der schäbigsten Unter- und schillerndsten Halbwelt aller Städte, die ihr Heil in den schlimmsten Ausschweifungen suchte, wozu auch die diversen Drogen gehörten –, schrieb der Schriftsteller Klaus Mann, von dem später noch die Rede sein wird: „Früher hatten wir eine prima Armee, jetzt haben wir prima Perversitäten!“ Die Stadt geriet in einen toxischen Taumel, Schauspieler und Tänzerinnen tauchten zum Frühstück weiße Rosenblätter in einen Cocktail aus Chloroform und Äther, um sie abzulutschen. Filme über Kokain und Morphium liefen in den Kinos, und an den Straßenecken gab es sämtliche Drogen rezeptfrei. Angeblich waren vierzig Prozent der Berliner Ärzte morphinsüchtig. Der Weltkrieg war verloren, und alles war erlaubt. Die Metropole mutierte zur Experimentierhauptstadt Europas, und die Drogenkultur explodierte förmlich.
Als das Praxisschild eines Facharztes für Haut und Geschlechtskrankheiten mit dem Schriftzug JUDE beschmiert wurde, reagierte der übergewichtige, glatzköpfige Dr. Theodor Morell auf diese Attacke mit dem Beitritt zur NSDAP, um künftige Anfeindungen dieser Art zu entkräften. Tatsächlich war er kein Jude, aber die SA hatte ihn wegen seines dunklen Teints als solchen verdächtigt. Danach lief seine Praxis besser als je zuvor, alles pilgerte zu Dr. Morell: Max Schmeling, Hans Albers, Sportler, Bonzen aus Wirtschaft und Politik, obwohl der dicke Hesse mit Politik nichts zu tun hatte. Die halbe Filmwelt gab sich bei Morell, der früher Schiffsarzt in den Tropen gewesen war, vor allem wegen seiner neuartigen Behandlungsmethoden die Klinke in die Hand. Morell spritzte nicht nur Vitamincocktails direkt ins Blut, sondern ging bei Männern freigiebig mit Testosteron mit anaboler Wirkung und bei den Damen mit einem Tollkirschenextrakt als Energiezusatz ans Werk. Die Praxis Ecke Kurfürstendamm und Fasanenstraße lief wie am Schnürchen, und als eines Tages Heinrich Hoffmann, der „Reichsbildberichterstatter“, an einer delikaten Krankheit litt, stellte der Führer persönlich eine Maschine bereit, die Morell nach München brachte, wo er im Regina-Palast-Hotel die bei Hoffmann diagnostizierte Nierenbeckenentzündung als Folge einer Gonorrhoe kurierte. Es folgte eine Einladung zum Abendessen in die Villa Hoffmanns in Bogenhausen, und wie so häufig war auch Adolf Hitler zu Gast, der viel Gutes über den jovialen Morell gehört hatte und beiläufig über seine starken Magen- und Darmbeschwerden klagte, die ihn seit Jahren quälten. Bei einem weiteren privaten Gespräch, diesmal auf dem Berghof am Obersalzberg, gestand Hitler, daß er mit seiner Gesundheit so weit herunter sei, daß er kaum noch agieren könne. So leide er an unsäglichen Blähungen und juckenden Ekzemen an den Beinen. Morell empfahl das Präparat Mutaflor, nachdem er eine abnormale Bakterienflora diagnostiziert hatte. Dankbar versprach der Patient ihm ein Haus zu schenken, falls ihn Mutaflor wirklich kuriere und ernannte den Doktor zu seinem Leibarzt. Niemand ahnte, daß dies der Beginn einer sehr speziellen Arzt-Patient-Beziehung war.
1938 ernannte Hitler, von seinen Darmkrämpfen genesen und hochdosiert vitaminisiert, Morell kraft seines Amtes ohne Habilitation zum Professor. Dank Görings Vierjahresplänen kam es zu einer Blüte der pharmazeutischen Konzerne und der chemischen Industrie, die die Entwicklung synthetischer Stimulanzien forcierten. Bereits 1936 hatte der Chefchemiker der Firma Temmler, Dr. Fritz Hauschild, der in den 1950er Jahren das DDR-Dopingprogramm an der Universität Leipzig leiten sollte, von einem Stoff namens Benzedrin gehört, einem erfolgreichen Amphetamin aus den USA, das bei den Olympischen Spielen in Berlin bei den Sportlern wahre Wunder gewirkt habe. Hauschild griff auf die Arbeit japanischer Forscher zurück, die das anregende Molekül N-Methyl-amphetamin entwickelt hatten, einen Wachmacher aus dem Ephedrin, der den Hunger hemmte, die Bronchien erweiterte und das Herz stimulierte. Er perfektionierte das Produkt mit einem neuen Syntheseverfahren für Metamphetamin, das an Potenz alles in den Schatten stellte. Sein Markenname war Pervitin. Schlagartig fühlten die Konsumenten sich hellwach, empfanden eine Energieerhöhung, gesteigertes Selbstvertrauen, eine Beschleunigung der Denkprozesse und ein Gefühl von Euphorie und Frische.
Da jedoch die Wirkung über zwölf Stunden anhielt, kam es zum Absterben von Nervenzellen und einem allgemeinen Gehirnabbau. Derlei Nebenwirkungen standen jedoch nicht im Vordergrund. Pervitin begann seinen Siegeszug als eine Art Gegenrauschgift überall im Land, das sowohl die legalen als auch die illegalen Gifte ersetze, Entzugserscheinungen von Alkohol, Opiaten und Kokain ausglich und im Gegenzug die Libido und die Sexualität der Frau stärkte.
Pervitin wurde zum Symptom einer sich entwickelnden Leistungsgesellschaft, selbst eine mit Metamphetamin versetzte Pralinensorte kam auf den Markt. Pervitin paßte zum Zeitgeist wie die Faust aufs Auge. Gab es bei der Machtübernahme noch sechs Millionen Arbeitslose und nur einhunderttausend Soldaten, war 1936 quasi Vollbeschäftigung erreicht, und die Wehrmacht zählte zu den schlagkräftigsten Armeen Europas.
Seine Höhepunkte erreichte Pervitin jedoch in den „Blitzkriegen“ 1939 bis 1941. „Die Musik ist manchmal ein großer Trost für mich, im übrigen Pervitin nicht zu vergessen, das ganz besonders in Nächten mit Alarm wunderbare Dienste tut!“ schrieb Heinrich Böll von der Front an die Eltern nach Hause. Der spätere Literaturpreisträger konnte auch nach dem Krieg, wenn er am Schreibtisch saß, auf die Dienste des Metamphetamins nicht verzichten. Abhängig geworden als Soldat, um die Strapazen des Frankreich-Feldzugs durchzuhalten, bat er seine Eltern, in einem Kuvert Pervitin zu schicken, das er bei den vielen Wachen gut gebrauchen könne. Die führenden Wehrphysiologen des Dritten Reiches kannten ihren Hauptfeind, und das waren weder die Polen, noch die Franzosen und Briten im Westen und die Russen im Osten, der Gegner hieß vielmehr Müdigkeit, und deren Bekämpfung wurde zur Chefsache erklärt. Bereits vor Kriegsbeginn sang das „Klinische Wochenblatt“ Lobeshymnen auf das Wachhaltemittel, bis das Metamphetamin sich rasend verbreitete und vor keinem Kasernentor mehr halt machte.
Die Berichte vom Metamphetamingebrauch beim Polenfeldzug füllen im Freiburger Militärarchiv einen ganzen Ordner. Die Drogen half den Panzermännern bei ihrem Tatendrang, die höheren Offiziersränge führten in euphorischer Stimmung drei Tage und Nächte Verhandlungen mit den Russen in Brest-Litowsk. Bei den Nachtmärschen und auf dem Schlachtfeld fiel das Kämpfen leichter, Sanitätsoffiziere und Truppenärzte überzeugten sich, daß eine mit Pervitin versorgte Truppe jeder anderen überlegen war, vor allem bei den Panzermännern. Eine ganz neue Form von Krieg bahnte sich an.
Zwar blieb der deutsche Aufmarsch gegen Frankreich zunächst im Stau stecken, erst General Guderian gelang es den Zeitverlust wieder wettzumachen. Seinen Männern befahl er: „Ich verlange von Euch, daß ihr mindestens drei Tage und Nächte nicht schlaft, wenn es erforderlich ist!“ Und da der Quartiermeister die blauen Pillen rechtzeitig besorgt hatte, stand die Wehrmacht schneller in Nordfrankreich als das Gros der französischen Armee selbst. Sedan lag vor den Deutschen, und in einem nie gekannten Rausch nahm die Wehrmacht die Grenzstadt ein. Der Damm war gebrochen und bis zu ihrer Kapitulation kamen die Franzosen dieser Dynamik nicht mehr hinterher. Guderians Vorstoß ging ungeheuer schnell, der Blitzkrieg von Wehrmacht und Waffen-SS, die nicht mehr schlafen mußten, entgrenzte sich faktisch. Begünstigt durch den massiven Pervitineinsatz entwickelte er eine kinetische Eigendynmik, und Guderian triumphierte: „Ich hatte Euch aufgefordert, 48 Stunden nicht zu schlafen. Ihr habt 17 Tage durchgehalten!“ Tatsächlich waren die Marschleistungen ungeheuer, ohne Unterbrechung ging es vorwärts, ein Stückchen Panzerschokolade ersetze das Mittagessen. Doch es war nicht nur Schokolade, die das Mittagessen ersetzte, es waren die kleinen runden Pillen der Firma Temmler, auf die auch die Waffen-SS, die sich gern ihrer Kampfkraft rühmte, und selbst Rommel mochte auf das Mittel nicht verzichten.
Im Rausch der gewonnenen Feldzüge besann sich Morell auf seine Rolle als Vitaminpionier und machte sich an die Vermarktung des Kombinationspräparates „Vitamultin“. Der Inhalt entpuppte sich als Hagebuttenpulver, getrocknete Zitrone, Hefeextrakt, Magermilch und raffiniertem Zucker. Was hingegen das Pervitin betraf, griff Reichsgesundheitsminister Conti im Februar 1941 endlich durch – oder versuchte es zumindest – und unterstellte die Droge im Juni 1941 dem Reichsopiumgesetz, womit sie offiziell zum Betäubungsmittel erklärt wurde. Letztlich führte er seinen Kampf gegen das Rauschgift jedoch auf verlorenen Posten, ohnehin war sein politischer Einfluß gering. Auch was die Verwendung von Pervitin beim Militär anging, war das Datum schlecht gewählt, denn zehn Tage später begann Hitlers Krieg gegen die Sowjetunion, und die Soldaten hatten sich längst an den Stoff gewöhnt. Das Oberkommando der Wehrmacht und das Reichsministerium für Waffen und Munition unter dem morphingesättigten Göring hatten Pervitin inzwischen sogar als „kriegsentscheidend“ eingestuft.
Mit dem zunächst erfolgreichen Feldzug gegen Rußland schlug auch die Stunde von Hitlers unermüdlich tätigem Leibarzt Theo Morell. Fast die gesamte Hitler-Forschung und -Literatur hat bislang übersehen, daß man sich der Figur Hitler nicht wirklich nähern kann, ohne den Umweg über den dicken Doktor zu nehmen, der vor allem ab Herbst 1941, als Hitlers Leistungsknick offensichtlich wurde, jenes Hinübergleiten in eine andere, realitätsferne Welt durch seine Spritzen ins Werk setzte. So erwähnt Joachim Fest in seiner 1.200-seitigen Standardbiografie Morell nur kurz. Zwar beschreibt er Hitlers Dynamik als „narkotisch anmutende Ratlosigkeit“ und „fatale Drogenabhängigkeit“, ohne dabei jedoch in die Tiefe zu gehen. Tatsächlich ist der Nachlaß des Leibarztes weitgehend zerstückelt: ein Teil liegt im Bundesarchiv in Koblenz, ein anderer im Institut für Zeitgeschichte in München, der dritte und ganz wesentliche im Nationalarchiv in Washington, D. C.
Am Beginn des Rußlandfeldzugs machten die Deutschen große Geländegewinne, eine Schlacht nach der anderen wurde gewonnen, und Hunderttausende Rotarmisten ergaben sich und gingen in Gefangenschaft. Doch bereits im Herbst 1941 rückten weitere russische Reserven aus Sibirien an, die Kämpfe wurden von beiden Seiten gnadenlos geführt, und auch das Doping, das im Frankreichfeldzug für den gigantischen Blitzvorstoß gesorgt hatte, nutzte nur noch wenig. Fast dreißig Millionen Pervitin-Tabletten, die eine einzelne Heeresgruppe zuvor auf dem Dienstweg bezogen hatte, brachten keinen schnellen Sieg. Während die Rote Armee neue Divisionen aus ihrem riesigen Hinterland heranführte, erkrankte Hitler an einem starken Ruhranfall. Morell eilte mit seiner schwarzen Tasche zu seinem Patienten, der in sich zusammengesunken in seinem Bett saß, spritzte Vitamine und Traubenzucker, die jedoch nichts ausrichteten. Selbst das Steroid Glyconorm, ein Hormonpräparat aus eigener Herstellung, das aus Herzmuskelpreßsaft, Nebennierenrinde und Leberpankreas von Schweinen und anderen Schlachttieren stammte sowie das Opioid Dolantin brachten keine Besserung. Doch unbeirrt hielt der Leibarzt seinen Auffrischungskurs bei, und nach einigen Tagen verspürte der Patient endlich eine Linderung seiner Defekte.
Damit „Patient A“ auch weiterhin seine Lagebesprechungen durchführen konnte, wurde nun konsequent prophylaktisch injiziert. Ohne genaue Diagnosen zu stellen, erhielt Hitler in wechselnder Konzentration Stoffwechselstimulanzien, die vor allem in der Veterinärmedizin Anwendung fanden, den Aufbaustoff „Homoseran“, der aus Gebärmutterblut gewonnen wurde, das Sexualhormon Testosteron gegen Abnahme von Libido und Vitalität oder auch das aus Stierhoden produzierte „Orchikrin“ gegen Depressionen und Prostakrinum, hergestellt aus Samenblasen und der Prostata junger Bullen.
Obwohl er keine Fleischspeisen zu sich nahm, war Hitler ab Herbst 1941 längst kein Vegetarier mehr, da immer mehr tierische Stoffe durch seine Blutbahn zirkulierten. Während Stalin sich im Kreml eine eigene Klinik mit den besten Fachärzten hielt, schreckte Morell nicht davor zurück, in Schlachthöfen nach geeigneten tierischen Substanzen und hochpotenten Stoffen zu forschen, ohne Rücksicht auf problematische Wechsel- oder Nebenwirkungen. Als Reaktion reagierte Hitler auf die inzwischen immer kritischer werdende Lage an der Ostfront zunehmend stoisch, ignorierte die Appelle seiner Generäle und erteilte im Dezember 1941 den Befehl: Halten um jeden Preis und fanatischer Widerstand ohne Rücksicht auf Verluste. Mittlerweile erhielt die Truppe Pervitin nicht mehr zum Stürmen und Erobern, sondern zum Durchhalten und Überleben.
Am 7. Dezember 1941 begann die große Gegenoffensive der sowjetischen Streitkräfte. Die Wehrmacht sah sich jetzt nicht nur der Weite des sowjetischen Imperiums gegenüber, auch der russische Winter als bester Verbündeter der Roten Armee wurde nun zum Todfeind der deutschen Soldaten, die solch Kältegrade nicht gewohnt waren und denen es an warmer Winterbekleidung mangelte. Ausrüstung, Kampfkraft und Nachschub ließen ebenfalls zu wünschen übrig, und als am 8. Mai 1942 die USA in den Krieg eintraten, versetzte das Bündnis zwischen den Alliierten Hitler in paranoide Zustände. Sein Spritzenverbrauch ging im folgenden Sommer derart in die Höhe, daß Morell bei der Berliner Engel-Apotheke eine Sonderbestellung für das Führerhauptquartier in Auftrag gab.
Im Herbst 1942 geriet Generalfeldmarschall Rommel, vom Metamphetaminfuchs zum Wüstenfuchs mutiert, in Afrika gegen die Briten unter der Führung von Montgomery in schwere Bedrängnis. Gleichzeitig stilisierte Hitler die dramatischen Kämpfe um Stalingrad zur mythologisch überhöhten Schicksalsschlacht. Als schließlich auch die Treibstoffversorgung aus der Luft ausging, die deutschen Soldaten an Hunger, Kälte und russischen Granaten ihr Leben ließen, und die Reste der 6. Armee unter General Paulus am Ende waren, bat Hitler seinen Leibarzt um eine Mittel namens Cardiazol, das Göring ihm empfohlen hatte, doch Morell weigerte sich, ihm das Kreislaufstimulans zu geben, da es den Blutdruck eklatant erhöhte und zu Krampfanfällen führte. Der Doktor hielt es für zu riskant, weil Hitler mittlerweile auch Herzprobleme hatte, aber die Botschaft hatte er verstanden, sein Chef verlangte nach stärkeren Substanzen, um Stalingrad mental zu bewältigen. Diese fand er im acht Kilometer vom Führerhauptquartier entfernt liegenden Schlachthof der Stadt Winniza in der Ukraine. Alfred Rosenberg gegenüber kündigte er an, eine „organotherapeutische Fabrikation“ zu gründen, um das ganze Ostland und primär Hitler mit Hormonen zu versorgen. Dabei ging es um sämtliche Drüsen und Organe der geschlachteten Tiere wie etwa Schilddrüsen, Nebennieren, Gallenblasen, Herzen und Lungen, Hoden, Prostata, Eierstöcke und Cowpersche Drüsen. Sogar das Blut der Schlachttiere sollte zur Herstellung neuer Nährstoffpräparate dienen.
Während Morell mit der Gründung der „Ukrainischen Pharma-Werke, Betrieb Winniza, Fabrikation organotherapeutischer und pflanzlicher Produkte“ beschäftigt war, bröckelte die Front fast überall. Charkow wurde 1943 von der Roten Armee zurückerobert, doch der Leibarzt ließ Hunderte von LKWs und Zügen der Reichsbahn unzählige Kilometer durch Osteuropa fahren, um Tonnen von Schweinemägen, Schaflebern, Bauchspeichel- und Hirnanhangdrüsen, Rückenmark, Hühnerfüße, Stierhoden, Ovarien und Rinderlebern zu bewegen, die später zu Gelatine gekocht wurden. Je chaotischer und verlustreicher sich der Krieg gestaltete, desto mannigfaltigere Stoffe wurden ab- und aufgebaut, beispielsweise Steroide und aus Cholesterin gebildete Sexualhormone mit muskelaufbauender und potenzsteigernder Wirkung, Kortikoide und Glukokortikuide, die als Wundermittel galten, weil sie den Energiepegel steigerten. Die Gifte der stinkenden Organe wurden in großen Kesseln gekocht und abdestilliert, bis eine breiige Masse in der Konsistenz von Honig zurückblieb. Mit Wasser verdünnt und in Ampullen abgefüllt hieß das Morell´sche Endprodukt „Leber Hamma“.
Obwohl die Wehrmacht ihren Nimbus der Unbesiegbarkeit inzwischen verloren hatte und sich beim Führer der totale Realitätsverlust deutlich zeigte, die physiologische Wandlung des rasch alternden Hitlers unübersehbar war, der Magen nicht mehr funktionierte und die medikamentöse Basisversorgung Morells nach der verlorenen Panzerschlacht bei Kursk auch nicht mehr griff, plante Hitler eine wichtige Besprechung mit dem Duce. Zu diesem Zweck spritzte Morell ihm „Eukodal“, ein Betäubungsmittel der Firma Merck mit dem Wirkstoff „Oxycodon“, synthetisiert aus dem Rohstoff Opium. Doppelt so schmerzstillend wie Morphin tat es seine Wirkung durch eine rasch einsetzende Euphorisierung, die höher lag als bei Heroin. Klaus Mann, der zum Leidwesen seines Vaters Thomas Mann sehr drogenaffin war, bestätigte die Ausnahmestellung: „Ich nehme nicht reines Morphium, sondern „Eukodal“, es macht schönere Wirkung!“
Tatsächlich ging es Hitler nach der subkutanen Injektion der Droge besser, und nach der zweiten Spritze, diesmal intramuskulär, redete der Führer drei Stunden auf den depressiven Duce ein, der nicht einmal zu Wort kam. Wollte dieser Hitler eigentlich überzeugen, aus dem Krieg auszusteigen, so malte Hitler ihm nun in den schönsten Farben den Sieg der Achse aus. William Burroughs, ein echter Drogenexperte, empfand später: „Eukodal“ ist wie eine Mischung aus Kokain und Morphin. Auf die Deutschen ist schon Verlaß, wenn es gilt, ein wirklich übles Zeug zusammenzubrauen!“ Im Reich forschte man indes bereits seit 1937 bei der IG Farben nach einem vollsynthetischen Ersatz für Morphin, befand sich aber mit dem später entwickelten „Polamidon“ beziehungsweise „Metha-don“ noch in der Anfangsphase, während Hitlers Leibarzt längst zum leibhaftigen Opiumproduzenten aufgestiegen war. Goebbels geriet gar ins Schwärmen über Hitlers frische Erscheinung nach nur zwei Stunden Schlaf, und während die verheerenden Luftangriffe auf deutsche Städte immer intensiver wurden, hielt dieser, pharmakologisch gedopt, flammende Reden mit unerschütterlicher Siegeszuversicht.
Es dauerte nicht lange, bis auch der Militärgeheimdienst unter Admiral Canaris zum Drogenumschlagplatz wurde, 568 Kilogramm reines Kokain und 60 Kilogramm reines Heroin lieferte im Jahr 1943 die Großapotheke der Wehrmacht an das Amt Ausland / Abwehr. Noch 1944 wurde der harte Stoff – inklusive Morphinhydrochlorid – an das in Nordafrika operierende „Sonderkommando Wimmer“ abgegeben, das in der Sahara Sabotageaktionen gegen die Alliierten unternahm. Inzwischen bekam auch Mussolini auf Hitlers Wunsch von Morell hohe Dosierungen an Vitaminen und dubiosen Hormonpräparaten intravenös gespritzt. Isoliert in der Republica Sociale Italiana fügte sich der gesundheitlich kriselnde Duce willig allen Maßnahmen. Injektionen von „Cortiron“, einem synthetisch hergestellten Hormon und „Glyconorm“, einem weiteren Hormon, das in Morells hauseigenen Kesseln unter hygienisch zweifelhaften Bedingen hergestellt wurde, als Dopingmittel gab es zusätzlich Injektionen mit Herzmuskelpreßsaft, Nebennierenrinde, Leber-Pankreas von Schweinen und anderen Schlachttieren sowie Orchikrin aus Stierhoden, die die schweren Depressionen des zum Wrack gewordenen Duce lindern sollten.
Ende Februar 1944 zog sich die Wehrmacht aus der gesamten Ukraine zurück, und die Rote Armee näherte sich unaufhaltsam dem Reich. Hitler verkroch sich auf dem verschneiten Berghof und ging kaum noch vor die Tür. Während sich die Niederlagen häuften, Verbündete wie Ungarn, Rumänien und Bulgarien wegbrachen, die Amerikaner auf italienischem Boden die Wehrmacht weiter zurückdrängten, erhielt Hitlers Leibarzt von seinem Patienten das Ritterkreuz des Kriegsverdienstkreuzes. Zum Dank verabreichte der frisch Dekorierte ihm „Vitamultin forte“-Injektionen gegen die ständige Müdigkeit und Erschöpfung. Auch Eva Braun wurde nun seine Patientin und bekam periodenstillende Mittel, ihr Geliebter zur Steigerung seiner Libido Testosteron. Der dicke Doktor behandelte inzwischen die Hautevolee des Reiches: Himmler, von Ribbentrop, Speer und Reichsmarschall Görings Gattin erhielten jeden zweiten Tag „Vitamultan forte“ gespritzt, während Leni Riefenstahl morphinhaltige Zäpfchen bevorzugte. Als Großadmiral Dönitz zum 55. Geburtstag des Führers auf dem Berghof eintraf und die Feier durch Fliegeralarm gestört wurde, flüchtete Morell eilig ins Tal, jedoch nicht ohne zuvor seinem Patienten an dessen Ehrentag noch einen Spritzencocktail aus Campher, Strophantin und „Prostrophanta“, einem eigens von Morell entwickelten Präparat für das schwache Herz zu verabreichen, außerdem gab es Traubenzucker und ein hausgemachtes Präparat aus Parasitenleber, was auch immer sich dahinter verbarg. Indes versicherte Hitler seinem Leibarzt, er sei der Einzige, der ihm helfen könne. Noch am gleichen Abend wurden die Magenkrämpfe des Führers erfolgreich mit „Eukodal“ behandelt.
Am D-Day war Hitlers Laune starken Schwankungen unterworfen. Er hielt die Invasion für einen Scheinangriff, während die Alliierten längst die Westfront eröffnet hatten. Acht Tage später verließ er den Berghof für immer und flog zur Wolfsschanze. Er hatte Grippe und eine Konjunktivitis, Morell spritzte ihm eine Adrenalinlösung und Kopfwasser für sein linkes Auge. Pharmakologisch aufgepäppelt ging er am 20. Juli 1944 zur Lagebesprechung, auf der General Heusinger in düsteren Farben die aussichtslose Lage an der Ostfront schilderte. Claus Schenck Graf von Stauffenberg begrüßte den Führer, schob seine braune Aktentasche unter den Tisch und verließ unauffällig den Raum. Um 12.42 Uhr gab es einen fürchterlichen Knall, die Druckwelle ließ den Führer bis zum Ausgang fliegen. Während um ihn herum schwerverletzte Offiziere um ihr Leben rangen, war Hitler nur etwas schwindlig und leicht benommen. Morell vernahm die Explosion in seinem Arbeitsraum und eilte zum Tatort, vorbei an Schwerverletzten und Toten, doch Hitlers Diener Linge zog ihn weiter. „Patient A“ saß lächelnd auf seinem Bett, mit blutiger Stirn, die Haare am Hinterkopf weggebrannt und einer handtellergroßen Brandwunde an der Wade. Auf der Krankenakte notierte Morell, Hitler habe sich scheinbar gar nicht aufgeregt, obwohl seine beiden geplatzten Trommelfelle bluteten und Dutzend Splitter im Körper entfernt werden mußten. Ein Hals-Nasen-Ohren-Spezialist aus dem nahe gelegenen Reservelazarett wurde hinzugezogen, da sein Gehör kaum noch funktionierte; starke Schmerzen in Armen und Beinen stellten sich ein, als die Wirkung von Morells starken Schmerzmitteln nachließ. Der HNO-Spezialist verpaßte daraufhin Kokain in Form von Nasen- und Rachenpinselungen, die dem Patienten augenblicklich Linderung verschafften. Zwar warnte er vor zu hohen Dosierungen, doch Hitler verlangte weiter die Anwendung, das Kokain befreie ihn von seinen Kopfschmerzen und sei „eine wunderbare Sache!“ Als der Doktor mit den täglichen Pinselungen aufhören wollte, erlaubte Hitler das nicht, und der HNO-Mediziner gehorchte widerstrebend. Diesmal dosierte er jedoch derart hoch, daß Hitler angeblich die Besinnung verlor und die Gefahr einer Atemlähmung bestand. Erst Ende Oktober 1944 konnte er von der Droge lassen und wechselte wieder zum stärkeren Eukodal.
Während Gottfried Benn dichtete „O Nacht! Ich nahm schon Kokain, / und Blutverteilung ist im Gange, / das Haar wird grau, die Jahre fliehn, / ich muß, ich muß im Überschwange / noch einmal vorm Vergängnis blühn!“, hielt die Medikamentierung den Führer den Oberbefehlshaber stabil in seinem Wahn. Deutschland versank in Schutt und Asche, Millionen Menschen starben an den Fronten und im Bombenhagel, doch in Kombination mit einem krampflösenden, synthetischen Wirkstoff aus dem Schlafmohn und seinem geliebten „Eukodal“ rauschte hochpotenter Stoff durch Hitlers Adern und versetzte ihn in künstliche Euphorien, die die Realität nicht mehr lieferte.
Zwar näherte sich die Macht des Leibarztes Ende 1944 ihrem Höhepunkt, doch inzwischen formierten sich in der NS-Führung Kräfte, die Morell mißtrauten. Himmler sammelte Informationen über ihn, verdächtigte ihn der Morphinsucht, und einige SD-Agenten vermuteten gar einen ausländischen Spion in ihm, der den Führer vergiften sollte. Außenminister von Ribbentrop warf Morell vor, zuviele Spritzen zu verabreichen und verlangte eine „Gesamtumstellung des ganzen Körpers beim Führer, damit er widerstandsfähiger wird“. Bormann forderte den Doktor vergeblich auf, seine Tätigkeit transparent zu machen, doch dieser verfuhr weiter wie bisher. Als der HNO-Arzt bei Hitler eine Gelbsucht durch Antigaspillen vermutete, die aus Tollkirschen, Atropin und Strychnin bestanden und auch als Rattengift eingesetzt wurden, zog er Dr. Brandt, Hitlers Chirurgen, zu Rate, und dieser versuchte nun ebenfalls, Morell unter Druck zu setzen. Doch niemand wußte genau, um welche Krankheit es sich beim Führer handelte, vielleicht eine typische Fixer-Hepatitis, weil Morell nicht wirklich steril injizierte, und die Leber des Patienten von den vielen toxischen Stoffen stark angegriffen war? Die Diadochenkämpfe zwischen den Medizinern eskalierten, während Himmler und Kaltenbrunner Morells Praxis unter die Lupe nahmen. Als endlich die chemische Analyse der verordneten Arznei eintraf, stellte sich heraus, daß die Dosierung viel zu gering war für eine Vergiftung. Ein Sieg auf ganzer Linie für Morell!
Militärisch ging es dagegen auf ganzer Linie weiter bergab. Die Ardennenoffensive scheiterte, obwohl SS-Obersturmbannführer Skorzeny mit eintausend Männern in US-Uniformen hinter den feindlichen Linien operierte, um Verwirrung zu stiften. Wehrmacht und Waffen-SS wurden zurückgeschlagen. Danach fand kein nennenswerter Einsatz mehr statt. Anfang Februar 1945 starben bei einem alliierten Luftangriff auf Berlin über 22.000 Menschen, während sich das Drogendepot im Führerbunker allmählich leerte. Die Symptome, die Hitler zeigte, deuten auf Entzug hin. Sein Zittern steigerte sich, der Körper verfiel rapide, und von der gewohnten Suggestivkraft war nichts mehr übrig. Morells Helfer grasten die gesamte in Trümmern liegende Stadt nach Apotheken ab, doch selbst das Hauptsanitätslager der SS hatte allergrößte Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Schmerz- und Beruhigungsmitteln. Unter starken Schmerzen und Ermüdungserscheinungen schleppte sich Hitler durch die Katakomben.
Das Ende des Endkampfs nahte, der Anbruch der Götterdämmerung. Nicht einmal „Vitamultin“-Täfelchen konnte der Leibarzt seinem Führer anbieten. Am 17. April, die Russen beschossen mit Stalinorgeln die Innenstadt, folgte Morells Entlassung. Hitler nahm noch eine irgendwo aufgetriebene Koffeinspritze entgegen, Morphin gab es schon lange nicht mehr, und in aller Eile verließ der Doktor den Bunker mit dem Ziel Bayrisch Gmain im Berchtesgadener Land, wohin er sein Forschungslabor evakuiert hatte. Während Hitler an seine letzten Getreuen Zyankali-Kapseln verteilte, geriet der Bunker ins Epizentrum der Straßenkämpfe zwischen versprengten Einheiten der Waffen-SS, vor allem französischen Freiwilligen, ein paar Dutzend fast noch kindlichen Hitler-Jungen und der gewaltigen Kriegsmaschine der Roten Armee. Unten wurde am 30. April noch die hastig die Trauung mit Eva Braun vollzogen, gegen 15.30 Uhr nahm das Paar Blausäure und Hitler vollzog mit seiner 6.35 mm-Walther das Finale. Mitte Mai wurde Theo Morell in seinem Versteck in Bayern aufgespürt und ging in Bad Reichenhall in amerikanische Gefangenschaft. Kriegsverbrechen konnte man dem paranoide Schübe durchmachenden Arzt nicht nachweisen, als Zeuge für die Nürnberger Prozesse kam er ebenfalls nicht in Frage. Im Frühjahr 1947 entließen die Amerikaner den herzkranken Häftling und setzten ihn vor dem Hauptbahnhof in München ab. Eine zufällig vorbeikommende Krankenschwester erbarmte sich seiner und brachte ihn in ein Spital am Tegernsee, wo er am 26. Mai 1948 verstarb. Seinen prominentesten Patienten hatte er immerhin drei Jahre überlebt. Die symbiotische Beziehung zwischen diesen beiden so ungleichen Männern, von der Zelebrierung der Propaganda in den Anfangsjahren bis zur finalen Bunkerphase derart spannungsreich und mit unglaublichen Intensität zu schildern, ist wohl das größte Verdienst des Buches von Norman Ohler, das man mit Fug und Recht ein Standardwerk nennen darf. Daß der Leser es dabei von der ersten bis zur letzten Seite nicht mehr aus der Hand zu legen vermag, da die Lektüre dieser wohl größten deutschen Tragödie, von der idealistischen Motivation bis zum völligen Verlust der politischen Realität, selbst ähnlich wie eine Droge wirkt, gehört vielleicht zur Ironie der Geschichte. Werner Olles Norman Ohler: Der totale Rausch. Drogen im Dritten Reich. Verlag SayHeyKey, Berlin 2026. 360 Seiten. 24,50 Euro.
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