INTERNATIONALES KOMITEE KATHOLISCHER VEREINIGUNGEN
von
Dr. Elisabeth Gerstner
(aus: "Kyrie eleison" Dez. 1977)
Zu Ostern, während ich mich im Heiligen Land aufhielt, fand in Ecône erstmalig eine geschlossene Tagung des Internationalen Komitees Katholischer
Vereinigungen statt, an der seitens der Liga Dr. H.R. Zeppenfeld, Lübeck teilnahm. Bei dieser Gelegenheit hielt Mgr. Lefebvre eine erstaunlich mutige Ansprache, auf deren Geheimhaltung Wort gelegt wurde. (Ich hörte sie später auf Kassette ab.) Zu dieser Tagung eingeladen* waren lediglich die Chefs solcher traditionalistischer Bewegungen, Redakteure von Zeitschriften etc. die 1. die Messe des hl. Pius V. verteidigen (was die Ablehnung des Novus Ordo Missae Pauls VI. bedeutet), 2. den Katechismus des Konzils zu Trient beibehalten und folglich die neuen Katechismen ablehnen, 3. die Hl. Schrift ohne Abstriche verteidigen und folglich deren Fälschungen bekämpfen, 4. als integrierende Bestandteile das Latein und den Gregorianischen Choral für die römisch katholische Liturgie betrachten, 5. das Königtum Unseres Herrn Jesus Christus über die Welt anerkennen.**
Angesichts eines solchen konzentrierten und konzertierten Arbeitsprogrammes trat die Liga kath. Traditionalisten e.V. dem Komitee bei und hoffte auf gute Zusammenarbeit. Umso erstaunter war ich dann beim zweiten europäischen Kongreß eben dieses Komitees am Osterdienstag 1977 in Lausanne. Auf der Einladung stand wieder ausdrücklich, daß nur diejenigen in Lausanne mit Mgr. Lefebvre tagen würden, die "die neue Messe" ablehnen. Da ich in der Versammlung der Eingeladenen anwesend auch Dr. Eric de Saventhem, den Präsidenten der internationalen Förderation Una Voce sah, erlaubte ich mir, an Mgr. Lefebvre die Frage zu stellen, wie weit wir seiner Meinung nach in der Ablehnung des NOM gehen dürften, was wir seiner Ansicht nach gegen die "neue Messe" an Argumenten vorbringen dürften, er möge das bitte präzisieren, denn im Saal anwesend wären Teilnehmer, die uns, die wir niemals die "neue Messe" akzeptieren könnten, mehr oder weniger als Schismatiker ansähen.
Leider hielt hier in Lausanne Mgr. Lefebvre es nicht für opportun, - liefen doch gerade durch Dr. de Saventhem eingefädelte Verhandlungen über Bischof Stimpfle mit der römischen Kurie, - auf diese Frage zufriedenstellend zu antworten. Was er sagte, bleibt in unserer Erinnerung und wurde von uns für später notiert, es ist aber eben nicht immer opportun, alles mitzuteilen, was man weiß und erfährt. Lieber behielten wir ihn als "Löwe von Lille" in Erinnerung, wo es geheißen hatte: "Bastard-Riten" etc. -
Zumal Prof. Norbert Schüler, der Vorsitzende der Vereinigung kath. Laien und Professor Eichholtz waren es dann, die auf Klärung bestanden, und in lebhafter mutiger und sachkundlicher Rede forderten sie alsdann unter großem Beifall der Versammlung den Ausschluß all derer, die nicht kategorisch die "neue Messe" ablehnen. Andernfalls würden wir anderen aus dem Komitee ausscheiden.
Da der Bischof dieser Entscheidung auswich, erklärte ich dem Präsidenten M. Saclier de la Batie, daß die Liga kath. Traditionalisten e.V. nur noch nach einer Klärung dieser entscheidenden Frage ihre Teilnahme am Kongreß (oder nicht) überprüfen werde. Hier in Lausanne sei die Situation jedenfalls derart zweideutig, daß man bedaure, überhaupt gekommen zu sein. Die führenden Leute des Kongresses gaben mir durchaus Recht. Es kam noch zu einer Besprechung, bei der das Taktieren von Mgr. Lefebvre kritisch betrachtet wurde. Man einigte sich, selber entschlossen und militant zu arbeiten und im übrigen die verschiedenen Phasen im Verhalten des Erzbischofs trotz aller Rätsel mit Noahs Mantel zu bedecken. Man beschloß, Mgr. Lefebvre weiter sein Vertrauen zu schenken, aber nicht vorbehaltlos. Die Öffentlichkeit sollte ruhig begreifen, daß hinter dem Widerstand gegen die Revolution des Konzils mehr als eine "Anhängerschaft von Mgr. Lefebvre", mehr als Personenkult zu finden ist. Im Gegenteil, ob mit oder ohne oder
sogar gegen Mgr. Lefebvre (quod Deus avertat!) würden wir integral den Glauben verteidigen.
Am 16. Oktober traf sich wieder der Kongreß oben genannten Dachverbandes traditional is tischer Verbände. Wegen der Veranstaltung mit Pfarrer Milch in der Rhein-Main-Halle Wiesbaden war die Liga von der Teilnahme entschuldigt. Bei diesem Kongreß in Paris, den unser großes Gebet mit der "spes Unica" begleitete, kam es zu der dringend notwendigen Klärung und Scheidung der Geister. Diesem Communique vom 16. Oktober des koordinierenden Komitees stimmen wir von der Liga vorbehaltlos und enthousiastisch zu: endlich klare Sprache, endlich Konsequenz, endlich die Dinge "beim Namen genannt".
Hier die Übersetzung des Communiques.
"Unter dem Vorsitz des Herrn Abbé Aulagnier, Mgr. Marcel Lefebvre vertretend, versammeln sich in Paris an diesem 16. Oktober 1977 die Verantwortlichen der dem Comité Internationale de Coordination d'Associations Catholiques angeschlossenen Verbände und sie haben beschlossen,
daß die folgenden Punkte streng von ihren Verbänden und Führern befolgt werden müssen.
I. FESTHALTEN AN DER TRIDENTINISCHEN MESSE, WIE SIE VOM HL. PIUS V. CODIFIZIERT WURDE UND ABLEHNUNG DER NEUEN MESSE,
was eine offizielle Position seitens der Verbände über diesen Punkt impliziert sowie die Weigerung, für deren Führer, egal unter welchem Vorwand
auch immer an der neuen Messe teilzunehmen, oder auch, egal wie, für solche Zeremonien einzustehen.
II. FESTHALTEN AM KATECHISMUS DES KONZILS ZU TRIENT UND ABLEHNUNG DER NEUEN KATECHISMEN
III. FESTHALTEN AN DEN UNVERÄNDERTEN TEXTEN DER HL. SCHRIFT UND ABLEHNUNG DER FÄLSCHUNGEN.
IV. FESTHALTEN AM LATEIN UND DER GREGORIANIK ALS UNBEDINGT ZUR RÖMISCH KATHOLISCHEN LITURGIE GEHÖREND
V. ANERKENNUNG DES KÖNIGTUMS U. HERRN JESUS CHRISTUS ÜBER DIE WELT was die absolute Ablehnung jeglicher Form des Liberalismus impliziert
wie auch die Ablehnung, mit Bewegungen zusammenzuarbeiten, die nicht öffentlich diese verschiedenen Punkte bekennen. Der Kampf muß anti-liberal und contra-revolutinär sein.
VI. ANERKENNUNG UND ÖFFENTLICHES EINSTEHEN DAFÜR, DASS DER HAUPTVERANTWORTLICHE FÜR DIE AKTUELLE ZERSTÖRUNG DER KATHOLISCHEN KIRCHE PAPST PAUL VI. *** ist.
Diese schmerzliche Feststellung bedeutet nicht Opposition gegenüber dem Stuhl Petri, dem Hüter des Glaubens (ganz im Gegenteil!), sondern Opposition gegenüber seinem gegenwärtigen Inhaber der zur Zerstörung der Kirche seine Rechte übersteigt, die ihm doch gegeben sind um diese zu
beschützen und bewahren.
Das bedeutet auch, daß man den blasphemischen Ausdruck von der "Selbstzerstörung der Kirche" vermeidet, einen Ausdruck, den der derzeitige Papst erfunden hat , um sein eigenes Zerstörungswerk zu maskieren.
Da die Kirche die Verheißung des Ewigen Lebens hat und heilig ist , kann sie sich gar nicht selber zerstören, während sie hingegen durch die Menschen der Kirche in den Abgrund gestürzt werden kann.
Das coordinierende Komitee, das vor 6 Jahren ins Leben gerufen wurde sammelt die Verbände, welche mit obigen 6 Punkten übereinstimmen. Diese Verbände legen Wert darauf festzustellen, daß sie nichts gemein haben mit einem gewissen Plan einer Föderation, die nicht dem Programm obiger 6 Punkte entspricht und wofür zur Zeit eine gewisse Reklame gemacht wird in Presse und durch Rundbriefe.
Das Komitee möchte warnen vor dem gefährlichen Plan einer Vereinigung 'egal mit wem' und lädt alle hiermit übereinstimmenden Verbände (wenn dies noch nicht geschehen ist) zur Zusammenarbeit ein:
Comitee International de Coordination d'Association Catholiques
Chanteloup des Boys, tel. (86) 28oo68, Cours F 582oo Cosne sur Loire/Frankreich
Eine klarere Sprache konnten wir von der Liga uns nicht wünschen. Es ist eine expressis verbis Anklage gegen Paul VI. Wir danken dem mutigen
Priester, Abbé Aulagnier für seinen Vorsitz bei dieser Tagung! Er war der erste Priester, den Mgr. Lefebvre in Econe geweiht hat. Ich erinnere mich gut an seine Predigt im August 1976, kurz nach der "Suspension" von Mgr. Lefebvre in Econe, die mit dem lapidaren Satz begann: "Die neue Kirche, die Konzilskirche, ist schismatisch und häretisch." Und dann folgte, reich belegt mit Zitaten zumal aus dem Vätern, die theologische Beweisführung.
Lausanne 2. Ostertag 1977 soll vergessen sein. Tempi passati!
Doch schon braut sich wieder etwas zusammen, das uns jedoch nicht allzu sehr erschüttern sollte: in den Zeitungen steht, daß Mgr. Lefebvre sich am 2o. Dezember mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Höffner in Freiburg treffen wird.
Zu diesem Ereignis verfaßte der Vorstand der Liga als seit der Pariser Erklärung engagiertes Mitglied des Internationalen Komitees katholischer Verbände folgendes PrËssecommuniqué, von dem kann, daß es ungekürzt und unverfälscht in die Medien ich nur hoffen gelangt:
"Zum Treffen von Mgr. Lefebvre mit Kardinal Höffner in Freiburg am 20.12.77: befragt, was die Liga kath. Traditionalisten von dieser Begegnung 4 Tage vor Weihnachten, dem Fest des Friedens hält, antwortet der Vorstand der Liga:
Die Konzilskirche ist schismatisch und häretisch. Ihre sämtlichen neuen Riten, ihre neuen Katechismen, ihre neuen "Einheitsbibeln" sind für uns
Katholiken unannehmbar. Es kann für uns keine Co-existenz mit den mehrdeutigen und sogar in ihrer Validität zweifelhaften Riten geben, in denen
schließlich die "neue Religion", die auf dem II. Vatikanischen Konzil konzepiert wurde, zum Ausdruck kommt.
In seinem durch Publikation in Itinéraires der Öffentlichkeit bekannt gewordenen Schreiben an den Präsidenten der Internationalen Föderation Una Voce Dr. de Saventhem vom 17.9. 1976 schreibt Mgr. Marcel Lefebvre (in frz. Sprache, hier von mir Auszug übersetzt): "Für die universelle Kirche wünsche ich wie Sie die friedliche Co-existenz der vor- und nachkonziliaren Riten."
Wir verstehen, auf Grund welcher Überlegungen Mgr. Lefebvre glaubt, einen von der Amtskirche in Aussicht gestellten auch für die Traditionalisten in Frage kommenden Pluralismus begrüßen zu müssen. Bei seinen taktischen Beweggründen wird auch das Dilemma, in dem sich Papst Paul VI. befindet und sein Nachfolger auf dem Stuhl Petri noch mehr befinden wird, eine Rolle spielen. Man müsse dem Gegner eine Brücke bauen,
so heißt es.
Wir katholischen Traditionalisten hingegen sind für klare Fronten, für ein redliches und unerbittliches Ja, Ja, - Nein, Nein, wie es das Evangelium erfordert. Wir versprechen uns nichts von Arrangements mit denen, die längst den katholischen Glauben in Wort und Werk verraten haben.
Um es in mehr biblischer Sprache zu formulieren: die heilige Tunica ist (längst) zerrissen. Die Konzilskirche hat dieses Verbrechen am nahtlosen Gewand Christi verübt. Sie ist anathema.
Overath-Immekeppel 4.12.1977
gez:
Dr. Elisabeth Gerstner
Dr. H.R. Zeppenfeld
Dr. A. Schuchbauer
Anmerkungen:
*) Der Freundeskreis e.V. der Una voce Gruppe Maria, der die "Einsicht" herausgibt, wurde zu keiner von diesen Veranstaltungen eingeladen.
**) Punkt 5. sollte gestrichen werden; die Forderung ist selbstverständlich und unspezifisch für die derzeitige Situation der Kirche. Statt dessen sollte man die Forderung des Prozesses gegen Paul VI. und seine Absetzung verbindlich mit in dieses Programm aufnehmen.
***) Durch seine offensichtliche Apostasie hat sich Paul VI. als Papst selbst abgesetzt: er ist also nicht mehr legitimer Inhaber der Cathedra Petri. |