ZWEI MAL ZWEI IST FÜNF ODER TEWES SAGTE DIE WAHRHEIT
von Reinhard Lauth
Ein makabrer Witz während des Aufstandes vom Jahre 1956 in Ungarn lautet: Unter dem vorhergehenden Regime sei ein Mathematiker als politisch gefährlich inhaftiert worden, weil er im Gegensatz zur Partei, die lehrte, daß zwei mal zwei sechs ist, vertreten hatte , zwei mal zwei sei vier. Bei dem Aufstand wurde er aus dem Gefängnis befreit und jubelnd umarmt. Sie haben recht gehabt, sagte man ihm, auch wir haben jetzt erkannt, daß zwei mal zwei nicht sechs ist, wie Sie ja immer vertreten haben. Jetzt können Sie mit uns einig sein: zwei mal zwei ist fünf! Der verdutzte Mathematiker entgegnete: Nein, das vertrete ich nicht! Zwei mal zwei ist und bleibt in alle Ewigkeit vier. Jetzt stutzen die, die den Mann als ihren Gesinnungsgenossen befreit hatten: Wie, Sie leugnen, daß zwei mal zwei fünf ist? Ja, dann müssen Sie wieder ins Gefängnis zurück.
In diesen Tagen beschäftigt viele katholische Christen die Demarche "prominenter Münchener Katholiken" beim Kardinal Döpfner, die, von Frau Dr. Mertens initiiert, darum bittet, daß der "ehrwürdig gewachsene Ritus" der hl. Messe nach Pius V. weiterhin gestattet bleiben möge - neben der neuen "Messe" Pauls VI.! Mit andern Worten gesagt: die Sterbenden bitten darum, nicht aus dem Krankenhaus geworfen zu werden, bevor sie gestorben sind. Hierbei befand dieser Kreis es für gut, sich von Herrn Professor Siebel zu distanzieren, der die neue Messe für häretisch erklärt hatte. Diese Ansicht sei "schlicht unkatholisch". Diese sogenannten Traditionalisten sind also der Ansicht, daß die Neue Meßordnung eine ebenso gültige Messe darstellt wie die alte. Ihr Beweggrund ist demnach nicht die Furcht, keiner gültigen hl. Messe mehr beiwohnen zu können, sondern nur der Wunsch, sich weiterhin von der "Spiritualität" der ehrwürdigen alten Messe nähten zu dürfen.
Und nun kommt "zwei mal zwei ist fünf": Man läßt verlauten, das völlige Verbot der tridentinischen Messe sei "gar nicht im Sinne Roms". Der hl. Vater, weiß man überall zu berichten - den Beweis für diese Behauptung liefern unter anderem die "Seher"! - will das gar nicht, er ist der Gefangene des Vatikans, er muß tun, was die Reformer dort wollen, er steht unter schwerstem Drogeneinfluß, er hat einen Doppelgänger, der statt seiner handelt. Es ist der böse Kardinal Döpfner, der das will. Und darum die Demarche! Der hl. Vater, sagt man, denkt wie wir, daß beide Messen nebeneinander bestehen sollten. Zwei mal zwei ist fünf! Gegen die deutsche Willkür wird man sich doch noch mit Erfolg wehren und protestieren dürfen, eben bei unserem "ehrwürdigen Herrn Kardinal" und vielleicht danach noch in Rom.
Ganz besonders perfide hat sich bei dieser Gelegenheit Mgr. Miller, der Vorsitzende des Bayerischen Klerusverbandes vernehmen lassen. Auch er ist wegen des jetzigen Verbots der tridentinischen Messe alarmiert, weil man nämlich, statt die neue "Messe" schön ordentlich nach Vorschrift zu feiern, "der Willkür Tür und Tor geöffnet habe" und "jeden treiben ließ, was er wollte". (Wäre das nicht geschehen, so soll man wohl fortschließen, so hätte niemand mehr nach der alten Messe verlangt. Dann brauchte man jetzt auch nicht sich mit diesem Protest herumzuschlagen.) Die "man" sind hier anscheinend wieder nur die deutschen Dischöfe und Priester. Paul VI. und Rom beileibe nicht! Zwei mal, zwei ist fünf!!
Wir haben seit Jahren mit aller Evidenz dargetan, daß die sogenannte "Neue Messe" ungültig ist und in ihr keine Transsubstantiation erfolgt. Zwei mal zwei ist vier! Wir haben darüber hinaus jede Ersetzung der hl. Messe durch den neuen Firlefanz, wo man letztendlich ein gewöhnliches Stück Brot verehrt oder wenigstens verzehrt abgelehnt. Zwei mal zwei ist vier!
Wir haben aber auch darauf hingewiesen, daß nicht nur, die deutschen Bischöfe, sondern gerade Paul VI. und die Kurie selber von Anfang, an den Plan verfolgt haben und weiterverfolgen, die hl. Messe so bald wie möglich ganz zu unterbinden. Wir haben immer wieder Belege dafür gebracht. Aber auch da haben wir nur gesagt: zwei mal, zwei ist vier!
Nun sagen uns viele: seht ihr, diese prominenten traditionalistischen Katholiken kämpfen für dasselbe wie ihr, wie Professor Siebel, wie Frau Gerstner, wie Econe. Auch sie sagen, ja, zwei mal zwei sei nicht sechs, gegen, die bösen Reformer, nach denen nur die neue "Messe" sein soll (die also sagen: zwei mal zwei ist sechs '- und manchmal sogar: ist sex).
Nein, entschuldigen Sie! Wir sagen: die sogenannte, neue Messe ist überhaupt keine Messe, weil in ihr die vom Herrn und auch von der Kirche vorgeschriebene Form der hl. Wandlung nicht gegeben ist, auch bei bester Intention des zelebrierenden Priesters (wenn er die nämlich nach der ja auch ihm bekannten Lage der Dinge überhaupt noch haben könnte, was ja unmöglich ist). Wir sagen: die neue 'Messe' muß sofort völlig verworfen, die gültige hl. Messe allein soll gefeifert werden. Wir sagen: die neue 'Messe' kommt direkt von Paul VI., sie ist sein ganz besonderes Herzensanliegen. Er selbst hat der Willkür Tür und Tor geöffnet, und diese Willkür herrscht in Frankreich und Italien noch weit mehr als in Deutschland. (Die deutschen "Bischöfe" sind als gute Deutsche bei ihrem Zerstörungswerk immer hoch relativ ordnungsliebend.) Zwei mal zwei ist vier!
Aber das kann ja nicht sein, weil es nicht sein darf! Sie greifen unsern heiligen Vater und das Zweite Vatikanische Konzil an, hält man uns entgegen. Die Behauptung "zwei mal zwei ist vier" ist "schlicht unkatholisch"! Wo bleibt bei Ihnen der von jedem Katholiken geforderte unbedingte Gehorsam gegenüber der kirchlichen Autorität?
Wir antworten: das Zweite Vatikanische Konzil war eine Räubersynode ohne dogmatische Kraft, wie es deren schon mehrere in der Geschichte der Kirche gegeben hat. Wir sagen: Paul VI. ist ein vollkommener Apostat, Verräter am katholischen Glauben und Zerstörer unserer Religion. Deshalb handeln wir im rechten Gehorsam gegenüber der zweitausendjährigen Kirche, wenn wir bei deren Lehre und Anordnungen bleiben und alles ablehnen, was dazu in Widerspruch steht.
Aber was uns der Hildebrand- und Mertenskreis fragt, das möchten wir nun gern ihn fragen. Wenn es nun doch so ist, daß eben gerade ("unser heiliger Vater") Paul VI. dies will, wenn alle deutschen Bischöfe es wollen, müßten Sie dann nicht gehorchen? Dürften Sie sich um untergeordneter Dinge willen, wegen der Ihnen "lieb gewordenen Spiritualität" und Ihrer Vorliebe für die lateinische Kultur u.s.w. gegen das nun einmal ohne Zweifel von dem "heiligen Vater" und allen "unseren Bischöfen" (einschließlich "Bischof" Graber) gesetzte Ziel stellen, das katholische Glaubensleben den "Bedürfnissen der modernen Welt" anzupassen , um den Menschen von heute und morgen die neue Botschaft sagen zu können? Die neue "Messe" ist ja, wie Sie selber sagen, auch gültig, also ist das Wesentliche des sakramentalen Lebens gewährleistet. Sie soll ja auch nach Ihnen, friedlich neben der alten, praktiziert werden!
Und nun das eigentlich Groteske: der einzige, der, was die Aktion betrifft, die Wahrheit sagt, ist der übelste Reformer der gesamten. Diözese, "Bischof" Tewes. (Ich scherze wirklich nicht, auch wenn man es mir kaum glauben wird, wenn ich schreibe, daß Tewes in dieser Sache die Wahrheit sagt.) Tewes sagt genau daß, was wir auch sagen: die deutschen "Bischöfe" hätten mit diesem Verbot nur auf Weisung Roms gehandelt. "Die einschlägigen Dokumente Pauls VI. sagen, daß mit dem Termin der definitiven Einführung des neuen das alte Meßbuch außer Kraft gesetzt ist." Und so ist es in der Tat.
Wollten die autoritätsblinden "prominenten Katholiken", die sich die Heilige Messe in einigen Winkeln ausbitten, doch nur einmal die Augen aufmachen und aufpassen, was nun auf ihre Demarche hin erfolgen wird und wie in puncto Verbot der hl. Messe in anderen Ländern von den dort zuständigen "Bischöfen" verfahren wird! Sie werden dann sehen, daß dort ganz dasselbe geschieht wie in Deutschland, weil es nämlich auf universelle Anweisung von Rom her erfolgt! Dann kämen sie vielleicht einmal zur Erkenntnis, wo sie stehen und wie sie es mit der Wahrheit halten. Gerade dieser blinde Autoritätswahn und Papismus haben ja zum Reformismus geführt, der die Wahrheit seinerseits auch bei einer Autorität sucht, nur bei einer moderneren, bei der Ansicht der Mehrheit in der modernen Welt! Die Wahrheit aber bleibt allerseits nach wie vor verlassen auf dem Boden liegen, denn zwei mal zwei soll zwar nicht sechs, aber es darf auch nicht vier sein. Also sagen sie: fünf.
Dieser Artikel war soweit geschrieben, als ich aus den Zeitungen Herrn Tewes Antwort entnehme. Der Mann müßte nicht er selber und der völlig eindeutige Apostat sein, der er ist, wenn er etwas anderes gesagt hätte. In zwei Worten: die neue "Messe'' ist eigentlich die alte Messe, sogar im Sinne Pius' V. vervollkommnet!
Merke, autoritätsgläubiges Kaninchen: zwei mal zwei ist nicht nur sechs; sechs ist außerdem auch noch vier! Ja wohl, es ist so! "schlicht katholisch"! Solltest Du es noch nicht ganz verstehen, so fehlt es Dir an der Fähigkeit, dialektisch zu denken. Begib Dich in die Schule der Rahner und Küng und ähnlicher Abfallprodukte der Hegelschen Schule auf dem "schlicht katholischen" Schuttplatz! Und lerne aus dem, was Du von Döpfner und Tewes gehört hast: Dein Rom hat gesprochen; die Sache ist erledigt.
Ich bitte um Entschuldigung, daß ich nicht anders als sarkastisch schreiben kann. Wie sagte doch Jesus zu seinen Jüngern, als Judas mit der Kohorte nahte? "Schlaft nur geruhsam weiter, die Stünde ist da; wo der Menschensohn in die Hände der Sünder ausgeliefert (verraten) wird!" (Nachzulesen im Evangelium des hl. Matthäus, Kapitel XXVI, Vers 45.)
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DIE KOMMUNISTEN SIND BESSER
Kaum hatte Herr Tewes seine hohnvolle, die autoritätsgläubigen Katholiken zu bravem Verhalten gegenüber den obrigkeitlichen Anordnungen auffordernde Anpreisung des neuen Ordo herausgegeben, als die Döpfnerrotte auch noch ihr wahres Antlitz unverhüllt zeigte. Generalvikar Gruber verbot nicht nur jedes öffentliche Zelebrieren der hl. Messe, er forderte auch die "Gläubigen" auf, Priester, welche die hl. Messe - die einzige hl. Messe, denn der neue Ordo ist keine! - weiterhin zelebrieren, auszuspitzeln und beim Ordinariat zu denunzieren.
Es erübrigt sich dazu jedes weitere Wort. Ich möchte nur auf eines hinweisen: Ich fahre selber jedes Jahr in ein bestimmtes Land des sog. Ostblocks. Dort leben Priester, denen vom Staat das Zelebrieren in der Öffentlichkeit verboten ist. Dennoch duldet dieser kommunistische Staat, daß jene Priester privat zelebrieren, auch in Gegenwart einer kleinen Zahl von Gläubigen. Diese Priester wissen genau, daß ihnen deshalb vom Staate nichts geschieht. Sie brauchen auch nicht zu fürchten, daß bei ihnen eingeschleußte Spitzel sie denunzieren.
So handelt der atheistische kommunistische Staat, der von seiner Seite und aus seiner Sicht durchaus seine Gründe haben kann, gegen die katholische Religion vorzugehen. So handelt der Gegner der katholischen Religion! Es blieb den deutschen Bischöfen (einschließlich Graber) dieeinmalige Infamie, vorbehalten, die heilige Messe durch die (nach ihrer Auffassung:) Kirche selbst, nicht nur zu verbieten, sondern auch die Priester, die sie im Verborgenen feiern, zu bespitzeln und zu verfolgen. Was muß eigentlich noch geschehen, damit auch dem beschränktesten Kopfe klar wird, daß diese Bischöfe vollkommene Apostaten sind, Verräter am katholischen Glauben, schlimmer als die atheistischen Feinde: falsche "Christusse", wie der Herr sie für das Ende der Zeiten vorausgesagt hat!
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