56. Jahrgang Nr. 2 / März 2026
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1. Gedanken zum Fest der Auferstehung 2026
2. Einige Anmerkungen zum diesjährigen Osterfest
3. Gebet für die heilige Kirche
4. Ex oriente lux – Licht aus dem Morgenland ?
5. Der Schmerz
6. Der „Synodale Weg“
7. Der bösen Macht auf der Spur
8. Erschreckende Zunahme der Christenverfolgung
9. Gefälschte „Wahrheiten“
10. Genetische Totalüberwachung: Wie Trump die DNA-Datenbank für alle Bürger vorbereitet
11. Schockierend: EU-Parlament fordert
12. Von Imperien und Hungersnöten
13. Technokraten, ihre Bemühungen
14. ABF Schweiz sagt klar NEIN zur E-ID
15. Nachrichten, Nachrichten, Nachrichten...
16. Wie nah ist der Dritte Weltkrieg?
17. Buchbesprechung:
18. Richten die USA eine „Gedankenpolizei“ ein?
19. Das Märchen von des Königs treuen Knechten
20. Die Geschichte vom armen Madonnen-Schnitzer,
21. Mitteilungen der Redaktion
Buchbesprechung:
 
Buchbesprechung:
Björn Clemens
„Die Höllenfahrt der Republik“
MetaPol-Verlag 2025, www.gegenstrom.de. 356 Seiten. 23 Euro


Spätestens seit Günter Maschkes luzidem Essay „Die Verschwörung der Flakhelfer“ (1985) wissen wir, daß die Geschichte der Bundesrepublik eine Geschichte der schiefen Ebene ist, und der sakralisierte Kernbestand ihrer Verfassung in Form eines sogenannten „Verfassungspatriotismus“ an die Stelle der Nation rückte. Längst gilt nicht mehr Friedrich Eberts großartiger Satz von 1919: „Und wenn wir vor der Frage stehen: Deutschland oder die Verfassung, dann werden wir Deutschland nicht wegen der Verfassung zugrunde gehen lassen!“ Dieser Satz erhellt die Lage, in der sich „Unsere Demokratie“ heute befindet, zwar nur rudimentär, trägt jedoch immer noch den Keim von Staatlichkeit, Souveränität und Nation in sich. Damit aber auch die Erkenntnis über die Verkommenheit des bundesrepublikanischen Gebildes – dessen Grundgesetz der Sozialdemokrat Carlo Schmid, einer der Verfassungsväter, völlig korrekt als „Besatzungsstatut“ und die BRD als „Organisationsform der Modalität einer Fremdherrschaft“ bezeichnete - und seiner regierenden Quislinge, seines korrumpierten Establishments in Politik, Medien und Wirtschaft samt ihrer gegenwärtigen aus Knechtsseelen bestehenden sogenannten „Zivilgesellschaft“, die nichts weiter als ein Unvolk in einem Nichtstaat darstellt.

Wenn es aber tatsächlich so um die Verfassung bestellt ist, sollte es die vordringliche Aufgabe aller gutwilligen und aufrechten Demokraten sein, wie man diesem Gefängnis des Grundgesetzes so schnell und so legal als möglich wieder entrinnen kann, wie der Staatsrechtler Ernst Forsthoff bereits in den 1950er Jahren bemerkte. Denn nur dadurch wird man endlich zur Nationwerdung gelangen. Die Konsequenz hat also darin zu bestehen die BRD nicht nur als Organ der Fremdherrschaft zu begreifen und das völlige Fehlen struktureller politischer Legitimität inklusive der Demokratisierung des schönen Untergangs zu beklagen, sondern als eine quasi-totalitäre Hydra aus Gewissenlosigkeit, Hypermoral und grenzenloser Infantilität und Inferiorität schärfster Kritik zu unterziehen. Denn tatsächlich wissen die Deutschen mit dem Spielzeug Verfassung vulgo Grundgesetz, das die alliierten Sieger ihnen großzügig bescherten, bis heute nichts anzufangen, außer es zigmal zu Ungunsten des eigenen Volkes und zu Gunsten einer nebulösen Menschheit zu verändern. Oszillierend zwischen Idiokratie und Dämonokratie ist die BRD gefangen in einer scheinbar unauflöslichen Verbindung von Demokratiesimulation und Heuchelei. Sie aus dieser Schweinchen-Schlau-Mentalität zu befreien bedeutet zugleich die monotone Steppe der Superiorität zu verlassen und aus unseren einbetonierten Status-quo-Gettos von Mediokrität, Borniertheit, Distanzierungs-Dogmatismus, Rechthaberei und Feigheit herauszukommen, um endlich die Agonie eines Gebildes zu vollenden, das mit Deutschland als Staat und Nation der Deutschen schon lange nichts mehr gemein hat.

Die einzige deutsche Staatsraison kann daher nur die Restitution des Deutschen Reiches mit all seinen guten rechts- und sozialstaatlichen preußischen Traditionen sein. Daß dies aktuell nicht auf der Tagesordnung steht dürfte jedermann klar sein, aber die Geschichte macht ja bekanntlich Sprünge, und „das Dasein erfüllt sich in sich selbst“ (Martin Heidegger). Karthagische Ängste und konservative Bedenklichkeiten sind dabei fehl am Platz. Vielmehr hat sich die Rechte von der „Bekenntnisschrift“ (1812) eines Carl von Clausewitz leiten zu lassen: „Ich glaube und bekenne, daß ein Volk nichts höher zu achten hat, als die Würde und Freiheit seines Daseins …daß ich die falsche Klugheit, mit der sich die kleinen Geister der Gefahr entziehen wollen, für das Verderblichste halte, was Furcht und Angst einflößen konnten!“

Björn Clemens, Rechtsanwalt, Lyriker, Essayist, Publizist, Romanautor und ehemaliger Stellvertretender Bundesvorsitzender der von Franz Schönhuber gegründeten Republikaner in der Nachfolge-Ära unter Rolf Schlierer legt mit seinem neuen Buch die vielleicht geistig und politisch bemerkens- und begrüßenswerteste Kraftanspannung vor, die seit zehn Jahren geleistet wurde. Zielgenau analysiert der Autor jene Kräfte und Methoden, die Deutschland und Europa verseuchen und zugrunde richten, allen möglichen hauseigenen Imbezillitäten und kompakten islamischen Fremdvölkerschaften Tor und Tür öffnen, um mit brutaler Gründlichkeit die Reste staatlichen und institutionellen Denkens mit ihrem zeitgeistkonformen, woken, linksliberalen Flegel- und Flagellantentum zu bespritzen. Das Massive seiner Angriffe entspricht dabei adäquat dem Zugriff und den Zumutungen, denen er sich ausgesetzt fühlt, und dies darf man – ohne zu übertreiben - als eine der positiven Regungen okzidentaler Wucht und Wut verstehen. Die geistige Armseligkeit jener, die sich in den verborgenen Winkeln des universellen Bordells der gegenwärtigen Rüpelhaftigkeit der herrschenden politiko-medialen Klasse zusammenkauern und den formal humanitaristischen Schlamm der neoliberalen, globalistischen Leithammel entlarvt Clemens als ideologische Verwirrspiele einer perfiden Entgermanisierungspolitik, die unsere Nation letztlich zum Drittwelt-Meltingpot degradieren soll.

Am Beginn seines Buches stehen vier Berichte eigenen Erlebens, die die jüngere deutsche Geschichte plastisch machen, damit aber auch die Unmöglichkeit skizzieren noch etwas bewahren zu wollen von dem, was unseren Konservativen lieb und wert ist. Sie – denen wir gern zugestehen, daß ihre Affekte und ihre verwundeten Seelen angesichts der obwaltenden Zustände in unserem Land echt sind –, haben leider das wichtigste Element ihrer historischen Existenz vergessen: Die Programmatik der Konservativen Revolution und das Erbe des christlichen Abendlandes. Doch völlig zu Recht schreibt Clemens in seinem Vorwort: „Jammern füllt keine Kammern!“ Zum Glück neigt der Autor – im Gegensatz zu seinem Rezensenten aber nicht zur depressiven Melancholie des Reaktionärs – sondern steht den Herausforderungen und Zumutungen seiner Zeit mit einer gewissen bissigen Gelassenheit gegenüber, einem realistischen Menschenbild und einer distanzierten Haltung zu den Legitimationsnarrativen des Elitenprojekts eines ewig unbegrenzten „Fortschritts der Menschheit“, das je nachdem in der neoliberal-globalisti -schen Theorie vom „freien Spiel der Kräfte“ oder im ziemlich abgetragenen Kleid der sozialistischen Zwangswirtschaft auftritt. Ohnehin einigen globaler Finanzkapitalismus und woker links-liberaler Sozialismus, zwei nur scheinbare Gegenmächte, die wir jedoch leider immer noch als gänzlich unvereinbare Gegensätzlichkeiten ansehen, die von den Herrschenden angestrebte One World.

Die Kapitel „Der Nichtstaat“ und „Das Nichtvolk“ stellen im Grund die Frage aller Fragen, ob die inzwischen mündig gewordenen Hitlerjungen und -mädchen in aller Unschuld Demokratie und Massenliberalismus verwechselt haben. Die Antwort lautet kurz und bündig: Sie haben! Obwohl man diese toxische Mischung leicht hätte erkennen können, belehrt uns ein Blick auf die Institutionen der multimorbiden BRD, daß man Arnold Gehlens Mahnung Institutionen seien schwer zu bilden und aufrechtzuerhalten, aber „sehr schnell zerstört“, kurzerhand in den Wind schlug und lieber nach der guten, alten rheinischen Devise lebte: „Kommt, wir versaufen der Oma ihr klein Häuschen!“ Die Bundesrepublikaner als „riesige und hervorragend organisierte Ansammlung von Privatmenschen“ (Otto Kirchheimer, 1957), die mit gnadenloser Gründlichkeit ihre Entpolitisierung, Imbezillität und Oligophrenie vorantrieben, den stärksten Schwächeschub in ihrer Geschichte jedoch geflissentlich nicht zur Kenntnis nahmen, wurden zu glücklichen Vasallen der USA. Tatsächlich hätte jedoch der Wiederaufbau nach dem Krieg zumindest etwas mehr Autonomie ermöglichen können. Doch unter der sanften US-amerikanischen Hegemonie, die sich vor allem kulturell und im Management von Bildung, Hochschulen und einer alles überwölbenden Unterhaltungsindustrie manifestierte, gingen die letzten Reste einer Epistemologie abendländischer und deutscher Geschichte verloren. Als Resultat dieser Entwicklung sehen wir, daß das geistige, politische, und kulturelle Niveau bislang in keiner Epoche so niedrig war wie heute. Auch die Schönheit unserer Natur- und Kulturlandschaften und der leuchtende Glanz unserer Metropolen, all das ist scheinbar unwiderruflich dahin, zerstört durch völlig sinnlose, naturfeindliche Windparkmonster-Anlagen und ein „Stadtbild“, das jeder Beschreibung spottet.

Zur Wahrheit gehört indes auch, daß der Vorwurf sich „rechts“ dünkenden Zeitgenossen – Björn Clemens gehört ausdrücklich nicht zu dieser Spezies -, Konrad Adenauer habe als erster westdeutscher Bundeskanzler „den völligen, sklavisch-unterwürfigen Ausverkauf gesamtdeutscher Interessen betrieben“, nicht nur unhaltbar, sondern auch geschichts- und realitätsblind ist. Tatsächlich hat ein derart voluntaristischer Zug in rechtem Denken nichts verloren. Adenauer war auch nicht der „Hüter der Teilung“, sondern diese Ehre gebührt den Siegermächten, da Roosevelt, Churchill und Stalin nach der Feststellung ihrer Invasionsfähigkeit bereits 1943 in Potsdam definitiv die Teilung Deutschlands beschlossen. Liest man den großartigen Essay „Der Aufmarsch der Konterrevolution“ (Staatsbriefe 2/1990) des 2017 verstorbenen Philosophen Hans-Dietrich Sander, wird schnell klar, daß die alliierten Besatzungsmächte die alleinigen Herren im Lande waren, und in der BRD die Westmächte die Agenda bestimmten. Gewiß war Adenauer alles andere als ein Otto von Bismarck, vielmehr ein konservativ-katholischer Antikommunist, der Asien an der Elbe beginnen sah. Unvergessen ist die Anekdote im Interzonenzug nach Berlin, als er aus dem Fenster blickte und seinen mitreisenden Außenminister von Brentano fragte „Brentano, ist das schon die sibirische Steppe?“ Tatsächlich waren seine Befugnisse jedoch beschränkt, was sich nicht zuletzt am oktroyierten Grundgesetz zeigte, daß den Westalliierten zigmal zur Korrektur vorgelegt werden mußte. Adenauer, Carlo Schmid und den anderen „Verfassungsvätern“ war vollkommen klar, daß ihre Mandate nur von den Siegern geliehen waren, mit denen sie ständig hart verhandeln mußten. Adenauers Kommentar: „Die zehn Gebote sind wichtiger als das Grundgesetz!“ klingt uns heute noch in den Ohren, und die Befreiung der letzten zehntausend deutschen Kriegsgefangenen in Rußland 1955/56, die der konservative Antikommunist und sein Außenminister Clemens von Brentano nach härtesten Verhandlungen - und der Drohung der Abreise - mit der sowjetischen Führung unter Bulganin und Molotow erreichten, war wie ein Wunder. Was die Stalin-Note von 1952 mit dem Angebot der Neutralität und der Wiedervereinigung beider deutschen Teilstaaten betrifft, wird in sogenannten „rechten“ Kreisen behauptet, diese sei von Adenauer „brüsk zurückgewiesen“ worden und habe Deutschland „außenpolitisch in die Unbeweglichkeit geführt und eine Politik der nationalen Interessen unmöglich gemacht“. Ist es tatsächlich so schwierig sich vorzustellen, wer damals realiter das Zepter schwang? Tatsächlich hätten uns die Westalliierten gewaltig in den Allerwertesten getreten, abgesehen davon, daß solche spekulativen Verwirrspielchen typisch für die Machtspiele der Besatzungsmächte in Mittel- und Westdeutschland waren. Zwar ließen die Alliierten dem Kleinstaat Österreich das Geschenk der Neutralität zukommen, aber die Alpenrepublik war nun einmal nicht Deutschland. Vergessen scheint auch zu sein, daß Adenauer bei seinem ersten Moskau-Besuch 1953 von der Sowjetunion forderte, daß die „raumfremden Mächte den Raum freigeben für die Bildung eines neuen deutschen Gemeinwesens“ (Hans Dietrich Sander). Ähnlich verhält es sich mit der Rekonstruktionsperiode, die immer noch unkritisch als „Wirtschaftswunder“ bezeichnet wird, jedoch für die Westdeutschen nach den überaus harten Kriegs- und frühen Nachkriegsjahren einen großen Gewinn an Lebensqualität darstellte, wenngleich auch als eine der unguten Folgen „kein Ethos jenseits der Ökonomie“ (CDU-Politiker Bruno Heck) mehr erkennbar war. Wer wie einige verblendete „Rechte“ Adenauer vorhält den Staat Israel mit horrenden „Wiedergutmachungszahlungen zugeschüttet“ zu haben, hat nicht verstanden, daß es dem Kanzler darum ging das völlig zerrüttete Verhältnis zu den Juden allmählich zu verbessern und gleichzeitig mit den „Wiedergutmachungen“ die Schuldorgien zu beenden, die bis heute unvermindert andauern und je mehr Zeit vergangen ist, umso heftiger und anklagender werden. Genau dies wollte er jedoch gerade verhindern. Völlig zu Recht bezeichnet Clemens daher auch „Westbindung und Bündnisfragen“ als „zutreffende Einschätzung der Verhältnisse“ und konsequente Überlegungen angesichts des heraufziehenden Kalten Krieges. Adenauers Fehler bestand allein darin, die machtstrategische Position der Bündnispolitik mißzuverstehen beziehungsweise nicht zur Kenntnis zu nehmen und sie mit einer ideellen zu verwechseln und dieser alle anderen Fragen nachzuordnen. Ein eigener politischer Ansatz wurde so verhindert, doch war dies keinesfalls allein der Reeducation zu verdanken. Nicht ohne Grund schrieb Ernst Jünger - angesichts des durch zwei verlorene Weltkriege erschütternden politischen, biologischen und kulturellen Zustandes, in dem sich unser Volk befand - in seinen „Kirchhorster Blättern: „Von einer solchen Niederlage erholt man sich nicht mehr!“

Die Berichte des Autors über den Mauerfall und die damit verbundenen Emotionen zeigen, daß es vor allem die Westdeutschen waren, die an einer volksmäßigen Erneuerung kaum interessiert waren, und der „Anschluß an das Grundgesetz“ ihnen sehr entgegen kam. Die Bewohner der BRD konnten sich nicht entschließen Subjekte der Geschichte zu werden, im Gegensatz zu den Mitteldeutschen und den Völkern Mittelost und Osteuropas blieben sie das, was sie seit 1945 waren, bloße Objekte der Geschichte. Statt die SED sofort zur kriminellen Vereinigung zu erklären, zu verbieten und ihre Hauptfunktionäre zu verhaften, passierte nichts dergleichen, was Günter Maschke zu der Aussage provozierte, daß zumindest ein paar Funktionärsleichen die Elbe hinunter schwimmen müßten.

Die Renaissance des nationalen Denkens hatte jedoch bereits Ende der 1970er Jahre begonnen. Unabhängig von einander erschienen Sanders grandioser „Nationaler Imperativ“, der Peter Glotz, einen der wenigen intellektuellen sozialdemokratischen Politiker, angesichts der Kälte und Härte von Sanders Duktus in Angst und Schrecken versetzte, Bernard Willms „Die deutsche Nation“, Arndts „Die Besiegten von 1945“, „Mut zur Macht“ von Heinrich Jordis von Lohausen, Diwalds „Geschichte der Deutschen“, umrahmt von Werken Robert Hepps, Gerd Bergflehts, Hartmut Langes, Botho Strauß´ und Hans-Jürgen Syberbergs kulturkritischer Abgesang „Der Wald steht schwarz und schweiget“. Zwar war die Cancel Culture erst in ihren Anfängen und längst nicht so ausgeprägt wie heute, aber die Ausgrenzungen folgten auf dem Fuße, so wurde beispielsweise Syberberg im FAZ-Feuilleton zur Persona non grata erklärt, weil er es gewagt hatte mit Rainer Werner Faßbinder eine Ikone der herrschenden linksliberalen Vasallen-Ideologie anzukratzen. Die Hoffnung mit der Gründung der „Republikaner“ durch den charismatischen Franz Schönhuber und einigen CSU-Dissidenten einen politischen Durchbruch zu erzielen, blieb indes folgenlos. Ähnlich wie die bereits „verbrannte“ NPD wurden auch sie von eigens für solche Zwecke bereitgestellte Geheimdienste unterwandert, den Rest besorgte die Partei selbst, indem sie es nicht verstand den heillos zersplitterten nationalen Widerstand zur Einigkeit zu bewegen und jeglichen Weitblick in Hinsicht auf den korrumpierten und korrumpierenden Parlamentarismus, den obwaltenden Liberalismus und die schlüpfrigen Methoden „Unserer Demokratie“ sowie einer Gesellschaft unter dem sanften Joch einer alles regulierenden Verwaltung vermissen ließ. Eine Chance wurde damit leichtfertig vertan. In seinen Essays „Der auflösende Imperativ“ und „Hochverrat und Völkermord“ beschreibt der Autor die Migrations- und Ausländerpolitik der herrschenden Kaste, deren brutale politische Korrektheit etwas widerlich Gutmeinendes in sich birgt, das noch genauer zu analysieren wäre. Während die linken und grünen Pöbelparteien in ihrer Geschichte immer der Ort des Verrats und der Vollendung der Kastration deutscher Staatlichkeit waren, fehlt den Konservativen bisher jegliches Konzept, obwohl sie wissen, daß der Liberalismus unser Feind ist und die parlamentarische Demokratie immer die Verpackung für eine bestimmte Diktatur war, die stets viele Methoden nutzte, um ihre Gegner zu unterdrücken oder irrelevant zu machen, mal milder, mal strenger, je nach Situation. Wenn nach Botho Strauß das Regime der telekratischen Öffentlichkeit der umfassendste Totalitarismus der Geschichte ist, dann ist Merkel, die 2015 rechtswidrig die Grenzöffnung für hunderttausende illegal unser Land invadierende wehrhafte junge Männer aus dem Nahen Osten und Nordafrika befahl, die größte Katastrophengestalt unserer Geschichte seit der demokratischen Machtübernahme des berühmten Aliens aus Braunau. Warum hatte niemand auf Oskar Lafontaine gehört, der nach Merkels Wahl zur Vorsitzenden der Union der CDU/CSU die Wahrheit über das „Verhängnis im Hosenanzug“ (Till Kinzel) ins Stammbuch schrieb, daß sie sich nämlich ein faules Kuckucksei ins Nest gelegt hatte: „Haben die eigentlich schon gemerkt, daß sie eine überzeugte Kommunistin zur Vorsitzenden gewählt haben?“ Doch tatsächlich war ihr Vorteil, daß eine entpolitisierte und manipulierte Bevölkerung der ehemaligen FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda – eine Funktion, die nur 150prozentigen Parteigenossen zu teil wurde -, keine Lüge und keinen Betrug zutraute, daher konnte sie im Einklang mit der neoliberalen Globalisierung und der Regenbogen-Linken die Grenzöffnung zur Förderung einer multikulturellen Gesellschaft der vermarkteten Menschen unverdrossen durchziehen. Im Ergebnis spricht sich heute die Regenbogen-Kapitänin Carola Rackete für Waffenlieferungen an die Ukraine aus und damit für die tyrannischen EU- und NATO-Imperialismen. So wächst zusammen, was zusammengehört: der hedonistische Kosmopolitismus ohne Grenzen als neues Paradigma der freien post-identitären Entwurzelung und des globalen Wanderns und die von der Finanzoligarchie gekaufte demophobe liberale Linke, die jede emotionale Verbindung zum Volk und zur Nation verloren hat. Ungerührt sieht sie der Besetzung des öffentlichen Raumes, der Umvolkung, dem Großen Austausch, der Ausplünderung unserer hart erarbeiteten und erkämpften Sozialsysteme, den kollabierenden Gemeinden, dem unermeßlichen Anstieg der Kriminalitätsrate durch schwerste Verbrechen wie Raub, schwerer Körperverletzung, Massenvergewaltigungen, Ehren- und Messermorden und islamistischen Terroranschlägen zu. Während ihre Antifa-Knüppelgarden als Verkörperung der neuen Staatsjugend den Schutz und die Sympathie der Kartellparteien, der Lückenmedien und der mit den Steuergeldern der Bürger zwangsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Staatsfunker genießen, sind die rechts- und gesetzestreuen Bürger schutzlos den Anschlägen und Angriffen der terroristischen Linksextremisten und ihrer islamischen Kumpane ausgeliefert. Die Frage, ob man einem „Staat“, der seinen Bürgern keinen Schutz gewährt, Gehorsam schuldet, hat sich damit erledigt. Wir schulden diesem Nichtstaat, der die Dialektik von Schutz und Gehorsam offenbar nicht versteht, außer Widerstand und schärfster Kritik überhaupt nichts! Die staatenlosen Klasse der neoliberalen Plutokratie und des kapitalistisch-finanzoligarchischen Blocks, der nun auch der dem Globalismus hörige postmoderne neolinke Klerus angehört, hat sich offen auf die Seite der Barbarei geschlagen und dem Sozialpatriotismus, der die Interessen der Mittel- und Arbeiterklasse, des Vaterlandes, der Familie, der Ehre und Transzendenz, der Volkssouveränität und der nationalen und kulturellen Identität verteidigt, den erbarmungslosen Kampf angesagt. Dem wertvollen Buch von Björn Clemens, das die Tragik und die Tragödie der Deutschen schonungslos schildert, aber mit seinem aus christlich-abendlän-dischem Geist gespeisten eschatologischen Optimismus auch eindringlich dafür plädiert neue Wege des Widerstands zu finden, den herrschenden Narrativen entschieden zu widersprechen sowie Rückblicke, Einsichten und Überzeugungen auf ihre Tauglichkeit zu untersuchen, sind viele aufmerksame Leser zu wünschen. Überlassen wir das Schlußwort dem zu Unrecht gedemütigten und verfemten großen Dichter Ezra Pound: „Wenn ein Mensch nicht bereit ist, für seine Überzeugung ein Risko einzugehen, taugt entweder der Mensch oder die Überzeugung nichts!“
Werner Olles

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Savatie Bastovoi:
Der Teufel ist politisch korrekt

Litera Eurasia 2019-www.edition hagia sophia.de. Preis 16 €. ISBN 978-3-96321-025-9


In Zeiten der Werteinflation, der apokalyptischen Verwirrung und der staatlich geförderten mörderischen Impulse, legt der rumänische Priestermönch, Savatie Bastovoi, aus der Republik Moldawien einen bemerkenswerten nur 160 Seiten umfassenden dystopischen Roman vor. Hinter dem Titel: „Der Teufel ist politisch korrekt“ verbergen sich eine alptraumhafte Szenen. Die Handlung selbst spielt überall und nirgendwo.

Es handelt sich um eine Projektion in die Zukunft. Die Schilderung der „Unterbrechung physischer Funktionen“ also einer perfide ausgeklügelten und perfekt entwickelten, vom Lebensalter abhängigen Euthanasie, beruht auf dem Gesetz 182/110. Sowohl die Mutter, Rosa, der Hauptfigur Jakob Kohner, als auch früher der Vater, Josef, wurden im Alter von 65 Jahren euthanasiert. Das Leben aller Personen die nur noch „kosten“ und weder als produktiv noch sozialfähig erachtet werden, geht auf eine solch banale und traurige Weise zu Ende.

Jakob Kohner, holt also die Urne seiner Mutter nach Vorladung im Rathaus ab und entrichtet die Gebühr für Einäscherung und Plastikbehälter. Der Taxifahrer, welcher ihn auf seiner traurigen Mission chauffiert, entpuppt sich als jener Vic (eigentlich Alexander) mit welchem Jakob seit langer Zeit im Internet chattet. Beide werden Freunde. Am selben Tag wird ein Päckchen gebracht: das Erbe der Rosa Kohner. Der Inhalt: ein anrührender Brief und eine Bibel. Dieses Buch wird, wie einst das Neue Testament, welches eine barmherzige Frau Dostojewski schenkte, sein Leben verändern. Es stellt sich heraus, dass die Verstorbene, die seit ihrer Einweisung ins Altenheim völlig apathisch ihrem unvermeidlichen Schicksal entgegen dämmerte, plötzlich durch die Begegnung mit einem ungewöhnlichen Mönch zu einem neuen Menschen wurde. Vater Johannes, der wegen eines staatlichen Dekretes sein Kloster verlassen musste, versteckte sich drei Jahre im Wald, wird verraten und im Alter von 64 Jahren und neun Monaten, also kurz vor dem vorbestimmten gewaltsamen Tod, ins Heim Euthanasius gebracht. Seine Botschaft: Wir werden von hier aus „direkt ins Himmelreich“ geboren. Heimlich tauft er Rosa, feiert mit ihr Eucharistie und schenkt ihr seine Bibel. Sie wiederum erinnert in ihrem Abschiedsbrief den Sohn Jakob, an seinen Bruder Raul in Israel. Vor 36 Jahren wurde sie zu einer Strafsteuer von 2000 Euro verurteilt, weil sie ein zweites Kind bekam. Dieses Kind (Jakob) war zu kastrieren. Rosas Testament endet mit den Worten: „Christus Gott, der für uns am Kreuz gestorben ist, um uns gemeinsam mit ihm auferstehen zu lassen, wache über Dich! Ich küsse Dich und höre nicht auf, bei Dir zu sein. Ich liebe Dich!“
Savatie Bastovoi versteht es meisterhaft, den aggressiven Atheismus seiner Protagonisten darzustellen. In einem Szenenwechsel führt er den Leser auf die geheimnisvolle Toteninsel, das Eldorado der Reichen und Berühmten. Sie sind vor dem Euthanasiegesetz geflohen und verbringen hier hochbetagt in Saus und Braus ihren Lebensabend, bedient von ephebenhaften Jünglingen und schönen Mädchen, die sich ihren perversen Wünschen beugen. Anschließend werden die Bediensteten im Meer ersäuft. Doch die Gewalt Gottes erreicht das Eiland. Urplötzlich verenden die Einwohner unter grauenhaftem Gestank, zerfressen von Würmern. Ähnlich ergeht es hochgestellten Persönlichkeiten der herrschenden Regierung. Jakob Kohners Computer befällt ein Virus. Es erscheint in roter Schrift: DAS ENDE DER WELT. Allgemeines Chaos bricht aus. Der apokalyptische Virus legt sämtliche elektronisch gesteuerten Geräte lahm. Menschenmassen fluten die Straßen, zerstören alles, bringen sich in Panik gegenseitig um. Bei der Beseitigung der Leichenberge wird in Regierungskreisen zynisch sogar Kannibalismus erwogen.
Vic (Alexander) holt den traumatisierten Jakob Kohner zu sich nach Hause, in eine Art Enklave, verbunden mit einer Untergrundkirche. Seine hochbetagte Mutter lebt verborgen hier und sorgt mit einfachster aber gesunder Kost für alle. Geleitet wird die Gemeinschaft zu welcher einst auch Vater Johannes gehörte, von seiner Exzellenz, einem würdigen alten Bischof. Er wird Jakob auf dessen Wunsch hin in der Osternacht taufen. Prophetisch deutet der heilige Mann dem Neophyten die Zukunft: „Das Ende der Welt wird nicht mit einer großen Katastrophe kommen ... sondern mit dem dämonischen Wunsch, zu töten ... Die Bosheit wird den Menschen dazu bringen, sich selbst zu zerstören. Dann, wenn der letzte Mensch, der zu lieben fähig war, getötet worden ist, wird das Leben auf der Erde seinen echten und einzigen Sinn verloren haben: zu lieben...Denn wenn die Liebe von der Erde verschwindet, werden die Menschen dem Teufel vollständig ausgeliefert sein...weil er, dessen höchste Freude es ist zu töten, sie alle umbringen wird.“ Der unbeschreibliche Friede, welcher Jakob Kohner umfängt wird jäh durch die Rückkehr seines Bruders Raul und dessen Geliebten gestört. Selbstlos überlässt er dem schwulen Paar seine Wohnung. Gänzlich dem Gebet und der Betrachtung hingegeben hat er jegliches Interesse an der modernen Welt, an Computern und digitalen Medien verloren. Seine Exzellenz weiht vor seinem Tode Alexander zum Priester und erteilt Jakob auf dessen Wunsch hin den Segen, in den Fußspuren des Vaters Johannes im Altenheim zu wirken.
Nach der brutalen Abholzung blühender Kirschbäume, den letzten Symbolen von Schönheit und Freiheit, durch gehirngewaschene Kindertrupps, verödet der Garten des Heimes. Die teuflische Korrektheit ergreift die absolute Kontrolle. Und Jakob Kohner? „Man sagt, dass Jakob Kohner nie gestorben ist. Eines Nachts wurde er gesehen, wie er aus dem Garten gen Himmel flog. Wer dies genau gesehen hat, lässt sich nicht mehr sagen, aber dieser Glaube verblieb für immer unter den Bewohnern des Euthanasius-Heimes.“
 Magdalena S. Gmehlinng

Buchbesprechung
      Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz:
Leuchtspuren. Warum braucht Kultur das Christentum?

Herder-Verlag Freiburg im Breisgau 2025. ISBN:978-3-451-60 156-9. 205 Seiten. Preis Euro 25.-

Es gibt Bücher, die klug und schonungslos Wunden unserer Zeit bloßlegen. Die bekannte Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz macht es sich zur Aufgabe, in dem Werk „Leuchtspuren“, welches teilweise eine Zusammenfassung früherer Arbeiten ist, das Heilige in dieser Welt wieder zu entschlüsseln. Dem gedanklichen Absturz von der Theodizee zur Anthropodizee und Biodizee soll aufklärend Einhalt geboten werden. In vier großen Abschnitten (Leuchtspuren/Kirche-lauter Fragezeichen?/Die Heiligen und die Ungeheilten/ Ich-meine größte Frage. Kleine Antworten) werden Denkanstöße gegen die, von Einsamkeit und Verdruss geprägte ziellose Zukunft angeboten.
Die Fleischwerdung Gottes durch die Jungfrau Maria ist der Angelpunkt des Christentums. Sie unterscheidet dieses von allen Kulturen, allen heidnischen Mythen, Riten, Heils-und Weisheitslehren: „...die Männlichkeit Jesu, sein Eintritt in die polar gebaute Schöpfung ist Eintritt ...in die polare Ordnung der Geschlechter.“ (S. 21) Viele Religionen sprechen von der Unsterblichkeit der Seele. Das Christentum allein lehrt die Auferstehung des Fleisches, also eine Transformation des Leibes. Zwar ist dieser dem Schmerz und dem Tod unterworfen, durch die 7 Sakramente wird er aber geheiligt. Die Erhöhung des Leibes in der Auferstehung des Fleisches, mündet in die beseligende Teilnahme am göttlichen Leben.
Mit Akribie widmet sich die Autorin dem Zustand der Kirche in Deutschland. Sie bezeichnet diesen als einen „Gang durch ein Minenfeld“. Am 11. Mai 2019 wurde in Münster die Streik-Forderung erhoben, das weibliche Priestertum einzuführen und den verpflichtenden Zölibat abzuschaffen (Maria 2.0). Ohne die Größe und Sendung der christlichen Frauen zu schmälern und die Gleichwertigkeit von Mann und Frau zu negieren, verweist Gerl-Falkovitz auf das verpflichtende Vorbild Jesu, die klaren Aussagen des Lehramtes hinsichtlich der priesterlichen Ehelosigkeit und die sich daraus ergebende konstante Praxis der Kirche. Scharf wendet sie sich gegen die feministische Umdeutung Marias zur Rebellin: „Wo hätte sie Priester-Macht für sich eingefordert? Der wörtliche Rat aus ihrem Mund, zugleich ihr letztes überliefertes Wort lautet: Was er euch sagt, das tut (Joh.2,5). Die Rebellion Marias reicht weit tiefer: in den Umbau des Existenzbewusstseins, den Umbau nämlich der Selbstbehauptung gegen die Macht Gottes-und auch der trotzigen Selbstbehauptung gegen den schöpferischen göttlichen Entwurf: Zum Glück hat er die Geschlechter unterschieden, zum Glück unterschieden begabt.“ (S. 84) Über den deutschen synodalen Weg und dessen Kritik an fragwürdigem Verhaftetsein in Strukturen urteilt Falkovitz differenziert. Strukturelle Ordnungen sind primär apersonal und sachlich. Sie stützen sowohl die „Banalität des Bösen“ als auch die „Banalität des Guten“. Jedenfalls entbinden sie Personen nicht von dem Urteil des eigenen Gewissens. Zweifellos ist die Kirche Struktur. In Fragen des sexuellen wie auch des Machtmissbrauches ist sie sowohl anfällig als auch weisungsgebend. Hörbar muss diese Kirche wieder jene Ur-For-derungen erheben, deren Missachtung das Elend unserer Tage verschuldet und begünstigt. Es darf keine vorgeburtlichen Tötungen, keine Geschlechtsumwandlung, keine Leihmutterschaft, keine Kontrazeption, keine künstliche Befruchtung mehr geben.
Über das Kirchengebäude als Ort des Geheiligten, der Sammlung, des Mysteriums, mit der verdichteten Stelle des Altares, dem Herz des Numinosen, gäbe es besonders hinsichtlich architektonischer Zerrbilder vieles, auch sehr Kritisches, zu sagen. Bezüglich des heiligen Raumes belehrt uns die Religionsphilosophin: „ So hat die Kirche die schwierig-schöne Aufgabe, mit den Mitteln des Irdischen, mit Ort (und Zeit und Materialität) das Eintreten des Heiligen, sein Kommen und Gehen gegenwärtig zu halten - und gleichzeitig den Ort herauszunehmen aus der üblichen Zwecklichkeit, dem Nutzen der Alltags, und ihn als Eigentum Gottes zu beanspruchen.“ (S. 106)
Heilung der Welt kann nur durch das Heilige erwartet und vollbracht werden. So wie in dem Wort „sacrum“ eine Doppelbedeutung von „heilig“ und „verflucht“ aufscheint, erfährt die Sinnlichkeit der heilig-unheiligen Welt, der „Götter-Dynamiken“, erst durch den Treuebund Israels mit Gott eine Umdeutung. Der Höchste und All-Heilige ehrt sein auserwähltes Volk durch Vertrauen und Liebe. Etwas Neues wird aufgebaut das in der Menschwerdung Christi kulminiert. Exemplarisch stellt die Autorin uns die Gestalt der Gottesmutter Maria in einer feinsinnigen Deutung des Magnifikats vor Augen und sie widmet ein überaus lesenswertes Kapitel dem „Vormund des ewigen Wortes“, dem heiligen Joseph. Die vielfache Fehldeutung seiner Person wird brillant widerlegt. „Die Heiligen und die Ungeheilten“ beschäftigen Gerl-Falkovitz nicht nur hinsichtlich einer inneren Freiheitserfahrung Betroffener, jenseits eiserner Gesetzlichkeiten. In weltweiten Berichten aus Konzentrationslagern jeglicher Couleur scheint immer wieder die überweltliche Kraft der Kirche auf. Jene, die anonym sterben in einer Art Blindheit und Wegnahme von Licht und Sinn, verbinden in ihrem Martyrium das Geheimnis des Unsagbaren und der endgültigen Wahrheit.
Das Leiden des Ungeheilten, deren Verwundung durch Nichtglauben, zeigt sich exemplarisch an dem Schicksal Nietzsches. Der erklärte Gegner des Christentums, weiß zwar, wo Heilung ist, lehnt diese jedoch ab. Seine existentielle Wunde ist aufgebrochen an der pervertierten Beziehung Gott-Welt. Der Lehre vom Tod Gottes, der absoluten Sinnlosigkeit (Nihilismus) und dem titanischen Willen zur Macht begegnet die Autorin mit der tiefen Einsicht: Gott ist der unendlich Weggebende. „Die Trinität ist das Urbild dieses Hingegebenseins: Hingabe des Vaters, Hinnahme des Sohnes und der Geist als innerste Gewissheit ihrer Liebe.“ (S. 169) Christliches Denken orientiert sich an der Fülle, am überfließenden Dank für alles Geschenkte. Im Gehorsam findet der Mensch Wachstum, Erfahrung von Freiheit und die Möglichkeit der Überraschung.
Das zielführend auf geistige Erneuerung angelegte Buch endet mit der Ich-Frage auf die „kleine Antworten“ gegeben werden. Doppelgesichtig ist die Liebe: selige Erfüllung und bitterer Schmerz. Sie erscheint dreifach als eros, agape und caritas. Gott selbst aber- so die kluge Deuterin - liebt verschwenderisch bis in das Missverständnis seiner selbst hinein. An dem großen Umsonst der Liebe Gottes bricht sich unser Begreifen, denn hier weitet sich die Liebe ins Unendliche. Der Christ soll sich als mutiger Hüter der Schwelle erweisen. Als einer, der um die Erfüllung seines Daseins im Angesicht des Todes weiß, aber auch um die selige Erneuerung im Zeichen der unvorstellbaren ewigen Liebe: das ewige Leben.
Die Verworrenheit des Daseins, die Erbschuld, nennt Thomas von Aquin discordia naturalis (naturhafte Zwietracht). Diese Verstörung des Lebens äußert sich vielfach in einer ungezügelten Lebensgier, einem Haben-Wollen um jeden Preis, einer bedenkenlosen Durchsetzung eigener Wünsche. Streng verurteilt die Autorin hier die Überheblichkeit des Menschen hinsichtlich der Praktiken der Verhütung, Zeugung und Abtreibung. Im Sakrament der Taufe wird unsere Selbstbesessenheit gewissermaßen überflutet von einem Leben aus der Fülle, dem Leben Gottes. Der Ichverhaftete ist gerufen, sich lösen zu lassen, das eigene Dasein dankbar und staunend als göttliche Gabe zu erfahren. Das Buch endet mit der kontrovers diskutierten Frage, ob Unverzeihliches Vergebung erfahren kann. Angesichts unbeschreiblicher Ungerechtigkeiten und grausamster Verbrechen eine wahrhaft bedrängende Problematik. Die interessante Antwort lautet: Absolution gibt es nur im Absoluten. Was heißt das? Das Christentum lehrt, Gott selbst hat sowohl die Täterschuld als auch den Opferschmerz übernommen. Die Schuld aber kann von jenem reuig eingestanden werden, der um Vergebung weiß. „Die Unreinheit der Welt wird nicht von außen niedergekämpft, sondern von innen, in einer letzten Solidarität, übernommen, und das Opfertier schleppt sich selbst durch die Straßen zum Platz der Verworfenen, um dort mit seiner Last zu sterben.“ (S.189) Die große Frage nach dem eigenen Ich, welches nicht einer gestaltlosen Urmacht unterliegt, sondern sich von einem ungeheueren Willen geschaffen und gerufen weiß ist gekoppelt an die Möglichkeit der Verdichtung. Alles Woher und Wohin soll im Anruf Gottes enden. Der Tod wird mir zeigen, wer ich wirklich bin.                           
Magdalena S. Gmehling

 
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