47. Jahrgang Nr. 4 / November 2017
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1. Weihachten
2. Joseph und der Engel
3. Franz fährt das Christkind im Schlitten
4. Das Jesuskind schläft, und die Jungfrau betrachtet es
5. Offener Brief an Herrn Dr. Georg Bätzing, Bischof von Limburg
6. Unkonventionelle Utopien - kuriose Retrospektiven
7. Nachrichten, Nachrichten, Nachrichten...
8. Das ist Rassismus
9. Am Rande notiert
10. Die Bergpredigt
11. Tracy Gillett über Kinder-Erziehung
12. In memoriam H. H. Pfr. Josef von Zieglauer
13. Bücherbesprechung
14. Mitteilungen der Redaktion
Joseph und der Engel
 
Joseph und der Engel

Joseph kam von Judäa nach Galiläa und dachte darauf, die ihm verlobte Jungfrau zum Weibe heimzuführen; denn es waren bereits drei Monate verflossen, und der vierte stand bevor, seit der Zeit, wo sie ihm verlobt worden war. Da unterdessen der Leib der schwangeren Jungfrau allmählich an Stärke zugenommen hatte, so fing sie an, sich als eine Schwangere kund zu geben, und dieses konnte denn auch dem Joseph nicht verborgen bleiben. Denn als er nach der Sitte eines Bräutigams mit mehr Freiheit zu der Jungfrau hineinging und vertraulicher mit ihr redete, entdeckte er, daß sie schwanger war. Es fing daher in seinem Herzen an zu wallen und zu wogen, weil er nicht wußte, was er doch hauptsächlich und vor allen Dingen tun sollte. Denn dem Gespött der Leute wollte er sich nicht aussetzen, weil er zu gerecht war; und durch den Verdacht der Hurerei wollte er sie auch nicht übel beleumuden, weil er zu fromm war. Daher gedachte er, ohne ihr Wissen das Verlöbnis aufzulösen und sie heimlich zu verlassen. Während er aber darüber nachdachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Schlafe, der sprach zu ihm: »Joseph, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, das heißt, hege nicht den Argwohn der Hurerei gegen die Jungfrau, noch denke etwas Arges von ihr, und fürchte dich auch nicht, sie als dein Weib zu dir zu nehmen. Denn was in ihr geboren ist und jetzt dein Herz ängstiget, das ist nicht das Werk eines Menschen, sondern des heiligen Geistes. Denn sie wird unter allen allein als Jungfrau den Sohn Gottes gebären, und dessen Namen sollst du Jesus heißen, das ist: Erlöser; denn er wird sein Volk erlösen und selig machen von seinen Sünden.« Also tat Joseph, wie ihm der Engel befohlen hatte, und nahm die Jungfrau als sein Weib zu sich; jedoch erkannte er sie nicht, sondern pflegte und überwachte sie in aller Keuschheit. Und schon stand der neunte Monat nach der Empfängnis bevor, als Joseph sein Weib nebst anderem, was notwendig war, zu sich nahm und sich aufmachte nach der Stadt Bethlehem, woher er selbst war. Es begab sich aber, als sie dort waren, da wurden die Tage erfüllt, daß sie gebären sollte, und sie gebar ihren erstgebornen Sohn. (aus: "Schöne wilde Weihnacht - Märchen, Sagen und Legenden aus alter Zeit" hrsg. von Ulf Diederichs, DTV München 1991, S. 54 f.)
 
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