Gedanken zum Fest der Auferstehung 2026 „Mein Herr und mein Gott“. (Johannes 20,28)
von Father Courtney Edward Krier
Mein Herr und mein Gott – Jahwe v-Eloi – so hätte Thomas auf die Worte des auferstandenen Christus im biblischen Hebräisch geantwortet. Doch er hätte Jahwe durch Adoni – Mein Herr – ersetzt, um dem Gesetz und der Tradition zu folgen. Vielleicht war dies der Ausdruck all jener, die den auferstandenen Christus sahen, und Johannes hat ihn nur in seinem eindringlichsten Moment aufgezeichnet, als Thomas die Auferstehung zweifelte und nun dem von den Toten auferstandenen Jesus gegenüberstand. Es wäre ein tiefgreifendes Glaubensbekenntnis gewesen, ein Bekenntnis, das verkündete, daß Jesus Christus wahrhaftig der Ich bin, der Ich bin, und der Allmächtige ist. Der heilige Johannes bezeugt seinen Glauben, als einer der Soldaten mit einem Speer seine Seite durchbohrte und sogleich Blut und Wasser herausflossen; und er [Johannes], der dies gesehen hat, legt Zeugnis davon ab, und sein Zeugnis ist wahr. Und jener weiß, daß er die Wahrheit spricht, damit auch ihr glaubt. (Johannes 19,34-35) Es wäre keine Aussage darüber, daß Christus gekreuzigt wurde. Das war nie bestritten worden. Es wäre eine Wiederholung der Worte des Hauptmanns und an anderer: Wahrhaftig, dieser war Gottes Sohn. (Vgl. Matthäus 27:54) Nachdem Maria Magdalena und die anderen Frauen die erschütternde Nachricht verkündet hatten: Man hat den Herrn aus dem Grabe genommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat. (Johannes 20,2), liefen Petrus und Johannes zum Grab, um die Wahrheit zu finden. Jetzt ging auch der andere Jünger, der zuerst am Grab angekommen war, hinein. Er sah und glaubte. Denn sie hatten noch nicht die Schrift verstanden, daß er von den Toten auferstehen müsse. (V. 8) Johannes glaubte, ohne die Schrift zu kennen. Was glaubte er? Daß Christus lebte, weil er Gott war und der Tod den lebendigen Gott nicht besiegen konnte. (Vgl. Matthäus 16,16 u. a.)
Lukas wird später darauf hinweisen, daß Petrus voll Staunen über das was er gesehen hatte, nach Hause zurückkehrte. (Lukas 24,12), aber daß dann der Herr .... dem Simon [Petrus] erschienen ist. (V. 34) Johannes berichtet anschließend nur noch von der Erscheinung Jesu vor Maria Magdalena: Ich habe den Herrn gesehen! und das habe er ihr gesagt. (Joh 20,18). Darauf folgt die Erscheinung Christi vor den anderen Aposteln, und da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen (Joh 20,20). Sehen mit den Augen ist nicht länger Glaube, sondern Erkenntnis. Daher wird die Antwort unseres Herrn Jesus Christus an Thomas entscheiden:d sein „Weil du mich siehst, [Thomas, glaubst du]? Selig, die nicht sehen und doch glauben! (V. 29) und Christi vorangegangener Mahnung: sei nicht mehr ungläubig, sondern gläubig!“ (V. 27) Die Notwendigkeit des Glaubens an Gottes Verheißung und deren Erfüllung ist von Gott gefordert. Doch ist Christus nicht nur auferstanden, sondern Christus ist als der, der Ich bin, der Allmächtige, das Alpha und Omega. (Vgl. Offb 1,8) Dies ist für Katholiken heute besonders wichtig. Katholiken besitzen die Heilige Schrift, die das Wort Gottes offenbart. Sie haben das Zeugnis der Apostel, das durch die Jahrhunderte unversehrt in der Tradition überliefert wurde. Doch so wie der Apostel Johannes Jesus Christus als Gott annahm, obwohl er am Kreuz gestorben war, und so wie Johannes Jesus Christus, obwohl er begraben war, als lebendig annahm, als er das leere Grab sah, so müssen auch Katholiken das annehmen, was ihnen überliefert wurde: Ich finde es lobenswert von euch, [Brüder,] daß ihr in allem meiner gedenkt und die Vorschriften so einhaltet, wie ich sie euch überliefert habe … Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch überliefert habe. (1 Kor 11,2-3). Dies wiederholt Judas in seinem Brief: „Geliebte! Da mir sehr am Herzen liegt, euch über unser gemeinsames Heil zu schreiben, sehe ich mich genötigt, euch durch ein Schreiben zu ermahnen: Kämpft für den Glauben, der den Heiligen ein für allemal überliefert ist! (Judas Thaddäus1,3) Das Vatikanische Konzil von 1869, das an den Glauben festhielt, daß die katholische Kirche unfehlbar vom Heiligen Geist geleitet wird, lehrte:
Die Lehre des Glaubens, die Gott geoffenbart hat, wurde nämlich nicht wie eine philosophische Erfindung den menschlichen Geistern zur Vervollkommnung vorgelegt, sondern als göttliche Hinterlassenschaft der Braut Christi anvertraut, damit sie treu gehütet und unfehlbar erklärt werde. Daher ist auch immerdar derjenige Sinn der heiligen Glaubenssätze beizubehalten, den die heilige Mutter Kirche einmal erklärt hat, und niemals von diesem Sinn unter dem Anschein und Namen einer höheren Einsicht abzuweichen [Kzz. 3]. »So wachse, denn und gedeihe in reichem und starkem Maße im Laufe der Zeiten und Jahrhunderte Erkenntnis, Wissenschaft und Weisheit sowohl in einem jeden als auch in allen, sowohl im einzelnen Menschen als auch in der ganzen Kirche: aber lediglich in der ihnen zukommenden Weise, nämlich in derselben Lehre, demselben Sinn und derselben Auffassung«. [Vinzenz von Lérins, Commonitorium primum 23, n. 3]—DB 1800
Kanon 3: Wer sagt, der Mensch könne nicht von Gott zu einer Erkenntnis und Vollkommenheit emporgehoben werden, die die natürliche übertrifft, sondern könne und müsse aus sich selbst in beständigem Fortschritt schließlich zum Besitz alles Wahren und Guten gelangen: der sei mit dem Anathema belegt.—DB 1808
Was offenbart die Heilige Schrift? Was lehrt die Kirche? Der heilige Paulus erklärt:
„Vor allem habe ich euch überliefert, was ich selbst empfangen habe. Christus ist der Schrift gemäß für unsere Sünden gestorben. Er wurde begraben und ist der Schrift gemäß am dritten Tage auferstanden. Er ist dem Kephas erschienen, dann den Elfen." (1 Kor. 15, 2-3)
Das heißt, der Glaube ist unveränderlich; der Glaube der Apostel ist unveränderlich; und der Glaube der Kirche ist unveränderlich. Die Heilige Schrift sagt, Jesus Christus ist Gott. Gott starb am Kreuz. Gott ist von den Toten auferstanden. Und dies ist nicht metaphorisch, nicht subjektiv oder im Konsens, sondern wahrhaftig zu verstehen, wie Johannes bezeugt: Er sah Christus sterben und er sah Christus auferstehen – es ist Wissen, manchmal ausgedrückt als Wissen um den historischen Christus. Sein Glaube besteht nicht darin, daß Christus starb, sondern daß Christus Gott ist, der „Ich bin“. Sein Glaube besteht nicht darin, daß Christus von den Toten auferstand, sondern daß Christus die Auferstehung und das Leben ist (vgl. Joh 11,25). Das bedeutet, den katholischen Glauben zu haben: Daß wir annehmen, was Christus die Apostel gelehrt hat und was die Apostel dann als Säulen des Glaubens durch die Kirche weitergegeben haben, sei es durch die Heilige Schrift oder durch das Lehramt der Kirche. Gleichzeitig kann man, wenn man die Göttlichkeit Christi nicht anerkennt, die Kirche nicht als göttliche Institution anerkennen. Wenn die Kirche keine göttliche Institution ist, kann und wird sie sich verändern, da sie allein von menschlichem Handeln abhängt. Da sie aber eine göttliche Institution ist, muss und bleibt die Kirche in ihrem Glauben und ihrer Verfassung heute dieselbe wie zur Zeit der Apostel. Der heilige Paulus schrieb vor fast zweitausend Jahren:
„Ich will jenen predigen so, daß sie daraufhin zum Glauben kommen sollem. Wenn aber gepredigt wird, daß Christus von den Toten auferstanden ist, wie können dann einige von euch behaupten, es gebe keine Auferstehung der Toten? Gibt es keine Auferstehung der Toten, so ist auch Christus nicht auferstanden. Ist aber Christus nicht auferstanden, dann ist unsere Predigt hinfällig und nichtig auch euer Glaube. Dann stehen wir als falsche Zeugen vor Gottes da: Wir haben gegen Gott bezeugt, er habe Christus auferweckt, den er doch nicht auferweckt hat: Wenn die Toten überhaupt nicht auferstehen, denn wenn die Toten nicht auferstehen, so ist auch Christus nicht auferstanden. Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig; dann seid ihr noch in euren Sünden, und auch die in Christus Entschlafenen sind verloren. Wenn wir nur in diesem Leben unsere Hoffnung auf Christus setzen, dann sind wir die beklagenswertesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus von den Toten auferstanden. Er ist der Erstling der Entschlafenen.“ (1 Kor.15, 11-20)
Hat irgendjemand von uns die Auferstehung Christi gesehen? Hat überhaupt jemand den auferstandenen Christus gesehen? Aber wenn wir es nicht gesehen haben, glauben wir dann? Und worauf beruht unser Glaube? Die einzige Grundlage wäre, daß es sich um den unveränderlichen Glauben der Kirche handelt und daß die Kirche nicht irren kann. Wenn sie es könnte, wie der heilige Paulus sagt, dann wäre auch unser Glaube vergeblich. Wenn es also eine Lehre der katholischen Kirche gäbe, die sich geändert hat, würde das bedeuten, daß die Kirche irren könnte – ein Punkt, der vor Gericht verhandelt wird. Wenn man beweisen kann, daß ein Zeuge in einem Fall gelogen hat, dann bedeutet das, daß er auch in seiner jetzigen Aussage fähig ist zu lügen. Johannes weiß das, und deshalb verwendet er das Wort „Zeugnis“ durch Christus und sagt selbst: Der [Johannes] dies gesehen hat, legt Zeugnis davon ab, und sein Zeugnis ist wahr. Und jener weiß, daß er die Wahrheit spricht, damit auch ihr glaubt. (Johannes 19,35) Man kann gewiss Matthäus heranziehen und all die Prophezeiungen und Vorbilder erkennen, die im Alten Testament reichlich vorhanden sind – dies tun sogar moderne Exegeten. Führt dies zu dem Glauben, daß Christus Gott ist? Daß seine Kirche eine göttliche Institution ist, die unveränderlich ist, so wie die Ehe, wie Christus es erklärte? (vgl. Matthäus 5 und 19, Markus 10) Führt dies zu der Notwendigkeit, der von Christus gegründeten Kirche anzugehören? Man kann das Markusevangelium heranziehen und all die Attribute des Königtums und der Errichtung eines Reiches finden: Christus als Kyrios, so wie Cäsar Kyrios ist. Dies tun die Protestanten. Führt dies zum Eintritt in das Reich Gottes, das die katholische Kirche ist? Und daß die Verweigerung oder der Ausschluss in die äußerste Finsternis, die ewige Verdammnis bedeutet? Man kann das Lukasevangelium mit all seinen menschlichen Eigenschaften heranziehen, aber führt es zum Empfang der Gnade Gottes durch die Sakramente? Man kann das Johannesevangelium heranziehen und all die philosophischen und metaphorischen Möglichkeiten entdecken. Führt es dazu, die Aussage Christi zu akzeptieren: Esst mein Fleisch . . . Trinkt mein Blut? Nein! Christus meinte dies nicht wörtlich, denn das würde bedeuten, daß er entweder Gott ist, durch dessen Wort Brot in seinen Leib und Wein in sein Blut verwandeln kann, oder daß er ein Lügner ist. Man kann ihn nicht als Gott anerkennen, aber es wäre genauso unannehmbar, ihn einen Lügner zu nennen. Es muss also etwas anderes bedeuten. Anders ausgedrückt: Heute nimmt man die Worte Christi nicht mehr wörtlich, sondern interpretiert sie so, wie man sie verstehen möchte – im Sinne eines akzeptablen Verständnisses. Denn wie die Jünger es ausdrückten: Diese Rede ist hart! Wer kann sie hören? (Johannes 6,61). Dies ist die gegenwärtige Tendenz, sogar innerhalb der konziliaren Kirche – aber sie widerspricht dem wahren katholischen Glauben.
Die katholische Kirche, die verkündete, daß Jesus Christus von den Toten auferstanden ist, erschien den Menschen damals wie heute töricht. Und die Verkündigung Jesu Christi als Gott durch die katholische Kirche war für die Juden Blasphemie und für den Staat damals wie heute Hochverrat. Doch ihre Lehre blieb damals unverändert und sie kann sich auch heute nicht verändern. Trotz der Märtyrer blieb ihre Lehre unverändert. Trotz derer, die die verschiedenen Irrlehren verharmlosen oder rationalisieren wollten, blieb ihre Lehre unverändert. Trotz des Abfalls der Völker von der Kirche blieb ihre Lehre unverändert. Auch heute kann sich ihre Lehre nicht ändern, und genau das muss akzeptiert werden. Denn Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, sagte nach seiner Auferstehung, aber vor seiner Himmelfahrt:
„Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. So geht denn hin und macht alle Völker zu Jüngern, indem ihr sie tauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und sie alles halten und lehren sollt, was ich euch geboten habe. Seht, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“ (Mt 28,18–20)
Die Kirche feiert daher die Auferstehung im Wissen, daß darin, d.h. in der Auferstehung Christi vom Grab, der Schlüssel zum Glauben liegt, und bewahrt diese Lehre sowie alle anderen Glaubenslehren rein und unversehrt. Es ist unsere Pflicht als katholische Christen den Glauben in unserer Treue zu Jesus Christus und seiner Kirche, zu bewahren.
*** Sprüche der Väter
Abbas Agathon wurde einmal gefragt: »Was ist besser: körperliche Anstrengung oder Bewahrung des Herzens?« Der Altvater gab zur Antwort: »Der Mensch gleicht einem Baum. Die körperliche Anstrengung sind die Blätter, die Bewahrung des Herzens aber ist die Frucht. Da nun gemäß dem Schriftwort jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, ausgehauen und ins Feuer geworfen wird (Mt 3, 10), ist es klar, daß unser ganzes Mühen wegen der Frucht geschieht, das heißt, wegen der Bewahrung unseres Herzens. Doch ist auch die Bedachung und der Schutz durch die Blätter nötig, welche die körperliche Anstrengung darstellen.« (8) aus: „Sprüche der Väter“, Wien Graz Köln 1963 |