DAS JAHR ZWEITAUSEND
vonH.H. Walter W.E. Dettmann Als Gott der Herr von Abraham verlangte, ihm seinen Sohn Isaak zu opfern, dachte Abraham mit Recht an nichts anderes als an unbedingten Gehorsam. Mehr konnte er schon gar nicht denken, wegen des ungeheuren Schmerzes, der ihn durchdrang. Aber Gott dachte seinerseits noch etwas, und zwar etwas, was Abraham niemals hätte ergründen können.
Gott der Herr dachte das, was Jesus-Christus zweitausend Jahre später in die Wort faßte: "So sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn dahingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengehe, sondern das ewige Leben habe". (Joh. 3,16)
Jesus Christus sprach immer wieder davon, daß er vom Vater in die Welt gesandt worden sei; er sprach davon, daß er den Willen des Vaters erfüllen müsse, und er betete in der höchsten Todesangst darum, daß der vom Vater bereitete "Kelch" an ihm vorübergehen möge - "doch nicht wie ich will, sondern wie du willst, Vater!" (Markus 14,36).
Das, was Gott der Herr bei seiner Forderung gegenüber Abraham offenbarte, ohne daß es Abraham selbst weder erkennen konnte, noch erkennen sollte, das hat erst Jesus Christus persönlich seinen Jüngern und Aposteln deutlicher erklärt: "Mußte nicht Christus dies alles leiden und so in seine Herrlichkeit eingehen?" sagte er, nach der Auferstehung zu den beiden Emmausjüngern, und der Lieblingsjünger Jesu, der als einziger neben dessen Mutter unter dem Kreuze stand, durfte die großartige Offenbarung des Planes Gottes an die Engel der Vorzeit schauen, nämlich die mit der Sonne bekleidete Frau, die in Geburtswehen schrie (Apokal. 12,1), weil sie dazu bestimmt war, als Mutter bei der Offenbarung des Gottmenschen anwesend zu sein.
Dem Apostel Johannes war in der wunderbarsten Weise gezeigt worden, wie das, was Gott den Herrn bei Abraham bewegte, schon lange vorher den gesamten Himmel in Bewegung versetzt hatte.
Von der umfangreichsten Kirchenversammlung aller Zeiten, nämlich vom sogenannten Zweiten Vatikanischen Konzil am Vorabend des Jahres Zweitausend, hätte man eigentlich erwarten dürfen, daß das, was zweitausend Jahre vor Christi Geburt bei Abraham geschah, der gesamten Menschheit eindringlich und genauestens vor Augen gestellt würde.
Statt dessen haben Paul VI. und die sogenannten Konzilsbischöfe beschlossen, den Namen Abrahams aus der Opferfeier der katholischen Kirche ganz und gar zu entfernen.
Obwohl der Patriarch Abraham in den Evangelien immer wieder erwähnt wird und obwohl Jesus Christus selbst oft von Abraham sprach, haben Paul VI. und die Bischöfe den Namen Abrahams verachtet.
Jesus hatte in einem Gleichnis gesagt, daß der reiche Prasser in der Hölle begraben und der arme Lazarus in den "Schoß Abrahams" aufgenommen werde, und Paul VI. sowie die Bischöfe tun so, als ob sie ganz und gar "sozial" gesinnt seien und verachten den Namen Abrahams!
Bezüglich der Auferstehung der Toten hatte Jesus gesagt, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs sei ein Gott der Lebendigen und nicht der Toten; Paul VI. und die Bischöfe dagegen schließen ihre Augen vor der Pflicht, diesem "Gott der Lebendigen", ein noch größeres Opfer darzubringen, als es einst Abraham darbringen konnte
Obwohl Jesus Christus zu den Juden gesagt hatte: "Abraham, euer Vater, frohlockte darüber, daß er meinen Tag schauen durfte", wird der Name dieses großen Mannes aus der erhabensten gottesdienstlichen Feier der Kirche gestrichen. Das ist der Beweis dafür, daß Paul VI. und die modernistischen Bischöfe nicht begriffen haben, daß der "Tag Christi", den Abraham, im Geiste schauen durfte, bei jedem heiligen Meßopfer fortdauert.
Paul VI. und die sogenannten Konzilsbischöfe hätten vor der gesamten heutigen Welt wie einst Petrus im Tempel auftreten und verkünden müssen: "Der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs hat seinen Sohn Jesus verherrlicht, den ihr (vor Pilatus) verleugnet habt" (Apostelgesch. 3,13).
Das sog. Zweite Vatikanische Konzil hat so getan, als sei es fest überzeugt von der Notwendigkeit gründlichen Studiums der Bibel. Das sog. Konzil hat so getan, als wollte es die "Schatzkammer, der Bibel für die Gläubigen weiter öffnen" (Artikel 51 der Liturgiekonstitution).
In Wirklichkeit aber haben die Konzilsbischöfe kaum darüber nachgedacht, daß das, was Gott der Herr einst zweitausend Jahre vor Christi Geburt angedeutet hatte, jetzt, d.h. in unseren Jahrzehnten, möglicherweise seinen endgültigen Abschluß bekommen könnte. Denn es ist doch klar, das Gott nicht nur dem Patriarchen Abraham und danach nicht nur der katholischen Kirche die Opferung seines eingeborenen Sohnes offenbart.
Das, was Gott der Herr bei Abraham angedeutet hat, verlangt vielmehr gebieterisch einen gewaltigen Schlußakt vor jener Menschheit, die der zweiten Jahrtausendwende entgegengeht und die in einem immer stärker werdenden Orkan dem Gott Abrahams und dem Gottmenschen Jesus Christus Hohn spricht.
Die Tatsache, daß Paul VI. und die Bisehöfe gerade in unserer immer gottloser werdenden Zeit den ehrwürdigen und heiligen Namen Abrahams aus der sogenannten neuen Messe gestrichen haben, muß jedem Katholiken zu denken geben. Jene, die eine Ahnung von der erbärmlichen Hoheit der neuen Messe haben, mögen Paul VI. für einen Heiligen halten. Es hat aber bisher noch keinen Heiligen und vor allem noch keinen Papst der katholischen Kirche gegeben, der den Namen des Patriarchen Abrahams mißachtet hat.
Bis zum Jahre Zweitausend wird es sich zeigen, ob die sog. ökumenische Christenheit den Patriarchen Abraham und seinen Gott und das Opfer des Gottmenschen Jesus Christus ungestraft mißachten darf oder nicht.
(20. Juni 1974)
|