47. Jahrgang Nr. 4 / November 2017
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1. Weihachten
2. Joseph und der Engel
3. Franz fährt das Christkind im Schlitten
4. Das Jesuskind schläft, und die Jungfrau betrachtet es
5. Offener Brief an Herrn Dr. Georg Bätzing, Bischof von Limburg
6. Unkonventionelle Utopien - kuriose Retrospektiven
7. Nachrichten, Nachrichten, Nachrichten...
8. Das ist Rassismus
9. Am Rande notiert
10. Die Bergpredigt
11. Tracy Gillett über Kinder-Erziehung
12. In memoriam H. H. Pfr. Josef von Zieglauer
13. Bücherbesprechung
14. Mitteilungen der Redaktion
Buchbesprechung:
 
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Mathias von Gersdorff: Achtung: Pornographie-Falle! Die Zerstörung der Kindheit verhindern. 96 S., 2016. „Deutschen Vereinigung für eine Christliche Kultur“ (DVCK e.V.) Abgabe auf Spendenbasis. Anschrift: Emil-von-Behringstr. 43, 60439 Frankfurt a. Main

Im September 2016 legt der Diplomvolkswirt und Publizist Mathias v. Gersdorff eine hochinformative Schrift vor. Er verweist auf eine gewaltige moralische Katastrophe, die sich flächendeckend vor allem durch die Omnipräsenz des Internets, nicht nur in Deutschland vollzieht. Seuchenhaft breitet sich unter Jugendlichen und Kindern eine kaum mehr kontrollierbare Pornographiesucht aus. Es kommt zu Abhängigkeiten vergleichbar dem  Drogenkonsum. Hirnorganische Veränderungen und Dysfunktionalitäten sind vorprogrammiert. Der Missbrauch von Kindern durch Kinder nimmt erschreckende Dimensionen an. Der Autor nennt alarmierende Zahlen. So weist beispielsweise die Nutzerstatistik von „Pornohub“ auf, dass 2015 Menschen auf dieser Internetseite 4.392.486.580 Stunden verbrachten. Im gleichen Jahr gab es 10 Millionen Twitter Konten mit pornographischen Inhalten. Über mobile Telefone und iPhones, Tablets und Laptops sind diese Inhalte für jedermann zugänglich.
Im deutschen Strafgesetz wird Pornographie seit 1974 definiert als „grobe Darstellung des Sexuellen, die in einer den Sexualtrieb aufstachelnden Weise den Menschen zum bloßen, auswechselbaren Objekt geschlechtlicher Begierde degradieren.“
Seit Entstehung der Psychiatrie sind sexualpathologische Entgleisungen vielfach belegt. Neu ist allerdings, dass auch gesunde Personen durch Pornokonsum süchtig werden (vergleichbar der Abhängigkeit von Heroin, Kokain, Alkohol). Es kommt schließlich zum sogenannten Coolidge Effekt, der Gier nach Erregung und Befriedigung verursacht durch Erreichen eines hohen Dopamin Pegels. Die systematische Überreizung führt zu immer härteren Drogen wie beispielsweise Gewalt- oder Kinderpornos mit illegalen Inhalten.
Als seelische Ursachen für das Abgleiten in die Sexsucht nennt Gersdorff Narzissmus, Ablehnung, Einsamkeit, Verbitterung, Leidensdruck, familiäre Probleme. Auch Therapeuten verweisen darauf, dass diese Krankheit eine lebenslange Verwundung bleibt. Detailliert schildert der Autor die Pornifizierung von Kindern. Medien, Werbung und Pop-Kultur fungieren als Auslöser abnormen Sexualverhaltens. Animiert werden bereits Kinder im Vorschulalter (Kidz-Bop, Bratz-Puppen, Videos). Das Negativbeispiel der Eltern ist oft von auslösender Bedeutung. In der Adoleszenz kommt es dann nicht selten zu einer Art kollektiver Enthemmung, hervorgerufen durch Fernsehsendungen und Internetauftritte, welche versuchen, Pornographie und Prostitution in der Gesellschaft salonfähig zu machen. Gersdorff zitiert weltweite Berichte und Studien, welche die epidemisch auftretende sexuelle Verwahrlosung belegen. Psychologen und Polizisten bestätigen, dass dadurch ein Abgleiten in die Kriminalität gewissermaßen vorprogrammiert ist. In Großbritannien haben Tausende von Kindern, die oft nicht einmal fünf Jahre alt sind, Sexualdelikte begangen (im Zeitraum 2009-2012 zählte man bei 4.562 Kindern laut NSPCC-Studie 5.028 Straftaten).
Studien der „Indiana University“ und der „University of Hawaii in Manoa“ belegen, dass Pornokonsum nicht nur das innere Wertesystem zerstört, sondern auch die Gewaltbereitschaft und die Neigung zu sexuellem Missbrauch steigern. Letzterer findet unter anderem via Internet statt. Der Autor kommt am Schluss des faktenreichen Büchleins zu einem beherzigenswerten Resümee: „ Pornographie ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Wegen der massenhaften Verbreitung, wegen der massiven Schäden für Körper und Psyche, wegen der gigantischen Wirkung auf die Mentalität der Menschen und sich die Menschen ihm wieder zuwenden.“                

Magdalena S. Gmehling

Zeitschriftenkritik: Die Neue Ordnung

„Die Kirchenleitungen sind in Deutschland gerade dabei, ihre Wahrheitsansprüche dialogisch-dialektisch aufzuheben, in trauter Eintracht die Bergpredigt Jesu als politische Handlungsanweisung umzudeuten und –namentlich in der Flüchtlingsfrage - die strukturelle Soziallehre mit individualmoralischen Pflichten zu verwechseln. Rationale Verantwortung wird durch gefühlige Gesinnungen ersetzt, das Naturrecht außer Kraft gesetzt. Wenn katholische Bischöfe politischen Unsinn im Brustton der Glaubensüberzeugung erzählen, riskieren sie ihre Autorität, aber nicht ihr Amt. Sie sind schließlich nicht demokratisch legitimiert. Sie verlieren Mitglieder, und zwar nicht nur Kirchensteuersparer, sondern ernsthafte Christen, die das neuerliche Bündnis von Thron und Altar verwerflich finden.“ Im Editorial der von Laurentius Siemer OP und Eberhard Welty OP begründeten im 70. Jahrgang zweimonatlich erscheinenden Zeitschrift „Die Neue Ordnung“ beschreibt Redaktionsleiter Wolfgang Ockenfels OP in der aktuellen Ausgabe (Heft 5/Oktober 2016) eine „Politik der Phasen“ für die Angela Merkels „Spiel ohne Grenzen“ in Sachen Flüchtlingspolitik beispielhaft ist. Ockenfels sieht sie jedoch auch als „eine grandiose Ablenkung vom westlichen Geburtenrückgang durch Verhütungsmentalität und Massenabtreibung.“ Diese nachhaltige Schande bleibe natürlich unerwähnt, auch von Seiten der „Amtskirchen“ Daher werde es Zeit, „die populistischen Phrasendrescher abzuwählen und ihren Weihrauchschwenkern und Schleppenträgern mitzuteilen, daß man gerne auf ihre politisch-theologischen Dienste verzichtet.“

Über „Europa und das Christentum“ schreibt die Wiener Publizistin Astrid Meyer-Schubert und fragt „Wozu braucht Europa Gott?“ Die Autorin sieht das ehemals christliche Abendland als „bürokratisches Mach- und Regelwerk, mit dem Euro als Symbol. Da diesem Gebilde das Wort Kultur für seine Belange im Grund unbekannt ist, propagiert es schon seit einiger Zeit das Bild einer toleranten Multikulturalität, die sich aus Zivilisationen zusammensetzt, welche in außereuropäischen Regionen entstanden sind.“ Zwar ist nach Oswald Spengler die Religion das Wesen der Kultur, dennoch hält sie es für verfrüht Europa angesichts der organisierten Flut an sogenannten „Flüchtlingen“, einer modernen Art der Landnahme und einer Invasion orientalisch-islamischer Migranten schon jetzt verloren zu geben. Allerdings sei davon auszugehen, daß die autochthone europäische Bevölkerung auszusterben drohe, weil der Nachwuchs durch die geringe Anzahl von Kindern gefährdet sei, Immigranten die zukünftige Mehrheit bilden werden und damit die Gefahr einer kulturellen und religiösen Eroberung vor der Tür stehe. Während Europa in hausgemachten Nihilismus versinke, schaffe es Raum für fremde Religionen und Einflüsse. Doch müsse die jetzige Kraftlosigkeit, welche die moderne europäische Intellektualität aufmache, nicht das Ende dieses Kontinents einleiten. Meyer-Schubert plädiert daher dafür daß christliche Fundament der Rechtsstaatlichkeit herauszuarbeiten, um Europa einen Sinngehalt zu geben und die aktuelle kulturelle Sackgasse, in der sich unser Kontinent in Form der EU gefangen sieht, durch eine neue Hinterfragung der Sinnhaftigkeit menschlichen Handelns zu umfahren. Angesichts einer Verstärkung der globalen Herausforderungen und der Öffnung für Kulturen, die von den abendländischen Humanwerten nichts halten, aber selber darauf bestehen, als menschlich im Sinne unserer Menschenrechte anerkannt und behandelt zu werden, könnten wir nur mit einer erneuten Rückbesinnung auf unsere christlichen Wurzeln standhalten. Da ist ihr gewiß beizupflichten, doch setzt dies eine christliche Kulturrevolution voraus, die nach der Meinung des Rezensenten bis jetzt vor allem in den westlichen Staaten Europas nirgendwo in Sicht ist. Allzu großer Optimismus ist also keinesfalls angebracht.
Über seine „Erfahrungen im „Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk“ schreibt der katholische Journalist und ehemalige Deutschlandfunk-Moderator Jürgen Liminski. Als gestandener Konservativer ließ er sich nicht verbiegen, seine Interna aus dem Inneren des DLF sind jedoch durchaus deprimierend und erinnern an gleichgeschaltete Sender in diktatorischen Regimen. Mit Rüdiger Altmann, dem konservativen Kohl-Kritiker, Ludolf Herrmann, dem seltenen Fall eines CDU-Intellektuellen und Friedrich Sieburg, dem Sinfoniker der Sprache, stellt Ansgar Lange drei konservative Journalisten vor und beklagt gleichzeitig das Fehlen konservativer Journalisten des 21.Jahrhunderts, die auf so elegante, sprachmächtige und niveauvolle Art die widrigen Verhältnisse in Deutschland beschreiben und entlarven können. Weitere Beiträge befassen sich mit den „Wandlungen des Christentums in Europa“, der „Erosion des katholischen Glaubens“, Joseph Ratzingers früher Professorenzeit (Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz) und dem „Islam als Kulturdesign für das „Neue Europa“ (Hans-Peter Raddatz).

Werner Olles

Kontakt: Institut für Gesellschaftswissenschaften, Walberberg, Simrockstr. 19, 53113 Bonn. Das Einzelheft kostet 5 Euro, das Jahresabo 25 Euro; www.die-neue-ordnung.de
 
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