55. Jahrgang Nr. 1 / Januar 2025
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Ausgabe Nr. 5 Monat Juni 2003
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 1999
NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1997
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1996
NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN


Ausgabe Nr. 4 Monat November 1996
VERSINKT DER KATHOLISCHE WIDERSTAND IM SEKTIERERTUM?


Ausgabe Nr. 4 Monat November 1996
CLOQUELL ZUM BISCHOF KONSEKRIERT ?


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1995
WELCHE PHILOSOPHIE? - Einleitung


Ausgabe Nr. 3 Monat Oktober 1995
Was will und beabsichtigt Bischof Oliver Oravec?


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 1995
NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1994
Offener Brief an Abbé Raphael Cloquell


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1994
Was will und beabsichtigt Bischof Oliver Oravec?


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 1994
OFFENER BRIEF


Ausgabe Nr. 3 Monat August 1992
ZUR AKTUELLEN SITUATION - ANTWORT AN EINEN RATLOSEN KATHOLIKEN -


Ausgabe Nr. 6 Monat März 1991
AUS EINEM BRIEF VON S.E. MGR. ORAVEC


Ausgabe Nr. 7 Monat April 1990
BISCHÖFLICHE ERKLÄRUNG


Was will und beabsichtigt Bischof Oliver Oravec?
 
Briefwechsel zu dem Beitrag:

"Was will und beabsichtigt
Bischof Oliver Oravec?"

von

Dr.iur. Bretislav Klominsky
(EINSICHT Nr.3, vom Sept. 1994, S. 77-82)


Vorwort der Redaktion:

Obiger Beitrag von Herrn Dr. Klominsky, dem Herausgeber der Zeitschrift TRIDENT, hat nach seinem Erscheinen im September letzten Jahres Widerspruch erfahren, besonders von Lesern aus der Tschechei. In einem Brief, der von mehreren Gläubigen aus Prag unterzeichnet wurde, sind die wichtigsten Einwände zusammengefaßt, wie sie auch von anderer Seite geäußert wurden und die wir nachfolgend veröffentlichen. Ich bin für diese Form der Auseinandersetzung dankbar, da ich hoffe, daß sie zur Klärung der tatsächlichen Probleme um Bischof Oravec beiträgt. Sie bietet auch mir Gelegenheit, die Gründe im einzelnen darzulegen, die uns veranlaßt haben, den Beitrag von Herrn Klominsky zu veröffentlichen.

E. Heller

***

Brief der Prager Gläubigen an die Redaktion

Sehr geehrter Herr Dr. Heller, hochgeehrte Redaktion, liebe Wohltäter der Zeitschrift Einsicht!

Der Aufsatz: "Was will und beabsichtigt Bischof Oliver Oravec? - Warnung vor einem falschen Propheten" (in: EINSICHT, 24. Jahrgang, Nummer 3, September 1994, S.77-82) von Dr. B. K. aus Gablonz hat bei uns ein sehr peinliches Gefühl hinterlassen. Gestatten Sie deshalb bitte, daß wir dazu einige kurze, kritische Überlegungen anstellen.

Es ist auch uns nicht unbekannt, daß die Situation der heutigen christlichen Welt sehr trostlos ist. Das sind die Früchte und 'das Verdienst' des sog. Zweiten Vatikanischen Konzils. Aber wer von den Millionen Katholiken hat die Unannehmbarkeit der vom 'II. Vaticanum' gewiesenen Glaubensrichtung sofort erkannt? Es gab damals fast niemand, der sich nicht durch die Parole "einer allumfassenden Liebe" und der Sehnsucht nach "der Wiedervereinigung aller Christen" - das war übrigens immer das Ziel der katholischen Kirche, natürlich im wahrhaft katholischen Sinne! - hat irritieren oder sogar verführen lassen. Besonders tragisch war es im Fall der Priester und Prälaten. Um den Betrug zu durchschauen, brauchten die einen mehr, die anderen weniger Zeit. Hat aber nun der, der früher als andere das Desaster durchschaut hat, das Recht, sich über den zu erheben, bei dem die Einsicht erst später eintrat? Sicherlich nicht! *)

Wir wissen, daß der katholische Glaube keine "Versteinerung" des Glaubenslebens der vergangenen Jahrhunderte sein sollte (oder "Archäologismus", wie Papst Pius XII. in "Mediator Dei" geschrieben hat), sondern ein lebendiges, geistiges Ringen und Einsetzen zur Verherrlichung Christi sein soll, das immer fähig ist, auch auf gesellschaftliche Veränderungen zu reagieren und zugleich sie "sub specie aeternitatis", also vom Gesichtspunkt des katholischen Glaubens und der Sitten aus zu beurteilen und zu verfolgen, ob es nicht zu Verfälschungen und Fehlentwicklungen kommt. Es gibt solche Fälle, wo eine Verfälschung eines Grundsatzes völlig deutlich ist, es kommt aber auch vor, daß das Erkennen von gewissen Irrtümern tiefere theologische bzw. juristische Kenntnisse erfordert, und es gibt schließlich auch solche Fehlentwicklungen, die manche für deutlich ansehen, andere aber für noch legitime Veränderungen. Die höchste Autorität, die das volle Recht hat, über mögliche Irrtümer oder die Verletzung katholischer Grundsätze zu entscheiden, ist normalerweise der Papst. Leider fehlt uns heute diese Autorität.

In der katholischen Kirche gibt es aber neben der päpstlichen auch die Autorität der Priester und Bischöfe. Gott sei Dank haben wir auch heutzutage noch einige katholische ("sedisvakantistische") Bischöfe, die sich unserer Privatmeinung nach eine Rangfolge untereinander geben sollten, z.B. nach CIC, can. 106, § 3: "Wenn keine der verschiedenen kirchlichen Personen über die andere eine Gewalt hat, dann haben diejenigen die Präzedenz, die zu einem höheren Grade gehören. Von den Personen, die denselben Grad, aber nicht dieselbe Weihe haben, hat jene die Präzedenz, welche die höhere Weihe hat. Haben mehrere Personen denselben Grad und dieselbe Weihe, dann hat jene die Präzedenz, die zuerst zu dem höheren Grad befördert worden ist. Für den Fall, daß sie zu gleicher Zeit den betreffenden Grad erlangten, hat jener die Präzedenz, der zuerst geweiht wurde, vorausgesetzt, daß der andere nicht vom Papst geweiht wurde. Wurden die Betreffenden zur gleichen Zeit geweiht, dann hat der Ältere die Präzedenz." - Vgl. Jone, Heribert: "Gesetzbuch der lateinischen Kirche" 1. Bd., Paderborn 1950, S.139 f.) Es wäre aber ausschließlich Sache der genannten Bischöfe, eine solche Reihenfolge festzusetzen. Denn welches Recht haben wir Laien, den Mangel an Einigkeit - leider - unter den Bischöfen zu kritisieren, wenn unter uns selbst keine Einigkeit herrscht?

Unter den gegebenen, außergewöhnlichen Umständen, unter denen die tschechischen (bzw. slowakischen) Katholiken leben müssen, halten wir mit vollem Recht Bischof Oliver Oravec für eine rechtmäßige katholische Autorität. Der Artikel in der EINSICHT aber stellt ganz offensichtlich - wie wir meinen: ohne wirklichen Grund - seine Autorität in Zweifel, obwohl er bei seiner Ankunft (bzw. Rückkehr in die ehemalige CSSR) gerade von Ihrer Zeitschrift sehr empfohlen wurde! **)

Gleich zu Beginn der Abhandlung von Dr. B. K. efolgt eine sehr umfangreiche Beurteilung von Bi-schof Felix Maria Davidek. Das Ziel ist natürlich klar. Es ist die offenkundige Bestrebung, mittels einer negativen Beurteilung von Bischof Davidek, von dem Oliver Oravec im Jahre 1968 die Priesterweihe erhielt, auch diesen zu treffen. In der Ausdrucksweise der Abhandlung schwingt auch persönliche Gehässigkeit mit, wenn Klominsky z.B. schreibt: "(Oliver Oravec) hat kein Recht, daß er nach wie vor als rechtgläubiger Katholik angesehen wird, umsoweniger als rechtgläubiger Priester bzw. Bischof" (S. 81).
- Anm.: Unserer Meinung nach ist es eine Ungeheuerlichkeit, solch einen Ausspruch zu tun, der nur damit (oder vor allem) begründet ist, daß Bischof Oliver Oravec mit Bischof Davidek vormals in Kontakt stand, und wegen des Verdachtes, Davídek sei geistig krank gewesen. ***)

In der Abhandlung wird weiter ausgeführt: "(W)arum Oravec im Falle von Davídek wissentlich die Unwahrheit verbreitet? Vielleicht um die Irrlehren eines schweren Häretikers zu decken?" (S. 80)
- Anm.: Wir übersehen vorläufig die Tatsache, daß ein Laie es wagt, öffentlich ein solch kategorisches Urteil über die Persönlichkeit eines katholischen (traditionalistischen) Bischofs auszusprechen, der bisher von keiner offiziellen katholischen Autorität verurteilt wurde. Wir (die traditionsbewußten Katholiken aus Prag) können nach unseren Konsultationen mit S.E. Oliver Oravec ganz eindeutig behaupten, daß er zu manchen persönlichen, irrtümlichen Ansichten des Bischofs Davídek kritisch eingestellt ist.

In der Abhandlung wird weiter behauptet: "Mit seinen exzentrischen Ansichten und durch seinen eigenwilligen Lebensstil provozierte Davídek bei einer ganzen Reihe von Menschen Zweifel an seinem Geisteszustand. (Später befaßte sich damit sogar die tschechische Presse.)" (S. 80) +)
- Anm.: Wir verteidigen hier nicht die Meinungen Davideks. Unserer Meinung nach aber ist es merkwürdig, wenn sich ein Katholik auf das Zeugnis der kommunistischen oder modernistischen glaubensfeindlichen Presse stützt. Der Verfasser, der auch im kommunistischen Regime gelebt hat, müßte übrigens sehr wohl wissen, daß es keine Besonderheit war, wenn das kommunistische Regime diejenigen für geistig krank erklärte, die ihm unbequem waren. Die kommunistische Geheimpolizei in der ehemaligen CSSR hat solche Personen u.a. auch in Irrenhäuser gesperrt. ++)

In der Abhandlung wird auch angeführt: "Das bezeichnendste Zeugnis für die Bewertung der Tätigkeit des Herrn Oravec sind die Früchte seines Apostolats in der Slowakei und in Böhmen. Seitdem er hier (seit Ostern 1990) wirkt, ist nicht nachweisbar bekannt, daß er selbst jemand für die katholische Kirche gewonnen hätte!" (Ibidem)
- Anm.: Diese Beschuldigung des Autors stellt alles "auf den Kopf". Wenn wir z.B. die Tatsache berücksichtigen, daß S.E. Bischof Dr. Oliver Oravec allein hier in Prag innerhalb eines Jahres eine Reihe von Kindern getauft und Trauungen gespendet hat (natürlich mit den entsprechenden Konsultationen und den lateinisch-slowakischen Zertifikaten), können wir diese Behauptung so nicht stehen lassen. Wir müssen auf die Kirchengeschichte hinweisen: Bei vielen Eremiten, aber auch Prälaten vermissen wir auch die Bemerkung, wieviel Leute sie "nachweisbar" für die katholische Kirche gewonnen haben.

Der Verfasser fährt weiter fort: "Es ist sicher angebracht zu betonen, daß O. Oravec seine modernistische Vergangenheit niemals verurteilte". (Ibidem)
- Anm.: Was läßt der Verfasser als Beweis gelten, daß jemand die Beschlüsse des sog. II. Vaticanums "nachweisbar" abgelehnt hat? Wie lange Zeit räumt er ihm ein, um zum wahren katholischen Glauben zurückzukehren? Meint er Jahre, Monate oder handelt es sich nur um Minuten? Und wie sollte man es dann veröffentlichen? Aus unseren Diskussionen in Prag ergibt sich aber, daß Bischof Oravec es sehr bedauert, Montini, Luciani und Wojtyla als Päpste anerkannt zu haben.+++)

In der Abhandlung wird auch gesagt: "Sein Reisepaß (!) wurde ihm aber eigenartigerweise nicht entzogen, obwohl es üblicherweise das erste war, was die kommunistische Polizei einem Bürger im Falle seiner politischen Verfolgung abgenommen hätte." (Ibidem)
- Anm.: Nach dem Lesen dieser Passage könnte man daran zweifeln, ob der Verfasser überhaupt lange Jahre in der ehemaligen kommunistischen Tschechoslowakei gelebt hat. Dann müßte der Autor doch wissen, daß den unbequemen Personen oft die Reisepässe deswegen nicht abgenommen wurden, um ihnen die Ausreise aus dem Land nahezulegen - mit dem Hinweis: "Rückkehr unerwünscht". Das galt vor allem für die Jahre von 1969 bis 1989. *)

Weiter heißt es: "Die jährlich sich wiederholenden, auch monatelangen Ausreisen des Bischofs nach Nordamerika und Westeuropa unter dem so durchsichtigen Mantel der Einigungsbemühungen der rechtgläubigen Bischöfe..." (Ibidem)
- Anm.: Welch nachweisliche Informationen berechtigen den Verfasser solche Andeutungen zu machen wie die von dem "durchsichtigen Mantel"? **)

In der Abhandlung heißt es weiter: "Das Ergebnis der vierjährigen Tätigkeit von Herrn Oravec in Böhmen und in der Slowakei ist erbärmlich. Statt eines erwarteten Aufblühens brachte er in die böhmische Diaspora eine Spaltung, die so weit gediehen ist, daß - entsprechend den letzten Informationen - z.B. in Prag seit Juli dieses Jahres (d.i. 1994) keine heiligen Messen mehr gelesen werden, angeblich wegen des Desinteresses der sog. Sedisvakantisten. Das sind die Früchte des Apostolats des Herrn Oravec!" (S 82).
- Anm.: Die Perle, die seine Abhandlung krönt, hat Dr. B. K. für das Ende aufgehoben - wobei er eine einstimmige Stellungnahme unter allen tschechischen traditionellen Katholiken (mindestens in Gablonz) gegen S.E. O. Oravec vorgibt. Die Traditionalisten in Prag nennt er "die sogenannten Sedisvakantisten" und spricht von unserem angeblichen Desinteresse. Wir können dagegen bestätigen, daß wir mit Bischof Oravec einen Zyklus festgelegt haben, nach dem er hier die heilige (tridentinische) Messe liest. S.E. Dr. Oravec kommt also regelmäßig zu uns nach Prag, um die heilige Messe zu lesen und die übrigen Sakramente zu erteilen, wobei er auf die Mühe der Reise und auf die damit verbundenen Kosten nicht achtet.

In der Abhandlung wird zum Schluß behauptet: "Es ist die moralische Pflicht von uns Gläubigen in Böhmen, unsere Brüder und Schwestern im Ausland vor dem Wolf im Schafspelz zu warnen". (S. 82)
- Anm.: Wir, die traditionellen Katholiken in Prag, distanzieren uns von dieser Äußerung. Wir protestieren auch gegen diese Erklärung, in der es Dr. B. K. wagt, im Namen aller Gläubigen in Böhmen zu sprechen! Der Autor soll für sich selbst sprechen und nicht für die, die ihn dazu nicht bevollmächtigt haben. AUDIATUR ET ALTERA PARS!

Wir können in diesem Zusammenhang die Anmerkungen Ihrer Redaktion gegenüber Bischof Oravec überhaupt nicht begreifen, der (wie wir schon geschrieben haben) von keiner offiziellen katholischen Autorität kritisiert wurde (zumindestens nicht von Bischof McKenna - siehe S.81) - Es würde uns interessieren, welcher Grund zur Veröffentlichung dieser Abhandlung von Dr. Klominsky in Ihrer Zeitschrift geführt hat, die doch als Verteidiger der katholischen Tradition nicht nur im deutsch-sprachigen Raum gilt. ***)

Da das Deutsche nicht unsere Muttersprache ist, bitten wir um Entschuldigung für eventuelle Schreibfehler.

Prag, am Feiertag Mariä Unbefleckte Empfängnis, 8. Dezember l994

(gez.:)Ing. Marek BelikKarel Triebenekl
Dr. Pavel KocekDipl.-Ing. Zdenék Tûma
Dipl.-Ing. Lenka KockováZuzana Tûmová
Dipl.-Ing. Antonín NovotnÿDipl.-Ing. Jaromir Zlamal


Anmerkungen der Redaktion:

*)Meines Wissens hatte Oravec noch bis 1988 die Reformer, vor allem Johannes Paul II. als
rechtmäßige Autorität angesehen. Das war aber zunächst kein Grund, ihm gegenüber mißtrauisch zu sein.
**)In Nr. 6 vom März 1991, S. 89, hatten wir Bischof Oravec ein einziges Mal der Unterstützung der Gläubigen empfohlen.
***)Hier geht es nicht darum, daß Mgr. Oravec Kontakt zu seinem häretischen Konsekrator hatte,
sondern darum, daß er dessen Irrtümern nicht widersprach, womit er den Verdacht erweckte,
die Auffassungen Davídeks zu teilen. Eine (öffentliche!) Distanzierung wäre nötig gewesen!
+)Es handelt sich hier nicht primär um die öffentlichen Presseorgane, sondern vornehmlich um
biographische Darstellungen aus dem Kreis um Bischof Davídek. Diese werden als belastend
empfunden.
++)Hier handelt es sich nicht um Aussagen der kommunistischen Partei, sondern um die eines Regimegegners, der im Gefängnis mit Davídek bekannt geworden war und der dessen Belesenheit und Wissen schätzte.
+++)Es hat überhaupt keinen Zweck, über Vorgänge dieser Art Witze zu machen. Wenn jemand
konvertiert, muß er darüber förmlich Rechenschaft ablegen, da die Kirche eine sichtbare Gemeinschaft der Gläubigen ist. Dies gilt besonders für Kleriker, die ja noch für die Gläubigen
tätig sein wollen, weswegen ihre Glaubensposition bekannt sein muß. Galt z.B. Oravec als
dezidierter Anhänger Wojtylas und seiner Reformen, dann wäre es seine Schuldigkeit gewesen, über die Änderung seiner Gesinnung öffentlich Auskunft zu geben.
*)Sicherlich hat man so verfahren mit Pesonen, die in der Öffentlichkeit bekannt und die dem
Regime wegen ihrer Popularität unbequem waren - ich denke da an Leute wie Solchenyzin -,
doch zu dieser Gruppe von Regime-Kritikern gehörte Oravec ganz offensichtlich nicht.
**)Was den "durchsichtigen Mantel" betrifft, so darf ich in diesem Zusammenhang an Oravec Besuch im ehemaligen Seminar von Bischof Storck erinnern, über dessen Einzelheiten ich Ihnen
gerne Auskunft gebe, wenn dies gewünscht wird.
***)Es ist wenig hilfreich, Fehler im eigenen Lager zu übersehen. Deswegen habe ich es auch immer für meine Aufgabe als Redakteur gehalten, Probleme, die wir selbst produziert haben,
offen anzusprechen und auf Fehlhaltungen unter den sog. Traditionalisten aufmerksam zu
machen. Die Tatsache, daß Mgr. McKenna Oravec konsekriert hat, besagt nicht, daß damit
dieser Vorgang schon sanktioniert und der Debatte der Gläubigen entzogen ist.

***

Antwort der Redaktion

Sehr verehrte Damen und Herren,

zunächst möchte ich mich für Ihren Brief herzlich bedanken, ebenso für Ihre Erlaubnis, Ihr Schrei-ben publizieren zu dürfen. Geichzeitig muß ich Sie um Entschuldigung bitten, daß ich erst so spät antworten kann. Gerne bin ich bereit, alle wirklichen Korrekturen, die Sie in Ihrem Schreiben anführen, zu akzeptieren.

Wie in Ihrem Brief erwähnt wird, haben wir Mgr. Oravec in der EINSICHT (Nr. 6 vom März 1991, S. 89) vorgestellt und ihn der Unterstützung der Gläubigen empfohlen. Es war in der Tat zunächst unsere Absicht, ihm nach Kräften zu helfen, wenn er die Gewähr bieten sollte, die pastorale Führung hier in Europa übernehmen zu können und zu wollen. Deswegen nahm ich ja auch brieflichen Kontakt zu ihm auf. (Leider kam ein persönliches Treffen während Oravec's Besuch in München vor einigen Jahren nicht zustande.) Ich ging zunächst naiverweise davon aus - ja leider! -, daß der Konsekrator, Mgr. McKenna, die Zeugnisse und den Kandidaten selbst geprüft und dessen Befä-higung zu diesem Amt festgestellt hatte. Mich störte prinzipiell nicht, daß Oravec noch bis ca. 1988 dezidierter Anhänger Wojtylas war, dessen Begeisterung für diesen Mann noch über die von Abbé Schmidberger hinausging. Denn ich kann mir sehr wohl vorstellen, daß, wenn einmal eine wirkliche Einsicht gewonnen wird, man diese auch konsequent ins Leben umsetzten kann. Die Veröffentlichung seiner biographischen Notizen und der Aufruf, ihm zu helfen, löste jedoch eine ganze Kette von Kritiken aus, die ich wegen der darin enthaltenen Vorwürfe, die von Personen stammten, die mir aus dem Widerstand bekannt waren, nicht einfach ignorieren konnte. Ich erhielt u.a. Berichte über Oravec's pastorales Wirken in Kanada, die übereinstimmend belegten, daß dieses für die Gemeinden keineswegs förderlich gewesen war.

Was uns aber direkt hellhörig werden ließ, war der Umstand, daß Mgr. Oravec noch zwei Jahre nach der Befreiung der CSSR vom kommunistischen Joch seinen Weihbischof nicht namentlich nannte, sondern von einem "Geheimbischof" sprach, der ihn 1968 zum Priester geweiht hatte. Zu diesem Zeitpunkt bestand nämlich überhaupt kein Grund mehr, solche Personalia geheimzuhalten. Längere Recherchen, an denen sich auch Rev. Fr. Krier beteiligte, ergaben schließlich folgendes Bild: Oravec war von Bischof Davidek, der als Geheimbischof von Rom in der CSSR eingesetzt worden und ein dezidierter Reformer mit sehr eigenartigen Ansichten war (er weihte u.a. verheiratete Männer zu Bischöfen, ja sogar Frauen zu Priestern), geweiht worden. Ohne von den sonstigen Krankheitssymptomen zu wissen, auf die noch Herr Klominsky aufmerksam gemacht hat, muß gesagt werden, daß selbst die Modernisten, denen ja Davidek und die von ihm geweihten Personen angehören (wollen) und welche über die Gültigkeit von Weihen sehr großzügig urteilen, recht zurückhaltend sind. Auch sie halten viele von Davidek gespendete Priester- und Bischofsweihen aufgrund seiner abnormalen psychischen Verfassung zum damaligen Zeitpunkt für ungültig. (N.b. die Beurteilung der Tätigkeit der Geheimbischöfe in der ehemaligen CSSR stellt für die Reformer ein erhebliches Problem dar.) Da die Sub-conditione-Weihe, die Oravec später in Amerika erhielt, nach dem neuen Weiheritus gespendet wurde, der in sich ungültig ist, ist es in der Tat zweifelhaft, ob Oravec überhaupt ein gültig geweihter Bischof ist, da auch eine gültige Konsekration die Validität der Priesterweihe voraussetzt, sie also nicht ersetzen bzw. kompensieren kann. Allein diese Zweifelhaftigkeit des Weihestatus ist Grund genug, öffentliche Vorbehalte anzumelden, da die Kirche ja gültige Sakramente spenden soll.

Ein weiterer Gesichtspunkt spielt aber auch eine erhebliche Rolle, gegenüber Bischof Oravec Zurückhaltung zu üben, auch wenn die Weiheproblematik entfallen würde: ich meine seine persönliche Befähigung zum Bischofsamt. Anfangs wurden Priester zu Bischöfen geweiht, die sich sehr lange Zeit im Widerstand ausgezeichnet hatten (ich denke da an Pater Guerard des Lauriers und Pfr. Moises Carmona). Wie Oravec selbst schreibt, hatte er nur an den Wochenenden für die Dauer von 1 1/2 Jahren Theologie studiert - neben der Ausübung seines Berufes als Dentist -, als er geweiht wurde. Wenn man bedenkt, daß er dann bis 1979 als modernistischer Priester wirkte und erst nach seiner Ausreise in den Westen so langsam in das Lager des Widerstandes überwechselte, ist es meines Erachtens nicht unangebracht, über die theologische und philosophische Befähigung zur Ausübung des Bischofsamtes, die gerade in unserer Situation besonders hohe Anforderungen sowohl an die theoretische Ausbildung als auch an die persönliche und moralische Formation stellt, nachzudenken. Denn ein Bischof sollte ja die Gemeinden führen und Lösungen zur Bewältigung der heutigen Krise zumindest mitausarbeiten - zu bitter waren und sind die bisher gemachten Erfahrungen mit sog. Thuc-'Bischöfen', die außer dem Tragen einer Mitra nichts können und durch ihre persönlichen Unzulänglichkeiten zusätzlich den Widerstand lächerlich gemacht haben. Von Bischof Oravec ist mir außer der (Mit-)Unterzeichnung eines Aufrufes von Mgr. McKenna kein wesentlicher Beitrag zur Analyse der derzeitigen Situation oder zur Bewältigung dieser Krise bekannt. (Ich weiß, daß die Einschätzung fremder Personen viel Zurückhaltung erfordert, will man nicht ungerecht sein. Ich hatte Oravec deswegen meine Bedenken schriftlich mitgeteilt, worauf dieser jedoch den Briefverkehr mit mir abbrach.)

Ich möchte das Problem der persönlichen Befähigung zu einem Amt einmal an einem Beispiel erläutern: Jeder würde es als unverantwortlich ansehen, wenn jemand als angeblicher Bergführer Touristen durch's Hochgebirge führen wollte, aber weder die konditionellen Voraussetzungen für Extrem-leistungen noch die nötige Bergerfahrung, geschweige denn eine Ausbildung zum Bergführer mitbrächte. Denn zu groß ist die Verantwortung, die ein Bergführer für seine Gruppe hat, als daß man die Voraussetzungen dafür leichtfertig übergehen könnte. Aber jeder meint, wenn er nur männlichen Geschlechtes ist und einen Kopf zum Tragen der Mitra hat - pardon! wenn er behauptet, die neue 'Messe' sei nicht mehr 'katholisch' -, sei er eo ipso schon befähigt, das Bischofsamt auszuüben.

Ich habe es immer als meine Pflicht angesehen, die Gläubigen vor leichtfertigen Abenteuern und ungesicherten Unternehmungen, die das Heil ihrer Seele betreffen, zu warnen.

Es täte mir leid, wenn ich Sie, verehrte Damen und Herren aus Prag, mit diesen Ausführungen verletzen würde. Es ist mir andererseits aber nicht möglich, Ihnen eine andere Auskunft zu geben. Es wäre in der Tat allen geholfen, wenn Mgr. Oravec die aufgetretenen Zweifel klären und bereinigen würde.

Ergertshausen, den 15. Juli 1995

(gez.:) Eberhard Heller

 
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