DER HL. FERDINAND III.
von
Eugen Golla
Ferdinand III., der heldenmütige König von Kastilien und Leon, wurde
1198 als Sohn Königs Alfons IX. von Leon und seiner Frau Berengeria,
einer Tochter des Königs von Kastilien geboren. Seine Mutter war eine
Schwester der hl. Bianca, der Mutter des hl. Ludwigs IX. von
Frankreich. Der junge Prinz erhielt durch seinen Vater eine strenge
Erziehung im Sinne der christlichen Ideale des damaligen Rittertums:
tiefer Religiosität und der Gewandheit in den ritterlichen Disziplinen.
Er war erst 19 Jahre alt, als sein Oheim mütterlicherseits, der König
von Kastilien, starb und er dessen Nachfolge antrat. Schon frühzeitig
richtete der junge Herrscher all sein Streben und seine Kräfte auf das
hohe Ziel, das er sich gesetzt hatte: den Arabern die reichsten,
schönsten und fruchtbarsten Teile Spaniens, die sie seit Jahrhunderten
besetzt hielten, zu entreißen, um so das ganze Land wieder zu
rechristianisieren. Hierbei ging es ihm nicht um persönlichen Ruhm,
sondern um die Erfüllung einer ihm von Gott gestellten Aufgabe.
Bereits 1224 wurde der erste Feldzug eröffnet - gegen Valencia -, dem
noch viele folgen sollten. Immer begleiteten Bischöfe und Priester das
Heer. In den zurückeroberten Ländern wurde die Hierarchie
wiederhergestellt und schließlich die damals neu entstandenen Orden der
Franziskaner und Dominikaner in Ferdinands Reich eingeführt. 1230 starb
Ferdinands Vater. So wurde der junge Herrscher auch König von Leon,
obwohl nicht ohne Widerspruch. Alfons IX. hatte nämlich zwei Töchter
aus erster Ehe als Nachfolgerinnen in seinem Reiche eingesetzt. Erst
durch Vermittlung von Ferdinands Mutter Berengeria gelang es, eine
kriegerische Auseinandersetzung zu vermeiden und die beiden
Halb-Schwestern zum Verzicht auf ihren Anspruch zu bringen. So wurden
nach einer Trennung von mehr als 7o Jahren die beiden Reiche Leon und
Kastilien wieder unter einem Herrscher vereinigt.
Ein Sieg über den Islam folgte dem anderen. Einer der glänzendsten war
die 1236 erfolgte Eroberung Cordovas, der mit herrlichen Bauten
geschmückten Residenz der Kalifen aus dem Geschlecht der Omajaden,
zugleich ein Sitz islamischer Wissenschaft Nach dem Einzug wurde auf
der Hauptmoschee das Kreuz aufgepflanzt und das neue Gotteshaus nach
dem Abhalten des ersten katholischen Gottesdienstes der Himmelskönigin
geweiht. In Cordova fand man auch die Glocken von San Jago de
Compostella wieder, die einst Mahomed Almansor auf den Schultern
gefangener Christen hierher hatte tragen lassen. Zur Vergeltung mußten
sie nunmehr die Mauren auf den Schultern an den Gnadenort
zurückbringen.
In diesen Zeiten der Triumphe starb des Königs Gattin Beatrix, eine
Tochter des Kaisers Philipp von Schwaben, die ihm sieben Söhne und drei
Töchter geschenkt hatte. Nach Ablauf eines Jahres vermählte sich
Ferdinand mit Johanna de Ponthieu, die ihm die Königin Bianca von
Kastilien ausgesucht hatte. Sie gebar ihm zwei Söhne und eine Tochter.
Gleichsam die Krönung des Lebenswerkes des Königs war sein 1248
erfolgter Einzug in Sevilla, dessen Citadelle als uneinnehmbar galt und
eine Belagerung von mehr als zwei Jahren erfordert hatte.
Wenn auch die islamischen Herrscher während ihrer Besetzung eines Teils
von Spanien grundsätzlich tolerant gewesen waren, so daß das
Christentum in der ein halbes Jahrtausend währenden arabischen Ära
nicht ausgestorben war, so steht dennoch fest, daß es in Sevilla seit
etwa einem Jahrhundert keinen Bischof mehr gab. Nach Ablauf zweier
Jahre rüstete Ferdinand zu einem Heerzug nach Marokko, aber es war ihm
nicht mehr vergönnt, ihn durchzuführen. Obwohl noch im besten
Mannesalter, wurde er von der Wassersucht befallen, welche schnell
jegliche Hoffnung auf Genesung zunichte machte. Als ihm die hl.
Kommunion gereicht wurde, erhob sich der Todkranke von seinem Lager,
fiel auf sein Angesicht und betete in dieser Stellung den Leib des
Herrn an. Er ließ auch sämtliche Zeichen seiner königlichen Würde von
seinem Bette entfernen, bat die Anwesenden um Verzeihung und ermahnte
seinen ältesten Sohn und Nachfolger Alfons, seine Pflichten gegen Gott
zu erfüllen, seiner Stiefmutter die schuldige Ehrerbietung zu erweisen
und für die jüngeren Geschwister sowie das Volk zu sorgen. Während des
Anstimmens des "Te Deum" verschied er, es war der 30. Mai 1252. In der
königlichen Kapelle des Domes von Sevilla wurde er beigesetzt.
Obwohl vom spanischen Volke, besonders dem von Cordova und Sevilla,
schon bald nach seinem Ableben als Patron des Landes verehrt, erfolgte
die Heiligsprechung relativ spät. Erst 1629 wurde der
Kanonisationsprozeß eingeleitet, und 1671 wurde Ferdinand III. von
Papst Klemens X. unter die Zahl der Heiligen aufgenommen.
König Ferdinand war nicht allein ein ritterlicher Gegner, der auch
seinen Feinden gegenüber nie sein Wort brach, sondern er erwies sich
sehr milde gegenüber den Bekennern des Islam. So schloß er einen
ehrenvollen Frieden mit dem einzigen noch übriggebliebenen
mohammedanischen Herrscher Spaniens, dem Emir von Granada, der
allerdings tributpflichtig wurde. Auch durften in den eroberten
Gebieten Nicht-Christen weiter wohnen und im Besitze ihrer Güter und
ihres Grundbesitzes bleiben, svofern sie es nicht vorzogen
auszuwandern, in welchem Falle sie ihr Hab und Gut verkaufen konnten
und auf christlichen Schiffen nach Afrika übergesetzt wurden. Die Juden
betreffend wurde Ferdinand sogar vom Papst Gregor IX. ermahnt, ihren
Anteil am königlichen Zehnten nicht zu erhöhen und sie zu zwingen, an
ihren Gewändern die für sie vorgeschriebenen Kennzeichen zu tragen.
Gewaltsame Bekehrungen vermeidend, bediente er sich somit nicht der
damals entstandenen Inquisition, die erst mehr als 2oo Jahre später in
Spanien eingesetzt wurde, wo sie bald, zu staatlichen Zwecken
mißbraucht, eine Art Geheimpolizei wurde, die sich sogar über
päpstliche Anordnungen hinwegsetzte.
Es wäre aber falsch, in dem König eine Art Vorläufer des Ökumenismus
oder einen Vertreter der Gleichberechtigung aller Religionen zu sehen.
Diese Haltung wäre auch für das Spanien des 13. Jahrhunderts, das die
Reconquista, den Kampf der christlichen Staaten der Pyrenäenhalbinsel
zur Rückgewinnung des Landes von der arabischen Herrschaft, als
Kreuzzug betrachtete, vollkommen absurd. Immer muß man sich vor Augen
halten, daß letztlich Ferdinands Ziel, für das er seine Kräfte
einsetzte, die Vernichtung des Islams war und daß er auf der iberischen
Halbinsel der Religion Mohammeds den Todesstoß versetzte.
Als sehr streng erwies sich Ferdinand gegenüber hartnäckigen Ketzern.
Doch dürfte der Bericht, er habe persönlich Holz zu den Scheiterhaufen
der Verurteilten getragen und sie dann angezündet, der Legende
angehören, die dem religiösen Eifer des Herrschers ein Lob zu spenden
suchte. Die Kirche feiert sein Fest am 30. Mai. Seine Gebeine ruhen
auch noch heute im Dom zu Sevilla.
Benutzte Literatur:
Gams, Pius Bonifatius: "Die Kirchengeschichte von Spanien" Graz 1956, Bd.III/1.
"Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste" Leipzig 1846, Teil 43; Artikel: "Ferdinand III.".
"Vie des Saints" Paris 1947, Bd.5.
Wetzer und Weite: "Kirchenlexikon" Freiburg 1886, Bd.4.
|