56. Jahrgang Nr. 1 / Januar 2026
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1. Christus: Eckstein zwischen Judentum und Christentum
2. BKP: Die Früchte des Zweiten Vatikanischen Konzils
3. Zur skandalösen lehrmäßigen Note
4. Abrahams Opfer und das Opfer Christi
5. Dieser von langer Hand geplante Plan
6. Extreme Zunahme
7. Daemonologie
8. Von Ghana bis Malaysia:
9. E-ID als „digitales Sackmesser“:
10. „Wie funktioniert der Islam?“
11. Hinweis auf ein Video,
12. Stoppt das Queer-Papier für katholische Schulen
13. Abt Adalbert von Neipperg
14. Die USA als Gefahr für den Weltfrieden
15. Die Deutschen sollen nie wieder singen
16. Perfides Albion, Buchbesprechung
17. Tiqua
18. Mitteilungen der Redaktion
19. Nachrichten, Nachrichten, Nachrichten...
Daemonologie
 
Daemonologie

von
Werner Olles

In dem dicken Buch von Karl Rahner S.J. „Grundriß des Glaubens“ kommen auf 450 Seiten der Satan und sein Gefolge nicht mehr vor, da ihn die transzendentale Erfahrung der modernistischen Theologie tatsächlich nicht mehr aufzufinden vermag. Daher unterlasse man es bitte vom Teufel und den Dämonen zu reden, zudem könne man mit der rein „symbolischen Denkfigur“ eines bösen Geistes doch nichts Vernünftiges und Wesentliches anfangen. Und natürlich wissen wir als aufgeklärte Staatsbürger doch, daß es sich bei alldem um psychopathologische Phänomene und Symptome handelt, die sogar milieubedingt sein können. Tatsache ist jedoch, daß der personhafte böse Geist auf solche „Erkenntnisse“ keine Rücksicht nimmt, wenn er sich auf seine ganz besondere Weise zu Menschen in Beziehung setzt und sein unseliges Wirken nicht nur beobachtet, sondern sogar analysiert werden kann. Doch setzt dies im Ernstfall Erfahrung in der Erfassung geistiger Realitäten voraus, die nichts Sensationelles oder gar religiös Erbauliches enthalten. Darum werden wir auch die Dinge beim Namen nennen, nichts schönreden, und das Böse nennen wir böse, aber nicht unschön oder unfein. Das klärt die Atmosphäre und lichtet die Nebel, worauf der Leser schließlich einen Anspruch hat.

Es besteht auch nicht der geringste Anlaß in „Heilsoptimismus“ zu machen, was leider auch bei vielen konservativ oder „rechts“ gesinnten Christen zu beobachten ist. Tatsächlich ist es reine Heuchelei, wenn man sich die nackten Tatsachen betrachtet. Man braucht in den Fachgebieten der Daemonologie, der Theologie und der Psychiatrie kein Experte zu sein, um sich die nüchterne Frage zu stellen, woher denn diese seltsame Angst vieler Menschen kommt, die etwas anderes bedeutet als die berechtigte Furcht vor einem Nuklearkrieg, der zwar unser leibliches Leben zerstört, aber nicht unsere unsterbliche Seele. Wir erinnern uns dunkel: Die erste Todsünde nach der Vertreibung aus dem Paradies war der eiskalte verübte Brudermord, der Kindermord von Bethlehem und die Genozide begannen erst später, damit aber auch der Massenmord an den ungeborenen Kindern, der den meisten heute nicht einmal mehr als eine Todsünde bewußt ist, seitdem „die verlassenen Altäre von Dämonen bewohnt werden“ (Ernst Jünger).
Was aber macht ein moderner und aufgeklärter Mensch, wenn er nicht mehr weiß, was das alles bedeutet? Tatsächlich kann er bereits im „katholischen“ Lateinamerika an Macumba-Riten vor einer Schlange teilnehmen, in Haiti oder gewissen afrikanischen Staaten Voodoo-Göttern huldigen, der nichts anderes als Dämonen sind, und diesen ein unschuldiges Tieropfer darbringen. Man darf aber auch mitten in Europa in bestimmten Tempeln einer Satansliturgie lauschen mit dem Hochgebet: „Sei gegrüßt, o Satan,/O Rebellion,/o rächende Macht der Vernunft!/Heilig sollen zu dir emporsteigen/ der Weihrauch und die Gelübde!/Du hast besiegt den Jehova der Priester!“

Vor dem unseligen und revolutionären Zweiten Vatikanum wurden im Ritus der Taufe noch drei Fragen gestellt: Widersagst Du dem Satan? Und all seinen Werken? Und all seinem Gepränge? All dies gibt es heute nicht mehr, aber dafür einen ungläubigen jüdischen Entertainer, der unter seinem bei ukrainischen Huren bekannten Namen „Paolo Pinkel“ sich nicht entblödete, die heilige Eucharistie als „symbolischen Kannibalismus“ und den grauenvollen Kreuzestod und schrecklichsten Justizmord der Geschichte an einem wahrhaft Sündenlosen und Unschuldigen als „sadistische Show“ zu bezeichnen. Das könnte nun in der Tat aus einer Satansmesse stammen, vermittelt durch ein spiritistisches Medium.

Es schien uns angebracht diesen „Prolog“ unserer Vorstellung der Neuauflage des zweibändigen Standardwerkes „Daemonologie“ des Päpstlichen Geheimkämmerers und Laientheologen Egon von Petersdorff, geschrieben in der apokalyptisch aufgewühlten Zeit der NS-Ära und der Nachkriegszeit, voranzustellen. „Daemonologie“, diese „Summa diabolica“, vergleichbar mit der fünfbändigen „Christlichen Mystik“ von J. von Görres, schließt als erste umfassende Monographie über die Dämonen eine vorhandene Lücke in der theologischen Literatur. Ein Quellen- und Lebenswerk, nicht trocken und langweilig, sondern aufregender und spannender als jeder Kriminalroman, zeigt es nicht nur, wie man die Gefühle der Angst, des Grauens, der geheimen Lust am Dunklen, Bösen, Zerstörerischen, Perversen und Unnatürlichen besiegt, es läßt uns auch teilhaben am Sieg, den Christus und die guten Engel über die Mächte der Finsternis errungen haben. Einmalig in der theologischen Literatur füllt das Werk eine Lücke, die auf wissenschaftlicher Grundlage aufgebaut ist, denn kaum ein anderer als von Petersdorff kennt die Geheimnisse des Okkultismus und des Spiritismus so genau und hat dem Teufel und seinen Dämonen soviele Schnippchen geschlagen wie dieser außergewöhnliche Mann.

Prälat Prof. Dr. Ferdinand Holböck, Mitglied der Päpstlichen Theologischen Akademie benennt in seiner Einführung zum Ersten Band „Dämonen im Weltenplan“ die modernistischen Leugner der Existenz des Teufels und der Dämonen. So beispielsweise der Alttestamentler Prof. H. Haag, der in seinen Schriften „Abschied vom Teufel“ (1969) und „Teufelsglaube“ (1975) mit gedankenlosen und oberflächlichen Thesen eine „Pseudoexegese“ betreibt, indem er kurzerhand die häretische Lüge verkündet, das Festhalten an der Existenz Satans sei völlig unbiblisch. Aber was tat denn Jesus Christus gleich am Anfang seines öffentlichen Wirkens in Karphanaum? Er betätigte sich – wie schrecklich und beschämend für die Modernisten und die „moderne Wissenschaft – sofort als Exorzist und trieb Dämonen aus, und dies auch noch am Sabbat in einer Synagoge. Da wunderten sich alle und sprachen zueinander: „Was ist das? Eine neue machtvolle Lehre! Er gebietet selbst den unreinen Geistern und sie gehorchen ihm.“ (Mk 1, 21-27).

Wir sehen, daß die liberale, modernistische Theologie - die übrigens die ebenso häßliche und verlogene Schwester der liberalen, globalen Politik ist -, blanke Häresie ist, ein Haufen Müll, die nicht nur Transzendenz, Liturgie und Hierarchie auf perfide und verachtenswerte Weise leugnet, sondern auch das brennende Verlangen nach einer göttlichen Ordnung. Und dann wird einem auch klar, daß ein liebesfähiger Mensch natürlich auch zum Haß fähig ist, und daß es durchaus erlaubt und angebracht ist das Böse und Schlechte zu hassen, während der Haß auf die Wahrheit und das Gute eine der sieben Todsünden ist. Jesus hat nämlich nicht nur die Existenz des Teufels und der Dämonen als Realität hingestellt, er hat auch seine Macht über sie geoffenbart, vor allem auch in den von ihm vorgenommenen Dämonenaustreibungen: Bezeichnend ist hier das authentische Jesuswort: „Geht und sagt diesem Fuchs (Herodes): Siehe, ich treibe Dämonen aus und vollbringe Heilungen heute und morgen … (Lk 13, 32).

Die Kulturanthropologin Prof. Dr. phil. Felicitas B. Goodman, Verfasserin des Buches „Anneliese Michel und ihre Dämonen“, für das Prof Holböck ein Vorwort und der Philosoph und Theologe Prof. Siegmund ein Nachwort schrieben, errichtete in New Mexiko ein Institut zur Erforschung religiöser Ausnahmezustände. Obwohl sie keine gläubige Katholikin war, gelang es ihr die Lehre vom Teufel und seinem Anhang, die sogenannte Dämonologie, durch neue Erkenntnisse und Fakten allgemein verständlich darzustellen, nachdem sie bei verschiedenen Völkern und Kulturen Feldforschung betrieb und religiöse Ausnahmezustände untersuchte. Nach einer wissenschaftlichen Analyse der Tonbänder im Fall Anneliese Michel, die als 23jährige Pädagogikstudentin 1976 in Klingenberg am Main auf rätselhafte Weise starb, kam Frau Goodman zu dem Schluß, daß hier eine echte Besessenheit vorlag, und daß die Diagnose einer „Epilepsie“ oder „psychogenen Geisteskrankheit“ unhaltbar war. Die junge Frau, die mit Erlaubnis des zuständigen Bischofs von Würzburg, Josef Stangl, von einem Pfarrer und einem Pater exorziert wurde, nachdem sie wegen ihrer angeblichen Epilepsie einen jahrelangen Leidensweg bei Neurologen und Psychiatern hinter sich hatte, die ihr immer wieder das mit äußerst starken Nebenwirkungen behaftete Neuroleptikum Tegretal verschrieben, das sie ständig und ohne ärztliche Kontrolle einnahm, verstarb schließlich an Unterernährung und Erschöpfung. Daß noch niemals ein von geweihten Priestern Exorzierter an einem Exorzismus gestorben ist, ist eine nachgewiesene Tatsache, doch wurde dies von den Medien nicht zur Kenntnis genommen. Was dabei an Bosheit, Perfidie, Stupidität und gedanklichen Sumpfblasen aus einer satten und sich für freiheitlich und demokratisch haltenden Gesellschaft zum Vorschein kam, überstieg alles Erwartbare. Die beiden Geistlichen mußten sich vor Gericht verantworten und erhielten Bewährungsstrafen. Seitdem fand offiziell in Deutschland kein Exorzismus mehr statt, während dieses aus Gebeten und Fürbitten bestehende Sakramentale in katholischen Ländern wie Italien als alltäglich bezeichnet werden kann.

Daß die junge Frau vor allem durch das Pharmakon Tegretal zugrunde gerichtet wurde, das im Übrigen auch den Dämonen ihre Angriffe erleichterte, in dem es das limbische System im Gehirn schwächte, ergab eine genauere Untersuchung und Obduktion nach Annelieses Tod. Im Übrigen weist der Rezensent darauf hin, daß er mit dem Antiepileptikum Tegretal selbst schlimme Erfahrungen machte, nachdem ihm ein Neurologe wegen seiner seit vielen Jahren existierenden äußerst schmerzhaften Trigeminus-Neuralgie dieses Pharmakon verordnete, das zwar keinerlei Besserung brachte, bei ihm jedoch Suizidgedanken auslöste und schwere Albträume auslöste. Zudem erwies sich im Fall von Anneliese Michel, daß sie zu keiner Zeit an Epilepsie litt. Dennoch traten in TV-Sendungen zum „Fall Klingenberg“ Moderatoren und Theologen Hand in Hand auf und verkündeten mit unglaublicher Impertinenz die schauerliche Häresie, daß so etwas wie Besessenheit „finsterstes Mittelalter“ sei.

Daß der Mensch des Hochmittelalters, gleichgültig ob es sich um Juden, Christen oder Mohammedaner handelte, vollkommen überzeugt war von der Existent reiner und unreiner Geistwesen und mit aller Akribie nach Erkenntniswegen suchte, um sich ihrer, da sie ja zur Schöpfungsordnung gehörten, zu vergewissern, war diesen dümmlichen Nachplapperern der Lüge vom „finsteren Mittelalter“ natürlich völlig unbekannt. Daß die Erkenntnispotenz des heutigen Menschen, der sich selbstbewußt für aufgeklärt hält, ungemein verengt und eingeschränkt ist, so daß er keinen Zugang mehr findet für eine sichere Erfassung geistiger Realitäten, kann man ruhigen Gewissens auch als eine Art Verblödung bezeichnen.

Tatsächlich existieren jedoch verschieden schwere Formen von Besessenheit, von der Umsessenheit (Circumsessio), die im Volksmund oft mit „Poltergeistern“ in Verbindung gebracht wird, der Obsessio, die mit einer Sichbemächtigung des menschlichen Körpers einhergeht und der Possesio, in der, wie Egon von Petersdorff richtig erkannte, die Ekstase sich in der Besessenheit zur Enstase steigert und sich entsprechend voll auswirkt, die Dämonen sich austoben und den Bezug des Besessenen zur Außenwelt unterbrechen, während in der „luziden Besessenheit“ der Besessene zwischen den dämonischen Attacken sogar seiner Arbeit oder seinem Studium nachgehen kann. Denn wie es im „Brief an die Epheser 6,12“ heißt: „Wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt, gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs“. Und in einem Gleichnis, das bei Lukas 11,24-26 wiedergegeben wird, lesen wir: „Wenn der unreine Geist von einem Menschen ausgefahren ist, so durchstreift er dürre Stätten, sucht Ruhe und findet sie nicht, dann spricht er, ich will wieder zurückkehren in mein Haus, aus dem ich fortgegangen bin. Und wenn er kommt, so findet er es gekehrt und geschmückt. Dann geht er hin und nimmt sieben andere Geister mit sich, die böser sind als er selbst, und wenn sie hineinkommen, wohnen sie dort und es wird mit diesem Menschen ärger als zuvor.“ Wird er während des Großen Exorzismus, dem ordnungsgemäßen Rituale Romanum, vom Exorzisten nach seinem Namen befragt, erhält dieser dann auch oft die Antwort: „Legion, denn wir sind viele!“

Alexander Solschenizyn sagt in seiner berühmten Washingtoner Rede im Juni 1973: Das Böse in der Welt, voll riesigen Hasses, konzentriert sich, es verteilt sich über die Erde!“ Ganz ähnlich beschreibt Egon Petersdorff „Mysterium iniquitatis“, das Geheimnis der Bosheit. Doch hat der pommersche Junker und Gardeoffizier einen weiten Weg zurücklegen müssen, um in der Geborgenheit der römisch-katholischen Kirche festen Grund zu finden. Bereits auf dem Gymnasium wurde er mit dem Okkultismus vertraut, mit Alchemie und Astrologie, später schärfte seine Tätigkeit in der christlichen italienischen Partisanenbewegung gegen Hitler sein Gespür für die dämonischen Kräfte und ließ in ihm den Entschluß zum vorliegenden Werk reifen, denn wenn man erst einmal die Mächte der Finsternis gesehen hat, trägt man sie den Rest des Lebens mit sich herum.  P. Rodewyk aus Frankfurt, der Altmeister für Dämonologie im deutschen Sprachraum, rezensierte das zweibändige Werk in der Zeitschrift „Geist und Leben“ (32. Jahrgang, 1959) und beurteilte es sehr positiv. Tatsächlich hat sich Egon von Petersdorff seine Arbeit nicht leichtgemacht. So behandelt er im Ersten Band zunächst die Erschaffung und den Fall der Engel, dann den Sündenfall mit seinen üblen Folgen und die „Gewalt des Teufels“. In der Inkarnation sieht er die eigentliche Kampfansage an die Dämonen und so betrachtet er auch die Minderung der dämonischen Macht durch die Wirksamkeit der römisch-katholischen Kirche.

Der zweite Band „Dämonen am Werk“ geht zunächst von der Unterscheidung der Geister aus, spricht aber dann von den Dämonen als Irrlehrer, als Widersacher der Menschen, als falsche Propheten (Aberglaube, Zauber), als falsche Mystiker und Hexenmeister, als Spiritisten (Mediumismus, Spiritismus). Den Abschluß bildet die Lehre vom Antichristen und vom Weltgericht. Eine biographische Skizze von Prof. Dr. Gerhard Fittkau über Egon von Petersdorff, der am 8. Januar 1892 als ältester von drei Söhnen des späteren Kommandierenden Generals Axel von Petersdorff und der aus einer französischen Hugenottenfamilie stammenden Elisabeth geb. Fehlan (Vélan) in Posen geboren und protestantisch erzogen wurde, und auf einem Spaziergang am 5. September 1963 im Alter von 71 Jahren einen sanften Tod starb, beendet das Werk eines Autors, dem zwar der Chorrock und die heiligen Weihen eines Klerikers verwehrt wurden, der aber nicht müde wurde, angesichts der leichtfertigen Sorglosigkeit und apokalyptischen Verblendung der Christenheit durch die gleichen dämonischen Mächte zu warnen, deren Verführungen er selbst erlebt hatte.

Egon von Petersdorff: „Daemonologie“. Erster Band: Zweiter Band: „Dämonen am Werk“. Renovamen Verlag 2025. 5. Neuauflage 2025. Kunstledereinband. 1017 Seiten. 89,90 Euro.

Werner Olles

 
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