47. Jahrgang Nr. 2 / Mai 2017
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1. Himmelfahrt
2. Der Verrat am Christentum – Islam und Vatikanum II
3. Islamistischer Terror in Frankreich
4. Zum Verhältnis von Kirche und Pastoral
5. Die Synode von Pistoja
6. Die Hölle ist nicht leer
7. Christenglauben!
8. Et regnabunt cum Christo mille annis
9. Betrachtungen über das Gebet
10. Astra regent homines, sed reget astras deus
11. Nachrichten, Nachrichten, Nachrichten...
12. Mitteilungen der Redaktion
Betrachtungen über das Gebet
 
Betrachtungen über das Gebet

von
Evagrius Ponticus (+390)

Du wirst nicht das vollendete Gebet erhalten, wenn du belastet bist mit stofflichen Dingen und unruhig durch ständige Sorgen; denn das Gebet verlangt frei sein von jedem Gedanken. Es ist dir unmöglich, in Fesseln zu laufen. Der Geist, der Leidenschaften unterworfen ist, wird nie die Höhe des Gebetes erreichen. Er wird durch leidenschaftliche Regungen hin- und hergezogen und erlangt nicht die unerschütterliche Ruhe. Wenn Gottes Engel uns zu Hilfe kommt, verjagt er mit einem Worte alle feindlichen Einflüsse und zündet dem Verstande ein Licht an, das nicht er lischt.   

Die 24 Ältesten der Geheimen Offenbarung halten Schalen mit duftendem Weihrauch - das Gebet der Heiligen - in ihren Händen. Unter den Schalen verstehen wir die Freundschaft mit Gott, die vollkommene geistige Liebe zu ihm, in welcher sich ja das Gebet im Geiste und in der Wahrheit auswirkt. Wenn du glaubst, im Gebet über deine Sünden keine Tränen vergießen zu müssen, so bedenke, daß du dich weit von Gott entfernst. Willst du mit ihm für immer verbunden sein, so vergieße heiße Zähren. Wenn du recht betest, wirst du innere Sicherheit erfahren. Die Engel werden dich besuchen wie einst den Propheten Daniel und dir lichtvolle Einsicht bringen in alles Geschehen. Betest du leidenschaftslos und unkörperlich, im Geiste und in tiefem Frieden, dann bist du wie ein Adler, der sich in die weiten Lufträume erhebt.  

Das Psalmengebet dämpft die Leidenschaften und beruhigt die Ungeduld des Körpers. Im Gebete betätigt sich die ureigene Tätigkeit des Verstandes. Das Gebet ist jene Tätigkeit, die in der Erhabenheit des schauenden Verstandes gründet, oder mit anderen Worten, seine höchste und vollkommenste Leistung.
 
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