47. Jahrgang Nr. 3 / August 2017
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Et in terra pax hominibus bonae voluntatis. (Lk. 2,14) (Und auf Erden Friede den Menschen, die guten Willens sind.)
 
Das ist das kostbare Geschenk, das Christus, der als FriedensfĂŒrst vorherverkĂŒndet war, uns in seiner Geburt gebracht hat. Der Friede war das stĂ€ndige Thema seiner VerkĂŒndigung, das letzte Abschiedswort und der erste Gruß nach seinem Leiden. Der Friede, der die Versöhnung ist zwi-schen Gott, der beleidigt wurde, und dem Menschen, der seine SĂŒnden bekennt, der Friede, der die Erlösung des gefallenen Menschen ist, welcher aufstehen und sich von den Fesseln seiner Laster befreien will; der Friede, der die Freundschaft mit unserem Gott ist, der Quelle des wahren Trostes, der SĂŒĂŸigkeit und der Freude.

Lasst uns nachdenken, weil die Zeiten es verlangen und weil wir unsere Verirrung bemerken: Was haben wir aus diesem heiligen Frieden gemacht, den Gott uns gebracht hat? Wo ist der Friede der Seelen, der Familien und der Völker in einer Gesellschaft, die sich christlich nennt? Diese Ge-sellschaft ist nĂ€mlich einem Frieden ohne Gott nachgejagt, einem Frieden, der auf materiellem Wohl-stand beruht und der Armut der bescheidenen Krippe von Bethlehem entgegengesetzt ist, einem Frieden ohne Liebe, gegrĂŒndet auf den Egoismus dessen, der dem anderen nicht dienen sondern nur bedient werden will, einem Frieden ohne Gerechtigkeit, der die Rechte des NĂ€chsten nicht beachtet und, was schlimmer ist, die Rechte Gottes nicht beachtet, dem es gebĂŒhrt, dass man ihm mit grĂ¶ĂŸter Liebe dient, weil er unser Vater und Erlöser ist.

Wir mĂŒssten alle fröhlich sein ĂŒber die Geburt unseres Erlösers, aber Traurigkeit und Schmerz und Verzweiflung drĂŒcken diese Generation nieder, welche die Bedingung fĂŒr die Erlangung dieses so ersehnten, von Gott verheißenen Friedens nicht annehmen konnte oder wollte: Dieser Friede wird nur den Menschen guten Willens verheißen.

Im Gegensatz zu diesem guten Willen, den jeder Christ haben mĂŒsste, herrscht in der Welt die Unaufrichtigkeit, welche die unerlĂ€ssliche Bedingung fĂŒr den Fortschritt der Einzelnen und der Völker zu sein scheint, worĂŒber sich schon Papst Pius XII. beklagte: "Das Stigma, das unsere Zeit auf der Stirne eingeprĂ€gt hat, die Ursache ihrer Zersetzung und Dekadenz, ist die immer klarer her-vortretende Neigung zur Unaufrichtigkeit, und diese Unaufrichtigkeit scheint heute geradezu zum System erhoben und zum Rang einer Strategie ernannt zu sein, bei der die LĂŒge, das VerfĂ€lschen des Wortes und der Taten und der Betrug zu den klassischen Angriffswaffen geworden sind, die einige, stolz auf ihr Können, meisterlich gebrauchen" (Radiobotschaft Weihnachten 1947).

Es ist unmöglich, den Frieden erlangen zu können als Ergebnis der LĂŒge, der Heuchelei, der UnersĂ€ttlichkeit, so können nur Hass und Zwietracht entstehen oder zumindest die kalte Gleich-gĂŒltigkeit derer, die Gott nicht in ihrem Herzen tragen.

Dieser Mangel an Aufrichtigkeit, an gutem Willen, geht so weit, dass er zu etwas wird wie "der wesentliche Bestandteil der modernen Technik bei der Kunst, die öffentliche Meinung zu bilden, sie zu lenken und sie in den Dienst der eigenen Politik zu stellen, entschlossen, wie man ist, in den KÀmpfen um Interessen, Meinungen, Lehren und Vormachtstellungen zu triumphieren, koste es, was es wolle" (ebd.).

Es gibt keinen Frieden, weil die Wahrheit offen entstellt wird und an ihre Stelle Falschheit und Hass zusammen mit dem Ehrgeiz als Grundprinzipien gesetzt werden. In der Tat hat diese Genera-tion die Botschaft unseres Herrn in seiner bescheidenen Wiege von Bethlehem nicht verstehen kön-nen. Unser Herr kam und verachtete die Welt, und diese Generation will Gott und der Welt dienen, die Gegner sind. Unser Herr kommt, um uns den Weg der Demut zu lehren, aber der Mensch wurde ĂŒberheblich, ein autonomes Wesen, das der AutoritĂ€t Gottes trotzt, weil "sein tatsĂ€chliches Gesicht eines Geschöpfes, das seinen Ursprung und seine Bestimmung in Gott hat, ersetzt wurde durch das falsche Bild eines im Gewissen autonomen Menschen, der sein eigener unkontrollierbarer Gesetz-geber ist, keine Verantwortung hat gegen seinesgleichen und gegen das SozialgefĂŒge, ohne andere Bestimmung außerhalb der Erde, ohne anderes Ziel als den Genuss der endlichen GĂŒter, ohne ande-re Norm als die disziplinlose Befriedigung seiner Begehrlichkeiten" (Pius XII., Weihnachten 1949).
So kann der Mensch keinen Frieden bekommen, weil es keine schlimmere Unvernunft gibt, als nur auf sich zu vertrauen und dabei zu vergessen, dass der Mensch begrenzt ist, dass er in tausen-derlei Elend verstrickt ist, das ihn absolut von Gott abhĂ€ngig macht. Der DemĂŒtige versteht das gut, weil er seine Kleinheit sieht und sich voll Vertrauen der GrĂ¶ĂŸe, GĂŒte und Macht Gottes hingibt; von dorther kommt ihm der Friede, weil Gott ihm wegen seiner Demut vergeben hat, und nun ist seine Seele ruhig, denn aus der Gnade geht der Friede hervor.

Damit wir Frieden haben und dieser Friede vollkommen ist, ist es notwendig, dass in allen Tei-len Ordnung herrscht, denn nach dem hl. Augustinus besteht der Friede in "der Ruhe der Ordnung": Ordnung in der Beziehung zu Gott, Ordnung unter den Menschen und Ordnung in uns selbst. Diese drei Ordnungen gehören grundsÀtzlich zusammen.

Wenn die Ordnung in der Beziehung zu Gott zerbricht, der die höchste Quelle des Rechts und der einzige Richter ist, der sie zur Rechenschaft ziehen kann, kennen die Staaten kein anderes Recht mehr als ihren Nutzen und ihre Macht. Auch die Menschen finden keine andere Norm als ihren Egoismus, und die einen werden der anderen Wölfe, wobei die Wölfe besser dastehen, weil sie nur Pfoten und ZÀhne haben.

Wenn die Ordnung in der Beziehung zu Gott zerbrochen ist, finden wir auch keine GrĂŒnde mehr, um unsere Leidenschaften zu ordnen und sie der Herrschaft der Vernunft zu unterwerfen. Und wenn wir wiederum in uns nicht die nötige Ordnung herstellen, werden wir, vom VergnĂŒgen beherrscht, unmöglich unser Wohl dem des NĂ€chsten unterordnen und uns Gott unterwerfen.

Christus kam, um den vollkommenen Frieden und also diese drei Ordnungen wiederherzustel-len. Er versöhnte uns wieder mit Gott, lehrte uns, unsere BrĂŒder zu lieben und uns fĂŒr das Heil anderer zu opfern, Er, der fĂŒr unser aller Heil starb.

Lasst uns daher zur Krippe gehen, und der beste Weihnachtswunsch möge sein: "Er, der Herr des Friedens, gewĂ€hre uns, dass wir allzeit und ĂŒberall in seinem Frieden leben" (2 Thess 3, 16; Verbum Vitae, Bd. IX, S. 99).
 
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