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Lebenslauf S.E. Mgr. Pierre Martin Ng├┤-din-Thuc - Anhang I
 
"Doce me, Domine, vias tuas."
("Lehre mich, Herr, Deine Wege.")

Mit dem Jahre des Herrn 1978 trete ich in mein 80. Lebensjahr ein. Deshalb scheint es mir an der Zeit, einen Blick auf mein vergangenes Leben zu werfen: Kindheit, Jugendzeit, Mannesalter; Seminarist, Priester, Bischof und Erzbischof.

Ein einziges Wort, um diese Epoche zu beschreiben: Erfolg! - Geboren in einer praktizieren-den katholischen Familie wurden mir alle Beispiele zum Glauben vorgelebt, wie dem kleinen Jesus, in Weisheit vor Gott und den Menschen. Doch meinerseits ergibt sich ein Defizit: meine Schuld. Hinsichtlich des Intellekts begann ich mich in den f├Ąhigen H├Ąnden von Br├╝dern christlicher Schulen anzustrengen. Man m├╝├čte sagen: es hat f├╝r mich ausdr├╝cklich angefangen in Hue, denn ich war die Nr. 12 in ihrem Sch├╝lerregister. Unser Direktor, der T.C.F. Aglibert Marie, war ein heiligm├Ą├čiger Erzieher; ein anderer war Bruder Neople, der ehemalige Erzieher des K├Ânigs Ham-nghi. Er war von Frankreich nach Tunesien verbannt worden; ein anderer Bruder, ein Bretone war auch noch da, er war die lebendige Heiligkeit, immer das Ave auf seinem Rosenkranz betend. Es gab dort auch viet-namesische Br├╝der, vor allem den sehr frommen Bruder Georges.

Auch da, wenn ich vom Weg der Tugend abwich: das ist meine ├╝bergro├če Schuld. Der Er-folg in meinen Studien ist recht einfach zu erkl├Ąren: ich war der erste in allem. Alles war f├╝r mich sehr leicht. Ich beendete in k├╝rzester Zeit meine schriftlichen Aufgaben und lernte jeweils in einigen Minuten meine Lektionen, den Rest der Zeit langweilte ich mich. Deshalb fielen die Strafen betreffs der Regel stets auf meine Schultern. Die schlimmste Strafe war, vor den Latrinen knieen zu m├╝ssen - bei offener T├╝r. Nur waren die damaligen Latrinen zum Himmel offene Gruben, die von W├╝rmern wimmelten... Die Knie befanden sich einige Male auf Jacquier-Rinde, welche mit Stacheln bespickt waren.

Die Strafen waren, wenn man sie mit den heutigen vergleicht, hart. Aber sie waren wirksam, und als Bengel von sechs Jahren war ich gegen├╝ber meinen Lehrern immer dankbar. Sie haben mir die Augen ├╝ber meinen zu tr├Ągen Charakter, unterst├╝tzt durch eine allzu gro├če Leichtigkeit im Ler-nen, ge├Âffnet. Der einzige Vorwurf, den ich meinen Lehrern mache, ist der, da├č sie nicht wu├čten, wie sie die mir zur Verf├╝gung stehende Zeit ausf├╝llen sollten, au├čer sie so zu verbringen: kniend vor den Latrinen in Betrachtung der W├╝rmer...

Im Alter von sechs Jahren habe ich meinen franz├Âsischen Unterricht bei den guten Br├╝dern begonnen. Mit zehn bereitete ich mich auf meine erste hl. Kommunion vor. Auch hierbei haben mich die lieben Br├╝der gut vorbereitet, indem sie den Katechismus erkl├Ąrten, da├č sich alle, sowohl Katho-liken als auch Heiden, sich die Fragen und Antworten merken mu├čten.

Diese Methode erscheint heute auf den ersten Blick aus der Mode gekommen; aber sie ist f├╝r das Leben wirksam. Denn es ist eine Gnade f├╝r's Leben, da├č meine heidnischen Mitsch├╝ler getauft worden sind, wenigstens in articolo mortis, in diesem entscheidenden Augenblick f├╝r das ewige Leben. Der Katechismus, gr├╝ndlich in das Ged├Ąchtnis des Sterbenden eingeschrieben, legte ihm nahe, den Priester zu rufen und die Taufe zu verlangen. - Das Ged├Ąchtnis ist wie eine Bibliothek, in der man in Mu├če das entsprechende Werk finden kann.

Meine erste hl. Kommunion habe ich inbr├╝nstig in der sch├Ânen Kapelle der lieben Br├╝der erhalten. Am hl. Tisch war ich von meiner Familie umgeben. Dann, ein Jahr sp├Ąter, erhielt ich die hl. Firmung.

Hierher geh├Ârt eine Begebenheit, welche in meinem geistigen Leben eine wichtige Rolle spielen sollte. Ich befand mich in Begleitung meines Vaters in der Kapelle der Br├╝der. Dort sah ich einen Missionar, dessen Gesicht mich an Christus erinnerte, und ich bat meinen Vater, den Missio-nar zu fragen, ob er mein Firmpate sein wolle. Der sehr freundliche Pater willigte ein. Nun, er war Professor am gro├čen Seminar von Hue, und als ich in dieses Seminar eintrat, war er einer meiner Professoren. Er war ein Priester mit einer engelgleichen Einfachheit und Unschuld. (Er endete nie-dergeschmettert von Hunger und Mi├čhandlungen in den W├Ąldern, in die ihn die Kommunisten trieben.) Er war sp├Ąter Prior der Zisterzienser von der strengen Observanz in Phu├Âc-Son (Gebirge der Seligkeiten). Dorthin wurde er vom Bischof von Hue, Msgr. Joseph Allys, einem Bretonen, gesandt, um dem Gr├╝nderpater, dem R.P. Denis, einem Heiligen, einem Intellektuellen - aber leider nicht mit dem Sinn f├╝rs Praktische versehen - und vor allem seine Religiosen, von denen obendrein noch eine gro├če Anzahl tuberkul├Âs wurden und schlecht ern├Ąhrt waren, zu helfen.

Pater Mendibourne, meinem Paten, einem praktischen Mann, gelang es, seine Wenigen gen├╝gsam, aber ausreichend zu versorgen. Nach dem Tode des Gr├╝nderpaters wurde mein Pate zum Prior ernannt. Sein Leib ruht jetzt seit etwa zehn Jahren in dem mit-begr├╝ndeten Zisterzienserkloster in Thu-Due nahe Saigon. Diesem Martyrer, dem ich meine Berufung zum Priestertum zu verdanken habe, schulde ich ganz bestimmt Dank.

Berufung zum Priestertum: Menschenfischer zu sein. "Ich bin es, der dich gerufen hat." "Alles das hat sich zu eurer Knechtschaft verwirklicht." In der Tat, ich wu├čte nichts von der Auf-gabe eines Priesters. Meine Sendung in das kleine Seminar von Anninh in der Provinz von Quang-tri wurde zwischen zwei Personen entschieden: meinem Vater, er war selbst ehemaliger Seminarist, und einem sehr vergeistigten Priester der Mission von Hue. Mein Vater sagte zum Priester: "Von meinen zahlreichen Kindern w├╝nsche ich dem Herrn jenen zu opfern, von dem ich glaube, da├č er der Beste sei, intelligent und ├╝ber dem Durchschnitt liegend. Er mu├č vor allen Dingen sein Zertifikat 'primaire fran├žais' machen. Meiner Meinung nach mu├č er nach der Erwerbung dieses Zertifikats an das kleine Seminar geschickt werden." Pater Dong - so war sein Name - entgegnete ihm: "Nein, nein, das wird ihm weltliche Ideen eingeben."

Pater Dong hatte seine Gr├╝nde, denn zu dieser Zeit konnte man sich mit dem Zertifikat 'pri-maire' einen guten Posten in der franz├Âsischen Verwaltung und ein gutes Gehalt verschaffen. Mein Vater fand, da├č Pater Dong recht hatte, und entschied, mit unserem Pfarrer in der Pfarrei von Phu-Cam, dem Pater Allys, zu sprechen. (Dieser wurde sp├Ąter apostolischer Vikar von Hue.) In unseren Missionen trat man nicht in ein Seminar ein, ohne da├č man durch einen Priester, seinem geistigen Vater, vorgestellt worden war. Mein Vater schickte mich also zum Pater Allys, um ihm bei der Messe zu dienen, den Tischdienst zu versehen, ihn, wenn er zu den Kranken ging, zu begleiten, oder ihm behilflich zu sein, wenn er andere Sakramente spendete. Mein Vater bem├╝hte sich selbst, um mich in die Anfangsgr├╝nde des Kirchenlateins einzuweihen, begonnen bei "ro sa, rosae..."  Er war ein perfekter Lateiner. Einst, w├Ąhrend der Verfolgung, war er im Generalseminar der Auslands-mission gewesen, und zwar in Malaysia auf der Insel Poulo Pinang, das ein Zufluchtsort von Semi-naristen der Auslandsmission von Paris war, wo sich Japaner, Chinesen, Siamesen und Vietname-sen mit dem Ellbogen stie├čen. Dort sprach man nur Latein. Man kehrte erst dann in sein Heimatland zur├╝ck, wenn man die Kurse des kleinen oder gro├čen Seminars beendet hatte. Der Kandidat machte dann dort seine Probezeit als Katechet in einer Pfarrei oder als Lehrer am gro├čen oder kleinen Semi-nar. Wenn er seine Probezeit bestand, wurde er geweiht. Mein Vater machte seine Probezeit am gro├čen Seminar von Hue. Er kam nie zum Priestertum und mu├čte mitansehen, wie seine Sch├╝ler geweiht wurden. Er mu├čte Laie bleiben, weil Msgr. Caspar, der Bischof - ein Els├Ąsser -, eine be-stimmte Anzahl von Auserw├Ąhlten festgesetzt hatte und mein Vater nicht mitaufgef├╝hrt war. Er war ohne Grund in der Zahl der Auserw├Ąhlten nicht enthalten. So versteifte er sich darauf, bis zu seinem 30. Lebensjahr als Professor f├╝r Philosophie im Seminar zu bleiben. Endlich rief ihn der Direktor des Seminars zu sich und sagte zu ihm: "Mein armes Kind, wenn Sie hier auch bis zu Ihrem 100. Geburtstag bleiben, Sie werden niemals geweiht, denn ohne da├č es Ihr Verschulden ist, sind Sie in der Liste der Auserw├Ąhlten von Msgr. Caspar nicht enthalten. Nun haben Sie aber eine alte Mutter, die keine Hilfe mehr hat. Sie m├╝ssen dorthin zur├╝ckkehren, um f├╝r sie in ihren letzten Tagen zu sorgen. Hier ist ein wenig Geld f├╝r das Schiff, das die Leute vom Seminar an das gegen├╝berliegende Ufer des Flusses 'des Parfums' bringt."

Mein Vater gehorchte, schn├╝rte sein B├╝ndel und kehrte zu meiner Gro├čmutter zur├╝ck. Dann ging er zum Pfarrer der Pfarrei von Phu-Cam, dem Pater Allys, um Hilfe zu erbeten. Dieser ver-schaffte ihm einen Dolmetscherposten f├╝r Latein bei den Marineoffizieren, ein Umstand, der Viet-nam f├╝r die franz├Âsische Dominierung ├Âffnete. Dank diesem Umstand hatte mein Vater etwas zum Leben, konnte seine Mutter ern├Ąhren, sich verheiraten und sein Franz├Âsisch vervollkommnen, das er gleicherma├čen sprach wie schrieb. Mein Vater behielt eine tiefe Dankbarkeit gegen├╝ber dem Seminar von Hue, und er zog uns all die Jahre dazu heran, es zu besuchen und dem Pater ├ľkonom eine bestimmte Geldsumme zu geben, um den eintretenden Seminaristen zu helfen. Oftmals sagte er zu uns: "Ich verdanke alles dem Seminar: Erziehung, Lebensregeln; meine Schuld wird niemals ganz bezahlt sein." Daher ist es an mir, den Rest der Schuld zu zahlen. Ich trat im Alter von 12 Jahren in Anninh ein. Ich war mit einem kleinen W├Ąschepaket und einigen S├╝├čigkeiten, die mir meine heilig-m├Ą├čige Mutter zugesteckt hatte, versehen. Ihren Gebeten und ihrer heroischen Liebe gegen die Ar-men verdanke ich meine Treue gegen├╝ber meiner Berufung. Folglich bin nicht ich es, der gew├╝nscht hat, Priester zu werden: Jesus hat mich erw├Ąhlt und berufen. An mir lag es, ein Menschenfischer zu werden und kein Dieb, wie Er Judas genannt hat.

Das Seminar von Anninh hat seine Geschichte, eine tragische Geschichte, denn es wurde w├Ąhrend Monaten durch die 'Gebildeten' belagert und durch die Seminaristen und die Christen der Nachbarpfarrei verteidigt. Der Regimentsstab der Verteidigung wurde aus den Katecheten gebildet, welche die Schlacht dirigierten. Sie fl├╝chteten sich in die Mitte der Geb├Ąude und machten in die Ho-sen, so gro├č war ihre Angst. Das Seminar konnte sich bis zur Ankunft einer franz├Âsischen Truppe halten, die ein Missionar herbeigerufen hatte.

In diesem Seminar verbrachte ich acht Jahre, obwohl ich die Studien in vier Jahren beendet hatte. Aber die Professoren glaubten, um mein hochm├╝tiges Gehabe zu ersticken, da├č ich mich der Geschwindigkeit des Hauses anzupassen habe. Sicherlich, meine Lehrer waren im guten Glauben und hatten bestimmt recht, ├╝bernat├╝rliches Recht, ohne Zweifel, aber die erzwungene, aufgeb├╝rdete Mu├če, ohne mir einen Rat zu geben, wie ich die vier Jahre des Nichts-Tun n├╝tzlich h├Ątte zubringen k├Ânnen, brachte mir so viele Bestrafungen ein, da├č wenig daran gefehlt hat, mich aus dem Seminar zu werfen. Jener, den die Vorsehung bestimmt hatte, mich zu ├╝berwachen und mich zu bestrafen, war ein Missionar von gro├čer Tugendhaftigkeit, aber allem Anschein nach von mittelm├Ą├čiger Urteilskraft. Dieses Fehlen an Urteilskraft hatte ihn als unf├Ąhig erwiesen, eine Pfarrei zu verwalten. Seine Pfarrangeh├Ârigen hatten gegen seine seltsamen religi├Âsen Einf├Ąlle revoltiert. Der Bischof sandte ihn daraufhin als Professor der j├╝ngsten Klasse ins Seminar, denn er war in Latein nicht besonders gut. Er hatte seine Studien mehrmals wiederholt, eine Sp├Ątberufung. Sein Mangel an Urteilskraft hatte ihn von der Ehe ausgeschlossen, die jungen M├Ądchen waren vor ihm gefl├╝chtet. Selbst die Armee hatte ihn abgeschoben, denn er hatte bei Schie├č├╝bungen wiederholt ohne ├ťber-legung abgedr├╝ckt und dabei Kameraden get├Âtet. Daher blieb nur ein einziger Ausweg f├╝r diesen frommen Marseiller: das Seminar, und hier das Seminar der Auslandsmission, welches seine Ange-h├Ârigen aus den jungen, frommen, aber ein wenig abenteuerlichen Leuten rekrutierte. Diese waren dazu ausersehen, die r├╝ckst├Ąndigen V├Âlker zu bekehren; denn hier konnte man die Lorbeeren des Martyriums ernten oder den Abenteuern nachlaufen, die es in einer zivilisierten Welt nicht mehr gab.

In unserer Mission von Hue habe ich eine gute Zahl von diesen Abenteurern des lieben Got-tes kennengelernt, unter denen mein Professor dieser acht Jahre besonders hervorschillerte. Der tapfere Pater befand sich einem Jungen gegen├╝ber, der in einigen Minuten seine Aufgaben gemacht und seine Lektionen gelernt hatte, aber danach seine freie Zeit mit unschuldigen Sp├Ą├čen auszuf├╝llen suchte: z.B. einen kleinen Spatz in seinem Pult zu halten, der l├Ąrmte, wenn der Pater vor seinen Sch├╝lern "rosa, rosae..." deklinierte. Daher war mein Platz in der Klasse regelm├Ą├čig beim Pult, auf den Knien vor dem Pater oder au├čerhalb der Klasse. Au├čerhalb des Unterrichts, wenn die Semina-risten im Studiersaal zusammen waren und der Pater einen Blick auf meinen Platz warf, war ich nat├╝rlich ├╝berrascht, da├č gerade ich l├Ąrmen sollte, was zur Folge hatte: Thuc, auf die Knie.

Die Vorsehung hat gen├╝gend oft, eher unangemeldet, ein Wiedersehen zwischen uns beiden vorbereitet. Solcherart war das Treffen zwischen meinem Professor, der acht Jahre im gro├čen Seminar von Hue war, und mir selbst, frisch von den r├Âmischen Universit├Ąten und der Sorbonne gekommen. Damals war ich gerade zum Professor der hl. Schrift ernannt worden. Mein Ex-Scharf-richter wohnte im Seminar, wo er sein Zimmer und seine Kost hatte. Er ging jeden Tag als Anstalts-geistlicher in das Waisenhaus, welches von den Schwestern von Chartres geleitet wurde, zu den kleinen Waisenkindern. Im Hinblick auf die Schalkereien im kleinen Seminar von Anninh, dessen Abtrennung er mehrere Male vorgeschlagen hatte, war der Pater nun die G├╝te selbst. So weit so gut, doch der Pater beklagte sich, da├č sich sein ehemaliger Sch├╝ler ganz ver├Ąndert hatte, und noch Schlimmeres.

Dieser Pater war, wie ich es schon sagte, ein heiligm├Ą├čiger Mann und hatte mehrere gro├č-artige Seminaristen als Beichtkinder, welche er zu den hohen Gipfeln der Heiligkeit f├╝hrte und ihnen dabei eine komische Bu├če auferlegte. In der Tat, der arme Pater litt an H├Ąmorrhoiden und mu├čte daher oft seine Hosen wechseln. Seine ungeb├╝hrlichen 'Geschichten' trocknete er, weniger elegant, auf den beiden wilden Teehecken, die die majest├Ątische Allee schm├╝ckten, welche die Besucher von der monumentalen Pforte des gro├čen Seminars zu dem Geb├Ąude, in dem die Patres wohnten, f├╝hrte. Diese sonderbare Hosenausstellung, ausgebreitet auf den beiden Hecken - sie waren gleich zuge-schnitten -, wurde von Pater Roux, dem Pater Superior, beanstandet. Er sagte dies auch ohne Um-schweife seinem Mit-Patrioten. Jener nahm die Bemerkung in Demut auf. Und von nun an trocknete er die beschuldigten Hosen auf seinem breiten Betstuhl, dort, wo sich seine Beichtkinder hinknieten, um zu beichten und um sich seine langen und frommen Ausf├╝hrungen anzuh├Âren, gew├╝rzt mit dem weniger katholischen Geruch der Kleidung des Paters. Eine zus├Ątzliche Bu├če, welche selbst die ber├╝hmtesten Bekenner unserer Kirche nicht erdacht hatten. Man m├Âge diese lange Abschweifung entschuldigen, welche aber nur die Heiligkeit meines Ex-Professors und die Geduld der b├╝├čenden Vietnamesen unterstreicht...

Im gro├čen Seminar von Hue studierte ich unter der Leitung des Pater Roux thomistische Philosophie, einem Priester, dessen Charakteristikum "mit klarer ├ťberlegung zu suchen" war. Er war ein guter Lehrer. F├╝r mich wurde er ein von der Vorsehung gesandter geistiger Lehrer. Diesem Mann meinen herzlichen Dank! Er, der nur eine mittelm├Ą├čige Intelligenz besa├č, der aber durch seinen Skrupel, es besser machen zu wollen, gro├č war. Zum ersten Male verstehe ich, da├č Gott das von uns allen w├╝nscht: ihm ├Ąhnlich zu werden. Also, Beichten ist nicht mehr nur ein Auspacken seiner Fehler, um sich durch die Absolution zu erleichtern, sondern die Suche des besseren Weges, um zu Gott zu gelangen, um die Hindernisse zu erraten, welche diesen Weg versperren, die ver-schiedensten Hindernisse, je nach Temperament der Person: Hochmut, Sinnlichkeit, Faulheit, mit einem Wort: die Haupts├╝nde, welche besiegt, unseren Aufstieg zu Gott freimacht: eine Arbeit, die das ganze Leben lang dauern kann. Diese Bef├Ârderung kann durch den ├ťberflu├č der g├Âttlichen Gnade beschleunigt werden; Antworten auf einen viel gr├Â├čeren Edelmut der Seele.

Pater Roux zeichnete sich dadurch aus, da├č er uns seine Direktiven mit auf den Weg gab. Er half uns, indem er uns Opfer auflud, um uns das n├Âtige 'Kleingeschriebene' zu verschaffen. Des-halb Dank diesem wirklichen Priester des lieben Gottes! Ich habe verstanden, was ich tun mu├č, um Priester zu sein: ein anderer Christus werden. Da├č Gott diesen Priester hundertfach belohne, der mir das gelobte Land gezeigt hat, den Aufstieg zu Gott, dem Gott-Retter der Welt. Es kann sein, da├č R├╝ckschl├Ąge diesen schroffen Aufstieg markieren, aber da ist der "goal", um uns erkennen zu las-sen: dies ist die Hoffnung des Triumphes.

Hier habe ich mich entschlossen, nach Rom zu gehen und meine Studien zum Priestertum zu absolvieren. Welcher Vorzug vom lieben Gott! aber welche Opfer f├╝r meinen Vater, der, seine Tr├Ą-nen zur├╝ckdr├Ąngend, mich an den Bahnhof von Hue begleitete, genau wissend, da├č es das letzte Mal sein w├╝rde, da├č er mich auf dieser Welt s├Ąhe. Aber sein Opfer wurde angenommen. Es blieb ihm noch Zeit zu erfahren, da├č ich zum Akolyten und beim gleichen Mal, da├č ich zum Subdiakon ge-weiht worden war. Aber als Priester sah er mich erst vom Paradiese aus.

Meine Studien in Rom waren, vom menschlichen Gesichtspunkt aus gesehen, eine einzige Reihe von Erfolgen: ich raffte alle Preise; Doktor in der Philosophie, in der Theologie, im kano-nischen Recht, mit der Note "sehr gut" oder "gut"; dann Genehmigung, an der Sorbonne zu dozie-ren.

Ich kehrte 1927 nach Hue zur├╝ck. Damals wurde ich zum Professor der vietnamesischen Br├╝der ernannt, welche von Mgr. Allys gegr├╝ndet worden waren; dann Professor am gro├čen Seminar, dann Studiendirektor des Kollegs von der g├Âttlichen Vorsehung, von wo ich, durch den Heiligen Stuhl gerufen, fortging, um den Stuhl des apostolischen Vikariates von Vinh-long zu besetzen.

Ich war der dritte Vietnamese, der zum Episkopat berufen wurde. Der erste war Mgr. J. B. Nguyen-ba-Tong, ein Cochin-Chinese, f├╝r Phat-Diem in Tonkin ernannt. Der zweite, Mgr. Can, mein geistiger Bruder, dann geistiger Sohn von Mgr. Allys, besetzte in Vinh-long ein apostolisches Vikariat, welches vom gro├čen Vikariat Saigon abgetrennt worden war, von dem der heiligm├Ą├čige Mgr. Dumortier Bischof war.

Es war im Jahre 1938. Ich war 41 Jahre alt. Nachdem ich am 8. Januar 1938 zum Titular-bischof von Sesina erw├Ąhlt worden war, wurde ich am 4. Mai 1938 konsekriert.

Der liebe Gott war mir bei der Verwaltung dieser Di├Âzese behilflich: ein Seminar zu errichten und den Pfarreien ihre 'Selbst-Gen├╝gsamkeit' zu verleihen. Es entstand eine Musterdi├Âzese. Vinh-long hat der vietnamesischen Kirche schon zwei Bisch├Âfe geschenkt, ein anderer Bischof wurde letztens als Coadjutor geweiht. Diese drei Bisch├Âfe wurden von mir nach Europa gesandt, um die h├Âheren Studien zu machen. Neben der Verwaltung meiner Di├Âzese hat der Heilige Stuhl und der Episkopat mir die Gr├╝ndung und die Organisation der Universit├Ąt von Dalat anvertraut. Der liebe Gott half. Ich konnte mit dem Geld, das im Schwei├če des Angesichts verdient wurde - durch die Nutzung eines Waldes, ungef├Ąhr 30 Kilometer von Saigon entfernt -, diese Universit├Ąt erbauen, und zwar in amerikanischem Tempo. Ich fand Professoren, die genauso dotiert wurden wie die mich ersetzenden Rektoren. Dies alles waren die notwendigen Voraussetzungen f├╝r die Existenz dieser Einrichtung, alles so, wie es sich f├╝r die Rektoren der verschiedensten Universit├Ąten geh├Ârt.

Die Anfangsgelder beliefen sich auf ungef├Ąhr zwei Millionen Dollar. Es sind seither schon mehr als 15 Jahre vergangen. Diese Universit├Ąt gilt als die beste von Vietnam.

Endlich, am 25. November 1960 wurde ich in die Haupt-Erzdi├Âzese von Hue versetzt, dahin, wo ich am 6. Oktober 1897 das Licht der Welt erblickte. Diese Fahrt, in den Augen der Welt gl├Ąnzend, wurde durch den Willen des 'Papstes' Pauls VI. gestoppt, der mir mit 73 Jahren die Demission aufb├╝rdete, um seinem Sohn den Platz zu ├╝berlassen: Mgr. Philippe Nguyen-Kim-Dien. Ich sage 'sein Sohn', denn Mgr. Dien teilt die Ostpolitik des jetztigen 'Papstes'.

Hier begann mein Kreuzweg, durch den mich der liebe Gott den Wendepunkt meines Lebens erkennen lie├č.

Deo gratias!

 
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