56. Jahrgang Nr. 4 / Juli 2026
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1. Vorbemerkung zur Entstehung des Brief-Archivs
2. Ex oriente lux aut tenebrae?
3. Stellungnahme zu den Ausführungen von Fr. Krier
4. Die Einsamkeit
5. Erklärung zu „Unam Sanctam“
6. Gewitter über Europa
7. Terza Posizione – Für eine Querfront des Widerstands!
8. Für eine familienfreundliche Wende
9. Anmerkungen zu den geplanten Bischofsweihen
10. Zur Frage der Bischofsweihe

11. Fragen eines Nachbarn
12. Die bunte Gesellschaft ist vorgezeichnet
13. Die verhängnisvollen Wahnvorstellungen
14. Tor zur Hölle geöffnet:
15. Barack Obama
16. as die islamische Welt im Innersten auch zusammenhält,
17. Rußland
18. Buchbesprechung
19. In Deutschland verschwiegen:
20. Hinweis
21. Nachrichten, Nachrichten, Nachrichten...
22. Mitteilungen der Redaktion
„Jetzt und in der Stunde unseres Todes“
 
„Jetzt und in der Stunde unseres Todes“

aus „Auf Gottes Waage –  Christen in Glaubensnot und Zerstreuung“, Paderborn 1956


An einem stillen Sonntagnachmittag - alles war in die Dörfer der Umgegend ausgeflogen - kommt ein Kind in den Pfarrhof gestürmt und ruft den Pfarrer zu dem Gastwirt des Ortes. Er war jahrzehntelang das Sorgenkind des Pfarrers gewesen, wenn man ihn überhaupt als Kind der Kirche ansprechen konnte; denn all die Jahre her hatte ihn niemand je in der Kirche gesehen. Der Pfarrer eilte dem Kind nach und findet den Wirt, von einem Schlaganfall gelähmt, allein in seinem Zimmer. Mühsam bittet er, der Pfarrer möge Frieden machen zwischen ihm und Gott. Er legte eine Lebensbeichte ab. Dann kommt der Pfarrer noch einmal und spendet die heiligen Sakramente. Endlich drängt sich dem Geistlichen eine Frage auf die Lippen: „Nun sagen Sie mir, Herr N., wie soll ich mir das erklären, daß Gott nach einem solchen Leben alles so wunderbar fügt, wie wir zusammen es erleben durften?" Statt einer Antwort bittet der Sterbende mit Tränen in den Augen, der Pfarrer möge aus einer Schublade ein Gebetbuch nehmen, das obenauf liegt. Der Priester holte es und schlägt es an einer vom Kranken bezeichneten Stelle auf. Dort stößt er auf eine Seite, die offenbar von unzähligem Gebrauch ganz braun und abgegriffen war. „Lesen Sie, Herr Pfarrer!" Und der Pfarrer las: „Gebet zu Maria um eine gute Sterbestunde." „Herr Pfarrer", stöhnt leise der Kranke, „ein schlechter Mensch bin ich gewesen, aber dieses Gebet habe ich jeden Tag gebetet, wenn es auch niemand auf der Welt wußte oder gar glaubte. Dem verdank ich es, nein, ihr verdank ich es, der Zuflucht der Sünder. Und wenn Sie, Hochwürden, bald an meinem Grabe stehen, dann bitte, sagen Sie allen, die kommen; ich bitte alle um Verzeihung für gegebene Ärgernisse und hoffe auf Gottes Barmherzigkeit. Maria hat geholfen!" Am nächsten Morgen war der Mann gestorben.

 
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